Metal-CD-Review: HELLOWEEN – Straight Out Of Hell (2013)

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Album: Straight Out Of Hell | Band: Helloween (weitere Band-Inhalte)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power/ Speed Metal – Label: Sony Music Entertainment GmbH

Alben-Lineup:

Markus Grosskopf – Bass
Dani Löble – Schlagzeug
Sascha Gerstner – Gitarre
Andi Deris – Gesang
Michael Weikath – Gitarre

01 Nabataea
07.03
02 World Of War
04.56
03 Live Now!
03.10
04 Far From The Stars
04.41
05 Burning Sun 05.33
06 Waiting For The Thunder
03.53
07 Hold Me In Your Arms
05.10
08 Wanna Be God 02.02
09 Straight Out Of Hell
04.33
10 Asshole
04.09
11 Years
04.22
12 Make Fire Catch The Fly
04.22
13 Church Breaks Down
06.06

2013 wird ein ganz heisses (Metal-)Jahr.

Und daran haben HELLOWEEN alles andere als einen kleinen Anteil. Die alteingesessene Power / Speed Metal-Combo aus Hamburg hat damals wie heute einiges zur Branche beizutragen – und liefert mit ihrem nunmehr 15.ten Studioalbum (!) neuen Stoff für Freunde des guten alten europäischen Power Metals ab. Und vielleicht ja auch einen Anwärter auf den Genre-Thron des Jahres 2013… ? Sicher ist, dass die Konkurrenz ebenfalls nicht schläft, und allen Power Metal-Jüngern mit STRATOVARIUS‘ NEMESIS eine weitere Hausnummer bevorsteht. So haben HELLOWEEN und die Finnen zumindest eines gemeinsam: beide Bands wurden in den frühen 80ern gegründet, feierten gegen Ende desselben Jahrzehnts die ersten ruhmreichen Erfolge – und gewannen gerade in den goldenen 90ern massiv an Popularität. Dies lässt mindestens zweierlei Schlüsse zu: Bands wie die eben genannten wissen, was sie tun – laufen aber auch Gefahr, langjährige Fans aufgrund eventuell zu expliziter Sound-Veränderungen zu vergrätzen. So wird auch STRAIGHT OUT OF HELL polarisieren – auch wenn etwaige, gravierende Änderungen hinsichtlich des typischen HELLOWEEN-Sounds ausbleiben.

Im Gegenteil – es scheint, als würde sich die Band nach ihrem letzten Erfolg 7 SINNERS wieder vermehrt auf ihre Wurzeln besinnen. Was langjährige Fans also am ehesten anzweifeln könnten, wäre ein Ausbleiben von großen musikalischen Innovationen. Andererseits: wer braucht die schon, wenn es sich doch gerade beim Power Metal um ein zeitloses Genre handelt ? So muss man nicht immer explizit neues wagen oder sich in experimentelle Gefilde begeben – dass das ebenfalls schnell schief gehen kann, zeigen beispielsweise SONATA ARCTICA, die heutzutage nicht mehr viel von ihrem alten Soundgewand an sich haben. HELLOWEEN machen es also richtig, und legen mit STRAIGHT OUT OF HELL eine starke Scheibe ab; die einerseits verdammt Power Metal-lastig ist – andererseits aber auch einen gewissen Speed Metal-Einfluss nicht vermissen lässt. In der Tat, das Album ist schnell – und klingt trotz zahlreicher enorm eingängiger Momente nicht zu allzu kitschig oder harmlos. Der Opener NABATAEA wurde bekanntlich bereits vorab als Videosingle ausgekoppelt – bereits hier erwartet den Hörer eine auffällig starke Nummer, die vor allem mit einer gelungenen Performance von Leadsänger Andi Deris aufwartet. Aber auch sonst stimmt alles: die markanten Tempi- und Stimmungswechsel, sowie der leicht mysteriös-historische Touch (der einstweilen an BLIND GUARDIAN erinnern kann) fesseln den Hörer schnell – und erlauben es, dass man die Nummern auch nach mehreren Durchläufen immer wieder neu entdecken kann.

Stichwort Power und Speed Metal: WORLD OF WAR ist eine echte (musikalische) Kampfansage mit einer massiven Tempo-Vorgabe, aggressiven Strophen, einem tollen Refrain und einer mannigfaltigen Gitarrenarbeit. HELLOWEEN wirken hier so bombastisch und ausschweifend wie schon lange nicht mehr – gut so, wenn sich überschüssige Energie angesammelt hat, nur heraus damit. So entsteht eine Hymne, die nicht allzu typisch ausfällt; und die klar macht, dass HELLOWEEN gewiss niemanden kopieren müssen. Auch im Jahre 2013 klingen sie noch eigenständig genug, um nicht in der Masse unterzugehen – kein Wunder, galt die Band lange als Inspirationsquelle und Ideengeber für so viele andere. Die folgende Nummer indes, LIVE NOW – ist schon eher eine, die man als typisch kategorisieren könnte. Bis auf ein paar interessante Riffs und die gelungen Arbeit am Schlagzeug gibt es hier nicht ganz so viel zu holen. Das folgende FAR FROM THE STARS macht sogleich eine 180-Grad-Kehrtwende, und präsentiert sich als die wohl fröhlichste Uptempo-Nummer des gesamten Albums. Doch glücklicherweise beschränkt sich besagte Fröhlichkeit auf den Refrain, der sich in eine sonst recht knackige Instrumental-Kulisse eingebettet ist. Der eher harsche Gesang von Mr. Deris steht hier im Gegensatz zur pompösen Instrumentierung samt leicht kitschiger Keyboard-Einsätze. Laune macht das allemal – Themen wie die hier behandelten werden einfach immer (im Power Metal) funktionieren.

BURNING SUN könnte ebenfalls bereits einigen bekannt vorkommen – schließlich wurde vor einiger Zeit eine entsprechende Single veröffentlicht. Das die Nummer das Zeug dazu hat, unabhängig präsentiert zu werden; steht ausser Frage. Ein weiteres Highlight – das einzig ein wenig mit dem etwas zu aggressiven Andi Deris zu kämpfen hat. WAITING FOR THE THUNDer drosselt nun das Tempo, und bewegt sich so im stampfenden Midtempo-Bereich – eine willkommene Abwechslung, und schon deutlich besser als LIVE NOW. Die erste richtige Überraschung folgt nun allerdings mit HOLD ME IN YOUR ARMS – richtig, einer Ballade wie sie um Buche steht. Auch wenn das sicher nicht jedermanns Sache ist, so bezieht sich die gebotene Abwechslung doch vor allem auch auf Leadsänger Andi Deris – der hier seine Rauheit gegen eine ganz und gar sanftmütig-anmutende Stimmlage austauscht. WANNA BE GOD war ebenfalls auf der BURNING SUN-Single enthalten – hier handelt es sich um ein kurzes Intermezzo, irgendwo zwischen Interlude und vollwertigem Track. Der Titeltrack STRAIGHT OUT OF HELL beginnt etwas abrupt, doch mausert sich im weiteren  Verlauf. Besonders der Refrain kann hier punkten. Das folgende ASSHOLE ist dann allerdings ein Totalausfall – wie es der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich um eine recht plumpe Nummer, bei der sich die Band mal ordentlich Luft macht. Das kann man mögen, wird es aber höchstwahrscheinlich nicht – auch wenn man im Power Metal schon lange keine Begriffe wie Asshole, Shit, Sucker oder Motherfucker (und dann auch noch im Refrain !) gehört hat.

Auch YEARS ist eine für HELLOWEEN-Verhältnisse eher untypische Nummer. Durch zusätzliche symphonische Anleihen und einen recht pompösen Gesamteindruck legt man noch eine Prise Erhabenheit obendrauf – etwas schade ist nur, dass der Sound hier insgesamt nicht ganz so rund abgemischt wirkt wie in den anderen Nummern; so manch einer hätte die Regler hier etwas anders gedreht. Wie dem auch sei – eine gute, emotionale Nummer mit Hymnen-Charakter. MAKE FIRE CATCH THE FLY und CHURCH BREAKS DOWN sorgen für einen runden Abschluss, die Qualität sackt keinesfalls ab. Erst einmal durchatmen – und dann, das Ganze noch einmal von vorne.

Fazit: STRAIGHT OUT OF HELL ist kein KEEPER OF THE SEVEN KEYS III geworden – sondern dient eher als sinnbildlicher Kochtopf, in den alle bisher immer gut funktionierenden HELLOWEEN-Zutaten geworfen wurden. Vor allem jene der späten 90er und frühen 2000er Jahre, was dazu führt, dass HELLOWEEN auf ihrem neuen Werk so schnell, lebendig und kraftvoll erscheinen wie schon lange nicht mehr. Anstatt jedoch das Gaspedal komplett durchzutreten, ist immer wieder für Abwechslung gesorgt – hie und da finden sich solide Midtempo-Stampfer oder auch mal eine Ballade. Fehlende Innovationen hin oder her – gerade Fans sollte es freuen, dass HELLOWEEN nicht zu viel wagen und sich an ihrem guten alten Sound orientieren. Die einzigen Kritik- und Streitpunkte sind die nicht ganz perfekte Produktionsqualität (allerdings: Kritik auf hohem Niveau) überflüssige Nummern wie ASSHOLE – und im allgemeinen, und das ist schon gewagter auszusprechen – der Gesang von Andi Deris. Seine Stimme wird nach wie vor nicht jedermanns Nerv treffen – gerade in den Momenten, in denen noch einige Effekte hinzukommen. Immerhin benutzt er seltener seine Kopfstimme; was grundsätzlich angenehm und eher selten in diesem Genre ist. Schlussendlich: STRAIGHT OUT OF HELL hat definitiv das Zeug, eines der besten Power Metal-Alben des Jahres 2013 zu werden – soviel steht fest. Eine unbedingte Empfehlung !


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