Filmkritik: „Hush“ (2008)

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Originaltitel: Hush
Regie: Jonathan Darby, Mark Tonderai
Mit: Jessica Lange, William Ash, Christine Bottomley u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: 91 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller / Action
Tags: Hush | Laster | Gefangen | Mord | Streit | Jagd | Trauma

Husch, husch; ab in die allerletzte Schublade.

Inhalt: Zakes (William Ash) ist ein erfolgloser Autor inmitten einer künstlerischen Schaffenskrise. Und nicht nur das – auch in Bezug auf seine Beziehung zu seiner festen Freundin Beth (Christine Bottomley) gibt es eher Streitpotential zu vermelden, als dass rosige Zeiten herrschten. Dann aber – auf einer gemeinsamen Autofahrt und quasi inmitten einer weiteren Auseinandersetzung – drängt sich etwas bedeutend schrecklicheres in das Leben des jungen Pärchens. Die schwere Tür zum Laderaum eines weissen Lasters geht für einen Sekundenbruchteil auf, und lässt Zakes eine offenbar im Laster festgehaltene Frau entdecken. Völlig geschockt über seine Beobachtung alarmiert er sofort die Polizei – die ihn jedoch eher vertröstet als wirklich ernstzunehmen scheint. Beth indes verlangt mehr von ihrem unentschlossen wirkenden Freund – sie möchte, dass Zakes am Lastwagen dranbleibt und feststellt, ob hier wirklich ein Verbrechen im Gange ist – oder er sich all das nur eingebildet hat. An einem Rasthof, an dem auch der Laster halt macht; verlieren sich die beiden plötzlich aus den Augen. Zake befürchtet das schlimmste, und sollte mit seiner Vermutung Recht behalten – jetzt muss er den Laster und dessen Fahrer, der längst bemerkt hat dass er verfolgt wird, erst recht stoppen. Doch auf die Hilfe der Polizei muss er dabei verzichten… die hält ihn inzwischen selbst für einen Mörder.

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Kritik: Es gibt Filme, die zwar eine wenig spektakuläre Grundidee aufweisen; aber dennoch das bestmögliche aus einer wenig inspirierten Idee herausholen. Und es gibt Filme wie HUSH, die weder eine besonders neuartige oder geistreiche Prämisse vorzuweisen haben, noch hinsichtlich der Umsetzung punkten können. Dabei kommt der Film aus Großbritannien, und vermischt in seinem Bestreben um eine möglichst packende Inszenierung  verschiedene Genres und Einflüsse, die eigentlich eine vielversprechende Mischung hätten ergeben sollen. Eine Art Krimi-Thriller im Roadmovie-Gewand, gespickt mit entsprechenden Verfolgungsjagden und sogar einer Prise Horror im (leicht dämonisch angehauchten) Porträt des Bösewichts ? Ein Ansatz, der in anderen Händen hätte aufgehen können – in denen der Regisseure Jonathan Darby und Mark Tonderai aber avanciert er zu einem erschreckend geistlosen, auf Hochglanz polierten Trashfilm der eher unangenehmen Sorte.

Das unglaubliche: das Regisseur-Duo verhaspelt sich nicht erst im weiteren Verlauf; sondern scheitert bereits nach nur wenigen Minuten Laufzeit – und das absolut gnadenlos. Die Idee, ein junges (zerstrittenes) Paar durch einen Zufall Zeuge eines potentiellen Verbrechens werden zu lassen; kann man so noch akzeptieren – doch keinesfalls die mehr als hanebüchene Umsetzung aller darauf folgenden Einfälle. Alles, was nach der (an sich schon merkwürdig anmutenden) Tür-Öffnung des Lasters ereignet, gehört in die absolut unterste Schublade der vermeintlichen Filmkunst, und kann mitunter sogar als Beleidigung aufgefasst werden. Nicht nur als Beleidigung der Intelligenz des Zuschauers, sondern eben auch als Maßnahme; die gerade das Genre des Thrillers mit Füßen tritt. Hand und Fuß hat hier nämlich nichts – weder die sonderbaren (und absolut nicht nachvollziehbaren) Verhaltensweisen der Protagonisten, noch die peinlich konstruiert wirkende Entwicklung der weiteren Umstände. 

Und: HUSH strotz nur so vor Klischees und Einfällen, die geradezu lachhaft erscheinen. Das kaum zu umgehende, daraus resultierende Ergebnis ist vor allem, dass der Film massive Einbußen hinsichtlich der Spannung und Atmosphäre zu verzeichnen hat. Aber wie sollte es auch anders sein, wenn man als Zuschauer kaum gehalten ist, in die Rolle des Haupt-Protagonisten hineinzuschlüpfen ? Dies geschieht zu keinem Zeitpunkt – zu abstrus ist sein Porträt, zu willkürlich und makaber seine Entscheidungen und Verhaltensweisen. Eine emotionale Bindung oder ein explizites Mitfiebern bleibt so leider vollständig aus – während alle anderen Protagonisten ohnehin nicht über die Rolle von Statisten hinauskommen. So kommt auch die Idee, das Paar als zerstritten darzustellen; einem Fehlgriff gleich, der in einer reichlich diskutablen Aussage des Films mündet. Erst die Entführung zeigt Zakes und Beth auf, was sie an einander haben – ein Verbrechen ‚rettet‘ die Beziehung. Natürlich gab es derlei Ansätze schon in anderen Werken zu sehen – doch so plump, lieblos und bar einer jeglichen erzählerischen Kraft wie nun in HUSH gezeigt fiel bisher noch keine Darstellung aus.

Was hilft jedoch das grobe Umschreiben offensichtlicher Missstänmde, wenn man auch expliziter auf eben jene hinweisen könnte? Was anderswo als unbedingt zu vermeidender Film-Fehler gegolten hätte, macht erschreckenderweise die eigentliche Substanz von HUSH aus – immer und immer wieder. Es beginnt mit einer widerspenstigen Lastwagen-Tür, die sich offenbar willkürlich öffnet, schließt und manchmal auch an einer bestimmten Position einrastet. Es zieht sich über den höchst merkwürdigen Zufall, dass Zakes‘ Freundin unglücklicherweise selbst zur Entführten wird – und Zakes erst dadurch zu einem entschlossenen Retter werden kann (und damit der Person, die sich Beth immer gewünscht hat). Während sich der Film dem Finale nähert, steigern sich die Absurditäten noch um ein vielfaches: eine offenbar geflohene Frau stellt sich als Komplizin des Entführers heraus (warum auch immer), ein Haus eines eigentlich unbeteiligten Rentner-Paares muss als blutiger Schauplatz eines absolut kontextlosen Gemetzels herhalten, und: der gesichtslose Entfüher und Zakes liefern sich ein Duell der eher ungewöhnlichen, da kaum ernstzunehmenden Art. Hier geht es nicht um Geschick, Mut oder Willenskraft – es geht schlicht darum, wer sich realitätsferner und kopfloser verhält; um am Ende (im wahrsten Sinne des Wortes) begraben zu werden. Wie kann man diese Regisseure nach einem Film wie HUSH noch für voll nehmen ? Eben.

Fazit: Eigentlich sollte man einen Film wie HUSH schon wieder als Anschauungsmaterial empfehlen – als Negativbeispiel für alle angehenden Regisseure und Filmemacher. Schließlich gibt es nur wenige Filme aus dem Thriller-Genre, die eine derart ansehnliche Ansammlung von Fehlern und filmischen No-Go’s präsentieren – und dabei absolut ernst bleiben. Die Wirkung, die sich hieraus ergibt, ist ebenso ärgerlich wie faszinierend: HUSH lädt trotz der düsteren Thematik eher zum Lachen (oder vielmehr ärgern) als zum Schaudern ein. Wie man es auch dreht und wendet, es wurde viel falsch gemacht – mehr, als eine unspektakuläre Idee komplett zu verwursten. Denn auch die technischen Aspekte sind unter aller Kanone: die Kameraführung ist absichtlich auf wackelig getrimmt um ein Gefühl der Authenzizät zu vermitteln (was verständlicherweise nicht klappt), ständige Zeitsprünge und uncharmante Schnitte sorgen für Verwirrung und noch mehr Kopfschütteln, der Soundtrack ist gerade noch zweckdienlich. Auch die Darsteller bleiben blass und wirken oftmals unfreiwillig komisch – einzig William Ash als Zake lässt trotz des gnadenlosen Overactings ein wenig Potential vermuten. Das miese Drehbuch, die unterirdische Umsetzung und die zahlreichen Absurditäten lassen aber nur einen Schluss zu: Finger weg von HUSH, es geht nicht viel schlimmer.

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