Metal-CD-Review: OPUS ATLANTICA – Opus Atlantica (2002)

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Album: Opus Atlantica| Band: Opus Atlantica (weitere Band-Inhalte)

Land: Schweden – Stil: Progressive Power Metal – Label: Regain Records

Alben-Lineup:

Jonas Reingold – Bass, Keyboard
Jaime Salazar – Schlagzeug
Johan Reinholdz – Gitarre
Pete Sandberg – Gesang

01 Line Of Fire 03.58
02 Judas Call
04.39
03 Holy Graal 04.15
04 Prince Of Darkness 04.23
05 Anthem 03.48
06 Falling Angel 03.30
07 Endless Slaughter 03.26
08 Sleep With The Devil 04.02
09 Edge Of The World 03.44

Ein hochkarätiges One-Album-Wonder.

Warum die Schwedische Power Metal-Combo OPUS ATLANTICA der Welt nur ein einziges Album beschert hat, bleibt ein Rätsel – es ist jedoch gut zu wissen, dass die hier involvierten, zweifelsohne talentierten Musiker nicht in der Versenkung verschwunden sind, sondern ihrer Tätigkeit in anderen Bands nachgehen. Die Liste der Mitglieder der 2001 gegründeten Band OPUS ATLANTICA liest sich nämlich recht interessant, und bietet einen Querverweis auf MIDNIGHT SUN, die 2001 ihr letztes Album abgeliefert haben. Sowohl Bassist Jonas Reingold, Drummer Jaime Salazar als auch Sänger Pete Sandberg stammen aus besagter Band – und haben nach der Auflösung von MIDNIGHT SUN wohl direkt das Projekt OPUS ATLANTICA gegründet. Während Gitarrist Johan Reinholdz noch gut mit seinen Bands ANDROMEDA, NONEXIST und SKYFIRE beschäftig ist, muss vor allem Jaime Salazar noch einmal erwähnt werden – schließlich ist er niemand geringeres als der ehemalige Drummer von TIMELESS MIRACLE, einer nicht nur auf Oliverdsw.Wordpress hoch geschätzten (und vermissten) schwedischen Bands.

Und wie klingt ein Album, an welchen all diese mitunter sehr erfahrenen Musiker mitgewirkt haben ? Machen wir keinen Hehl daraus – es klingt verdammt gut, und erzeugt durch den besonderen Releasehintergrund (ein einziges Album aus 2002, danach nichts mehr) eine leicht mysteriöse Atmosphäre. Das ist indes auch das Stichwort, was sehr gut zur hier dargebotenen Musik passt: OPUS ATLANTICA ist ein gradliniges, hymnenlastiges Power Metal-Album mit einem Hang zum Mysteriösen / Verträumten geworden. Auffallend sind weiterhin zwei Dinge: das Album bietet mit einer Spielzeit von gerade einmal 35 Minuten nicht gerade eine All-Inclusive-Portion Metal – und doch würde sich ein jeder Titel als Singleauskopplung eignen. Quantität ist eben nicht immer gleich Qualität – OPUS ATLANTICA haben offenbar tatsächlich nur das hochkarätigste Material aus ihrem Fundus auf diesem Silberling verewigt. Bereits der Opener LINE OF FIRE gibt die Marschrichtung vor: eine satte Uptempo-Instrumentierung mit reichlich Keyboardeinsatz und flotten Riffs mündet in einem genialen Refrain. Immer mit von der Partie: ein ordentlicher Vorwärts-Drive und eine Riesenportion Power. Nicht jedoch Härte – OPUS ATLANTICA ist ein (nicht ganz so hartes) Power Metal-Album durch und durch.

Das deutlichste Alleinstellungsmerkmal von OPUS ATLANTICA ist zweifelsohne Sänger Pete Sandberg, der einen jeden Titel mit seiner außergewöhnlichen Performance garniert. Grundsätzlich sind seine Darbietungen sehr angenehm zu hören – zumal er sich nicht wirklich in eine Schublade stecken lässt. Er singt weder (zu) hoch noch tief – sondern bewegt sich irgendwo dazwischen und verschmilzt mit den wirklich sagenhaften Chor-Passagen des Albums. Sowohl das gute JUDAS CALL, wie auch besonders das grandiose HOLY GRAAL machen es noch einmal deutlich: so satt und stimmig klingende Chor-Passagen findet man in diesem Genre nicht allzu oft. Und das, obwohl sie nicht einmal allzu pompös klingen – Pete Sandberg selbst kann man aus den Stimmen heraushören, sowie eine handvoll Damen und Herren. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht – und dabei noch so gut klingt ?

Aber auch der instrumentelle Part von OPUS ATLANTICA fällt durchweg überzeugend aus, und bietet exakt jene Kost, die der typisch melodieverliebte Power Metaller zu schätzen weiss. Satte Double-Bass Einalgen hie und da, tolle Melodien, starke Gitarren und Soli; sowie ein unterstützender Keyboard-Einsatz (der nicht zu übertrieben ausfällt) sorgen für ein recht reichhaltiges Klangbild. Der erste Bruch erfolgt mit Titel Nummer 4, der Ballade PRINCE OF DARKNESS. Hier gehen OPUS ATLANTICA deutlich ruhiger und besonnener zu Werke, und auch Pete Sandberg singt in einer für ihn ungewöhnlichen Stimmlage – doch auch hier gelingt es den findigen Schweden, ein herausragendes Klangbild zu erschaffen, dass alles andere als kitschig oder langatmig klingt. Sehr virtuos ist in diesem Falle auch der Soli-Part, der eine gute Abwechslung zum eher getragenen, aber gefühlvoll inszenierten Refrain bildet. Auf einen Stilbruch folgt sogleich der nächste – obwohl, nicht wirklich. Schließlich handelt es sich beim ANTHEM zwar um ein reines Instrumental, aber eines in typischer OPUS ATLANTICA-Manier. Auf einen verschwörerischen Chorgesang zu Beginn folgt eine flotte Instrumentierung, die eine besondere Stimmung entfaltet, irgendwo zwischen 80er-Jahre Nostalgieflair und zeitloser metallischer Odyssee.

Mit FALLING ANGEL sind OPUS ATLANTICA nun wieder da, wo sie mit den ersten drei Titeln begonnen haben. Hier präsentiert sich eine weitere Hymne, die zwar recht einfach gestrickt und alles andere als komplex wirkt – aber dennoch ihre Wirkung nicht verfehlt. Besonders die markanten Gitarrenparts, und der Aufbau der Strophen mit einem nahtlosen Übergang zum drückenden Refrain überzeugt. ENDLESS SLAUGHTER hat man eine zusätzlich sphärische Komponente in Form von massiven Keyboardeinsatz verpasst, während SLEEP WITH THE DEVIL von seinem starken Chorgesang und dem 80er-Jahre Synthieflair lebt. Der Abschlusstitel EDGE OF THE WORLD greift erneut auf diese Stimmung zurück, und kombiniert den Nostalgiefaktor mit einigen etwas experimentelleren (im Vergleich zu den anderen Titeln) Ansätzen wie Stimmverzerrung, Instrumentalphasen und einem etwas anderen Soli-Part.

Fazit: Einfach, aber gut – nichts eignet sich besser als diese drei Worte, um das Debütalbum von OPUS ATLANTICA zu beschreiben. Der geneigte Power Metal-Fan wird hier eine kleine Perle vorfinden, die es sich lohnt zu entdecken – auch wenn man sich vermutlich nicht allzu lange und intensiv mit ihr beschäftigen wird. Denn das erlaubt das Album nicht wirklich – doch dafür gibt es genügend andere Genrevertreter. OPUS ATLANTICA ist genau das richtige für ein lockeres Zwischendurch, für den schnellen Genuss einer handvoll Hymnen mit markanter Wirkung. Nicht mehr, und nicht weniger.

Anspieltipps: LINE OF FIRE, JUDAS CALL, HOLY GRAAL, SLEEP WITH THE DEVIL


70oo10

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