Metal-CD-Review: NIDHOEGGR – RagnaröknRoll (EP, 2013)

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EP: RagnaröknRoll | Band: Nidhoeggr (weitere Band-Inhalte)

Land: Schweiz – Stil: Folk Death Metal – Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Janos Thomann (Gesang)
Janick Rüttimann (Gitarre – Rhythmus)
Thibault Schmidt (Gitarre – Bass)
Patrick Scheidegger (Schlagzeug)
Lorenz Joss (Keyboard & Klargesang)

01 Hüter des Hains 08.19
02 Niemals 06.02
03 In Ewig Frei 06.33
04 Wiedersehn 05.20
05 Ragnarök’n’Roll 04.30
06 Nidhoeggr 04.17

Entfessele die Kraft von NIDHOEGGR ! Oder besser nicht… ?

NIDHOEGGR – das ist nicht nur ein fürchterlicher Drache (und eine Art Totengott) in der nordischen Mythologie, sondern auch der Name einer aufstrebenden Schweizer Death Metal-Combo mit Folk-Anleihen. Gegründet wurde sie bereits 2009, nach der Vervollständigung des Lineups (2010) war es dann 2011 an der Zeit für die ersten Demo – HEIDENLAERM. Nun, und im Jahre 2013 folgt sogleich der nächste wichtige Schritt in der Band-Historie: die EP RAGNARÖKNROLL, bestückt mit 6 Titeln und einer Gesamtspielzeit von knapp 35 Minuten, wird an den Start gebracht.

Nach eigenen Angaben versteht es die Band, sowohl launige Party-Songs zu zelebrieren, als auch in einer weitaus düstereren, epischeren Manier ins Felde zu ziehen – die vorliegende EP ist natürlich in eben jenem Stile gehalten. Immer mit von der Partie: eine große Portion Spaß und Engagement, dass seinen ersten Höhepunkt auf dem W:O:A Metal Battle 2012 und damit dem ersten größeren Live-Auftritt fand. Der Spaß – und im besten Fall der Erfolg – sei ihnen zweifelsohne gegönnt. Aber: wie vielversprechend ist die junge Band, und vor allem: können sie sich in der Masse und im Vergleich zur Konkurrenz behaupten ?

Schließlich gibt es aktuell nicht weniger als etwa 150 aktive Bands aus der Schweiz, die sich in einem nahen oder entfernten Sinne dem Death Metal verschrieben haben. Nimmt man noch den Zusatz des Folk hinzu, so dünnt sich das Feld allerdings (und überraschenderweise) auf gerade einmal 5 Genrevertreter aus. Einer der bekanntesten (auch international) davon ist zweifelsohne ELUVEITIE, auch wenn sie nicht direkt mit dem Stil von NIDHOEGGR zu vergleichen sind. Somit haben sie die besten Voraussetzungen, frohen Mutes und unter der Ägide eines frischen Eindrucks in das Jahr 2013 zu starten.

Das Cover-Artwork macht in jedem Fall schon einmal ordentlich was her – und verspricht eine sinnige Symbiose aus Elementen des Folk- und Death Metal, sowie eine ungefähre inhaltliche Richtungsvorgabe hin zu Themen aus der nordischen Mythologie. Ein handelsübliches Intro gibt es nicht – die EP legt gleich mit dem Opener HÜTER DES HAINS los. Innerhalb dieser ersten 8 Minuten haben die Jungs von NIDHOEGGR die Gelegenheit, die Richtung ihrer musikalischen Ambitionen aufzuzeigen – und zu beweisen, was musikalisch in ihnen steckt. Auffallend ist hier vor allem der instrumentale Aufbau, der sich recht ansehnlich entwickelt und von einer gewissen Vielschichtigkeit zeugt. Schließlich kommen nicht nur Gitarrensounds vor, sondern auch unterstützende Piano-Klänge und einige hintergründige Elemente vom Keyboard. Dreht man die Anlage hier mal testweise richtig auf, so kann man vor allem feststellen, dass der Bass bereits sehr gut zum Tragen kommt – und dem Sound so eine schön knackige Note verleiht. Das Schlagzeug indes könnte ruhig noch ein wenig vordergründiger zu hören sein – denn sobald Gesang und Leadgitarre einsetzen, bleibt nicht mehr viel von den anderen Elementen übrig, respektive zu hören. Hinsicht der Abmischung gibt es ebenfalls noch Verbesserungsbedarf – doch dazu später mehr.

Denn erst einmal geht es um anderes – wie etwa die Halb-Growls von Sänger Janos Thomann. Diese wirken recht zünftig und kraftvoll dargeboten – und auch stets gut auf das Instrumental / den Rhythmus abgestimmt. Etwas schade ist nur, dass sie einstweilen noch so wirken, als würden sie sich verselbstständigen – das heisst, keine wirkliche Einheit mit der Instrumentierung bilden. Hier könnte man noch leichte Verbesserungen vornehmen – um die Symbiose aus den vorgetragenen Texten und den Instrumenten noch eindringlicher zu gestalten. Besonders auffällig ist dieser Effekt zweifelsohne bei einer Nummer wie NIEMALS – wo die Strophen ohnehin schon eine explizite Trennung von Gesang und Instrumental vorsehen. Ansonsten bieten NIDHOEGGR hier grundsolide Metal-Kost mit einigen markanten Elementen – wie etwa der Einsatz eines Instruments, dass irgendwie nach einem Banjo klingt. Davon abgesehen fällt die Instrumentierung hier recht gradlinig und simpel aus – simpel, aber wirkungsvoll. Zu pompös sollte man eben auch nicht zu Werke gehen – einige Spielarten des Metal leben eben von einem gewissen Minimalismus.

Ebenfalls nett sind Passagen, wie sie beim Auftakt von IN EWIG FREI präsentiert werden – ein wenig Akustik-Gitarre, Keyboard und Atmosphäre – und das Spektakel kann beginnen. Allerdings: eine Nummer wie diese klingt in der vorliegenden Version noch recht garagenartig – das heisst, recht dumpf und ein wenig wie ein ungeschliffener Diamant. Der Chor-Gesang im Refrain verdeutlicht dies zusätzlich. Bei WIEDERSEHN klappt das schon etwas besser – aber auch hier gilt: das ganze wirkt noch etwas zu lustlos, und mit zu wenig Schmackes vorgetragen. Was fehlt, ist ein zusätzliches Maß an Erhabenheit. Das gilt für den Chor – nicht aber für die eingeworfenen Rufe, die Gesamtwirkung des Titels und vor allem die Folk-Elemente (neben dem strukturellen Aufbau ist unter anderem eine Flöte zu hören). Die nehmen hier einen größeren Raum ein, und bereichern so das Klangbild.

Es folgt der Titeltrack RAGNARÖKNROLL, der noch eine Schippe drauflegt – und eine interessant-ansprechende Mischung aus heiteren (Instrumental) und düsteren Klängen (hauptsächlich die Wirkung des Gesangs) offenbart. Der treibende Rhythmus, die Lyrics und eine spätere Chorpassage (hier klappt es nun doch !) machen diesen Titel zu einem weiteren Anspieltipp. Zum Abschluss bleibt noch NIDHOEGGR – eine weitere, instrumentell äußerst ansprechende Nummer mit einem ordentlichen Vorwärts-Drive. Hier legen NIDHOEGGR noch einmal all ihre Stärken in die Waagschale, und: haben damit Erfolg.

Fazit: NIDHOEGGR befinden sich noch ihrer Anfangsphase, und können daher noch nicht wirklich mit den ‚ganz Großen‘ Genrevertretern mithalten. Ebenfalls ein harter, wenn nicht der hochkarätigste Konkurrent: MINHYRIATH, ein Schweizer Ein-Mann-Projekt mit einer ganz ähnlichen Genre-Ausrichtung und massenhaft Potential. Die musikalischen Voraussetzungen, etwas großes auf die Beine zu stellen haben NIDHOEGGR aber zweifelsohne. Sie müssen – und damit sind sie nicht alleine – lediglich weiterhin explizit an ihrem Sound feilen und ihn auf der Suche nach der schwermetallischen Perfektion noch merklich veredeln. Diese Band in ein oder zwei Jahren auf einem vollwertigen Stuidoalbum, eventuell sogar mit der Hilfe eines Labels… da könnte der Metal-Welt etwas ganz großes ins Haus stehen. Eine unbedingte Voraussetzung ist, einem raueren, noch ungeschliffenen (und damit immerhin absolut ehrlichen und ungekünstelten) Sound gegenüber offen eingestellt zu sein – dann wird man schon mit RAGNARÖKNROLL seine Freude haben, und die Wartezeit auf ein potentiell erscheinendes Album versüßt sehen.

Anspieltipps: HUETER DES HAINS, WIEDERSEHN, RAGNARÖCKNROLL, NIDHOEGGR


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„Vielversprechend, aber noch nicht am Ziel.“

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