Metal-CD-Review: THEOCRACY – Mirror Of Souls (2008)

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Alben-Titel: Mirror Of Souls
Künstler / Band: Theocracy (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Progressive / Power Metal
Label: Ulterium Records

Alben-Lineup:

Shawn Benson – Schlagzeug
Matt Smith – Gesang (Lead), Gitarre, Keyboard, Bass
Jonathan Hinds – Gitarre

Track-Liste:

1. A Tower of Ashes (04:44)
2. On Eagles‘ Wings (04:12)
3. Laying the Demon to Rest (09:37)
4. Bethlehem (05:51)
5. Absolution Day (06:47)
6. The Writing in the Sand (06:44)
7. Martyr (07:39)
8. Mirror of Souls (22:26)

Mit aller Kraft an die Himmelspforte klopfend.

THEOCRACY – jener großer Name (zu Deutsch etwa: Gottesherrschaft) steht in diesem Fall für das ehemalige ein-Mann-Power-Metal-Projekt des Künstlers Matt Smith; welches im Jahre 2002 ins Leben gerufen wurde. Nachdem der US-Amerikaner das Debütalbum (THEOCRACY, 2003) noch in kompletter Eigenregie aufnahm und produzierte, hat er sich für das nun vorliegende MIRROR OF SOULS die Musiker Shawn Benson (Schlagzeug) und Jonathan Hinds (Gitarre) mit ins Boot geholt. Ganz komplett ist das Lineup zwar immer noch nicht – sodass Matt Smith weiterhin etwaige Aufgaben (Leadgesang, Bass, Gitarre, Keyboard) mit übernimmt – doch eine Steigerung zum Vorgänger und Erstwerk ist schon jetzt spürbar. So klopfen THEOCRACY in zweierlei Hinsicht an die Pforten des Himmels, wenn man so will: zum einen mit ihrer schier göttlichen Spielart des Power Metals, zum anderen über die stark religiösen Textinhalte, die größtenteils dem Christentum zuzuordnen sind.

Eine Frage, die sich einigen zweifelsohne stellen wird; ist die nach der allgemeinen ‚Bekömmlichkeit‘ eines Werkes wie MIRROR OF SOULS. Sollte man religiös eingestellt oder gar streng gläubig sein, um in den bestmöglichen Genuss des Albums zu kommen ? Werden glaubenstechnisch weniger interessierte von einem Album wie diesem enttäuscht, oder vielleicht sogar genervt sein ? Ein klares nein – denn THEOCRACY sind weit mehr als eine plumpe Bandcombo, die in einer ebenso plumpen Manier Gott samt und sonders seiner irdischen ‚Vertreter‘ lobpreisen. Dafür gibt es genügend andere Vertreter – vor allem auch in nicht-metallischen Bereichen – sodass THEOCRACY von allen konsumiert werden können, die etwas für einen satten Power Metal mit leicht progressiven Einschlägen übrig haben. Der einzige Unterschied zu den unzähligen, größtenteils europäischen Bands dieser Spielart ist folglich, dass die Textinhalte und Botschaften anders sind – in wie weit man sich dem gegenüber öffnen, muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Aber was vordergründig zählt, ist die Musik – und der Gesamteindruck, den diese entfalten kann. Und der ist gerade auf MIRROR OF SOULs geradezu phänomenal.

Mit einem Opener wie A TOWER OF ASHES wird schnell die allgemeine Marschrichtung vorgegeben – das Album ist temporeich, energetisch; und klingt dabei überraschend unverbraucht. Noch deutlicher wird dies bei einer Nummer wie ON EAGLES WINGS – zutiefst geniale Riffs, eine markante Melodie und ein toller Refrain tragen den Hörer hier buchstäblich wie auf Wolken durch die ersten Minuten des Albums. Mit LAYING THE DEMON TO REST, der ersten etwas düsteren Nummer; wird es dann zugleich progressiver und epischer – eine Glanzleistung, was THEOCRACY hier innerhalb der (niemals langweilig erscheinenden) 9 Minuten untergebracht haben. Eine erhabene und unterhaltsame Songstruktur samt leicht trashiger Riffs, einem glasklar-angenehmen Gesang von Matt Smith – hier stimmt einfach alles. Wenngleich die meisten Nummern auf MIRROR OF SOULS ohne Probleme von jedermann genossen werden können, wird es bei Nummern wie BETHLEHEM schon etwas schwieriger – da sie strukturell und thematisch schon eher explizit religiös ausfallen, zumindest im direkten Titelvergleich. Doch auch hier gilt: ganz unabhängig davon, was eigentlich besungen wird; klingt das Ganze einfach nur wunderbar harmonisch, hymnisch und natürlich auch festlich. Man kann sich der Wirkungskraft dieser Titel einfach nicht entziehen – die Melodien gehen ins Ohr, und verweilen dort auch bis auf weiteres.

Handwerklich ist das, was dem Hörer hier geboten wird; schlicht und ergreifend Power Metal-Material der allerersten Güteklasse. Die noch folgenden Titel lassen dabei ebenfalls kaum Wünsche offen, und bieten zudem ein großes Maß an Abwechslung. Das flotte ABSOLUTION DAY, das rockige und im stampfenden Midtempo gehaltene THE WRITING IN THE SAND, das abwechslungsreiche MARTYR oder aber der fulminante Finaltrack MIRROR OF SOULS sorgen noch einmal für reichlich Stimmung. Letzterer Titel kommt dabei mit einer sagenhaften Spielzeit von 22 Minuten (!) daher – und läuft damit Gefahr, den ein oder anderen Durchhänger zu offerieren. Tatsächlich gelingt es THEOCRACY weitestgehend, die Spannung und Qualität auch hier zu halten – doch im Vergleich zu den ersten Nummern des Albums ist hier keine Steigerung mehr vorgesehen. Nach ein paar Durchläufen steht es dann fest: die erste Alben-Hälfte ist phänomenal gut, die zweite etwas langatmiger und nicht mehr ganz so originell – aber noch lange nicht schlecht. Etwas mehr Potential wäre hier aber zweifelsohne drin gewesen.

Fazit: MIRROR OF SOULS kann wahrlich jedem Power-Metal-Fan ans Herz gelegt werden – ganz unabhängig davon, in wie weit er sich in religiösen Gefilden zu Hause fühlt. Denn noch ausschlaggebender als die (auch allgemein alles andere als verkehrten) Textinhalte ist die Musik – die in diesem Fall sofort das Steuer übernimmt und mit einer Energie, einer Spielfreude und einem Tempo voranprescht, dass es eine wahre Freude ist. Vor allem aber ist es der Sound in all seinen Facetten, der begeistert – vom stimmigen Leadgesang über die pompösen Arrangements bis hin zur Produktionsqualität waren hier ausschließlich Könner – wie unter anderem der berühmte Mika Jussila im Mastering-Prozess – am Werk.

Anspieltipps: A TOWER OF ASHES, ON EAGLES WINGS, LAYING THE DEMON TO REST, BETHLEHEM


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„Das Prinzip des Debütalbums perfektioniert“

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