Filmkritik: „Aliens – Die Rückkehr“ (1986)

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Originaltitel: Aliens
Regie: James Cameron
Mit: Sigourney Weaver, Michael Biehn, Lance Henriksen u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: 137 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Alien | Aliens | Die Rückkehr | Xenomorph | Ripley | Facehugger | Weltall

Nach 57 Jahren Kälteschlaf hat sich einiges angestaut.

Inhalt: Ellen Ripley (Sigourney Weaver), die einzige Überlebende der unheimlichen Katastrophe an Bord des Raumfrachters Nostromo, wird nach nunmehr 57 Jahren endlich aus ihrer Rettungskapsel befreit. Dies geschieht jedoch eher zufällig – Ripley kann also von Glück reden, dass sie und ihr Kater nach dem knappen Entkommen vor einer furchteinflössenden außerirdischen Kreatur doch noch gerettet werden konnten. Ganz so glücklich getroffen hat sie es mit ihren Rettern selbst indes nicht – man stellt ihr viele Fragen, entzieht sie ihrer Flugerlaubnis und zweifelt auch noch an ihrem Verstand. Das unglaubliche: ihr wird berichtet, dass auf dem Planeten dem sie einst entkam, inzwischen Menschen siedeln. Der Untersuchungsausschuss sieht jedoch keinen Grund für eine Beunruhigung, selbst nach der Schilderung Ripleys. Doch als der Funkkontakt zu LV-426 abbricht, ist man plötzlich doch gewillt, der Überlebenden Gehör zu schenken… sie soll eine Militärmission begleiten und als Berater fungieren. Einmal auf dem Planeten angekommen, findet man eine verlassene Station vor –  wobei alles lässt auf heftige Kampfhandlungen schließen lässt…

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Kritik: Was ist denn da los ? Nicht nur dass Ridley Scott, Regisseur des ersten ALIEN-Teils (Review-Link) das Regie-Zepter an seinen Kollegen James Cameron weitergegeben hat – im Sequel zum 1979’er Kultfilm läuft auch sonst alles ein klein wenig anders. Während der erste Film noch von behutsamen inszenierten, stillen Weltraumszenen und dem oftmals nur schemenhaften Auftauchen einer außerirdischen Kreatur gelebt hat, herrscht im zweiten Teil generell ein etwas offensiverer Ton vor. Angefangen bei einer schockierenden Enthüllung in Bezug auf Ripley’s Weg mit der Rettungskapsel, über die groß angelegte Militärmission und Ripley selbst – ALIENS – DIE RÜCKKEHR bietet deutlich mehr Tempo und Action-Elemente. Doch macht ihn das zu einem weniger qualitativen Nachfolger eines nunmehr altehrwürdigen Originals ? Nicht wirklich, beziehungsweise eher im Gegenteil – schließlich war und ist dies einer der wenigen Wege, die man hinsichtlich einer Fortsetzungsstrategie wählen kann.

Der 1979’er ALIEN war ein eher subtiler Weltraumhorrorfilm, dem eine unvergleichlich intensive Atmosphäre innewohnte. Man begann relativ schlicht, indem man  das Leben einer kleinen Weltraumfrachter-Crew porträtierte, und wie sie einem Notrufsignal nachging. Alles, was danach geschah; ist zwar eindeutig ist das (spannungsintensive) Horror-Genre einzuordnen – doch ging man mit einer enormen Behutsamkeit und einem markanten Fingerspitzengefühl vor. Bloss nicht zuviel zeigen, oder unnötigerweise ins plumpe, actionreiche abdriften – ein Konzept, welches absolut aufging. Dann, gute 7 Jahre später, sollte das Sequel folgen. Und: welche Vorgehensweise würde man in diesem Fall wählen, ohne das Franchise dabei sofort zu versenken ? Richtig, man wiederholt sich eben nicht – sondern hievt die Bedrohung durch die Aliens auf die nächsthöhere Ebene. Dabei handelt es sich folglich um Geschichte, die mehr als nur eine kleine Crew betrifft – dieses Mal sind nicht nur eine ganze Raumstation, sondern explizit auch internationale Verbände und Ausschüsse involviert. Das gibt ALIENS ein schönes und sinniges Gefühl eines globalen Zusammenhangs und einer allumfassenderen Bedeutung – die zwar noch nicht direkt das Bewusstsein der Erdbevölkerung erreicht, aber schon größere Wellen schlägt.

In diesem Zusammenhang serviert man dem Zuschauer sogleich ein neues, voll ausgestattetes Militär-Team, welches sich auf eine Erkundungs- respektive Rettungsmission begibt – mit zahlreichen entsprechend markanten Charakteren. Auch die Wandlung von Ripley, die mit dieser neuen Herangehensweise einhergeht, gelingt den Machern vortrefflich. Nach ihrem anfänglichen Hadern und der Feststellung der Tatsache, dass sie mit dem erlebten nicht abschließen kann; verwandelt sie sich in eine regelrechte Kampfmaschine – die jedoch eher von ihrem Beschützerinstinkt als von simplen Rachegelüsten geleitet wird. Auch das Element des kleinen Mädchens, welche den ALIEN-Angriff überlebt hat, erhält so seine Bedeutung – und sorgt dafür, dass selbiger Beschützerinstinkt mitunter auch beim Zuschauer ausgelöst wird. Während es im ersten Teil vor allem die neue, bedrohliche Situation war die fesselte, sind es nun die Charaktere selbst – die einen intensiv am ALIEN-Erlebnis teilhaben lassen und das Ganze zu einem fulminanten Spektakel machen.

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Sicher hat das nicht nur Vorteile – gerade die anfänglichen Szenen mit der ’neuen‘ Crew können einstweilen etwas gewöhnungsbedürftig ausfallen. Hier regiert ein auffällig kauzig-militärischer Unterton, der mitunter ins komische abdriftet – und dem Film so einen Teil seiner Ernsthaftigkeit raubt. Im späteren Verlauf, und mit zunehmender Bedrohung verschwinden diese Elemente verständlicherweise – gut so, schließlich passt ein allzu locker Ton (oder explizite Witzeleien in Bezug auf den Vergleich zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht) nicht wirklich ins ALIEN-Universum. Auch sind nicht alle Handlungen, die sich im Laufe der actionreichen Inszenierung ergeben, nachvollziehbar: zwischen all dem Gehetze und dem ALIEN-Gemetzel kommt die Logik desöfteren abhanden, was einige Verhaltensweisen spezieller Charaktere etwas unwirklich erscheinen lässt. Ebenfalls nicht ganz kritikfrei zu betrachten sind die Special-Effects: selbst der 1979’er Film wirkte gerade in Bezug auf die Weltraumszenen ansehnlicher und zeitloser, aber nicht weil die Effekte von einer besseren Qualität waren – sondern allein weil man sie dezenter und geschickter einsetze. Wenn hier eine kleine Raumfähre hin zu einem Planeten gleitet, sieht das schonmal alles andere als geschmeidig aus.

Sei es drum – die anderen Szenenaufbauten (sowie die Erweiterung derselben im Vergleich zum ersten Teil) können durchweg überzeugen. Es macht Spaß; und dient als enormer Zugewinn für den Überlebenskampf der Protagonisten, dass nun auch in weiten Gängen, Außenbereichen (unter einer künstlich erzeugten Atmosphäre), mit Fahrzeugen, schweren Waffen und allerlei Tricks gekämpft wird. Ebenfalls schon deutlicher und expliziter im Fokus ist das ALIEN-Universum an sich, welches nun auffällig mit spannenden Hintergrundinformationen und Entwicklungen auffährt. So ist vor allem die fortschreitende Technologie ein ständiges, gut ausgeschöpftes Thema; welches gerade Fans einer gepflegten Science Fiction sowie Verschwörungstheoretiker erfreuen wird.

Fazit: ALIENS ist zweifelsohne ein würdiger Nachfolger des kultigen Original-Films von 1979. Der Regisseurs-Wechsel und die Neu-Orientierung hin zu einer deutlich actionreicheren und charakterlastigen Inszenierung haben dem Sequel nicht geschadet, im Gegenteil. Die konsequente und logische Weiterentwicklung des Franchises begeistert so Fans wie Neueinsteiger. Die intensive, schaurige ALIEN-Grundstimmung bleibt erhalten; während viele neue Elemente hinzukommen, die nicht nur für mehr Action, Empathie und Spannung sorgen – sondern den Film auch inhaltlich weitaus reichhaltiger und bedeutungsschwerer machen. ALIENS ist eindeutig eines der besseren, wenn nicht gar besten Sequels überhaupt – da man alles richtig macht und sich sinnig weiterentwickelt – ohne sich zu wiederholen oder gar ohne den Ursprung der Reihe zu verleugnen. Eine absolute Empfehlung für alle ALIEN-Fans oder solche, die es werden wollen – die selbe Wertung wie für das Original. Und das will bei einem Sequel schon was heissen.

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