Filmkritik: „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012)

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Originaltitel: Prometheus
Regie: Ridley Scott
Mit: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron u.a.
Land: USA
Laufzeit: 123 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction / Horror
Tags: Prometheus | Aliens | Schöpfung | Kontakt | Ufos | Übernatürlich | Planet

Ein ALIEN-Prequel, welches keines ist.

Inhalt: In der nahen Zukunft machen Archäologen eine fulminante Entdeckung – überall auf der Welt entdecken sie alte Steintafeln und Malereien, die trotz ihrer geografischen Distanz ein und dieselbe Sternenkonstellation zeigen. Eine, die mit blossem Auge nicht zu sehen ist, versteht sich – und so machen sich im Jahre 2093 einige Forscher auf, den Ursprung dieser womöglich außerirdischen Botschaft zu ergründen. Das finanzielle Mammutprojekt wird von der Weyland Corporation gestemmt, die durch die an Bord des Raumschiffs befindliche Meredith Vickers (Charlize Theron) vertreten wird. Neben den Experten Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) ist auch ein Androide namens David (Michael Fassbender) mit an Bord der PROMETHEUS, der den Kälteschlaf der Crew rechtzeitig unterbrechen soll. Gesagt getan – einmal am Ziel angekommen, beginnen die Forscher den fremden Ort mit ganz unterschiedlichen Erwartungen zu erkunden. Schon bald stossen sie auf ein seltsames, kuppelartiges Gebilde – und dringen in es ein. Was sie dort erwartet, konnte indes nicht nur Aufschluss über die Ursprungsgeschichte der Menschheit geben – sondern vielleicht auch über den Untergang aller humanoider Lebensformen.

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Kritik: Der massiv beworbene und heiss diskutierte 2012’er Sci-Fi-Blockbuster PROMETHEUS von Ridley Scott war eigentlich als Prequel zur ALIEN-Saga angelegt. Nach einigem Hin- und Her in Bezug auf die Besetzung und die tatsächliche Ausrichtung aber entschied man sich letztendlich aber doch dazu, ein verdächtig eigenständiges Werk zu inszenieren – was glücklicherweise eher Vorteile als Nachteile mit sich bringt. Denn: wo viele Prequels eher zweckdienlich erscheinen und auf Biegen und Brechen versuchen, den erzählerischen Bogen sinnbildlich zu den bereits vorliegenden Filmen zu spannen – erschafft PROMETHEUS mal eben ein ganz neues, eigenständiges und reichlich faszinierendes Film-Universum. Ein Universum, welches weniger aus expliziten ALIEN-Inhalten besteht – sondern stattdessen eine riesengroße Portion Mystik, Sci-Fi und Abenteuer in den großen Erzähltopf wirft. So gibt es weitaus weniger furchteinflössend-ekelige Kreaturen zu bestaunen als vielleicht angenommen – und auch weniger explizite Kampfszenen. Was Freunde von besonders kreativen Creature-Designs vielleicht enttäuschen könnte, lässt alle anderen gleichsam entspannt aufatmen: PROMETHEUS ist weit mehr als ein simples Katz- und Mausspiel auf einer verlassenen Raumstation, bei dem sich Aliens und Menschen bekämpfen.

Dabei braucht es auch nicht allzu lange, bis die erzählerische Urgewalt von PROMETHEUS entfesselt wird. Ganz im Gegenteil: bereits die ansehnlich inszenierte, beinahe poetische Eingangsszene, die erst schwer in einen sinnigen Kontext gebracht werden kann; offenbart das Potential des Films. Prompt werden Begriffe wie die Schöpfungsgeschichte der Menschheit mit bisher unbekannten, außerirdischen Wesen in Verbindung gebracht; die so für eine angenehme Portion Mystik sorgen und den Zuschauer auf das noch folgende vorbereiten. Glücklicherweise wird diese mysteriöse, leicht abenteuerliche Grundstimmung über weite Strecken beibehalten – sodass auch die eigentliche Reise der PROMETHEUS mit den wunderbaren Sci-Fi-Anleihen, sowie insbesondere die erste Erkundung eines fremden Planeten (mit deutlicherem Horror-Flair) überraschend atmosphärisch und schlicht nervenzereissend spannend ausfallen. Doch nicht nur im großen regiert ein beeindruckendes filmische Geschick – auch im kleinen finden sich zahlreiche wohl überlegte und geschickt platzierte Elemente, die sich sinnig in das Gesamtbild einfügen. Als erstes besonderes Merkmal (nach den übernatürlichen Elementen) stellt sich so der Androide David heraus, über dem ein beinahe ebenso großes Mysterium schwebt wie über der nur vermeintlich fremden Rasse.

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Heutzutage gibt es eben nicht mehr viele Filme, die eine ähnlich intensive Stimmung etablieren können wie PROMETHEUS – eine Atmosphäre, die so dicht ist dass man sie mit einem Messer portionieren könnte. Und so ist man angehalten, als geneigter Sci-Fi-Konsument gleichsam in Erinnerungen zu schwelgen wie sich am neuen Filmprodukt PROMETHEUS zu erfreuen. Gerade der Charakter des Androiden, sowie sein schleierhaftes Gebaren erinnert einstweilen an Kubrick’s Klassiker 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (Review), in dem eine künstliche Intelligenz eine ebenfalls nicht unerhebliche Rolle spielte. Etwa so muss man sich auch PROMETHEUS vorstellen – als eine Mischung aus der poetischen, hintergründigen und oftmals nur angedeuteten Erzählweise aus Kubrick’s Meisterwerk, und den späteren ALIEN-Filmen. Aus denen wurden sinngemäß die eher Horror-lastigen Elemente entnommen, sowie jene Action-Elemente; die dem Film doch noch einen Hauch von Blockbuster verleihen und ihn nicht ganz so sperrig und schwer zugänglich machen. Eine wohlfeile Mischung also – der zusätzlich ein fantastischer visueller Part zugrunde liegt. Die beeindruckenden Weltraum- und Raumschiffsequenzen, die Gestaltung des fremden Planeten, die Architektur der vermeintlichen ‚Höhle‘ (mit Elementen des Horror-Künstlers H.R. Giger, wie auch schon bei ALIEN) und das Spiel von verschiedenen Lichtstimmungen machen PROMETHEUS auch optisch zu einem Genuss. Der Soundtrack steht dem in nichts nach, stets ist für passend untermalende Klänge gesorgt.

Um was also geht es in PROMETHEUS ? Um vieles, nur nicht um eine simple Vorgeschichte der Geschehnisse aus den ALIEN-Filmen. Die Geschichte wird auf eine ganz neue, geradezu epische Ebene gehoben; und gewinnt so an Faszinations- und Wirkungskraft. Auch Nicht-Fans der ALIEN-Reihe können hier bedenkenlos zugreifen – die Parallelen sind einfach zu marginal, der Film zu eigenständig als dass er direkt mit selbiger Filmreihe verglichen werden könnte. Eines aber haben die Macher offenbar nicht bedacht: gerade dieser Eindruck des abenteuerlichen, neuen, episch-offenbarenden wird zwar auf den Zuschauer übertragen (was schon einmal die halbe Miete ist) – nur nicht auf die Charaktere des Films. Es ist schlichtweg unglaublich, wie man sich solche Fehlgriffe hat leisten können. Es beginnt damit, dass sich grundsätzlich keiner der Charaktere profilieren kann – es fehlt an Zeit, besonders aber auch an aufkommender Sympathie. Das wäre vielleicht noch zu verschmerzen, schließlich geht es in PROMETHEUS sinnbildlich um mehr als das Schicksal einer kleinen Forscher-Gruppe. Doch sind auch die Reaktionen und Interaktionen der Forscher, in Anbetracht der neuen Welt die sie just in diesen Momenten entdecken – erschreckend nüchtern, wenig nachvollziehbar und schlicht unglaubwürdig. Das Konzept des Films sieht – warum auch immer – vor, dass die sich an Bord befindenden Wissenschaftler offenbar nach ihren Fähigkeiten ausgewählt worden. Untereinander kennen sie sich entweder kaum oder gar nicht; und stets präsentieren sie eine Verhaltensweise, die eher an einen lustigen Schulausflug denn an eine epische Entdeckungsreise erinnert.

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Das ist verdammt schade – und verhindert, dass PROMETHEUS den Weg zum Wertungs-Olymp findet. Eigentlich ein vergleichsweise unspektakulärer Grund – doch nagen diese Aspekte zu stark an der Gesamtwirkung, als dass man sie ignorieren könnte. Warum hat man kein Team vorgestellt, dass sich länger auf die Reise vorbereitet hat (wie es einem Billionen-Dollar-Proejekt eigentlich gebühren sollte); nicht häufiger erstaunte Ausrufe oder Blicke eingestreut ? Warum hat man keinen wirklichen Captain eingesetzt, sondern einen Charakter; der seine Aufgabe eher lustlos und merkwürdig scherzend ausführt ? Warum hat man mit Charlize Theron als Meredith Vickers für den wohl unnötigsten, unsympathischsten Charakter des Filmjahres 2012 gesorgt ? Und warum scheint die sagenumwobene Crew der PROMETHEUS aus gerade einmal einer handvoll Beteiligter zu bestehen, benötigt man für eine solche Reise nicht mehr Personal ? Schließlich könnte man diese Fragen auch in einer zusammenfassen: warum scheint die Reise eher einem Privatzweck zu dienen, als dem Erkenntnisstand der menschlichen Allgemeinheit ? Vielleicht liesse sich dies anhand der (nicht erwähnten) Welt-Situation im Jahre 2091 erklären, doch bleiben dies Mutmaßungen. In jedem Fall wäre der Film besser dran gewesen, hätte die Forschungscrew einen deutlicheren wissenschaftlichen Charme versprüht. Doch dann liesse sich die Geschichte nicht mehr so umsetzen wie geschehen: als beinharter Ego-Trip eines alten, verbitterten Mannes. Die diesbezügliche Auflösung ist natürlich ebenso unspektakulär wie lachhaft, und zeigt sinngemäß doch noch auf, dass es um mehr geht als das Schicksal des einzelnen. Glücklicherweise, denn das ist die Stärke von PROMETHEUS. Doch das hätte man auch ohne eine derart überdeutliche Metapher transportieren können.

Fazit: PROMETHEUS ist nicht weniger als das Sci-Fi / Horror-Highlight des Jahres 2012 – ein Werk, welches sowohl auf inhaltlicher wie technischer Ebene absolut überzeugt. Anstatt eine simple, abgeschmackte ALIEN-Vorgeschichte zu erzählen erschuf man ein spannendes neues Film-Universum voller Mysterien und fundamentaler Fragen, deren Interpretation zwar in eine grob vorbestimmte (und noch etwas zu Film-interne) Richtung steuern wird – aber immerhin. Die Reise der PROMETHEUS ist abenteuerlich, spannend; und bietet eine abwechslungsreiche Palette an Themen und verschiedenen Eindrücken, die sich letztendlich zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Für einen Hollywood-Film ist das schon recht ansehnlich – denn hier gibt es nicht nur Stoff für Augen und Ohren (die ausnahmsweise mal nicht überstrapaziert werden), sondern auch für das Hirn. Nur eben – und leider – nicht durchgängig. Während sich der Verstand in Anbetracht der obligatorischen Liebesszene (die dieses Mal sogar storyrelevant ist) noch nicht sträubt, wird dies zweifelsohne aufgrund der urkomischen Wissenschaflter-Bande an Bord des Schiffs geschehen. Hier macht offenbar jeder, was er will; und das zumeist noch recht lustlos und abgeklärt. So entsteht eine weitere potentielle, eigentliche überdeutliche Metapher: der Androide David verhält sich insgesamt menschlicher und nachvollziehbarer als alle andren Crewmitglieder zusammen. Ob beabsichtigt oder nicht – ein wenig mehr Glaubwürdigkeit wäre hier sicher nicht verkehrt gewesen. Dennoch handelt es sich um eine unbedingte Empfehlung – schließlich verdient ein Film wie dieser schon eher die Attribuierung als Blockbuster.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012)

  1. Ich kann mich der Rezension im Groben so anschließen. Ich hätte mir unter „Prometheus“ vorher wohl nie einen so visuell und inhaltlich interessanten Film vorgestellt, der in seiner Atmosphäre und vom Look tatsächlich an „Alien I“ aufschließt. Leider muss ich bei der Darstellerwahl bzw. der Charakterzeichnung vollkommen zustimmen. Es gibt viele Momente in denen die lieben Leute den Film einfach kaputt machen…sei es durch ihr Herumjaulen, Unsympathischwirken oder dadurch, dass die soziale Interaktion untereinander komplett vernachlässigt wird, wenn man nicht gerade zufällig miteinander liiert ist. ^^ Der Androide David handelt zwar nicht menschlicher als die Menschen an Board, dafür verhält er sich offensichtlich zu eigensinnig (Mr. Spock-artig ^^) und tut das was man ihm von oberster Stelle aufgetragen hat, mit Logik, aber ohne Dinge in Frage zu stellen. Dadurch wirkt seine kühle Willenlosigkeit manchmal sogar etwas beängstigend bösartig, auch wenn er immer einen freundlichen Gesichtsausdruck an den Tag legt. ^^ Alles in allem bleibt er einfach nur ein Mittel zum Zweck, was er mit der Crew wohl gemein hat, denn wahrscheinlich war es auch Teil des Plans, dass man einen überschaubaren „losen Haufen“ als Crew initiiert hat, weil dieser besser (für den eigenen Zweck) kontrolliert (ggf. geopfert) werden kann, als ein großes und organisiertes Team das Fragen stellen könnte. Dennoch…die große Schwäche ist und bleibt die Charakterzeichnung und diverse offene Fragen bzw. fehlenden Zusammenhänge, die aber durch ein weiteres Ansehen und (wahrscheinlich) durch einen zweiten Teil des Films wieder zum Teil beantwortet werden können. Es ist kein Meisterwerk, aber wohl einer der besten Science-Fiction Filme der letzten Jahre. Wem vor allem „Alien I“ gefallen hat, dem wird „Prometheus – Dunkle Zeichen“ auf jeden Fall zusagen. Wer aber bereits „Alien I“ langweilig empfunden hat und sich eher mit James Camerons Inszenierung vom zweiten Teil anfreunden kann, der wird hier ein mächtiges Problem haben. ^^

    Wertung: 8/10 (Potential für eine höhere Wertung wäre da gewesen)

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    1. Wertung wird übernommen…
      Kann nur zustimmen… in diesem Fall könnte sich ein zweiter Teil tatsächlich als nützlich erweisen. Bleibt zu hoffen, dass die Macher diesen Beitrag hier lesen und sich einige der genannten Aspekte zu Herzen nehmen, hehe. Aber ich bin sicher, das insbesondere die Charakterporträts vielen negativ aufgefallen sind. Also: macht es nächstes Mal noch ein klein bisschen besser, und einer 10/10 steht nichts mehr im Weg 😉

      p.s. die ALIEN-Trilogie müsste ich auch dringend noch einmal verköstigen.

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