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Alben-Titel: Dreamstoria
Künstler / Band: Dreamstoria (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. September 2012
Land: Japan
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Spiritual Beast

Alben-Lineup:

Shingo Uchida – Drums
Masaaki Watanuki – Guitars
Leo Figaro – Vocals

Track-Liste:

1. Burning Love (04:53)
2. Go! (03:36)
3. Nightless Night (04:56)
4. Goddess in My Eyes (04:23)
5. Ride on Time (03:12)
6. Another Way (04:31)
7. On and On (03:37)
8. Listen to My Heart (03:22)
9. Never Ever Say Goodbye (03:55)
10. Fly Away (04:13)

Emotionale, aber auch leicht komische Genre-Kost aus Japan.

Nimmt man ein Album wie DREAMSTORIA zur Hand, das Debüt der gleichnamigen japanischen Band; kann man einfach nicht anders als zwiegespalten zu sein. Und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Denn auch wenn gerade aus Fernost einige hochkarätige Power Metal-Perlen kommen – an die hierzulande auch nicht immer leicht ranzukommen ist – hat sicher nicht jede Band automatisch das Zeug zu einem internationalen Durchbruch. Und so kommen auch mal regelrecht urkomische Veröffentlichungen zustande, die kaum Begeisterungsstürme ernten – weder international, noch im jeweiligen Heimatland. Ein treffendes Beispiel sind die aktuellen Scheiben von DRAGON GUARDIAN – FAIRYTALE und POLYPHONY. Diese typisch japanische Combo anzuführen ermöglicht auch folgende Überleitung: auch für den Gesang von DREAMSTORIA zeichnet sich niemand geringer als Leo Figaro verantwortlich. Wenn es nicht gleich klingelt, keine Panik – nur jene Power Metal-Fans, die explizit nach Japan lauschen, sollten diesen Namen kennen. Bürgerlich horcht das Multitalent auf den Namen Ryou Moriguchi; und hat in so gut wie jeder japanischen Power Metal-Combo mitgewirkt, von der man ansatzweise gehört hat.

Und so taucht er auch im Lineup der frisch gegründeten Combo DREAMSTORIA auf. Gut daran ist, dass man so einen bereits erfahrenen Musiker mit im Boot hat – und durch das Label Spiritual Beast und die sicherlich zur Verfügung stehenden Mittel schon einmal kein allzu dilettantisch wirkendes Werk an den Start gebracht hat. Immerhin klingt DREAMSTORIA’s Debüt zumindest in den ersten Momenten entsprechend versiert präsentiert, und vor allem rund abgemischt – hinsichtlich der Soundqualität gibt es rein gar nichts zu bemängeln. Doch holt man Leo Figaro mit an Bord, nimmt man seine speziellen Eigenheiten immer mit – von der insbesondere eine nicht bei jedem auf wohlwollende Ohren stoßen wird. In der Tat ist dies die enorm wackelige Aussprache des englischen, wobei man sagen muss – sie ist es noch immer. Merkwürdigerweise klingt Herr Figaro immer noch so, als hätte er gerade damit angefangen englische Texte einzusingen, obwohl er nun doch schon einige Jahre dabei ist. Das ließ sich auf einigen der bisher mit ihm erschienenen Alben noch entsprechend kaschieren – beispielsweise durch vordergründige Instrumentalparts und einen allgemeinen Pomp – auf einem gefühlvoll angelegten Album wie DREAMSTORIA sieht das indes schon etwas schwieriger aus. Hier sind es eben die Vocals die an der vordersten Front stehen, und einen Großteil der Wirkungskraft ausmachen.

Das Ergebnis ist somit ein mitunter unfreiwillig komischer Eindruck. Dezente Chorgesänge wie im Refrain von ANOTHER WAY können ebenfalls nicht davon ablenken – Leo Figaro ist und bleibt der Frontmann dieser Combo, die durch die strenge Ausrichtung auf die Vocals zu einer recht gewöhnungsbedürftigen avanciert. Immerhin klingen die Gitarrenparts nett, und auch das Schlagzeugspiel geht in Ordnung – auf instrumentelle Highlights sollte man sich indes nicht einstellen. Das Album wirkt wie aus einem Guss, was an und für sich gut ist – doch bleiben in diesem Fall sowohl die Abwechslung als auch potentielle markante Höhepunkte auf der Strecke. Ein jeder der 10 Titel ist quasi als Halb-Ballade ausgelegt – im Midtempo und mit teils schroffen Gitarren (und Soli-Parts), aber eben mit extrem gleichförmigen Gesangslinien und keinerlei Tempi- oder Stimmungswechseln. Auch die relativ kurze Spielzeit der einzelnen Titel gibt darüber indirekt Aufschluss: wirkliche Ecken und Kanten gibt es keine, es handelt sich um locker-luftige Titel mit ein wenig Herzschmerz und Kitsch, die so auch glatt im Radio laufen könnten. Gesetzt dem Fall Herr Figaro würde endlich einmal etwas verständlicher singen, versteht sich.

Sicher, handwerklich und produktionstechnisch gibt es bis auf den mangelhaften Gesangspart nichts zu bemängeln – doch fehlt es DREAMSTORIA’s Debüt eindeutig an Innovation, Eigenständigkeit und Biss. Richtig schlimm und überdeutlich wird dies in (blöd betitelten) Nummern wie NIGHTLESS NIGHT, die einen kaum nennenswerten Instrumentalpart besitzen, und ein wenig nach 80’er Metal-Ballade klingen – nur in künstlich und ohne große Emotionen. Immerhin bekommt das im Lineup gar nicht erst aufgeführte Keyboard weniger Raum zugestanden – doch hilft das nicht viel, wenn alle anderen Elemente explizit auf Kitsch getrimmt sind. Auch GODDESS IN MY EYES ist eine solche Nummer, die an und für sich Potential hätte – sich in den Händen von DREAMSTORIA aber massive Einbußen gefallen lassen muss. Hier könnte man eher an eine Band wie POWER QUEST denken, die sich weitaus geschickter eine Mischung aus Power Metal-Elementen, große Gefühlen und sympathischen 80’er-Jahre-Anleihen zusammenbrauen. Hier klingt das Ergebnis nicht nur eindeutig zu weichgespült – sondern auch irgendwie billig und plump.

Fazit: So wird das nichts – ein auf ganz große Gefühle ausgelegtes Album sollte tunlichst nicht von einem Sänger eingesungen werden, der offensichtliche Probleme mit der Aussprache des englischen und auch sonst eine eher gewöhnungsbedürftige Stimme hat. Eine Möglichkeit dies zu umgehen, wäre auf Texte in der Landessprache zu setzen – doch offenbar hat sich das niemand getraut. Stattdessen bekommt auch der internationale Hörer ein Produkt wie dieses zu hören, schüttelt sich entsprechend – und ist gleichzeitig verwundert über das merkwürdige Marketing der Japaner. Einerseits setzt man auf entsprechend verständliche Textinhalte, andererseits aber pflegt man kaum international taugliche Webseiten oder bietet sinnige Bestellmöglichkeiten – ein Teufelskreis. DREAMSTORIA’s Debüt ist jedenfalls alles andere als atmosphärisch-verträumt oder im großen Stil Geschichten-erzählend. Auch hat es nur bedingt etwas mit Power Metal zu tun – lediglich Liebhaber von etwas balladeskeren Kompositionen, die zusätzlich kein Problem mit außergewöhnlichen Gesangsparts haben (hier eher negativ besetzt), sollten mal ein Ohr riskieren. Eine andere japanische Band, die ebenfalls auffällige Schwierigkeiten mit der Aussprache des englischen mitbringt, aber wesentlich eindrucksvollere Kompositionen zu bieten hat, ist BALFLARE.

Anspieltipps: GODDESS IN MY EYES, ANOTHER WAY, LISTEN TO MY HEART, FLY AWAY


45oo10

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