Metal-CD-Review: INSANIA – Fantasy: A New Dimension (2003)

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Alben-Titel: Fantasy: A New Dimension
Künstler / Band: Insania (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: No Fashion Records

Alben-Lineup:

Ola Halen – Gesang
Henrik Juhano – Gitarre
Niklas Dahlin – Gitarre
Tomas Stolt – Bass
Mikko Korsbäck – Schlagzeug
Patrik Västilä – Keyboard

Track-Liste:

1. Introduction 01:36 (instrumental)
2. Life After Life 06:00
3. Illusions 05:17
4. Carry On 04:19
5. Master of My Mind 07:14
6. Universe 09:14
7. Face the King 04:29
8. Fantasy 06:11
9. Vengeance 05:14
10. Mankind 09:27
11. Reflections of Mine 05:46

Hinein in neue Dimensionen.

So schnell kann es gehen. Nach dem 2001’er Zweitwerk der Schwedischen Power Metal-Combo INSANIA (SUNRISE IN RIVERLAND, Review hier) folgte 2003 der Nachfolger – FANTASY (A NEW DIMENSION). Was hatte sich seitdem geändert ? Einerseits nicht viel, andererseits eine Menge; beziehungsweise etwas markantes: es gab einen Wechsel in Bezug auf den Leadgesangs-Posten zu vermelden. Für Davin Henrikkson (der nach seiner Zeit bei INSANIA zu HEEL gewechselt ist) kam nun Ola Halen, ebenfalls ein schwedischer Landsmann. Sicher, bei einem Wechsel muss man sich auch als Hörer erst einmal neu eingewöhnen – doch das gelingt mit der vorliegenden Scheibe doch auffallend gut. Wenngleich Davin Henrikkson ebenfalls ein guter Frontmann war, so war er doch ein eher typisch klingender – mit Ola Halen bekamen INSANIA nun eine etwas markantere (und tiefere) Stimme an die Seite. Die erste diesbezügliche Kostprobe gibt es nach dem etwas unspektakulären, schlicht INTRODUCTION betitelten Instrumental – und zwar im Opener LIFE AFTER LIFE; der wunderbar druckvoll durch die Boxen rauscht. Was ist des weiteren festzustellen ? INSANIA klingen hier immer noch nach INSANIA; beziehungsweise dem etablierten, guten Eindruck des Vorgänger-Albums – und damit gleichzeitig nach manchen Vorreitern des europäischen Power Metals. Allerdings, und das ist der Band durchaus zugute zu halten – scheinen sie mit diesem Album nun einen eigenen Weg eingeschlagen zu haben.

Nach dem gelungen Auftakt, der vor allem in instrumenteller Hinsicht überzeugen konnte, folgt nun ILLUSIONS – einer positiv gestimmten Nummer, die durch einige höchst geniale Riffs schnell einen gewissen emotionalen Charakter entfalten kann. Aber Achtung: es offenbart sich eine neue bandtechnische Vergleichsmöglichkeit; klingen INSANIA hier doch nicht unerheblich nach STRATOVARIUS. Ein ganz eigenständiger, neuer Sound ist also auch hier nicht zu erwarten. Dennoch: der Refrain ist schön inszeniert, die Textinhalte sind nachvollziehbar und mitreissend. Etwas unvorteilhaft ist lediglich ein kurzer Stimmverzerrungseffekt – doch im großen und Ganzen agieren INSANIA schlicht wunderbar melodisch. CARRY ON ist dann die nächste melodiöse, explizit daherstampfende Midtempo-Nummer – ebenfalls mit einem leichten STRATOVARIUS-Anleihen. Zumal es hier einstweilen so scheint, als wollte Ledsänger Ola Halen insbesondere in den Strophen einen ähnlichen Eindruck hinterlassen wie Timo Kotipelto. Aber dennoch: schlecht oder gar langweilig ist das, was INSANIA hier abliefern, beileibe nicht. Es wirkt lediglich so, als hätte man diese oder jene Nummer schon einmal gehört – das Urteil, ob es INSANIA nun besser machen oder nicht; bleibt jedem selbst überlassen. Auch das folgende MASTER OF MY MIND erleichtert diese Entscheidung nicht – die Qualität und das Hörvergnügen sind abermals enorm hoch; und das trotz des recht simplen Aufbaus und der vergleichsweise laschen symphonischen Elemente. Bezeichnend ist auch die Länge von knapp über 7 Minuten – ohne, dass potentielle Durststrecken auftauchen. Zum Finale hin gibt es dann sogar noch einmal eine waschechte Explosion des epischen, Gänsehaut ist bei den guten Chören und den hymnischen Klängen automatisch vorprogrammiert.

UNIVERSE ist die nächste interessante Nummer, die einen Spagat zwischen dem episch-hymnischen und dem sogenannten Happy Metal wagt – anders gesagt, sie klingt wie eine Mischung aus CELESTY und FREEDOM CALL. Doch welche Vergleiche man auch immer zu ziehen wagt; INSANIA klingen auch hier ausreichend erfrischend, und vor allem quicklebendig – das heisst voller Spielfreude und Liebe zum Detail. Bei einer Spieldauer von über 9 Minuten muss man der Nummer indes etwas Zeit geben, sich zu entfalten – die gelungenen Chor- und Instrumentalpassagen gegen Mitte verhindern aber allzu lange Durchhänger. FACE THE KING kommt dann als solider Metal-Titel mit Stampfer-Potential daher – vom sinnbildlichen Universum geht es nun hinein in einen etwas bodenständigeren, True Metal-lastigeren Bereich mit dezenten Keyboards, guten Chören und druckvollen Arrangements. Ganz ähnlich geht es auch in FANTASY zu – wobei die Keyboards etwas dicker aufgetragen werden, und der Refrain einfach typisch Power Metal ist. Mit VENGEANCE und gerade MANKIND (ebenfalls recht ansehnlich mit einer Länge von über 9 Minuten) dringt man noch einmal in merklich progressivere Bereiche vor – es ist und bleibt also spannend. Etwas störend ist lediglich eine kurze Erzählpassage in MANKIND, die stimmlich etwas merkwürdig klingt und so gar nicht in die bereits etablierte Atmosphäre passen will. Das Finale wird dann wieder etwas simpler, zugänglicher und stimmungstechnisch fröhlicher / freundlicher gestaltet – REFLECTIONS OF MINE ist eine weitere super-solide Nummer mit Hymnen-Potential. Allerdings: sie klingt doch ein wenig nach einer Mixtur aus den ersten Titeln des Albums, viel neues bekommt man hier also nicht mehr auf die Lauscher. Aber eben doch recht stimmiges, perfekt abgemischtes Power Metal-Material mit einem hohen Zeitlosigkeits-Faktor.

Fazit: Gänzlich neue (Genre-)Pfade können INSANIA auch mit ihrem Drittwerk FANTASY (A NEW DIMENSION) nicht einschlagen. Aber vielleicht müssen sie das auch gar nicht – denn das, was sie hier auf und mit diesem Album abliefern, ist definitiv ein verdammt hymnisch-melodischer Power Metal, noch dazu einer der allerersten Güteklasse. Auch wenn es scheint, dass die vorherigen Vorbilder und Inspirationsquellen durch andere ersetzt wurden – das heisst in etwa HELLOWEEN durch STRATOVARIUS oder auch EDGUY – klingen INSANIA noch ausreichend frisch, und lassen den beeindruckten Hörer an ihrer Genre-Tributzollung teilhaben. Einerseits ist das Album recht simpel und generisch aufgebaut (mit Ausnahme von Mammut-Titeln wie MANKIND), andererseits macht es schlicht einen Heidenspaß und überträgt die offensichtliche Spielfreude direkt an den Hörer. Wie also sollte man sich entscheiden ? Im besten Fall gibt man dem Album eine Chance, insbesondere dann wenn man bereits den Vorgänger für gut befunden hat. Denn eins ist klar: INSANIA haben sich nicht nur einiges von den anderen ‚großen‘ genrevertretern abgeschaut – sie überragen sie teilweise; und das manchmal sogar erschreckend eindeutig. Wenn nötig, sollte man FANTASY etwas Zeit für einige Durchläufe lassen – und dann; ja dann kann man hier eines der Highlights der Metal-Geschichte entdecken, und immer wieder auf’s neue genießen.

Anspieltipps: ILLUSIONS, MASTER OF MY MIND, UNIVERSE, FACE THE KING, MANKIND

Vergleichsbands: HELLOWEEN | EMERALD SUN


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„Sternstunden des Power Metals“

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