Metal-CD-Review: INSANIA – Sunrise In Riverland (2001)

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Album: Sunrise In Riverland | Band: Insania (weitere Band-Inhalte)

Land: Schweden – Stil: Power Metal – Label: No Fashion Records

Alben-Lineup:

David Henriksson – Gesang
Henrik Juhano – Gitarre
Niklas Dahlin – Gitarre
Tomas Stolt – Bass
Mikko Korsbäck – Schlagzeug
Patrik Västilä – Keyboard

01 Finlandia
03.07
02 The Land Of The Wintersun
06.15
03 Heaven Or Hell
05.02
04 Beware Of The Dragons
05.49
05 Angels In The Sky 08.17
06 Lost In Time
04.52
07 Heading For Tomorrow
04.25
08 Sunrise In Riverland 04.03
09 Dangerous Mind
03.37
10 Seasons Of Life
06.19
11 Tears Of The Nature
05.23
12 Time Of The Prophecies
04.09

Das Genre in all seiner Pracht zelebrierend.

SUNRISE IN RIVERLAND von INSANIA ist… eines der besten puristischen Power Metal-Alben aller Zeiten ? Vielleicht. Schließlich handelt es sich hier um ein Album, welches sich auf die absoluten Basics des Genres beschränkt und dabei trotzdem – oder gerade deswegen – verdammt gut funktioniert. INSANIA – oder auch INSANIA STOCKHOLM, wohl um Verwechselungen vorzubeugen (immerhin gibt es 7 Bands mit diesem Namen) – gründeten sich bereits 1992, brauchten jedoch erst einige zeit um richtig durchzustarten. So erschien das erste Album erst 1999 – das heute behandelte SUNRISE IN RIVERLAND ist der Nachfolger, welcher 2001 erschien. Nach dem letzten veröffentlichten (und nicht mehr so gut aufgenommenen) Album im Jahre 2007 wurde es erstmal still um die Band – doch wer weiss, was die Zukunft bringt. Umso passender, oder gar notwendig erscheint die Gelegenheit, noch einmal zurückzublicken – auf ein verdammt gutes, hochkarätiges Power Metal-Album.

Um den Sound von INSANIA allgemein zu beschreiben, muss man sich nicht unbedingt weit aus dem Fenster lehnen – wie viele Genrevertreter scheinen sie sich Inspiration von Kollegen wie HELLOWEEN, GAMMA RAY und einigen anderen erfolgreichen Bands der 90er Jahre geholt zu haben. Dass das letztendliche Ergebnis aber nicht nur mit den Vorbildern mithalten, sondern diese einstweilen sogar noch übertreffen kann – das ist die eigentliche Überraschung. Warum das so ist, ist nicht wirklich theoretisch zu erörtern – man sollte sich das vorliegende Werk genehmigen, um eine entsprechende Feststellung machen zu können. Im besten Fall, versteht sich. Klar ist jedoch, dass INSANIA zwar deutliche musikalische Wurzeln offenbaren – im Endeffekt aber doch recht eigenständig klingen. Und: dass sie ihre Musik geradezu zelebrieren. Besonders Freunde eines eher epischen, Geschichten-erzählenden Power Metal’s mit stark melodiösem Einschlag werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Man sollte sich INSANIA vielleicht wie eine Mischung aus HELLOWEEN und RHAPSODY (OF FIRE) vorstellen – die Gitarrenlastigkeit kommt in diesem Fall von erstgenannten, die epische Bandbreite und der fantastisch Touch von den allseits bekannten Italienern. Die hatten 2001 gerade ihre Blütezeit erreicht, beziehungsweise schon teilweise hinter sich – und auch für INSANIA sollte dieses Jahr großes bedeuten.

Denn: eine ähnlich zeitlose, stimmig wirkende und schlicht Hymnen-lastige Scheibe findet man selten. Der positive Eindruck beginnt bereits mit dem Betrachten des sagenhaften Artworks zu entstehen – hier regiert die pure Fantasy. Zwar lässt selbiges Cover eine ordentliche Portion Kitsch vermuten – was man vielleicht gar nicht mal abstreiten kann – doch wird der Begriff des Kitsch auf einem Album wie SUNRISE IN RIVERLAND durchweg positiv attribuiert. Überhaupt: der satte Sound (in erster Linie unterstützt durch das gute Drumming und die markanten Gitarren), die perfekte Produktionsqualität und der episch-hymnische Eindruck zeugen eher von einer gewissen Ernsthaftigkeit als von einem plump-peinlichen Projekt. Der Opener FINLANDIA ist ein reines Instrumentalstück; gleichsam sanft-sphärisch wie von einer netten Gitarrenmelodie durchzogen. Im weiteren Verlauf kommen dann die Drums, der Bass, sowie einige hintergründige Gesänge hinzu – das erste Staunen erfüllt den Raum. Schließlich klingt bereits dieses Intro sagenhaft, und ist perfekt abgemischt – Produzent Mikko Karmila sei Dank.

Was dann folgt, ist zusammenfassend als Essenz dessen zu bezeichnen, was man sich allgemein unter dem Genre des Power Metals vorzustellen hat. Eventuell sollte man noch den Zusatz der Fantasy voranstellen – denn INSANIA erzählen eine in sich zusammenhängende, gar fantastisch-epische Geschichte, ein Epos – wie es etwa auch RHAPSODY OF FIRE handhaben. Nur, dass der Sound von INSANIA deutlich bodenständiger und nicht ganz so ausschweifend-symphonisch ausfällt. Bereits im Opener THE LAND OF THE WINTERSUN kommen so alle Elemente zusammen, die das Genre zu dem machen, was es ist. Satte Melodiebögen, knackige Riffs, ein lebendiges Drumming, ein stimmig-hoher Leadgesang, relativ dick aufgetragene Keyboardpassagen, ein toller Refrain… und der besagte Fantasy-Touch. Entsprechend lebendig ist die musikalische Szenerie, entsprechend melodiös die Grundstimmung. Dieses Konzept zieht sich auch durch die beiden folgenden, ebenfalls starken Titel HEAVEN OR HELL und BEWARE OF THE DRAGONS, die besonders durch die markanten Drumming- und Soliparts überzeugen. Für die erste Überraschung sorgt dann ANGELS IN THE SKY, eine durch-und-durch Ballade mit einer großen Portion Herzschmerz. Aber, was ist das – während mindestens eine Ballade für viele Bands obligatorisch geworden ist, klingen INSANIA auch in diesen Momenten absolut glaubwürdig.

LOST IN TIME ist nun die etwas nach LABYRINTH klingende Midtempo-Nummer, während HEADING FOR TOMORROW eine weitere recht offensichtliche Tributzollung darstellt. Interessanterweise erinnert der hier dargebotene, fröhlich-frohlockende Sound aber weniger an GAMMA RAY’s Debütalbum – sondern explizit an den Titel EAGLE FLY FREE vom zweiten HELLOWEEN-Album – besonders im Refrain. Spaß macht die Nummer aber allemal, oder gerade deswegen – man spürt die Energie und Spielfreude, und auch Sänger David Henriksson läuft zu Höchstformen auf. Noch besser ist allerdings der Titeltrack SUNRISE IN RIVERLAND, der einen gelungenen Aufbau und einen sagenhaften Refrain präsentiert. Auch DANGEROUS MIND, SEASONS OF LIFE und TEARS OF THE NATURE sind hochkarätige Power Metal-Nummer mit einem ordentlichen Bumms und gelungenen Melodien. Bleibt nur noch das große Finale, welches mit dem fulminanten TIME OF THE PROPHECIES perfekt inszeniert wird. Was für ein Hymnen-lastiges Album, dazu noch mit gute Laune-Potential…

Fazit: Mit SUNRISE IN RIVERLAND erfinden INSANIA das Genre nicht neu – doch zelebrieren sie es mit einer angenehm mitreissenden und wirkungsvollen Hingabe, dass man sich dem Zauber des Albums kaum entziehen kann. Von den Ideen über das Instrumentenspiel, bis hin zur Produktionsqualität werden einfach keine Wünsche offen bleiben. Die einzigen potentiellen Schwachpunkte finden sich in Hinblick auf den nicht besonders ausgeprägten Grad der Einzigartigkeit. Sicher immer nötige Inspirationsquellen oder musikalische ‚Vorlagen‘ hin oder her –  einige Passagen oder gar ganze Titel erinnern zu sehr an den Sound anderer Genre-Kollegen, wie etwa HELLOWEEN oder (im weiteren Alben-Verlauf) die früheren EDGUY. Sei es drum. Wer liebevoll gespielten europäischen Power Metal in seiner Ursprungsform – das heisst in bester HELLOWEEN-Manier – erleben möchte, der sollte beherzt zugreifen. Denn etwas mehr als ein billiger Abklatsch sind INSANIA allemal.

Musik: 10/10 | Gesang: 10/10 | Produktion: 8/10 | Inhalt: 10/10 | Vielfalt: 8/10 | Wirkungskraft: 10/10

Anspieltipps: THE LAND OF THE WINTERSUN, HEAVEN OR HELL, HEADING FOR TOMORROW, SUNRISE IN RIVERLAND, DANGEROUS MIND


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