Filmkritik: „The Box – Du Bist Das Experiment“ (2009)

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Originaltitel: The Box
Regie: Richard Kelly
Mit: Cameron Diaz, James Marsden, Frank Langella u.a.
Land: USA
Laufzeit: 115 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Thriller / Science Fiction
Tags: The Box | Cameron Diaz | Unmoralisches Angebot | Test | Deal | Nasa

Ein Experiment, dass keiner braucht.

Inhalt: Arthur Lewis (James Marsden) arbeitet recht erfolgreich bei der NASA, kann aber dennoch nicht viel zur prekären familiären Finanzsituation beitragen. Die Lage spitzt sich zu, als seine Frau Norma (Cameron Diaz) mitgeteilt bekommt, dass ein spezieller Sonder-Tarif für Schulgebühren in Zukunft abgeschafft werden soll – doch wollen die Eltern ihren Sohn Walter (Sam Stone) auch weiterhin bestmöglich versorgen. Plötzlich bietet sich den beiden eine unerwartete Chance auf eine finanzielle Aufbesserung – auch wenn sie erst nicht als solche zu erkennen ist. Schließlich können die beiden erst nur wenig mit der seltsamen Kiste anfangen, die eines Tages vor ihrer Tür abgelegt worden ist. Doch dann erläutert Norma ein unbekannter, offenbar von einer Brandverletzung gezeichneter Mann (Frank Langella), dass sie nur den auf der Kiste applizierten Schalter drücken müsste, um an eine Million Dollar zu kommen – doch dafür müsste irgendwo auf der Welt ein unbekannter sterben. Ist der mysteriöse Fremde nur ein weiterer Scharlatan, oder ist an diesem merkwürdigen Deal tatsächlich etwas dran ? Das junge Ehepaar zögert…

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Kritik: Gute und anspruchsvolle Thriller, die dazu noch mit einer Prise Science Fiction statt mit sonst eher üblichen Horror-Anleihen gespickt sind, sind eine schöne Sache. Zumindest, wenn man einen findigen Ideengeber, sowie einen talentierten Regisseur zur Hand hat. Und gerade diesbezüglich standen die Chancen für THE BOX gar nicht schlecht: die Geschichte basiert auf der Kurzgeschichte von BUTTON, BUTTON von Richard Matheson; und mit Richard Kelly (u.a. DONNIE DARKO) hat man einen der eher unkonventionellen, für den Stoff zweifelsohne geeigneten Regisseur verpflichtet. Zwar hatten sein letzter Film SOUTHLAND TALES nicht mehr viel von der kryptischen Wucht seines Debütfilms DONNIE DARKO, und schnitt bei vielen Kritikern schlecht ab – doch es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Was also soll mit einer zugrundeliegenden Idee wie der zu THE BOX noch schiefgehen ? Leider Gottes immer noch zu vieles.

Die Grundidee von THE BOX ist grundsätzlich recht simpel, offenbart aber ein großes Potential hinsichtlich der weiteren Ausführungen nach dem eigentlichen, titelgebenden Akt. Selbiger Akt besteht vornehmlich daraus, einen Schalter zu betätigen – mit dem Wissen, dass dafür ein anderer Mensch irgendwo auf der weiten Welt sein Leben lassen muss. Dafür erhält die sich moralisch überwindende Person nicht weniger als eine Million Dollar – und hat finanziell erst einmal ausgesorgt. Schön und gut – dass es sich hierbei um eine moralische Grundfrage handelt, die man genauso gut auf ganz andere Bereiche und Filme hätte übertragen können, sei einmal dahingestellt. Wenn man sich allerdings schon dazu entscheidet, dem ganzen einen Hauch von düsterer Science Fiction zu verpassen, sollte man diesen roten Faden auch konsequent verfolgen. THE BOX indes fällt im Endergebnis überraschend konfus, wenig zusammenhängend und erzählerisch schwammig aus. Achtung, es folgen Spoiler !

Vom seltsamen, teilweise auffällig unglaubwürdigen Gebaren um die mysteriöse Box selbst (die augenscheinlich eher als Sinnbild dient, und vielmehr einen inneren Schalter umlegt), über den äusserst geringen Informationsfluss bezüglichen dessen Schöpfer – besonders zu Beginn kommt THE BOX verdammt zäh und konstruiert daher. Besonders die Interaktion von Norma (Cameron Diaz) mit der Box sowie dem alten Mann kann einstweilen für nervenaufreibende Situationen sorgen – jedoch eher für den Zuschauer. Es gibt grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten, auf eine solche Situation, ein solches Angebot zu reagieren: entweder, man hält das Ganze für Humbug und geht entsprechend locker damit um – oder aber man schenkt den Gegebenheiten Glauben. Auch THE BOX hätte es gut getan, wäre eine dieser beiden Möglichkeiten (mit einer entsprechenden Bestätigung / Überraschung) umgesetzt worden – stattdessen bediente man sich einem merkwürdigem Produkt aus beidem. Norma scheint von der ersten Sekunde an zu glauben, dass diese Box weit mehr als nur eine simple Holzkiste samt Schalter ist – besitzt aber nicht die kritische Ernsthaftigkeit, das Geschehen zu hinterfragen. So bekommt man sie einerseits als im Sinne des Films geeignete Testperson (die auch an übernatürliches glaubt) präsentiert, andererseits als alles hinnehmende und keine Fragen stellende Marionette. Mit dem männlichen Gegenpart verhält es sich indes etwas besser und vor allem glaubwürdiger (vom anfänglichen Zweifeln langsam aber sicher in ungeahnte Welten) – doch wirklich rund und nachvollziehbar wirkt das alles nicht.

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Es ist kein gutes Zeichen für einen Thriller dieser Art, dem Zuschauer gleich zu Beginn mit einer Unstimmigkeit wie dieser zu konfrontieren – noch schlimmer ist es indes, auf diese Darstellung (die für manche vielleicht auch nur eine kleine Unstimmigkeit ist), weitere eher ungünstige folgen zu lassen. Die diesbezüglichen Schwächen sind – wie die Box – nicht sofort als theoretische Unheilsbringer zu erkennen; sondern entpuppen sich erst im weiteren Verlauf als solche. Der größte von ihnen findet sich in direkten Bezug auf die eher unkonventionelle, leicht kryptisch-angedeutete Erzählweise von Regisseur Richard Kelly. Der hat sich offenbar allerlei Gedanken um das wie und warum im film gemacht – doch lässt er den Zuschauer über weite Strecken im Regen stehen. Stattdessen gibt er sich völlig seiner Symbolik und seinem ureigenen Stil hin, beinahe nach dem Motto: komme was wolle. Das Ergebnis ist ein stark fragmentiert wirkendes Stück Film, welches viele künstlich aufgeblasene Szenen enthält – und viele Rätsel, die keine sind. Während einige Fragen offen bleiben, werden andere zu eher ungünstigen Zeitpunkten beantwortet – aber auch nur teilweise. Während manche Filme gut daran sind, nicht zu viel zu verraten; hat man bei THE BOX desöfteren das Gefühl, als würde hinter den angedeuteten Elementen eben nicht mehr stecken. Und so passiert genau das, was man sicher hat vermeiden wollen: THE BOX verkommt zu einem relativ simplen Thriller mit lediglich einer Besonderheit: offenbar haben hier nicht nur Menschen ihre Finger im Spiel. Auch, wenn die diesbezügliche, angedeutete Erklärung (Stichwort Blitzschlag) nur wenig Sinn zu ergeben scheint, und die Spezialeffekte (hauptsächlich Spiele mit Wasser) etwas übertrieben scheinen.

Dem Film bleibt der Fokus auf die Charaktere – allerdings weniger auf der Thriller-; als auf einer reinen Drama-Ebene. Schließlich machen die Protagonisten wenig Anstalten, mehr über die Ereignisse herauszufinden zu wollen – packende Enthüllungen werden durch seltsam-surreale Szenen ersetzt. Stattdessen werden ihre Befindlichkeiten und ihr Umgang mit dem moralischen Dilemma (zu dem noch weitere kommen) aufgezeigt. Aber auch hier gibt es Probleme; mämlich spätestens dann, wenn die angeblich übernatürlichen Mächte arg menschenähnliche Konzepte auffahren, um die hier stattfindenden Experimente zu rechtfertigen. So scheint dieser jemand, dieses etwas ebenso in einem schwarz-weiss Schema zu denken wie die ‚Opfer‘ (je nachdem wie man es sieht) selbst – das ist verständlicherweise nur begrenzt spannend. Ebenfalls eher ungünstig (aber eben prestigeträchtig) ist das Engagement von Cameron Diaz in einer Hauptrolle.  Obwohl sie relativ gut spielt, wäre ein etwas unbekannteres Gesicht sicher wirkungsvoller gewesen. Der technische Part macht insgesamt eine gute Figur, von den etwas übertriebenen Spezialeffekten und dem teilweise enorm aufdringlichen Soundtrack einmal abgesehen.

Doch THE BOX hat durchaus auch seine lichten Momente, auch wenn diese eher rar gesät sind. Zwar etwas simpel erklärt, aber recht ungewöhnlich und erfrischend sind beispielsweise die Passagen, in denen es den Protagonisten langsam dämmert, was da mit ihnen geschieht – und sie nicht nur um ihre erlösung, sondern stattdessen die der gesamten Menschheit betteln. Zudem ist der Film von einer markanten, teils gruselig-mysteriösen Atmosphäre durchzogen, was der Spannung gut bekommt; und so manches Mal von den inhaltlichen Unstimmigkeiten ablenkt.

Fazit: THE BOX hatte Potential, vielleicht sogar großes Potential. Das letztendliche Ergebnis aber schwankt irgendwo zwischen Hollywood-Mainstream und dem Eigenwillen eines Regisseurs mit einem offensichtlichen (und etwas halbherzig umgesetzten) Hang zu Sonderbarem. Die Sci-Fi Geschichte wirkt unglaubwürdig, unausgegoren und sogar recht bekannt (Außerirdische / Mächte, die die Menschheit auf die Probe stellen wollen / müssen); vieles wird mithilfe der kryptischen Erzählweise aufgeblasen – gewinnt deswegen aber noch lange nicht an Gehalt. Es bleibt die packende Atmosphäre, die auf ein großes, alle betreffendes Geheimnis hoffen lässt – das aber leider auch bis zum Abspann, der so etwas unverhofft daherkommt. Sicher, man muss nicht immer alles detailliert mit dem Zeigestock erklären – aber eine Aneinanderreihung von derart frei interpretierbaren Szenen macht noch lange keinen guten Film aus.

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „The Box – Du Bist Das Experiment“ (2009)

  1. Vielen Dank für deine Filmkritik, die ich gut nachvollziehen kann, auch, wenn ich anderer Meinung bin.
    Ich fand „The Box“ genau wie die beiden anderen Kelly-Filme absolut ansprechend, und mich hat der Film nach dem Sehen nicht mehr losgelassen (meine Kritik hier: http://www.leselink.de/filme/science-fiction-filme/the-box.html ). Auf den ersten Blick mag zwar einiges unlogisch erscheinen, aber wie bei „Donnie Darko“ auch kommt es extrem auf die Details an, die man beim ersten Sehen leicht übersieht. Beispielsweise sieht man die Hintermänner von Arlington Steward in einigen Szenen, wenn auch nur angedeutet. Und tatsächlich bietet der Film einiges an Stoff für Verschwörungstheorie-Fans – wenn auch nicht sehr plakativ. Vor allem aber wird das Ganze stimmiger, wenn man es mehrfach sieht. Was bei „Donnie Darko“ in den Himmel gelobt wurde, wird leider sowohl bei „Southland Tales“ als auch bei „The Box“ verrissen. Für mich persönlich aber kein Grund, die Filme nicht zu mögen :).

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  2. Nicht dass ich explizit vorgehabt hätte den Film anzusehen, aber der Titel ist mir schon einige Male über den Weg gelaufen. Damit wandert der Film erst mal noch weiter nach hinten auf meiner „Medienliste“. 🙂 Schau ich mal an wenn sich die Gelegenheit ergibt und gebe dann ggf. meinen Senf dazu. ^^

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  3. Das ist ja lustig, hab den film auch gestern geschaut , auch wenn nur zerhackstückelt. Im großen und ganzen fand ich den genau so, da das Ende so ausssageschwach war ist die Bewertung gerecht.
    mfg
    CB

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