Filmkritik: „The Dark Knight Rises“ (2012)

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Originaltitel: The Dark Knight Rises
Regie: Christopher Nolan
Mit: Christian Bale, Gary Oldman, Tom Hardy u.a.
Land: USA
Laufzeit: 165 Minuten
FSK: Ab 12 freigegeben
Genre: Action / Thriller
Tags: Batman | Sequel | Christian Bale | Christopher Nolan | Trilogie

Massenkompatibilität trifft auf Sperrigkeit.

Inhalt: Vor acht Jahren nahm der einstige Held von Gotham City, Batman (Christian Bale) die Schuld an Harvey Dents (Aaron Eckhart) Tod auf sich, um den Glauben an das Gute zu wahren. Als Verbrecher geächtet, zog er sich in eine private Isolation zurück – und beobachtete die Früchte seiner Arbeit und der großen, über alles schwebenden Lüge. Tatsächlich hatten sich seine Mühen ausgezahlt – in Gotham gab es keinen Platz mehr für das organisierte Verbrechen. Doch nun, nach all der Zeit des Friedens, bahnt sich eine neue Gefahr ihren Weg in das Herz der Stadt: Bane (Tom Hardy), ein furchteinflössendes Muskelpaket mit einer seltsamen Gesichtsmaske, will ihr an den Kragen. Commissioner Gordon (Gary Oldman) sieht sich und seine Polizeitruppe weitestgehend machtlos – denn zu allem Überfluss hat Bane zahlreiche Menschen hinter sich, die ihm aus verschiedenen Gründen folgen. Dann betritt noch eine weitere Gestalt die Bildfläche, und zwar in Form der schönen Selina Kyle (Anne Hathaway) – die als Catwoman maskiert Bane zu helfen scheint. Wie sollte die Stadt nun einer Ära des Schreckens, oder gar dem Schicksal der völligen Zerstörung entgehen – wenn es nicht an Batman wäre, aus seinem selbsternannten Exil zurückzukehren ? Doch er ist geschwächt – sowohl in physischer als auch psychischer Sicht – und entgeht im weiteren Verlauf der Ereignisse nur knapp dem Tod.

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Kritik: Nun also ist es soweit – die 2005 begonnene, neue BATMAN-Trilogie von Regie-Ass Christopher Nolan (INCEPTION) feiert ihr großes Finale. Nachdem der Titelheld seinen bisher stärksten Gegner aus Teil 2, den Joker, ausspielen konnte; soll es nun an der Zeit für den Fledermausmann sein, endgültig aufzusteigen. Ob er es allerdings schaffen würde, wieder zum rechtschaffenen Bewacher der Stadt Gotham zu werden; das steht zu Beginn von THE DARK KNIGHT RISES noch in den Sternen. Oder eben nicht – denn sowohl das Konzept der Trilogie, als auch der Filmtitel selbst geben einen nicht ganz dezenten Hinweis auf das mögliche Ende. Sei es drum – allzu vorhersehbar fällt der neue BATMAN-Film dennoch nicht aus, zumal den Zuschauer einige markante Charakter-Überraschungen erwarten werden. Die hätte man – je nach dem, wie tief man seinerseits in der BATMAN-Materie steckt – ebenfalls voraussagen könnte, doch ist THE DARK KNIGHT RISES vordergründig ein Film für die große Leinwand – und damit für alle, auch unvorbereiteten Zuschauer. Stichwort Vorbereitung: der Abschluss der Trilogie funktioniert über weite Strecken auch ohne das Wissen um die vorherigen beiden Teile – dennoch wäre es von Vorteil, sie gesehen zu haben. Nicht zuletzt, um etwaige Charakter-Vorgeschichten und -Motivationen zu verstehen und nachvollziehen zu können.

Eben jener Punkt führt sogleich zur ersten kleinen, aber feinen Unstimmigkeit von, respektive in THE DARK KNIGHT. Denn ob man die beiden Vorgänger gesehen hat oder nicht – man wird als Zuschauer weitestgehend im Dunkeln gelassen; insbesondere was die Beweggründe der obligatorischen Bösewichte betrifft. So kann man entweder händeringend nach Anhaltspunkten suchen (die dann vornehmlich im Auftakt der Trilogie einen Nährboden finden sollten), oder das BATMAN-Universum schlicht auf das herunterbrechen, was es darstellt: den ewigen Kampf zwischen dem guten und dem bösen, jeweils verkörpert durch eine besondere markante Galionsfigur. Warum diese beiden Seiten gegeneinander kämpfen, erübrigt sich so – die Existenz der jeweils anderen genügt als Motivation. Immerhin: ganz so simpel gestrickt, als dass man die Bösewichter auf eine einzelne Person (in diesem Falle Bane) reduzieren könnte, ist THE DARK KNIGHT RISES glücklicherweise nicht. Hier könnte die ein oder andere Überraschung auf den Zuschauer warten – auch wenn sie vergleichsweise spät eingeworfen werden.

Davon abgesehen ist es nicht immer leicht, einen Film wie THE DARK KNIGHT RISES möglichst objektiv zu bewerten. Denn: BATMAN-Filme bleiben immer BATMAN-Filme; will heissen, sie besitzen einen ureigenen Charme, der aus den zugrundeliegenden Comic-Vorlagen hervorgeht. Dementsprechend muss man als Zuschauer, der zuvor noch nicht mit derlei Filmen konfrontiert war, entsprechende Abstriche machen – vor allem hinsichtlich des Realismus und den Charakterzeichnungen. Denen merkt man die Comic-Abstammung eben immer an – sodass man sich mit übliche Bewertungs-Maßstäbe etwas zurückhalten sollte (auch, wenn einige der auffälligeren Logik-Fehler zweifelsohne nicht durch diesen Hintergrund allein erklärt werden können – sieh unter anderem hier). Das Problem von THE DARK KNIGHT RISES ist ohnehin ein anderes, auch wenn es in gewisser Hinsicht mit jenem eben genannten Punkt zu tun hat: der protzig gelebte ‚Clash‘ der verschiedenen (Film-)Kulturen geht einfach nicht auf, und ergibt ein überraschend unstimmiges, unentschlossenes Gesamtbild.

Im Detail heisst das: die Kombination von Comic-haften Elementen, und der beinahe schon prolligen Hollywood-Inszenierung mit allerhand blossen Schauwerten und wahrlich sagenhaften Aufwandskosten (250 Millionen Dollar !) könnte dem Zuschauer wie eine zu erwartende Ohrfeige entgegendonnern. Wo man ein kleines, in sich abgeschlossenes, charmantes Film-Universum mit eigentümlichen Charakteren (und sicherlich auch einer guten Portion Action, vielleicht auch Humor) erwartet; bekommt man tatsächlich ein verdächtig aufgeblasen wirkendes Werk kredenzt – eines, das unter der Regie-Führung von Christopher Nolan zusätzlich am Ziel vorbeischiesst. Während seine spezielle Herangehensweise (des Herantastens, des Andeutens, des verschachtelten Erzählens) bei Filmen wie INCEPTION tadellos funktionierte, wirkt es in THE DARK KNIGHT RISES nicht nur etwas deplatziert – sondern Was genau ist BATMAN denn nun – eine Kultfigur, die entsprechend kultige (und damit auch eigentümliche, ungewöhnliche) filmische Aufarbeitungen verlangt – oder nunmehr eine die Massen begeisterte Allerweltsfigur, die mit dem üblichen Hollywood-Pomp geradezu glorifizierend über die Leinwand schwebt ? Eine Frage, die man sich unbedingt stellen muss, da sie eben nicht nur auf das BATMAN-Franchise beschränkt ist.

Doch auch abgesehen von derart großen, grundsätzlichen Fragen wohnen THE DARK KNIGHT RISES viele (teils kleinere) Schwächen inne, die den Filmgenuss insgesamt enorm schmälern. Dafür, dass derlei Unsummen in das Projekt gesteckt wurden und entsprechend viele Mitarbeiter beteiligt waren, scheint besonders der akustische Part des Films in die Hose gegangen zu sein – in der deutschen Synchronisation natürlich noch ungleich mehr als im englischen Original. Die schiere Lachhaftigkeit der stimmlichen Auftritte von BATMAN und Bane ist kaum zu übertreffen – noch nie wurden Charaktere so übertrieben, gewollt und gestelzt vertont. Sind hier etwa zu viele Meinungen aufeinander getroffen, hat man sich nicht einigen können und so einen Kompromiss wie den nun zu hörenden erzielt ? Ebenfalls eher mäßig ist – damit einhergehend – der gesamte Soundtrack, der an und für sich zwar stimmig wirkt – einzelne Szenen aber viel zu vordergründig, laut und unnötig pompös betont. Schauspielerisch ist das hier dargebotene dagegen über weite Strecken kritikfrei zu genießen.

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Fazit: THE DARK KNIGHT RISES ist weder ein Film mit einem markanten (und durchgehenden !) Comicbuch-Charme, noch ein unabhängiger Blockbuster. Er ist eine Mischung aus beidem – und unter Einbeziehung der grundsätzlich indiskutablen Produktionskosten ein unglaublich freches, überkandideltes Abfallprodukt der Hollywood-Industrie. Immerhin kann der Film vor dem völligen Absturz bewahrt werden – die ungewöhnlich düstere Grundstimmung (die leider doch noch von einem Happy-End gekrönt werden musste), die guten Kostüme und Requisiten, die teils beeindruckenden Schauplätze und der letztendlich doch noch auffällig vom ganz speziellen BATMAN-Charme profitierende Kampf um eine Stadt (beziehungsweise vielmehr die Bürger eben dieser) sorgen für ein grundsolides Maß an Unterhaltung. Das allerdings auch nicht über die komplette Laufzeit, die sich auf über zweieinhalb Stunden beläuft. Grundsätzlich ist davor zu warnen, das BATMAN-Franchise in allzu hohen Tönen zu loben – denn das verdient es beileibe nicht, zumindest nicht in Bezug auf die zahlreichen Verfilmungen. Eine Empfehlung für Fans – allen anderen seien entweder konsequent schlichte (siehe MARVEL) oder aber konsequent ungewöhnliche Heldensagen (im Stile von WATCHMEN, Review) ans Herz gelegt.

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6 Gedanken zu “Filmkritik: „The Dark Knight Rises“ (2012)

    1. Ist nun erledigt, immer noch Mitarbeitermangel hier^^ Danke auch nochmal für die ausführliche Analyse ! Auch wenn Dein Namensvetter Daniel sich nun wieder einmal bestätigt fühlen wird (hehe), liebe ich solche Kommis. Sehr unterhaltsam, das; und gut begründet. Längenvergleiche hin oder her (ich denke wie sind beide verrückt genug um mit unserem Film-Output ganze Bücher füllen zu können^^), es zählt die Regelmäßigkeit. Also don’t stop und joar, aufbald 🙂

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  1. ROFL…der „Honest Trailer“ gibt das ganze wirklich gut wieder. Für mich war der Film eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Mal fand ich ihn ultralangweilig, dann fand ich ab und zu tatsächlich mal gut und sehr oft einfach nur enttäuschend und das abgesehen von den ganzen Logikfehlern. Ich verstehe die ganzen Leute nicht, die diesen Film als den besten der Trilogie sehen, es ist definitiv der schlechteste, auch wenn ich ihn nicht ganz so schlecht finde wie du und es mir wie ein Mischmasch aus Batmans Rückkehr, James Bond „Skyfall“, Speed, The Rock, Die nackte Kanone vorkommt. Dennoch würde ich so weit gehen und sagen, dass dieser Teil die Trilogie zum Schluss richtig kaputt macht…ein unrühmliches Ende. (zumindest für Nolan, der den Regiestuhl abgeben wird) Am Schluss reibt man sich verwundert die Augen, dass Christopher Nolan hier tatsächlich Regie geführt haben soll…das merkt man aber wirklich nur ansatzweise…als ob jemand einfach versucht hätte seinen Stil aus den ersten beiden Teilen zu kopieren, aber vergessen hat was man eigentlich drehen wollte. Auch wenn es „nur“ ein weiter Batmanfilm ist. Alles irgendwie wirr, zusammenhanglos, schlecht erzählt und voller Fehler.

    Als erstes frage ich mich…wo bleibt Two-Face? Soweit ich mich erinnern kann (oder habe ich mich gar getäuscht), wurde doch angedeutet, dass Two-Face noch am Leben sein könnte…PERFEKTER Bösewicht für den dritten Teil, aber was kommt stattdessen…BANE??? WIE BITTE??? SCHERZ ODER??? So ein Film steht und fällt mit dem Bösewicht und Bane könnte eine Figur aus Mortal Kombat sein, aber nicht aus dem Batmanuniversum. Schrecklich, da hat man also so einen Möchtegernschurken der sich mit Batman einen Schlagabtausch liefert wer von beiden eigentlich die verzerrteste Stimme hinter seiner Maske hat. LOL Erster Kritikpunkt am Film also: „The Bad Guy“ – Bane, der zwischendrin nicht nur einem Football Stadium den Erdboden gleich macht, sondern auch den kompletten Film zerstört und die Ernsthaftigkeit der „Bruderschaft der Schatten“ (imho) gewissermaßen der Lächerlichkeit preisgibt. Kann man nicht ernstnehmen…auch für einen Comicschurken nicht.

    Nächster Kritikpunkt ist das schon Erwähnte ständige Wechseln des Bildformats. Einmal 2,35:1 und dann immer mal wieder 1,85:1…ich dachte mir „What da hell? Ist das normal?“ Musste im Internet schauen ob das nur bei mir so ist oder ob das sich so gehört und tatsächlich…das ist normal so! Abnormal. Nicht nur das, auch die Bildqualität ist einmal richtig schlecht (verwaschen, unscharf), das ist dann wenn die Balken zu sehen sind und dann wieder recht gut, das ist dann der Fall wenn bildschirmfüllendes Breitbildformat 1,85:1 läuft. Die Dialoge sind auch mal wieder eher mittelmäßig abgemischt..

    Dritter großer Kritikpunkt…die Filmlänge. Warum muss den jeder Film jenseits der 2,5 Stunden Grenze sein, das macht einen Film noch lange nicht besser oder automatisch zu einem epischen Meisterwerk…im Gegenteil, die erste Dreiviertelstunde herrscht epische Langeweile! Ich wollte fast schon wieder aus dem Film aussteigen. Meiner Meinung nach hätte man diese 40 – 45 Minuten KOMPLETT weglassen können und man hätte nichts wichtiges verpasst.

    Wie gesagt schwankte mein Eindruck immer wieder…zuerst wollte ich deiner Wertung absolut recht geben, dann kamen immer mal wieder Situationen im Film die das relativiert haben wo ich dachte „Yoa das gefällt mir.“ das sind dann meist die Stellen in der Emotion und Dramatik entstehen, prompt gefolgt von dämlichen Szenen meist mit Bane oder einer weiteren unsympathischen Figur. Es ist wirklich wie in „Skyfall“…die Geschichte dreht sich um NICHTS, aber wenigstens gab es im Bondfilm einen Javier Bardem, der zwar mit seiner Tuntenhaftigkeit und seinem ödipalen Komplex und seiner Entstellung fast genauso albern wirkt wie Tom Hardy als Bane, nur noch lange nicht so bedeutungslos. Er und Joseph-Gordon Levitt haben mit „Inception“ unter Nolan bereits in einer weitaus besseren Produktion mitgewirkt, wobei sich Levitt so wie die anderen üblichen Verdächtigen in The Dark Knight Rises ganz gut verkauft haben…nur wirkten sie dennoch deplatziert. Der Twist am Schluss war…yoa…kann man durchgehen lassen, andererseits war es dann schon ein bisschen lächerlich so den Wind aus dem Charakter „Bane“ zu nehmen.^^ Überhaupt dieser ständige Vergleich von Batman und Bane (Bane, Wayne, Bale? xD) wirkt dermaßen unglaubwürdig. Am Schluss fragt man sich wieso, weshalb, warum und wofür das ganze gut war. Könnte auch eine Frage beim Rätsel aus Artes Sendung „Karambolage“ sein: „Worum geht es hier, was ist das Motiv? Es gibt eins…sehen Sie genau hin! …..Die ersten Zusendungen mit der richtigen Antwort bekommen eine kleine Belohnung.“ 🙂

    FAZIT: Er hat seine Momente wo er begeistern kann, aber es gibt so viel was mir nicht gefällt und mir haben die ersten beiden Teile richtig gut gefallen. Ich mag an sich das Batman-Franchise, aber der hier ist ein richtiger „Franchise-Zerstörer“. Ich stimme deiner Rezension soweit zu, allerdings hat er mir nach dem überflüssigen Anfang doch noch etwas besser gefallen, auch wenn ich nicht in Jubel ausbrechen werde.

    Mmmmmmm……….. 5,5/10 (Imdb nehme ich in Zukunft überhaupt nicht mehr ernst.)

    Solche „Gäste“ bräuchtest du öfter mal…die fast längere Kommentare zu einem Film verfassen, als deine Rezension dazu. LOL

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