Filmkritik: „Alien – Das Unheimliche Wesen Aus Einer Fremden Welt“ (1979)

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Originaltitel: Alien
Regie: Ridley Scott
Mit: Sigourney Weaver, Tom Skerritt, Veronica Cartwright u.a.
Land: Großbritannien, USA
Laufzeit: 117 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction / Horror
Tags: Alien | Original | Beginn | Sigourney Weaver | Weltall | Kult

Eine jede Saga nimmt irgendwann mal ihren Anfang.

Inhalt: In der nahen Zukunft erwacht eine Raumschiffs-Besatzung aus ihrem monatelangen Kälteschlaf, nachdem sie mit dem Ressourcen-Abbau auf einem weit entfernten Planeten erfolgreich war. Dabei kam der hochmoderne, riesige Weltraumfrachter Nostromo zum Einsatz, der per Computersignal auch den Kälteschlaf unterbricht – sofern sich das Schiff wieder der Erde nähert. Doch alsbald muss die Besatzung, unter ihnen auch der dritte Offizier Ellen Ripley (Sigourney Weaver) feststellen, dass die Erde noch immer in weiter Ferne ist. Stattdessen hat die Nostromo ein SOS-Signal empfangen, und zwingt die Crew zu einer Entscheidung. Auf dem unwirtlichen, von schroffen Felsen übersäten Planten; der sich als Ausgangspunkt des Signals herausstellt, macht die Crew eine schier unglaubliche Entdeckung: ein beeindruckendes, offenbar außerirdisches Raumschiff scheint hier auf einem Felsen gestrandet zu sein. Da das Unglück schon vor unzähligen Jahren stattgefunden haben muss, geht eine kleine Gruppe an Bord des Alien-Schiffs – und erforscht erst gefahrlos das faszinierende Innenleben. Doch es kommt zu einem Zwischenfall: ein Crewmitglied wird von einer sonderbaren Lebensform angegriffen, die sich in dessen Gesicht festzusaugen scheint. Nun ist es an Schiffsarzt Ash (Ian Holm), das unbekannte Wesen von seinem Wirt zu entfernen – doch damit hat das lebensbedrohliche Abenteuer auf dem fremden Planeten erst begonnen…

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Kritik: Wenn diesem Film kein besonderer Kultstatus zuzuweisen ist, welchem dann ? Ridley Scott’s ALIEN markiert nicht nur den Beginn einer äusserst erfolgreichen Regisseurs-Laufbahn eines 1937 geborenen Engländers, sondern bildet auch den sinngemäßen Auftakt eines mitunter neuen Genres: des Weltraum-Creature-Horrors. Was mit Kubrick’s 2001 – ODYSSEE IM RAUM (Review) begann, wurde demnach und gute 11 Jahre später fortgesetzt, respektive auf die Spitze getrieben: geradezu kunstvoll arrangierte, still dargebotene Weltraum-Stilleben werden durch erst kaum greifbare (aber zweifelsohne als bedrohlich einzustufende) Entwicklungen unterbrochen und in einen tiefen Abgrund gezogen. Während 2001 diesen Abgrund vor allem auf die menschliche Psyche, den technischen Auswüchsen der Zukunft und einem minimalen ‚fremden‘ Einfluss bezog, tendiert ALIEN schon weitaus deutlicher in Richtung Horror, serviert beispielsweise einige Schock-Momente und eklige Kreaturen – und ist somit kaum als Psycho-Thriller oder reiner Science Fiction-Film zu bezeichnen. Aber macht ihn das auch zu einem eher vorhersehbaren, einfacher gestrickten Film ? Vielleicht – doch kann er ebenso wie 2001 als Vorreiter (Wertung: 9/10 Punkten) und zeitloses Meisterwerk überzeugen; nur eben auf einer etwas anderen Ebene.

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Wer weiss schon, ob es Ridley Scott und seine Kollegen haben vorhersehen können – doch eines ist sicher: ALIEN markiert eine filmische Grundsteinlegung, und bot somit den Nährboden für zahlreiche darauf folgende Filme einer ähnlichen Machart. Seien es die direkten Fortsetzungen, das neueste Spin-Off PROMETHEUS (Review) oder unzählige, manchmal kaum nennenswerte Abklatsche und Interpretationen – in irgendeiner (und gar nicht mal so unauffälligen) Art und Weise ist alles auf den einen markanten Klassiker zurückzuführen. Das spricht natürlich für einen Film wie ALIEN – und tatsächlich offenbart sich der enorme Kultfaktor auch, beziehungsweise gerade noch heute. Gleichzeitig ist es weitaus einfacher, einen Film wie diesen als Meilenstein zu bezeichnen – da er im Gegensatz zu anderen Vorreitern differenter Genres (wie dem Zombie-Horror) bereits alle nötigen Zutaten enthält und keine wünsche hinsichtlich der Machart und Präsentation offen lässt. Bei ALIEN stimmt einfach alles – und das ist nicht bloss so dahergesagt. Die Kulisse ist ein riesiges Raumschiff, welches von einer vergleichsweise kleinen Besatzung und einer hochentwickelten künstlichen Intelligenz (weitere Parallele zu 2001) geführt wird – der perfekte Ausgangspunkt für einen spannenden Weltraumhorror-Trip ins Ungewisse.  Von Anfang an überzeugen dabei auch die Charakterporträts und die raffinierten Einfälle der Macher, kontinuierlich für Spannung zu sorgen.

Doch der eigentliche Clou des Films ist seine vollkommen sinnige, stets nachvollziehbare und absolut zufriedenstellende Entwicklung. Was einfach anmutet, ist es in diesem Fall nicht wirklich – hier gehört eine riesige Portion Fingerspitzengefühl dazu, die Regisseur Ridley Scott glücklicherweise an den Tag legte. Die Machart des 1979’er Films ist dabei nur noch geringfügig mit denen späterer Genre-Auswüchse zu vergleichen: ALIEN beginnt sehr ruhig, geradezu verhalten – und zeigt dem Zuschauer nicht viel mehr als einige kunstvoll inszenierte Weltraum- und Raumstationsbilder. Daraufhin geht es stilsicher, und stets wohl dosiert weiter: die Charaktere werden eingeführt, die ausserplanmäßige Mission beginnt; der erste außerirdische Kontakt findet statt… und erst im weiteren Verlauf spitzt sich die Gefahr mehr und mehr zu. Bis es dann in einem furiosen Finale im wahrsten Sinne des Wortes knallt – und der rote Faden zu Ende gesponnen wird. Dabei gelingt ALIEN eine weiter Gratwanderung: einerseits wirft er kaum Fragen auf, sodass man ein relativ rundes Ende und einen in sich abgeschlossenen Film zu sehen bekommt – andererseits aber hat man sich gewisse Hintertürchen offen gelassen, die bei näherer Betrachtung doch großes Interesse auslösen können und die Nachfolger zumindest teilweise rechtfertigen.

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Ähnlich wie 2001 gelingt auch ALIEN das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die mehr aus dem Film machen als einen oberflächlichen Weltraum-Trip mit plumpen Grusel-Elementen. Es sind geschickt behandelte Elemente wie die menschlichen Urängste, heute noch unerreichbar erscheinende Menschheitsträume, der technisch-wissenschaftliche Fortschritt in all seinen (positiven und negativen) Facetten; die schwer greifbare Hoffnung nicht allein im Universum zu sein – und ein Beispiel eines außerirdischen Kontakts, welcher erschreckend ausfällt – aber auch erschreckend authentisch, beziehungsweise überaus glaubwürdig. Auch handwerklich gibt es – bis auf einige minimale Abstriche – grundsätzlich nur gutes zu vermelden. Sicher ist ALIEN mittlerweile in die Jahre gekommen – doch der spezielle Nostalgie- und Kultfaktor machen dergleichen locker wett, besonders wenn die filmisch etablierte Atmosphäre zum Schneiden dicht ist und sich nicht durch eine möglicherweise minderqualitative Bildqualität aufhalten lässt. Allerdings stören in visueller Hinsicht vor allem zwei Dinge, die man hätte vermeiden oder zumindest dezenter hätte einsetzen können: den Einsatz von Rauch und Nebel (als Abgas, zur Befüllung von ganzen Räumen) und die späteren Stroboskop-Effekte (die stark an den Nerven zerren können, auch wenn sie eigentlich nur an einer Stelle massiv auftreten). Schauspielerisch gibt es nichts zu bemängeln, auch nicht hinsichtlich des Soundtracks. Hier passt alles, und vor allem wirkt alles absolut unverbraucht, passend und glaubwürdig.

Fazit: ALIEN ist zu Recht einer der markantesten Kultfilme aus dem Bereich der Horror-orintierten Science Fiction. Ridley Scott gelang ein kleines Meisterwerk, welches – interessanterweise – erst im Laufe der Jahre richtig wachsen konnte. Sicher ermöglichte ALIEN den Zuschauern auch schon bei der Uraufführung ein besonders eindringliches Film-Erlebnis – doch gerade nachdem zahlreiche ähnliche Filme auf den Markt kamen, trennte sich die Spreu vom Weizen. Oder anders gesagt: das Original von den Abklatschen. ALIEN bietet dem Zuschauer eine unvergleichliche Atmosphäre irgendwo zwischen Weltraumhorror und Science Fiction, und macht dabei erzählerisch und handwerklich alles richtig. Zeitlos gut, und ein absolutes Muss in jeder Filmsammlung !

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3 Gedanken zu “Filmkritik: „Alien – Das Unheimliche Wesen Aus Einer Fremden Welt“ (1979)

  1. Ah, sehr gute Hintergrundinfos mal wieder. ‚Planet Der Vampire‘ hat doch gleich mal mein Interesse geweckt (auch wenn er zumindest teilweise unfreiwillig komisch anmutet), schließlich ist es immer wieder spannend und eine Herausforderung das Rad immer weiter zurückzudrehen und letztendlich an einem ‚Urspung‘ anzukommen. Glücklicherweise gibt es das Medium Film ja (vergleichsweise) noch nicht allzu lang, sodass es noch recht gut möglich ist. Aber: wieviele ‚Schätze‘ die bisher gedreht wurden (und schon heute einigermaßen rar sind) werden wohl im Laufe der kommenden Jahrzehnte ganz verschwinden…

    ‚Prometheus-Style‘ lol, dachte erst Du hättest ihn kreiert… 🙂

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    1. „Aber: wieviele ‘Schätze’ die bisher gedreht wurden (und schon heute einigermaßen rar sind) werden wohl im Laufe der kommenden Jahrzehnte ganz verschwinden…“

      Darum bin ich Filmsammler geworden. Denn sehr viele dieser Raritäten interessieren mich und landen in meiner Kollektion…genauso wie „Planet der Vampire“. 🙂

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  2. Dem ist nichts hinzuzufügen, Alien ist ein unantasbarer Klassiker…allerdings bin ich mir bei der Wertung etwas unschlüssig ob mir der zweite Teil von James Cameron nicht doch ne Spur besser gefällt, schon allein aufgrund der „amazonenhaften“ Wandlung von Sigourney Weaver. (Vergleichbar mit Sarah Connor in Terminator II)

    Hier ein fiktiver Fight zwischen beiden Damen. LOL

    Erwähnen muss man noch, dass es einen italienischen Film von Mario Bava aus dem Jahre 1965 gibt, der möglicherweise Inspiration für Alien lieferte.Natürlich verfügte Bava nie über das nötige Budget, aber er filmte stehts mit Liebe und handwerklichem Können, um aus den Mitteln die ihm zur Verfügung standen das beste herauszuholen. Klar wirkt alles ein wenig naiv (wie „Raumschiff Enterprise“ mit Gruselelementen^^), immerhin sollten es noch 14,15 Jahre bis „Alien“ von Ridley Scott sein. Die Parallelen sind aber nicht zu leugnen.

    Der Fan-made Prometheus-style Trailer wirkt dann doch etwas hochwertiger und nicht so cheesy. 🙂 ^^

    Zumindest gesehen haben sollte man auch „Silent Running“ (Lautlos im Weltraum), der eindeutig Inspiration für viele kommenden Science-Fiction Filme lieferte. Regisseur Douglas Trumbull war zuvor verantwortlich für die Spezialeffekte in Stanley Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum. Kubrick wollte, dass das Sternentor am Ende des Films um den Saturn platziert werden sollte. Dies scheiterte aber an den damaligen technischen Möglichkeiten; daher wurde in Kubricks Film schließlich der Jupiter in Szene gesetzt. Trumbull konnte später die Szene zu seiner Zufriedenheit umsetzen und dann für seinen Film verwenden.
    Um Kosten zu sparen, heuerte er begabte Studenten für die Erstellung der Spezialeffekte seiner ersten Regiearbeit an. Einer davon, John Dykstra, war später unter anderem für die Effekte in Krieg der Sterne verantwortlich.
    Mit dem Spezialeffekt-Experten Richard Yuricich arbeitete Trumbull bereits zuvor in 2001: Odyssee im Weltraum zusammen, später waren beide dann maßgeblich an den Spezialeffekten für Unheimliche Begegnung der dritten Art, Star Trek: Der Film, Blade Runner und Projekt Brainstorm beteiligt. (Infos freundlicherweise von Wikipedia zur Verfügung gestellt ^^)

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