Metal-CD-Review: INSTANZIA – Ghosts (2010)

instanzia_ghosts_500
Album: Ghosts | Band: Instanzia (weitere Band-Inhalte)

Land: Kanada – Stil: Progressive Power Metal – Label: Metalodic Records

Alben-Lineup:

Alexandre Paquin – Bass
Francis Ducharme – Schlagzeug
Jean-Christophe Binette – Gitarre
Alexis Woodbury – Gesang, Gitarre

01 Omen 02.29
02 Ghosts Of The Past
05.07
03 Power Of The Mind 04.51
04 Charming Deceiver 04.46
05 Heavenly Hell 08.49
06 A Genius Who Believes 06.12
07 The Key 04.14
08 The Desert Fox 11.12

Die stärkste Kraft liegt… tief in Deinem Herzen verborgen.

In Anbetracht der Überschrift müsste man eigentlich (und wieder einmal) einen allgemeinen Klischee-Alarm befürchten – doch weit gefehlt. Denn: es gibt sie – jene Ausnahme-Scheiben, die sich in einem wahrhaft überlaufenen Genre behaupten können. Dass es sich dabei nicht immer um explizit innovative oder experimentelle Werke handeln muss, beweisen INSTANZIA mit ihrem Debütalbum GHOSTS – das sich ganz unspektakulär in eine eher typische Sparte des Power- respektive Progressive Power Metal einordnen lässt. Wer jedoch erwartet, hier einen handelsüblichen musikalischen Einheitsbrei serviert zu bekommen, liegt falsch – und das trotz der auffälligen Nähe zu anderen großen, sicherlich bekannteren Genre-Vertretern.

Denn INSTANZIA vermengen typische Power Metal-Elemente nicht nur mit einer angenehm progressiven Note – sondern auch mit dem gewissen Etwas. Einem Etwas, das sich nicht immer adäquat definieren lässt – da sich ein Großteil der erzielten Wirkung eher auf einer Sub-Ebene ereignet und nicht sofort greifbar erscheint. Als ähnlichen Fall könnte man das Debütalbum von OLYMPOS MONS, CONQUISTADOR (Review) bezeichnen – welches auf den ersten Blick ebenfalls wie ein recht typisches, klischeegeladenes und in mancherlei Ohren gar zu fröhlich klingendes Power Metal-Album anmutet. Bei näherer Betrachtung und im weiteren Verlauf der Hördurchgänge jedoch offenbart sich eine mitunter fesselnde, wenn nicht gar magische und in sich stimmige Wirkung – die im Vergleich zu vielen Genre-Veröffentlichungen, die einstweilen wie willkürliche Song-Compilations aufgebaut sind, ihresgleichen sucht. Eines haben OLYMPOS MONS und INSTANZIA also schon einmal gemeinsam: sie lieben das Genre, welches sie bedienen – und das spürt man in wahrlich jeder Faser des musikalischen Outputs.

Und, sie sind in ihrem Handwerk alles andere als bemüht wirkende Neueinsteiger – GHOSTS klingt sowohl auf der instrumentellen als auch der produktionstechnischen Ebene überraschend versiert, bis ins Detail abgestimmt und einfach wunderbar satt. Vor allem Liebhaber eines kräftig-melodiösen Riffings werden hier voll auf ihre Kosten kommen – die Gitarren bekommen ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und wirken zu jedem Zeitpunkt extrem verspielt, ohne dabei den roten Faden aus den Augen zu verlieren. Unterstützende Double-Bass-Einlagen und der satte Bass von Alexandre Paquin schaffen eine weitere Grundlage für Leadsänger Alexis Woodbury – der dabei eine verdammt eigenständige, unverwechselbare Stimme an den Tag legt. Und eine vergleichsweise kraftvolle, die sich hauptsächlich in Genre-untypischen, will heissen tieferen Gefilden wohlfühlt. Niemals muss man befürchten, schief klingende Scream-Passagen, allgemeines Gesäusel oder eine unverständliche Aussprache auf die Ohren zu bekommen; ganz im Gegenteil – im Zusammenspiel mit dem starken instrumentellen Part ergibt sich eine äusserst klare, energetische und melodiegeladene Linie, der man sich hinsichtlich ihrer Wirkungskraft nur schwer entziehen kann.

Da das Album gerade einmal 8 (oder 7, abzüglich des Intros) vollwertige Titel beinhaltet, und glücklicherweise alle hochkarätig sind; kann es einstweilen etwas schwer fallen, sich persönliche Highlights herauszupicken. Das Album wirkt vielmehr in seiner Gesamtheit – und dennoch lässt es sich nicht vermeiden, dass gerade Titel wie das fulminante POWER OF THE MIND oder A GENIUS WHO BELIEVES doch noch leicht aus dem Kontext hervorstechen und sich als auffallend kraftvolle, eigenständige Hymnen erweisen. Immer mit von der Partie sind extrem eingängige, aber dennoch alles andere als plumpe Refrains, die durch den leicht verträumt anmutenden, perfekt inszenierten Chorgesang zusätzlich an Erhabenheit gewinnen. Natürlich soll es auch an Abwechslung nicht mangeln – sodass zahlreiche Tempi- und Stimmungswechsel für einen hohen Unterhaltungswert sorgen, und die einzelnen Nummern nicht ganz so durchschaubar und gradlinig gestalten. Hier kommt dann auch der progressive Ansatz zum Tragen, der sich in einer Nummer wie dem Epos HEAVENLY HELL wunderbar veranschaulichen lässt. Schön auch, dass die progressiven Elemente keinesfalls zu einer ‚Entschleunigung‘ des allgemeinen Klangbildes beitragen – ein jeder Titel bietet ordentlich Zunder und ein stark voranpreschendes Grundtempo, die jeweiligen Passagen wechseln sich sinnig mit gelungenen Instrumental-Einspielern oder längeren Soli-Parts ab.

Richtig spannend, und sicherlich auch etwas ungewöhnlich wird es dann noch einmal gegen Ende, und zwar mit DESERT FOX. Dieser Titel behandelt tatsächlich die teils historisch inspirierte, teils frei interpretierte Geschichte des Feldmarschalls Erwin Rommel, und wie er in seinen Afrika-Feldzügen unter dem Befehl Hitlers feindliche Truppen bekämpfte und afrikanisches Land eroberte. Es darf jedoch freilich Entwarnung gegeben werden – handelt es sich hier um alles andere als einen Lobgesang auf das dritte Reich. Vielmehr rücken INSTANZIA jenen Erwin Rommel in ein interessantes, vielleicht gewagtes Licht – und präsentieren ihn sowohl als erfolgreichen Feldherren, als auch als innerlich zerrissenen Soldaten; der sich mit schwerwiegenden Gewissensbissen herumzuschlagen hatte. Eine ungewöhnliche Idee – die jedoch voll aufgeht und perfekt umgesetzt wurde.

Fazit: So also kann es gehen – eine bis dato unbekannte Band aus Kanada liefert mit einem Debütalbum namens GHOSTS ein wahres Meisterstück ab. Als positives Beispiel und Vorbild für ihr Heimatland, für das manchmal etwas ausgelutscht erscheinende Genre; vielleicht aber auch für den allgemeinen Fundus des Heavy / Power Metal, der allen interessierten nun wieder ein wahres Glanzlicht zu bieten hat. Dieses stammt aus dem Jahre 2010 und von INSTANZIA – ein Name, den man sich unbedingt merken sollte.

Anspieltipps: POWER OF THE MIND, HEAVENLY HELL, A GENIUS WHO BELIEVES, THE DESERT FOX


10oo10

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.