Filmkritik: „Alien 4 – Die Wiedergeburt“ (1997)

alien_resurrection_500

Originaltitel: Alien: Resurrection
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Mit: Sigourney Weaver, Winona Ryder, Dan Hedaya u.a.
Land: USA
Laufzeit: 109 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Horror / Science Fiction
Tags: Alien | Sequel | Vierter Teil | Quadrologie | Ripley | Klon | Experiment

Und plötzlich war es keine Trilogie mehr.

Inhalt: Ellen Ripley (Sigourney Weaver), Alien-Expertin wider Willen, starb im heissen Feuer der Schmelzöfen auf Fiorina 161 – freiwillig, und zur Sicherheit aller (siehe ALIEN 3 – Link). Schließlich war sie kurz davor, eine Alien-Königin zu gebären – mit der die mysteriöse Weyland Cooperation allerhand vorgehabt hätte. 200 Jahre später gelingt es anderen skrupellosen Wissenschaftlern nun, sie mithilfe von genetischen Überresten zu klonen. Was sich daraufhin an Bord des Forschungsraumschiffs Auriga abspielt, damit hätten die Verantwortlichen eigentlich rechnen müssen: zwar gelingen die Experimente, doch verlieren die Wissenschaftler die Kontrolle über die erschaffenen Bestien. Die geklonte Ripley, die sich immer mehr an ihr früheres Leben erinnert wittert eine Chance zur Flucht, als eine Gruppe von tollkühnen Weltraumpiraten das Schiff entert. Gemeinsam stellen sie sich dem übermächtigen Feind – und entdecken dabei die nächste furchteinflössende Generation der Aliens; entstanden aus dem makaberen Experiment einer Gen-Verschmelzung.

alien_resurrection_01

Kritik: Die ALIEN-Sage geht weiter – überraschenderweise, war doch eigentlich damit zu rechnen dass mit dem nur noch mäßigen dritten Teil des Franchises (Kritik) aus dem Jahre 1992 Schluss wäre. Die zweite Überraschung, mit der man sich bereits vor dem Ansehen des Films konfrontiert sieht, ist das komplett neue Filmteam. Während sich die bisherigen Regisseure Ridley Scott, James Cameron und David Fincher längst anderen Projekten widmen, wurde das Franchise für den vierten Teil komplett in die Hände eines findigen französischen Regisseurs übergeben. Jean-Pierre Jeunet (DELICATESSEN, DIE STADT DER VERLORENEN KINDER) hat so die schwierige Aufgabe, den Spagat zwischen dem ursprünglichen Charme der Reihe und den nach dem dritten Teil dringend benötigten Innovationen zu meistern. Und: es gelingt ihm, wenn auch mit Einschränkungen.

So ist die grundsätzliche Idee des Klonverfahrens eine stimmige, die das ohnehin schon weitreichende ALIEN-Universum prompt um zwei weitere Handlungs-Jahrhunderte erweitert. Fans der Reihe werden sich freuen, die Hauptprotagonistin Ellen Ripley von den Toten auferstanden zu sehen – auch wenn sie nicht mehr wirklich sie selbst, sondern vielmehr ein Klon mit vererbten Erinnerungen ist. Überhaupt erscheint die Erweiterung der Handlung um eine zusätzliche wissenschafltiche Komponente sinnvoll – sodass neben der direkten Bedrohung durch die Aliens nun auch endlich die der (in diesem Fall gefährlichen) wissenschaftlichen Neugier an die Seite gestellt wird. Auch allerlei andere, manchmal nur nebenher erwähnte und nur Kennern der Reihe wirklich ansprechende ALIEN-Fakten (wie zum Beispiel bezüglich der Weyland Cooperation, oder neuen Androiden-Generationen) werden stimmig eingestreut, und bieten neuen interessanten Stoff für Genre-Fans. Aber: reicht all das wirklich, um einen vierten Teil zu rechtfertigen ?

Eine schwierige Frage, denn: grundsätzlich bleibt alles beim alten; respektive beim etablierten ALIEN-Konzept. Während der erste und der dritte Teil jeweils eine einzelne Bedrohung vorsahen, knüpft ALIEN 4 nun wieder sinngemäß am zweiten Teil an – und präsentiert neben einigen besonders markanten Kreaturen wahre Horden der alles überrennenden, titelgebenden Bestien. Das hier dargebotene Setting indes wirkt ähnlich eingeschränkt wie in Teil 3: abermals dient ein mehr oder weniger großes Raumschiff als Schauplatz. In der Tat ist das nichts neues – zumal es nur wenige markante Strukturen aufweist, und keine zusätzliche Spiele mit der Umgebung erlaubt. Die damit einhergehenden fehlenden Innovationen werden in Teil 4, dem ‚modernsten‘ aller ALIEN-Teile; nun mit Hilfe des technischen Parts kaschiert – was, und das ist keine Überraschung; nur halbwegs funktioniert.

ALIEN 4 macht dementsprechend eine sehr gute Figur, was die optische Gesamtgestaltung, das Spiel mit Licht und Farben, die schicken Kulissen und allerlei mehr betrifft – hier wird eine neue handwerkliche Ära des ALIEN-Universums eingeläutet. Aber: deutlich atmosphärischer oder relevant wirksamer fällt der vierte Teil (aus oben erwähnten Gründen) dennoch nicht aus. Ebenfalls nicht neu ist die Idee, eine möglichst markante Crew in die Handlung mit einzubeziehen – in Teil 3 waren dies eine handvoll Gefängnisinsassen, in ALIEN 4 sind es nun wilde Weltraumpiraten. Immerhin: die diesbezüglichen Interaktionen zwischen der eigentlichen Crew, den Piraten und später vor allem auch Ripley sind auflockernd, erfrischend – und sorgen sogar dafür, dass der ein oder andere zeitlos-kultige Spruch abgefeuert wird. So funktioniert das Zusammenspiel der bunt durcheinandergewüfelten Charaktere gut – auch wenn für keinen der Beteiligten ein besonders großes Maß an Tiefe vorgesehen ist. In Erinnerung bleiben werden vor allem Ripley, die nicht nur weiterhin besonders amazonenhaft kämpft, sondern auch eine Reihe emotional-nachvollziehbarer Eigenschaften mitbringt – und eventuell der von Winona Ryder gespielte weibliche Androide; sowie Ron Perlman als draufgängerischer Waffenexperte.

alien_resurrection_02

Fazit: Wie auch immer man zur Tatsache stehen mag, dass die ALIEN-Filmreihe nun einen vierten Sprössling hervorgebracht hat, und somit keine in sich geschlossene Trilogie darstellt – ALIEN 4 kann dem direkten Vorgänger ALIEN 3 problemlos das Wasser reichen, und ihn größtenteils sogar übertreffen. Das bedeutet indes nichts allzu hochtrabendes, war der dritte Teil doch ebenfalls schon von der Abnutzung des Franchises gekennzeichnet. Die Vor- und Nachteile von ALIEN 4 halten sich insgesamt die Waage: einerseits sorgen die hübsche Aufmachung, das Einbringen einer expliziteren Gen-Thematik und die wunderbar wilde Crew (deren Mitglieder leider noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommen) für einen soliden Unterhaltungswert – andererseits wissen das nicht ausgenutzte Potential, die fehlende Innovationen sowie einige gravierende inhaltliche Missstände (Logik-Fehler) für Missmut zu sorgen. Klar ist: die bezeichnend-beklemmende Atmosphäre des ersten und zweiten Teils kann nicht mehr erreicht werden, und schon gar nicht die damit verbundene Originalität. Am besten wäre es gewesen, hätte man den mäßigen Teil 3 und den etwas besseren vierten sinnbildlich vereint – das Ergebnis wäre eine ALIEN-Trilogie mit zwei genialen, und einem etwas schwächeren dritten Vertreter. Doch es ist, wie es ist – auf zwei besonders gute ALIEN-Filme folgten zwei mäßige.

60oo10

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.