Filmkritik: „Alien 3“ (1992)

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Originaltitel: Alien 3
Regie: David Fincher
Mit: Sigourney Weaver, Lance Henriksen, Charles Dance u.a.
Land: USA
Laufzeit: 114 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Horror / Science Fiction
Tags: Alien | Sequel | Dritter Teil | Trilogie | Ripley | Planet | Raumstation

Alien 3, oder: nichts ist mehr so, wie es war.

Inhalt: Nach einem Rettungseinsatz (ALIEN 2 – Review), der sich als geradezu selbstmörderisches Unterfangen herausstellte; konnten nur Ellen Ripley (Sigourney Weaver) und 2 weitere Überlebende der Gefahr durch die Aliens entgehen. Allerdings nur äusserst knapp, und wie es scheint nicht vollständig – ein Alien-Ei fand auf irgendeine Weise den Weg an Bord des Schiffes. Der daraus schlüpfende Facehugger sorgt dafür, dass die Hyperschlaf-Kabinen per Karantäne-Maßnahme in eine kleinere Rettungskapsel befördert werden. Die wiederum wird – samt der Überlebenden und leider auch dem Facehugger – vom Hauptschiff abgesprengt und auf einem Planeten mit der Bezeichnung Fiorina 161 notgelandet. Letztendlich überlebt nur Ripley den Crash – und der Facehugger, den jedoch niemand bei der Bergungsaktion entdeckt. So kommt, was kommen muss: Ripley, die sich nunmehr in einer Art Gefängniskomplex mit allerlei finsteren Gestalten und Oberaufseher Andres (Brian Glover) wiederfindet; schließt sich mit den ausgestoßenen Schwerverbrechern zusammen und versucht, die eingeschleppte Gefahr zu bekämpfen – in einem weiteren Kampf auf Leben und Tod.

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Kritik: Und plötzlich ward es eine Trilogie. Seit dem Start des teils renommierten ALIEN-Franchises im Jahre 1979 (Alien – Review) haben sich zahlreiche Fans aus aller Herren Länder zu Ridley Scott’s subtilem Weltraum-Schocker bekannt, was nicht nur der Popularität des Regisseurs einen ordentlichen Schub verpasste. Das Sequel ALIENS – DIE RÜCKKEHR folgte 1986, und beeindruckte Fans und Kenner des ersten Teils unter der Anleitung eines weiteren einschlägig bekannt gewordenen Regisseurs: James Cameron. Nun, und noch einmal 6 Jahre später, soll mit ALIEN 3 die Erfolgsgeschichte des Franchises weiter ausgebaut werden. Dieses Mal ist David Fincher für die Regie verantwortlich – ein bis dato recht unbekannter Regisseur und ehemaliger technischer Mitarbeiter in Hollywood. Aber was kann bei einem Werk wie diesem schon schiefgehen, bietet die Geschichte um eine außerirdische Gefahr und dem damit verbundenen Zwist aus Überlebensdrang und wissenschaftlicher Neugier einen  schier unendlichen, fantastischen Erzählstoff ?

Theoretisch wenig, betrachtet man den bisherigen Verlauf der ALIEN-Filme. So war Teil 1 das markante Einstiegswerk in einen fernen Teil des Universums, in dem eine kleine Crew auf ein unbekanntes Raumschiff stieß und sich ausgerechnet einen lebenden Orgasmus als Souvenir von dort mitnahm. Entsprechend unfreiwillig versteht sich – sodass sich an Bord der Raumstation allerlei seltsame Dinge abspielten, die letztendlich zur Geburt einer neuen, todbringenden Lebensform führten. Diese musste entsprechend bekämpft werden – doch, und das war der Clou: schienen es einige ominöse Hintermänner auf das Lebewesen (und damit seinen potentiellen wissenschaftlichen Wert) abgesehen zu haben. Der zweite Teil baute entsprechend sinnig auf dieser Grundhandlung auf, und sorgte dafür; dass es dieses Mal weit mehr als nur eine Lebensform sein sollte, die eine noch größere Crew (und vielleicht auch die gesamte Menschheit) bedroht – der subtil-stille Weltraumhorror wich einer ebenso schaurigen, aber doch deutlich actionlastigeren Atmosphäre.

Was also sollte der dritte Teil des Franchises zeigen ? Eine vielleicht schwierige Frage, die aber sicherlich mit etwas Mut sinnig hätte beantwortet werden können. Das letztendliche Ergebnis wirkt dementsprechend enttäsuchend: man wagt den Schritt von der ausufernden Bedrohung aus Teil 2 hin (oder: zurück) zur Atmosphäre des ersten. Will heissen: es gibt abermals nur ein einzelnes Alien, welches eine Art Crew bedroht und drangsaliert. Lediglich der Schauplatz und die Akteure wurden ausgetauscht: die im All schwebende Raumstation wich einer großen Anlage auf einem fremden Industrie-Planeten, die übersichtliche Crew einem bunten Haufen schwer zu durchschauender Charaktere mit einer kriminellen Vergangenheit. Auch Ripley (seit ‚Teil 1 dabei, und zum Glück noch immer von Sigourney Weaver gespielt – die dieses Mal sogar mit produzierte) hat sich etwas verändert: immer mehr im klaren darüber, was um sie herum geschieht und welche Entbehrung sie machen muss; entwickelt sie eine starke Persönlichkeit mit einem unbedingten Willen. Doch war dies bereits in Teil 2 abzusehen – was im Zusammenspiel mit dem neuen alten Setting nicht gerade die besten Voraussetzungen für das Funktionieren von ALIEN 3 sind.

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Sicher; die Interaktion von Ripley mit den Gefangenen, dem Aufseher und einem Arzt, welcher ebenfalls ein dunkles Geheimnis verbirgt (das sich indes als gar nicht mal so gravierend herausstellt) – sorgt für einige gleichsam unterhaltsame wie spannende Momente. Doch das war es dann auch größtenteils gewesen mit den neuen Elementen und der Weiterentwicklung – das Setting kann leider nicht die gewünschte Wirkung entfalten. So kommt es, dass der angebliche Gefängnis- und Industriekomplex viel eher wie eine riesige Lagerhalle wirkt, die schon ewig steht und in der seit längerer Zeit niemand mehr aufgeräumt hat. Von der ehemals so markanten düsteren, furcheinflössenden und vor allem auch ungewissen Stimmung, die die ALIEN-Reihe bisher auszeichnete, fehlt hier jede Spur. Das liegt – inbesondere und ganz explizit – noch an einem weiteren Faktor, der als einer der wichtigsten hätte gelten / eingestuft werden müssen. Es geht um nicht weniger als das gesamte Konzept hinter dem hier dargestelltem ALIEN – welches schlicht und ergreifend völlig vermurkst wurde; mit Ausnahme der Tatsache, dass dieses Mal ein Hund als Wirt dient. Davon abgesehen verhält sich die Kreatur nicht nur weitaus berechenbarer als vorher – sie sieht auch noch deutlich grausamer aus. Jenes ‚grausam‘ ist jedoch nicht (!) auf den Wirkungsgrad der möglicherweise exzellent in Szene gesetzten Kreatur zu beziehen – sondern auf die grässlichen Computeranimationen und den generellen ‚Look‘ des ALIENS. Was auch immer hier geschehen ist – die Macher wären besser dran gewesen, hätten sie sich auf die alten Stärken (aufwendige Kostüme und Masken) anstatt auf neumodische Techniken besonnen.

Es bleiben die Zusammenstellung der Charaktere und die sich aus der Grußße entwickelnde Dynamik als Höhenpunkte des neuen ALIEN-Films – alles andere kann als belangloser Neuaufguss alter Elemente eingestuft werden. Auch im Hinblick auf die technischen Aspekte hat man sich nicht verbessert oder schlicht und einfach an der Qualität der anderen Filme orientiert – der Film an sich wirkt nun deutlich ‚moderner‘ (durch die Animationen, den Schnitt, aber auch die Charakter-Auswahl), während der Schauplatz viel zu sehr an Stimmungen / Bauten der 50er oder 60er Jahre erinnert. Zeitlosigkeit geht anders. Nur die Darsteller können nach wie vor + überzeugen – allen voran Sigourney Weaver als Ripley, die hier jedoch etwas unterfordert scheint. Ebenfalls ein kleiner Lichtblick: Charles Dance als stoischer Stationsarzt mit einer ominösen Vergangenheit und einem besonderen Interesse an Ripley.

Fazit: Natürlich, die ALIEN-Filmreihe hat Charme, auch noch im und mit dem dritten Teil. Doch beginnt er mit eben jenem Teil schon erheblich zu bröckeln. Weder wird die Story / das Setting (wie im Sprung von Teil 1 zu 2) auf ein neues Niveau gehoben, noch gibt es wirklich bahnbrechende neue Ideen zu sehen. Und, was mitunter am gravierendsten ist: ALIEN 3 kann nicht einmal ansatzweise die Atmosphäre der beiden Vorgänger erzeugen. Nicht einmal die (teils recht hektischen) Actionszenen sind besonders gut gelungen – auch hier wird durch die grässlichen Animationen und den doch stark an die beiden TERMINATOR-Teile erinnernde Elemente (Industrie + Schmelzöfen) einiges zerstört. ALIEN 3 ist somit nicht nur weitaus plumper, seelen- und wirkungsloser als die beiden Vorgänger – er bietet auch längst nicht mehr das ästhetische Potential, nachhaltig zu fesseln oder gar zu einem Kultfilm zu avancieren. Ein alles andere als ehrenwertes oder ‚gerechtes‘ Sequel, welches das filmische Mittelmaß nur ganz knapp überragen kann – das will bei zwei entsprechend hoch bewerteten Vorgängern (jeweils 9.5/10) schon etwas heissen. Eine Empfehlung kann nicht wirklich ausgesprochen werden – andererseits wird man diesen Teil als ALIEN-Fan bereits gesehen haben oder definitiv noch sehen wollen. Bloss nicht zuviel erwarten…

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