Metal-CD-Review: CONQUEST – Endless Power (2000)

conquest_endlesspower

Alben-Titel: Endless Power
Künstler / Band: Conquest (mehr)
Land: Ukraine
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Irond Records

Alben-Lineup:

J. D. Lenkoff – Gesang (Lead)
W. Angel – Gitarre, Gesang (Backing)
Alexander Zakharov – Gitarre, Gesang (Backing)
Alexander „KoSa“ Kovalevsky – Bass, Gesang (Backing)
Sergei „At The Gates“ Balalayev – Schlagzeug

Track-Liste:

1. Motherland (Overture) 02:50
2. I’ve Seen You in My Dreams 03:58
3. I’m Flying Back 04:15
4. Angry Angel 04:19
5. Winter Has Come 05:20
6. Ancient Winds 03:46
7. This World Law 05:26
8. Before It’s Done 03:24
9. I Wanna Be with You 05:42
10. The Last Sphinx 05:03
11. Rock’n’Roll to Death 03:38
12. Destiny 04:53
13. Endless Power 04:59

Wer hat denn hier seinen Fuss auf dem Gaspedal ?

Zwar gibt es aktuell gleich 6 Bands, die sich CONQUEST schimpfen – doch nur eine dieser besagten Metal-Combos stammt aus der Ukraine. Im allgemeinen gerne mal ignoriert, birgt das Land doch so manch schwermetallischen Schatz, den es sich zu entdecken lohnt – wie jene heute behandelte Band. Nicht umsonst ist ihr kürzlich eine echte Ukrainische Szene-Größe beigetragen – Konstantin Naumenko von SUNRISE; einer ebenfalls sehr hochkarätigen Power Metal-Band aus jenen Gefilden. Davon war im Jahre der Gründung, nämlich 1996 – natürlich noch nicht die Rede. Und auch nicht von einem größeren Erfolg – doch das überraschende Debütalbum ENDLESS POWER sollte den Weg – nach 2 zuvor veröffentlichten Demos – dann doch dahingehend ebnen. Wohlgemerkt sah die Besetzung zu diesem Zeitpunkt noch etwas anders aus, als heute: nur W. Angel war bereits am Debütalbum beteiligt, und blieb der Band (als Kopf und Galionsfigur) bis heute erhalten.

Und siehe da: was den Hörer im Intro MOTHERLAND, OVERTURE erwartet, klingt schon einmal reichlich verheißungsvoll. In einer Fusion aus Soundtrack-artigen Klängen,  klassisch angehauchten Arrangements und auch Umgebungsgeräuschen entsteht ein erster satter Eindruck. Sicher, nicht alle Elemente wissen das Klangbild hinsichtlich der epischen Grundstimmung sinnig zu unterstützen – gerade das Keyboard wurde hier etwas überstrapaziert. Aber sei es drum – der Opener I’VE SEEN YOU IN MY DREAMS macht sogleich klar, dass sich CONQUEST ohnehin eher in den brachialeren Gefilden auskennen und sich wohlfühlen. Nun wird auch klar, warum man das Ganze als Power- mit Speed Metal-Einflüssen bezeichnen könnte – das Tempo ist enorm, der Sound (vor allem der Gitarren) recht schroff und alles andere als glattgeschliffen. Um dennoch ein gewisses Maß an Melodiösität hervorzubringen, setzt man auf einige höchst gelungene Riffs – und auf den Leadgesang von Jenick D. Lenkoff, einem selbst in der Ukraine recht unbekannten Künstler.

Der markante vorwärts-Drang des Albums wird auch im folgenden I’M FLYING BACK schnell offenbar – das superflotte Drumming und die hier noch genialeren Riffs und Licks lassen das Herz eines jeden Oldschool-Power-Metallers sofort höher schlagen. Offenbar ist es eben jene Symbiose aus dem eher harsch klingenden (aber harmonischen) Instrumentalpart und der Performance des Leadsängers, die den Sound von CONQUEST auszeichnet – das Ergebnis ist dann mitunter eine starke Uptempo-Hymne wie diese. Eine reichlich gradlinige zwar, die keine besonderen Überraschungen vorsieht – aber eine wirksame, auf der subtilen Ebene. Das CONQUEST auf ENDLESS POWER eine klar festgelegte, konsequente Linie fahren, zeigt sich auch im weiteren Verlauf. Der Beginn von ANGRY ANGEL lässt zuerst noch auf eine (Power-)Ballade schließen – kurz drauf allerdings eröffnet sich die nächste Uptempo-Instrumentierung; die dieses mal aber immerhin von einigen kurzen, langsameren Riff-Passagen unterbrochen wird. Besagte Power-Ballade folgt dann allerdings doch noch: und zwar mit WINTER HAS COME, einer andächtigen Komposition aus Akustikgitarren, zartem Gesang und einem sanften Bass. Das Schlagzeug hält sich weitestgehend zurück, bis man auf den Refrain zusteuert; doch auch hier schaffen CONQUEST das bis dato unglaubliche: sie verzichten auf Tempo. Das Ergebnis ist dabei aber – leider – nicht zufriedenstellend: im Sinne der Abwechslung gelingt es ihnen, im Sinne der Qualität und Gesamtwirkung jedoch eher weniger. Der Leadsänger klingt stellenweise viel zu angestrengt und nicht ganz treffsicher – das muss nicht sein.

Und so folgt mit ANCIENT WINDS ein weiterer Brecher der Uptempo-Klasse. Gemäß den heraufbeschworenen Winden ist der Hörer geneigt, sich der Kraft des Sturmes nicht entziehen zu können – CONQUEST sind wirklich schnell, verdammt schnell. Dabei besinnen sich sich, wie auch im folgenden THIS WORLD LAW, auf ein typisches Genre-Konzept: man nehme eine verdammt schnelle Instrumentierung, sorge für ein paar markante Riffs und einige schöne, hymnische Mitsing-Refrains – und erlaube sich sonst keinerlei Ausbrüche. Für Fans mag das genau das richtige sein, doch wird dieses Konzept nicht bei jedem auf Anklang stossen. Und diese Sorge ist wahrlich nicht unberechtigt – denn mit BEFORE IT’S DONE folgt schon die nächste Nummer im entsprechenden Soundgewand. Es mehr sich die Gefahr, dass einzelne Stücke einander zu stark ähneln; keines wirklich aus dem Alben-Kontext hervorstechen kann – genau das passiert nun auch ENDLESS POWER als Gesamtwerk. Zwar versucht man, dem etwas gleichförmigen Eindruck beispielsweise mit Variationen im Gesang (hier etwas tiefer, in der Nummer davor noch höher als sonst) beizukommen; doch auch das wirkt nicht so wie eventuell beabsichtigt. Die Abwechslung in Form von einer Ballade herbeizuführen, gelang CONQUEST bisher noch nicht – und auch mit der zweiten Alben-Ballade I WANNA BE WITH YOU überzeugt man nicht, eher im Gegenteil. Wieder ist es der merkwürdig anmutende, schief klingende Leadgesang und der insgesamt sogar etwas peinlich-plumpe Eindruck, der einen jeglichen Anflug von Emotionalität verfliegen lässt. Da kann auch der (etwas bessere) Refrain nicht mehr viel reissen.

THE LAST SPHINX ist dann wieder eine – richtig – Uptemponummer, die sich dieses Mal allerdings schon etwas deutlicher von den bisherigen unterscheidet. Endlich – denn der zu gleichförmige Mittelteil muss nun dringend von einem furiosen Finale abgeschmeckt werden. Die unterstützenden Backgroundgesänge sind nett, die Riffs markant, das Soli ebenfalls fetzig – und auch der Refrain kann überzeugen. Gut, dass auch das folgende ROCK N‘ ROLL TO DEATH als besonderer Titel bestehen kann – hier handelt es sich um eine Hymne an das Genre, bei der die Angestrengtheit erstmals einer größeren Portion Spielfreude und auch ein klein wenig Witz weicht. DESTINY und ENDLESS POWER, die beiden abschließenden Titel, sind dann wieder typische CONQUEST-Brecher ohne großartige Überraschungen, obwohl gerade ENDLESS POWER ein deutlich düsterer Anstrich verpasst wurde als den anderen Titeln.

Fazit: CONQUEST ist eine Band, die wie geschaffen ist für Freunde eines oldschooligen, temporeichen Power / Speed Metal. Die Kompositionen verlaufen stets gradlinig, beinhalten kaum Spielereien oder Experimente; und entfesseln so eine enorm druckvolle, ungekünstelte Wirkung. Allerdings ist festzustellen, dass CONQUEST das Gaspedal auf ENDLESS POWER schon recht auffällig strapazieren – wer auf der Suche nach etwas bedächtigeren, atmosphärischen Nummern ist, sollte einen Bogen um diese CD machen. Denn wenngleich Stücke im Midtempo-Bereich absolut ausbleiben (warum auch immer), bietet das Album davon abgesehen nur zwei Balladen – und die kann man getrost vernachlässigen. Es bleiben eine handvoll (eine großzügige, bei der Titelanzahl) an Uptempo-Tracks, die eine enorme Kraft entfalten und niemanden still sitzen lassen werden – aber, und das ist das Problem – die sich im Endeffekt doch sehr ähneln. Die unausweichliche Folge ist, dass keiner der Titel wirklich markant aus der Masse hervorstechen, sich als unabhängiger Track in den Gehörgängen festsetzen kann. Bis auf das muntere ROCK N‘ ROLL TO DEATH, versteht sich – doch zu mehr als einem launigen Party-Track reicht es auch hier nicht. So heisst es dann eher: habe ich Lust auf eine ordentliche Portion Tempo, greife ich zu CONQUEST’s ENDLESS POWER.

Anspieltipps: I’VE SEEN YOU IN MY DREAMS, I’M FYLING BACK, ANGRY ANGEL, THE LAST SPHINX

Vergleichsbands: HELLOWEEN | SUNRISE


75oo10

„Temporeich und energetisch“

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