Metal-CD-Review: CARDIANT – Midday Moon (2005)

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Album: Midday Moon | Band: Cardiant (weitere Band-Inhalte)

Land: Finnland – Stil: Power Metal – Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Lauri Hänninen – Schlagzeug
Antti Hänninen – Gitarre
Valtteri Virolainen – Keyboards
Janne Saksa – Gesang (Session – kein Bandmitglied)
Vesa Ahola – Bass

01 Royal Stranger 03.49
02 Falconeye
04.16
03 In Anger 05.00
04 Midday Moon 04.00
05 Light ‚N‘ Smoke 04.03
06 Raining (Part 1) 02.10
07 Already Known 03.16
08 Lost In The Thunder 03.45
09 The Hackneyed Dream 03.28
10 Etyde Light 03.39
11 Chance To Change 06.42
12 To Be 03.35
13 Raining (Part 2) 00.54

Ein O(h)rgasmus durch und durch.

Wer sagt, dass die verträumten Power Metal-Alben die besten (und wirkungsvollsten) sind, der… hat zweifelsohne Recht. Doch wie definiert man jenes verträumte, welches auch der 2005’er Produktion MIDDAY MOON von CARDIANT innewohnt ? Vielleicht sollte man es um einige Adjektive erweitern, wie etwa: poetisch, reflektierend, atmosphärisch; erhaben. Genau so klingt das vorliegende, 13 Titel starke Album – und zwar von der ersten bis zur letzten Minute. 

Dabei haben CARDIANT beileibe keine gewöhnliche Bandentwicklung und -Historie vorzuweisen. Es ging doch ein wenig drunter und drüber – angefangen bei Label- und Veröffentlichungsproblemen, über zahlreiche Demos und Promo-Scheiben (dessen Sinn sich nicht immer erschließt) bis hin zu merkwürdigen Besetzungswechseln ist so gut wie alles vertreten. In Bezug auf das Debütalbum MIDDAY MOON hat das gleich mehrere Auswirkungen: tatsächlich wurde es nur in Japan offiziell veröffentlicht – in Europa blieb das Release aufgrund von Label-Schwierigkeiten aus. Und: da man zum Zeitpunkt der Aufnahmen über keinen festen Sänger im Line-Up verfügte (zuvor war es Tuomas Helander), engagierte man kurzerhand einen Session-Sänger namens Janne Saksa. Interessanterweise hat eben das aber keine nachteiligen Folgen in Bezug auf MIDDAY MOON als Gesamtwerk – eher im absoluten Gegenteil.

Denn: hört man einmal die früheren (vor 2005) Promos, oder aber das spätere Album TOMORROW’S DAYLIGHT mit dem heutigen Sänger Erik Karhatsu, so lassen sich ganz und gar gewaltige Unterschiede einfach nicht verhehlen. Während Erik Karhatsu zwar ein versierter und talentierter Sänger ist, verfügt er nicht gerade über besondere Stimm-Merkmale oder einen hohen Wiedererkennungswert – ganz anders als Session-Sänger Janne Saksa, der auf MIDDAY MOON als wahrer Glücksgriff brilliert. Absolut unverständlich also, warum in der offiziellen Band-Biografie von CARDIANT (Link) folgendes zu lesen ist: „Cardiant didn’t have a permanent singer and was forced to have Janne Saksa as a session singer on the album“. Nun, das klingt nicht nur abwertend, das ist es auch. Dabei waren CARDIANT wesentlich stärker, als eben jener Session-Sänger ins Mikro röhrte; beziehungsweise gefühlvoll bis angeraut hineinhauchte. In der Tat gibt es eine derartige Stimme nicht oft im Power Metal – die Mischung aus einer gewissen Rauheit in tieferen Lagen, gepaart mit einem unglaublichen Rhythmusgefühl und einem auffälligen Groove macht’s.

Doch nicht nur der gesangliche Part scheint auf MIDDAY MOON zu funktionieren – auch die ausschweifenden, geradezu magischen Arrangements klingen auf Anhieb ansprechend-faszinierend. Und dabei gleichsam vertraut wie erfrischend anders – man fühlt sich sofort auf dem Album zuhause, doch hat man nicht das Gefühl nur lauwarm aufgebrühte Kost serviert zu bekommen. Bereits der Opener ROYAL STRANGER zeugt von dieser Qualität, wobei es sich hier um eine der weniger verspielten, etwas gradlinigen Nummern handelt. Doch das geniale Riffing und vor allem der Aufbau des Refrains (mit dezenten Chorgesängen, Keyboardeinsatz und einer großen Portion Melodie) fesseln, und werden im weiteren Verlauf dann doch noch von einer allerfeinsten Instrumental- und Soli-Kostprobe der Band abgewechselt. Wohlan – FALCONER kommen zwar nicht aus Finnland, doch könnte man diese Genre-Kollegen am ehesten als Vergleichsband anberaumen. Schön ist, dass man sich nicht auf einem absoluten Ohrwurm-Opener ausruht – sondern mit dem brachialen FALCONEYE (da ist er wieder, der FALKE) noch ein oder zwei Lagen obendraufsetzt. Eine Entwicklung, die sich munter fortsetzt – zum Beispiel in der Folgenummer IN ANGER, die erst wie eine Ballade anmutet – sich danach aber zu einer weiteren Hymne mit wunderbaren Chorgesang im Refrain mausert.

Wem all das noch nicht hymnisch (oder himmlisch) genug ist, der darf sich gern an Nummern wie LIGHT N SMOKE (fantastische Uptempo-Instrumentierung bei kultverdächtiger Melodie), ETYDE LIGHT oder TO BE versuchen. Das besondere: die Titel werden nicht (möglicherweise unnötig) ausstaffiert, sie werden so kurz und knackig präsentiert wie sie eben ausgefallen sind. Da dürfen es dann gerne auch mal ’nur‘ 3 bis 4 Minuten Laufzeit sein – die Wirkung ist noch immer (oder gerade deswegen) verdammt intensiv. Auch wenn es schwer ist, ein absolutes Alben-Highlight herauszupicken, könnte die Wahl schnell auf ALREADY KNOWN fallen. Mit einer Spielzeit von gerade einmal 3 Minuten serviert dieser Titel das volle CARDIANT-Brett, und gerät durch den grandiosen Soli-Part und den kräftigen Refrain (wie immer: tolle Melodien, guter Chorgesang) besonders schmackhaft. Es stimmt einfach alles: die knackigen Riffs, die netten Zugaben in Form von Keyboard-Elementen, der Bass- und Drumpart; der Lead- und Chorgesang. Und: die Textinhalte und die Präsentation.

Fazit: Was könnte man besser machen auf einem Album wie MIDDAY MOON, das dem geneigten Hörer satte Power Metal-Kost der allerersten Güteklasse serviert ? Wahrlich, nicht viel. Die Länge des Albums ist genau richtig, es gibt ausreichend Abwechslung, gleich mehrere Titel könnten als eigenständige, repräsentative Hymnen fungieren. Als einzigen Kritikpunkt, und das ist schon etwas schade; könnte man die noch etwas durchwachsene Produktionsqualität anführen. So ganz glasklar und druckvoll wie es diesen Titeln gebühren sollte, kommen sie nicht rüber. Etwas unglücklich in diesem Zusammenhang ist auch, dass CARDIANT ihre Kompositionen wahrlich voll ausschmücken, sodass es einstweilen etwas schwerfällt die einzelnen Elemente (die auch mal etwas ’schepprig‘ klingen können) auseinanderzuhalten. Würde dieser Fakt den Hörgenuss nicht doch etwas schmälern, wäre eine volle Wertung absolut drin gewesen. So reicht es immer noch zu einer Empfehlung – vielleicht sogar als eines der ambitioniertesten und besten Power Metal-Alben aller Zeiten. Ein absoluter Geheimtipp !

Anspieltipps: ROYAL STRANGER, FALCONEYE, IN ANGER, LIGHT N SMOKE, ALREADY KNOWN, ETYDE LIGHT


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