Metal-CD-Review: MAJESTY – Thunder Rider (2013)

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Album: Thunder Rider | Band: Majesty (weitere Band-Inhalte)

Land: Deutschland – Stil: True / Heavy Metal – Label: NoiseArt Records

Alben-Lineup:

Tarek „MS“ Maghary – Gesang, Keyboard
Alex Palma – Bass
Tristan Visser – Gitarre
Björn Daigger – Gitarre
Jan Raddatz – Schlagzeug

01 Thunder Rider
04.46
02 Warlords Of The Sea
06.12
03 Anthem Of Glory
04.48
04 Make Some Noise
03.48
05 Metalliator 04.52
06 Raise The Beast
06.08
07 New Era
04.55
08 Asteria 06.36
09 Rebellion Of Steel
04.36
10 Metal Union
06.10

Deutscher Echtstahl in seiner Reinform ?

Einige haben schon länger darauf gewartet, andere eher nicht. Die Rede ist von MAJESTY’s neuestem Streich, THUNDER RIDER – das in jedem Fall eine knackige Portion True Metal zu bieten hat. Genre-Fans werden sagen, eine recht typische – und tatsächlich ist das Album alles andere als spektakulär oder überraschend ausgefallen. Doch darf man den Begriff des typischen im Zusammenhang mit dem Genre des True Metal, und damit auch der Band MAJESTY, nicht falsch verstehen. Schließlich geht es gerade in diesem Bereich um eine gewisse Zeitlosigkeit der Musik, die so bereits in den 80ern und mit Vorreitern wie MANOWAR funktionierte – und auch heute noch gefeiert werden kann. Für die Musik selbst heisst das in erster Linie, dass alle typischen Elemente des True Metal entsprechend zur Verwendung kommen. So finden sich auf THUNDER RIDER die heroischen Textinhalte (und wie…) ebenso wieder wie eine weitestgehend schlichte aber wirkungsvolle Metal-Instrumentierung – die mal in Richtung Power Metal, mal in Richtung Heavy Metal driftet – gespickt mit allerlei Mitsing- und Headbangpotential. Sänger Tarek zeichnet sich auf THUNDER RIDER nicht nur für den Gesang verantwortlich, sondern auch für die Arbeit am Keyboard – die aber abermals genretypisch ausfällt, das heisst zumeist dezent von statten geht und nur hie und da für einen etwas satteren Klangeindruck sorgt.

Das Album macht keine Umwege über ein Intro, sondern startet gleich mit dem Opener und Titeltrack THUNDER RIDER durch. Eventuell ist diese Nummer einigen bereits bekannt – schließlich sorgten MAJESTY diesbezüglich für eine rechtzeitige Veröffentlichung eines passenden Musikvideos. Und das war beileibe keine schlechte Wahl: THUNDER RIDER gibt dem Hörer eine bestmögliche Vorstellung vom zu erwartenden Alben-Inhalt. Die Nummer ist weder im Mid- noch im Uptempo anzusiedeln (sondern irgendwo dazwischen) und kommt insgesamt wunderbar kraftvoll daher. Die etablierte Stimmung ist sowohl auf der inhaltlichen wie auch der emotionalen Ebene als episch und heroisch zu beschreiben – sofern man sich, allen Klischees zum Trotz, (noch) auf Nummern wie diese einlassen kann. Hinzu kommt ein rundum knackiger Sound, dem man die langjährige Erfahrung der Band anmerkt. Für einen runden Abschluss sorgt die satte Produktion, die keine Wünsche hinsichtlich der allgemeinen Klangqualität offen lässt – so können die anderen Titel nur allzu gerne kommen; auch wenn man mit THUNDER RIDER sicherlich keine musikalische Offenbarung erwarten sollte.

Doch welchem True Metal-Album könnte man dies (mit Ausnahme der Anfangszeiten des Genres) überhaupt noch zugestehen ? Und so geht es munter weiter mit WARLORDS OF THE SEA, welches einen deutlichen Power Metal-Einschlag vorzuweisen hat. Stellvertretend dafür regiert ein hohes Tempo, gepaart mit einer großen Portion Bombast. Ein druckvoller Refrain mit Mitgrö-Potenital, sowie die Einbettung in eine gelungene Anfangs- und Endmelodie sorgen hier für eine rundum gelungene Nummer – besonders geeignet für alte Seebären. Angekommen bei Titel Nummer 3, dem ANTHEM OF GLORY, machen sich dann aber auch die ersten (offensichtlicheren) Probleme des Albums bemerkbar. Nein, das ist keine 180-Grad-Kehrtwende – denn auch die ersten beiden Nummern waren nicht perfekt. Super-solide, aber eben nicht perfekt. Nun aber schleicht sich eine gewisse Eintönigkeit ein, die zweifelsohne auch mit den typisch klischeehaften Lyrics zu tun hat. So werden – Genre-Freunde können ein Lied davon singen – alle Wörter benutzt, die auch nur ansatzweise in Verbindung mit dem Genre (und dessen Historie) gebracht werden können. Nur nützt das nicht viel – wenn der ANTHEM OF GLORY dabei eigentlich weniger halten kann, als die Titelgebung verspricht. Auch die rockige gute-Laune-Nummer MAKE SOME NOISE wirkt nicht gerade besonders originell, und lässt – im Gegensatz zu den ersten beiden Titeln – auch etwas an Kraft vermissen, trotz eingängiger Mitgröhl-Momente.

Mit METALLIATOR wird dann wieder Fahrt und das Tempo aufgenommen, doch auch hier gilt: hat man einmal in die Klischee-Kiste gegriffen, bekommt man die Hand nicht wieder aus ihr heraus. Die Gitarrenarbeit ist jedoch absolut überzeugend. Etwas epischer wird es nun mit RAISE THE BEAST, wobei MAJESTY die letztendliche Umsetzung nicht ganz so gut gelingt wie anderen. Sicher, die sphärische Keyboard-Soundkulisse vor der dezenten Instrumentierung und die ungewöhnlich ruhig vorgetragenen Strophen lassen einen aufhorchen, doch so richtig fesseln kann die Komposition nicht. Bis, ja bis es dann gegen ende doch noch eine kleine Überraschung gibt. Diese entsteht eigentlich aus einer simplen Maßnahme heraus: aus einem Tempo-Wechsel. Vielleicht hätte man schon vorher zu solchen Mitteln greifen sollen, schließlich entstehen die etwas epischeren Nummern gerade aus dem Wechselspiel der Tempi und Stimmungen. NEW ERA kann nun wieder völlig überzeugen – mit einer abwechslungsreichen Komposition, Variationen im Gesang, einigen Aha-Momenten (symphonische Passage bei Minute 3, erinnert etwas an DRAGONLAND), gutem Soli… ein runde Sache.

ASTERIA greift dieses Konzept auf, und geht deutlich symphonischer zu Werke – sodass vor allem der Beginn recht stimmig und spannend daherkommt. Im weiteren Verlauf schimmern aber auch einige Schwächen durch: das Keyboard wirkt einstweilen etwas zu laut und aufdringlich, gesanglich wird offenbar nicht jeder Ton getroffen (besonders im Refrain). Man schrammt schon hart an der Grenze zum (unfreiwillig) komischen, sodass ein Titel wie dieser mit Vorsicht zu genießen ist. REBELLION OF STEEL ist dann wieder ein typischere Nummer ohne großartige Höhepunkte, während der Final-Track METAL UNION noch einmal alles auffährt – auch einige Gastsänger. So endet das Album mit einer Metal-Hymne, welche… abermals nicht ganz so episch und mannigfaltig klingt wie vielleicht beabsichtigt. Es wäre mehr drin gewesen – so bleibt es bei insgesamt 3 herausragenden Nummern (siehe Anspieltipps), die stellvertretend den Inhalt von THUNDER RIDER symbolisieren und den Rest zwar nicht unnötig, aber doch etwas halbherzig erscheinen lassen.

Fazit: Schlussendlich ist THUNDER RIDER jedem Genre-Fan ans Herz zu legen, der hier eine der engagiertesten deutschen True Metal-Combos in neuer (oder alter…?) Höchstform erleben wird. Aber auch schwermetallische Neu- oder Quereinsteiger könnten mal ein Ohr riskieren; sofern sie sich nicht an einer ordentlichen Portion Kitsch stören. Die leichte Zugänglichkeit und der markante ’nach vorn‘-Anspruch machen die 10 Titel zu einem Garant für Kurzweil und gute Laune – und zum richtigen Futter, ist man auf gut verdaulichen aber dennoch kraftvollen und ‚ehrlichen‘ Metal aus. Sicher, Innovationen und Komplexität wird man auf einem Album wie THUNDER RIDER vergebens suchen – doch dafür gibt es genügend andere Genres. MAJESTY ist das sowie alles egal. Sie zelebrieren ‚ihr‘ Genre, schämen sich dessen nicht (und auch nicht für die offensichtlichen MANOWAR-Parallelen) und können es wohl verkraften, hiermit nicht für den Titel des besten Albums des Jahres nominiert zu werden.

Anspieltipps: THUNDER RIDER, WARLORDS OF THE SEA, NEW ERA


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