Spieletest: DEAD SPACE 2 (2011, PC)

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Originaltitel: Dead Space 2
Entwickler: Visceral Games
Publisher: Electronic Arts
Land: USA
USK: Ab 18
Tags: Dead Space | Dead Space 2 | Isaac Clarke | Ishimura | The Sprawl

Weltraum-Horror der besonders intensiven Art.

Inhalt: Der Weltraum-Techniker Isaac Clarke ist zurück ! Nachdem er als einziger überlebender der Katastrophe auf der USS Ishimura entgehen konnte und in ein Koma fiel, erwacht er einige Monate später auf der riesigen Raumstation The Sprawl. Doch offenbar ist man nicht sonderlich an seinem Wohlergehen interessiert – vielmehr scheint er als wichtiges Forschungsobjekt angesehen zu werden, an dem unmenschliche Experimente durchgeführt werden. Zu den schrecklichen Visionen, die Clarke heimsuchen, kommt plötzlich noch ein weiteres, alle betreffendes Übel: die Raumstation wird zum Schauplatz einer Katastrophe, als auch hier Menschen mutieren und sich in sogenannte Nekromorphs verwandeln. Noch in einer Zwangsjacke gefangen, versucht Isaac zu fliehen… und begegnet dabei allerhand manifestierten Alpträumen. Ohne zu wissen, was schlimmer ist – die akute Gefahr oder die seelischen Qualen – bahnt sich der Titelheld durch die Korridore der Raumstation, um einen Ausweg zu finden.

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DEAD SPACE 2 ist der Nachfolger des nunmehr kultigen Weltraum-Horror-Shooters DEAD SPACE aus dem Jahre 2008 – und tritt damit grundsätzlich in große Fußstapfen. Schließlich überzeugte der überraschend erfolgreiche erste Teil durch seine innovativen Elemente, seine ureigene Spiel-Atmosphäre und die den Spielern erstmals dargebotene, komplexe Storyline – und legte die Messlatte für potentielle Nachfolger entsprechend hoch. Und das, obwohl es in den ersten Tagen des Franchises noch gar nicht mal auffällig nach einem Nachfolger aussah; wurde das Spiel noch von einer eher kleineren Spielerfraktion wahrgenommen. Von Kritikern hochgelobt, avancierte DEAD SPACE allerdings doch zum Grundstein einer groß angelegten Saga, derzeit bestehend aus den beiden Spielen, 2 Filmen und einigen Comics. Und tatsächlich: das DEAD-SPACE-Universum bietet einiges an Potential, respektive interessanten Erzählstoff – sodass auch der zweite teil der Spielreihe durchweg überzeugt. Obwohl er – verständlicherweise – nicht mehr so innovativ und überraschend ausfällt wie das Original.

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Doch besonnen sich die Macher sinnigerweise auf das wichtigste Spiel-Element von DEAD SPACE, und statteten auch den zweiten Teil mit einer Riesenportion Atmosphäre aus. Einer Atmosphäre; die nicht nur recht einzigartig (im direkten Genre-Vergleich) ausfällt, sondern sich vor allem durch einen enormen Grusel-Faktor und eine intensiv-beklemmende Stimmung auszeichnet. Auch das relativ frische Setting bleibt dem zweiten Teil enthalten – mit dem Unterschied, dass es von einem noch recht überschaubaren Raumschiff nun auf eine größere Station geht, in der es noch mehr zu entdecken gibt. Doch so oder so gelingt es den Machern dabei stets, ein besonderes Spielgefühl zu wahren – indem man den Spieler weitestgehend allein auf eine lebensgefährliche Entdeckungsreise schickt, bei der das unaussprechliche Grauen hinter jede Ecke und in jedem Lüftungsschacht wartet. So besteht auch DEAD SPACE 2 aus vornehmlich 2 Spielinhalten: zum einen dem (taktischen) Zerlegen von mutierten Gegnerhorden, und zum anderen dem reinen Bestaunen der Kulisse, in die man nur allzu schnell hineingezogen wird. Man ist angehalten, sich in die Hauptfigur Isaac Clarke hineinzuversetzen, und sich entsprechend seiner Lage zu fühlen und zu verhalten. Die Bandbreite reicht dabei von ängstlich über vorsichtig bis hin zu verwirrt – ein Anliegen, was DEAD SPACE 2 problemlos schafft und so dem Spieler ein besonders intensives Erlebnis beschert.

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Wenngleich allzu innovative Neuerungen ausbleiben, so ist es den Machern gelungen, bereits aus dem ersten Teil vorhandene Ideen weiter auszubauen. So bekommen die Weltraum-Ausflüge einen zusätzlichen Reiz – da man die Spielerfigur nun auch hier und mithilfe von speziellen Düsen mühelos und in alle Richtungen steuern kann. Auch hinsichtlich der Waffen (Arsenal und Abwechslung), sowie der Möglichkeiten mithilfe der Telekinese und der Stase zu arbeiten, hat man sich verbessert. Mit einem teils stimmigen, teils makaberen Ergebnis: so lassen sich beispielsweise einzelne Körperteile von Leichen greifen, um sie auf andere Gegner zurückzuschleudern. Ebenfalls nett sind die Passagen, in denen die Hülle der Raumstation droht, zu brechen – beziehungsweise das hier verbaute Spezial-Glas. Das Gefühl für das sichere Innere / das bedrohliche Äussere kommt hier schon gut zum Tragen; auch wenn es an der Umsetzung noch etwas hapert. Denn: wenn Isaac einfach nur herausgezogen würde, ohne dass er sich versucht festzuhalten, würde er überleben – stattdessen stirbt er auf diese Weise unzählige makabere Spielertode, bei denen ihm die ein oder anderen Gliedmaßen abgerissen werden.

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Stichwort makabere Spielertode: davon gibt es – gesetzt dem Fall, man spielt auf einem höheren Schwierigkeitsgrad (von denen es erst 4, nach einmaligen Durchspielen 5 gibt) durchaus einige zu bestaunen. Das besondere: stellenweise ahnt man als Spieler noch nicht einmal, dass es schon ‚vorbei‘ sein soll, schließlich bringt man noch einige Zeit damit zu, den Tod von Isaac entsprechend pompös zu inszenieren. Das ist ungewöhnlich, und dabei sowohl positiv wie negativ (oder zumindest neutral) zu betrachten – schließlich reissen die teils übertriebenen (und fast schon aberwitzigen) Splatter-Szenen den Spieler aus dem sonst stimmigen Horror-Erlebnis. Das sind allerdings noch keine wirklichen Mankos – die folgen erst, wenn man sich an die schaurige Atmosphäre gewöhnt hat und das Aufmerksamkeitsfeld entsprechend erweitert ist. Denn: nach den ersten 2, 3 oder 4 Stunden fällt auf, dass DEAD SPACE doch recht gradlinig verläuft. Will heissen, das Leveldesign ist eher schlauchig, es gibt immer nur einen Lösungsweg, die Gegner tauchen stets punktgenau an vorausberechneten Stellen auf. Steht man vor einem Raum und betrachtet ihn, geschieht nichts – geht man jedoch 5 Meter (oder mehr, je nach dem) hinein, so erscheinen auch schon die ersten Gegner. Das ist bei anderen Spielen zwar auch der Fall – nur wirkt es hier besonders gezwungen, und stört die Atmosphäre. Es müsste auch ‚was los‘ sein, wenn Isaac nur beobachtet – doch das ist leider viel zu selten der Fall.

Ebenfalls nicht ganz so stimmig ist das gesamte Inventar- und Waffensystem ausgefallen, eigentlich eines der Hauptelemente des Spiels. Merkwürdig ist nach wie vor, dass man sich die Schiessprügel und die Munition an einer Art Shop kaufen muss – es sei denn, man kommt mit dem aus was die Gegner fallen lassen (was selten der Fall sein wird). Diese Shops gibt es recht zahlreich – es ist also nicht schlimm, wenn man mal einen verpasst oder auslässt. Problematisch wird es erst, wenn es um Geldfragen geht – denn das lassen auch die Gegner fallen, oder man findet es in entsprechend dunklen Ecken, ganz selten auch mal in Form von Wertgenständen wie speziellen Platinen (die man dann wiederum im Shop verkauft). Mal abgesehen davon, dass es reichlich makaber ist, entstellte Nekromorphs zu zertreten (!) um an ihr Hab und Gut zu kommen, je nach Schwierigkeitsgrad sieht es auf dem Spielerkonto einstweilen recht mau aus. Allerdings: auch wenn man viel Geld hat, so ist die Kosten-Nutzen-Frage zumindest umstritten: viele Waffen ärgern eher, als dass es sinnig erscheint sie zu benutzen; auch die Anzüge unterscheiden sich nicht wirklich maßgeblich voneinander (mit Ausnahme der Optik). Wie schon im ersten Teil kann man die Waffen, sowie ein oder zwei andere Dinge mithilfe von sogenannten Power-Knoten und einer Werkbank verbessern – das wirkt schon eher wie ein Konzept, dass zu DEAD SPACE (und auch Isaac Clarke als Ingenieur) passt. Neuerdings darf er auch Terminals hacken – was Anfangs noch Laune macht, später aber zu reiner Routine verkommt.

Es bleibt die Story – die den Machern wieder einmal vortrefflich gelungen ist. Auch wenn – vielleicht ärgerlicherweise – nicht allzu viel (neues) verraten wird. Man kann sich nun noch besser in die Hauptfigur hineinversetzen, lernt sie besser kennen – und teilt die teils verstörenden Visionen mit ihr. Die Geschichte um den sogenannten Marker fällt äusserst stimmig, da ansprechend geheimnisvoll und düster aus – man möchte einfach mehr wissen über die Geheimnisse des seltsamen Artefakts, und nimmt so auch gerne die Gelegenheit wahr, die herumliegenden Text- und Audiologs genauer anzuschauen. Ebenfalls stimmig, und eine Neuerung im Gegensatz zum Vorgänger: in DEAD SPACE 2 hat man öfter das Gefühl, als seien mehrere Parteien involviert. Durch das Treffen mit einer Überlebenden, einem (bereits seelisch labilen) Experimentenopfer; sowie dem Zusammenspiel zweier wichtiger Fraktionen (mit denen man wider Willen Kontakt haben wird) bekommt das DEAD SPACE-Universum nun noch mehr Form und Feinschliff. Besehen wir die Liste aller Positiv- und Negativaspekte des Spiels:

Positivaspekte von DEAD SPACE 2:
  • Einzigartige Weltraum-Grusel-Atmosphäre
  • Identifikation mit der Spielfigur
  • Fein-dezentes Maß an (Galgen-)Humor
  • Furchteinflössende Gegner
  • Taktisches Zerstückeln
  • Horrorfilm-taugliche interaktive Sequenzen
  • Weltraum- und Schwerelosigkeitspassagen
  • Heftige Todesanimationen, ungeschönter Gewaltgrad
  • Interaktionsmöglichkeiten durch Telekinese und Stase
  • Abwechslungsreiches Leveldesign
  • Schicke Gesichts-Animationen und Effekte
  • Großartige Sound- und Musikkulisse
  • 4-5 mögliche Schwierigkeitsgrade
Negativaspekte von DEAD SPACE 2:
  • Schlauchiges, teils unlogisches Leveldesign
  • Keine alternativen Lösungsmöglichkeiten
  • Nervige QuickTime-Events
  • Halbherzige Begleiter (am Ende ist man doch allein)
  • Keine wirklichen Boss-Monster
  • Teils ungerechte, frustrierende Spielabschnitte
  • Punkt- und zeitgenaues Spawnen von Gegnern
  • Geringe Spielzeit
  • Geringer Wiederspielwert

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Fazit: Man sieht es bereits an der Liste der Stärken und Schwächen – DEAD SPACE 2 hat eigentlich nur ein Problem. Es ist der Nachfolger eines verdammt guten, innovativen Spiels; und könnte die Erwartungen vieler Spieler demnach nicht mehr zufriedenstellend erfüllen. Tatsächlich schafft man es nicht, dem Spiel wirklich neuartige Elemente einzuverleiben und das Spielerlebnis noch zu intensivieren – vielmehr baut man sinngemäß auf dem ersten Teil auf und beschert dem Spieler so eine wenig überraschende Erfahrung. Eine verdammt intensive, zweifelsohne – doch ob das reicht, um diesen oder sogar noch weitere Teile (DEAD SPACE 3 steht schon in den Startlöchern) zu rechtfertigen, bleibt fraglich. Die Verbesserungen / Neuerungen sind schließlich mit gemischten Gefühlen zu betrachten. Gruselig, intensiv und brutal ist DEAD SPACE 2 noch immer; doch was sollen die konsolenartigen Quicktime-Events, die teils ungerechten Passagen mit massivem Frustpotential (Stichwort Fahrstuhl, Stichwort Endkampf) sowie das nicht immer sinnige Leveldesign ? Sei es drum, es handelt sich um ein gutes Spiel – dem lediglich der Vorgänger vorzuziehen ist, alle anderen Konkurrenten aus dem Gebiet der Weltraum-Horror-Splatter-Games schaltet DEAD SPACE 2 locker aus.


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„Überraschend starker Nachfolger.“

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