Metal-CD-Review: THEOCRACY – THEOCRACY (2006)

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Alben-Titel: Theocracy
Künstler / Band: Theocracy (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Progressive / Power Metal
Label: Metal Ages

Alben-Lineup:

Matt Smith – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug

Track-Liste:

1. Prelude 01:36 (instrumental)
2. Ichthus 04:39
3. The Serpent’s Kiss 11:56
4. Mountain 04:48
5. Theocracy 06:00
6. The Healing Hand 11:36
7. Sinner 06:08
8. New Jerusalem 05:10
9. The Victory Dance 05:02
10. Twist of Fate 11:30

Wie ein ungeschliffener Rohdiamant.

Mit diesem Album also soll sie beginnen – die Geschichte einer neuen christlich angehauchten Power Metal-Band aus den Vereinigten Staaten. Die erste ungewöhnliche Auffälligkeit in Sachen THEOCRACY ist indes nicht die thematische Gewichtung des gleichnamigen Debütwerks; sondern vielmehr das auffallend übersichtliche Lineup. Hier steht lediglich einer allein auf weiter Flur – Matt Smith, Bandgründer und kreativer Kopf hinter THEOCRACY. Nicht nur, dass er alle Ideen selbst abliefert – er zeichnet sich auch für jegliches Instrumentenspiel verantwortlich; und übernimmt somit schlicht alle Posten, für die man sonst noch 4 oder 5 Kollegen braucht. Wie ein Live-Auftritt von THEOCRACY aussehen soll, bleibt vorerst fraglich – doch wie klingt ein solches Album respektive Projekt, welches von nur einem einzelnen gestemmt wurde ?

Bevor es jedoch richtig losgeht, offenbart sich noch eine weitere Besonderheit; dieses Mal in Bezug auf die Struktur des dargebotenen Materials. Mit 10 Titeln und einer Gesamtlaufzeit von knapp 68 Minuten verspricht das Album ein recht umfangreiches Klangerlebnis; gleich 3 Titel heben sich mit einer Spielzeit von jeweils knapp über 11 Minuten deutlich ab. Erwarten den Hörer hier regelrechte Epen, ausschweifende Geschichten über Fug und Unfug von Religion, emotionale Auseinandersetzungen mit Gefühlen und Gedanken – oder entpuppen sich die Titel doch nur als langwierige Lückenfüller ? Ein Verdacht, den man durchaus hegen kann – doch glücklicherweise ist ersteres der Fall; wenngleich diese Feststellung mit Einschränkungen zu genießen ist. Schließlich klingen THEOCRACY trotz des enorm melodischen Anspruches noch recht roh oder rau – und das ist in erster Linie auch der groben Produktionsqualität zuzuschreiben. Andererseits: dafür, dass es sich hier um ein Debütalbum handelt, und offenbar nur ein einziger Mann am Werk war, klingt es doch wieder recht annehmbar.

Eine weitere Frage die sich stellt, ist verständlicherweise (und aufgrund der Bezeichnung des Albums als ‚christliches‘ Werk) die nach den enthaltenen Botschaften und der Art von Matt Smith, mit seinen Erfahrungen und Gedanken umzugehen. Lässt er noch Spielraum offen, oder serviert er streng dogmatische Aussagen am laufenden Band ? Tatsächlich unterscheidet sich das Debütalbum gar nicht so sehr von anderen Genreverwandten – die Texte besitzen zwar historische oder religiöse Anleihen (oder beides), doch im Großen und Ganzen herrscht der Eindruck des fantasie- und prunkvollen Geschichten-Erzählens vor. Eben ganz so, wie es im Power Metal seit jeher gehalten wird – mit dem Unterschied, dass THEOCRACY deutlich gehaltvolleres Material offerieren. Ob anklagend (THE SERPENTS KISS), wehklagend (SINNER) oder doppeldeutig schmetternd (THEOCRACY) – viele der Titel beschäftigen sich in irgendeiner Form mit inneren Auseinandersetzungen, Reflexionen und Stellungnahmen. Schnöde Bombast-Refrains ohne Sinn und Verstand wird man auf einem Album wie diesem also vergeblich suchen. Dennoch, und das ist der Clou; zeugen die Lieder von einer gewissen explosiven Energie, und können so auch Power Metal-Uptempo-Fans begeistern – wie etwa der Opener ICHTHUS.

Die längeren Titel kommen dagegen mit einer deutlich größeren Portion Progressivität daher, und lassen so zahlreiche Tempo- und Stimmungswechsel auf den Hörer wirken. Oder aber, sie werden teils markant-symphonisch – wie das große Finale mit TWIST OF FATE. Aber nicht unbedingt alles ist auf THEOCRACY Gold, was glänzt – gerade im Mittelteil und mit Titeln wie THE HEALING HAND (einer der 11-Minüter) oder SINNER (eher balladesk) kann es auch mal etwas langatmiger werden. NEW JERUSALEM gibt dann noch einmal richtig Feuer, und klingt auch dank der symphonischen Komponente und des wahrhaft festlichen Refrains recht ansprechend. THE VICTORY DANCE überrascht dann sogar noch mit einigen leicht folkig angehauchten Klängen – Abwechslung wird also definitiv geboten. Aber reicht das, um an der Spitze des Genres mitzuspielen ? Nein, noch nicht – aber das Potential ist zweifelsohne vorhanden; sogar in Massen. Die Tatsache, dass es sich um ein Debütalbum sowie ein ein-Mann-Projekt handelt, verdient in Anbetracht des doch recht ausgefeilten, vielseitigen Klangs noch zusätzlich Beachtung.

Fazit: Eine Empfehlung für Genre-Fans, die sich nicht vor religiösen und leicht anspruchsvolleren Texten aufhalten lassen. Bis zur klanglichen Perfektion ist es aber noch etwas hin. Auch könnte die Musik von THEOCRACY noch den ein oder anderen Spannungsmoment vertragen – bei knapp 70 Minuten Material schleicht sich in mehrerlei Hinsicht eine gewisse Gleichförmigkeit ein. Dennoch: ein Lob muss ausgesprochen werden.

Anspieltipps: ICHTHUS, THE SERPENT’S KISS, THEOCRACY, NEW JERUSALEM, TWIST OF FATE

Vergleichsbands: DARWATER | HARMONY


75oo10

„Solides Ein-Mann-Debüt mit massenhaft Potential“

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