Filmkritik: „Tropic Thunder“ (2008)

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Originaltitel: Tropic Thunder
Regie: Ben Stiller
Mit: Ben Stiller, Jack Black, Robert Downey Jr. u.a.
Land: USA, Deutschland
Laufzeit: 107 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Komödie / Action
Tags: Tropic Thunder | Dschungel | Tropen | Ben Stiller | Persiflage | Satire

Ben Stiller im Tropenfieber.

Inhalt: Tugg Speedman (Ben Stiller) ist ein Film-Superstar in einer Schaffenskrise. Seine viel zu oft fortgesetzte Actionfilmreihe floppte nunmehr ebenso wie sein ambitioniertes Behinderten-Drama Simple Jack. Um dem Strudel der Erfolglosigkeit zu entgehen, schließt er sich einem rekordverdächtig teuren, groß angelegten Projekt namens TROPIC THUNDER an – einem gewaltigen Vietnamkriegsdrama. An Speedman’s Seite sollten auch die Schauspielkollegen Jeff Portnoy (Jack Black), Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.), Alpha Chino (Brandon T. Jackson) und der Nachwuchsschauspieler Kevin Sandursky (Jay Baruchel) spielen, die alle eine unterschiedliche Erfolgshistorie vorzuweisen haben. Was für den einen nur ein regelrechtes Spaß-Projekt ist, bedeutet für den anderen eiserne Selbstdisziplin: Kirk Lazarus lässt sich für die Rolle sogar seine Haut pigmentieren. Doch aufgrund einiger Unstimmigkeiten und Patzer am Set soll das Projekt plötzlich auf Eis gelegt werden – Regisseur Damien Cockburn (Steve Coogan) wittert jedoch eine allerletzte Chance. Er entschließt sich zu einer besonders drastischen, hoffentlich erfolgbringenden Maßnahme: er schickt seine Darsteller-Riege in einen echten Tropen-Dschungel, und stellt sie so einigen skrupellosen Guerilla-Kämpfern gegenüber. Doch ist er sich sicher, alles unter Kontrolle zu haben in diesem Film, der so authentischer nicht werden könnte – bis er von der Bildfläche verschwindet und die Truppe ihrem Schicksal überlässt. Die glauben indes noch immer fest daran, an einem großen Filmset mit versteckten Kameras zu sein… und stören sich so auch nicht weiter daran, dass sie von den Einheimischen alsbald für eine US-Spezialeinheit gehalten werden.

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Kritik: TROPIC THUNDER – das ist der Titel eines auf Krawall gebürsteten 2008’er Filmwerkes von und mit Comedy-Allzweckwaffe Ben Stiller. Bereits die drei fiktiven Trailer zu Beginn lassen auf eine urkomisch-chaotische Komödie schließen – was sich in der darauf folgenden, groß angelegten und herrlich überzeuichente Actionszene an einem Tropen-Set bestätigt. Stichwort Filmset: TROPIC THUNDER ist als Film im Film angelegt, und macht sich so die ihm gegebenen Chancen mit der Filmindustrie und einigen Hollywood-Mogulen abzurechnen, explizit zunutze. Immerhin: eine Prämisse wie diese hat es noch nicht allzu oft gegeben, und schon gar nicht wurde sie in einer derart anarchistischen Manier umgesetzt. Es macht schlicht einen Heidenspaß den Hauptakteuren dabei zuzusehen, wie sie quasi direkt vom Filmset in einen echten dicht bewachsenen Dschungel transportiert werden, um dem Film eine möglichst authentische Note zu geben. Auf Anweisung von oben, versteht sich – und ohne das Wissen, das Set tatsächlich verlassen zu haben. Auch wenn einige der Akteure (zu recht) ins Grübeln kommen, sorgt gerade hier Ben Stiller’s Auftritt als selbstsicherer Schauspieler in einer lebensbedrohlichen Umgebung für die mitunter unterhaltsamsten Szenen des Films. Ein guter Start – dessen Qualität jedoch nur bedingt gehalten werden kann.

Dabei liegt die bald aufkommende, gefühlte Flaute nicht unbedingt in der langsam verpuffenden Grundidee begründet – der Teufel steckt hier eindeutig im Detail. Denn: es gibt nicht viele Komödien mit einem Potential wie TROPIC THUNDER. Ein Riesen-Budget, zahlreiche gut gelaunte Superstars, ein großer Einfallsreichtum; der Wille, auch mal explizit politisch unkorrekt zu agieren – und ein ansprechendes Film im Film-Setting in den Tropen, in denen Gefahr durch einige spezielle Drogenhändler droht. Grundsätzlich sollte man hier nicht nur ein Effektfeuerwerk (das gibt es zweifelsohne), sondern auch eine wahre Flut an sinnigen Gags, Situationskomik und intelligenten Anspielungen erwarten können – ein Ziel, welches insgesamt knapp verfehlt wurde. Zum einen ist es schade, dass die teils merklich pompös-bombastische Inszenierung dem Film genau jenen Hollywood-Touch verleiht, den man eigentlich (oder zumindest ansatzweise) parodieren wollte – und das Augenmerk von stilleren, intelligenteren Inhalten schnell auf großes Getöse gelegt wird. Stichwort Intelligenz: TROPIC THUNDER fällt isngesamt viel zu flach aus, um wirklich nachhaltig und zeitlos begeistern zu können. Viele Gags bewegen sich auf einem verdächtig niedrigen Niveau, werden viel zu plump inszeniert – oder gehen in der allgemeinen Hektik unter.

Dabei sind es gerade Aspekte wie die Dialoge, die teils als besonders amüsant bezeichnet werden können – wenngleich dies längst nicht für alle gilt. Man könnte sogar soweit gehen die Qualität eben jener Textpassagen und Interaktionen anhand der Charaktere und Darsteller aufzusplitten. Grundsätzlich gilt dabei: alles, was Robert Downey Jr. anfässt, wird auch in diesem Fall zu Gold – und bietet massenhaft Schmunzel-Potential. Ben Stiller fungiert als Mittelsmann, der einen einerseits stark geschmacksabhängiges Gebaren an den Tag legt – andererseits aber weitaus weniger übertrieben (oder: nervig) agiert als in vielen seiner anderen Produktionen. Deutlich düsterer sieht es dann bei den anderen Kollegen aus, wie etwa Jack Black: der avanciert hier zu einem echten Anti-Sympathieträger, und serviert am laufenden Band platte Witze, nervtötende Ausrufe und auf einen schnellen Dorgenkonsum ausgelegte Verhaltensweisen. Sicher, sein Charakter ist der eines abgehalfterten, drogensüchtigen Schauspielers – doch hätte eine andere Silhouette weitaus besser zu einem vergleichsweise kantigen Darsteller wie diesem gepasst. Aber auch allgemein gilt: je weiter der Film voranschreitet, desto mehr Potential büsst er ein. Trotz der relativ übersichtlichen Spieldauer schleichen sich immer wieder Längen ein, über weite Strecken gibt es schlicht gar keine Gags oder besonders markante Einfälle mehr – den negativen Höhepunkt bieten hier grundsätzlich alle Szenen, die innerhalb und ausserhalb des Drogenlagers im Dschungel spielen.

Ein kleiner Lichtblick, der jedoch viel zu lieblos ausgenutzt wird, ist der Charakter des kindlichen Clanchefs – der nicht nur eine besondere Vorliebe für Glimmstengel, sondern auch für spezielle Filme und Kampfkünste hegt. Auch hier wäre noch viel mehr drin gewesen – jedenfalls mehr als den letztendlich zu einem Panzerfausträger degradierten Anarcho-Jungen. Streiten könnte man sich auch über die teils heftigen Gewaltszenen – die eine FSK-Einstufung nicht ganz leicht machen, werden sie doch stets in einem besonders absurden (verharmlosenden) Rahmen gezeigt. Sicher ist: die massive Action und der Einsatz von allerlei Guerilla-Krieg und Waffengewalt ist nichts für jüngere Zuschauer, egal in welchem Kontext diese Inhalte auch gesehen werden mögen. In der Tat ist TROPIC THUNDER in dieser Hinsicht auch ein wenig von allem: eine Komödie die überaus leichtfüßige Schaupspieler in einen todbringenden Dschungel schickt, eine Persiflage auf Hollywood und Konsorten, eine Hommage an diverse Vietnam-Kriegsfilme, oder… das Endergebnis ist somit etwas konfus und alles andere als klar strukturiert, doch auch der Anarcho-Charme kann nur teilweise seine Wirkung entfalten.

Fazit: TROPIC THUNDER ist ein Film für Filmliebhaber, die mal wieder einen etwas anderen Film im Film sehen; und sich dabei weitestgehend köstlich unterhalten wissen möchten. Einige Schwächen werden durch etwaige Stärken und Highlights ausgeglichen – wie etwa den makaberen Cameo-Auftritt von Tom Cruise oder Nick Nolte – andere wiederum nicht. Die schwankende Gagquote bei einem gleichbleibenden niedrigen Anspruch kann so ebenso stark an den Nerven zerren wie der insgesamt eher unrunde Eindruck, und den Film deutlich zäher gestalten als er eigentlich hätte ausfallen müssen. Rein handwerklich gibt es indes nichts zu bemängeln, von der Kameraführung über die Schnitte bis hin zu den Effekten und dem Soundtrack gibt es reichlich Bombast-Futter für Augen und Ohren. Doch vielleicht ist genau das auch das Problem… ein ambitioniertes, etwas anderes Projekt mit dem gewissen Etwas; dem es letztendlich an einer zusätzlichen Portion Mut, Herz und Verstand mangelt.

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Tropic Thunder“ (2008)

      1. Hehe..Danke. ^^ Wenn ich schon zu faul bin einen eigenen Blog zu führen, kann ich mich wenigstens hier verewigen. 🙂 Yoa…da gibts bestimmt ein paar Filme wo ich dich drauf stoßen muss…alles zu seiner Zeit. ^^ Highlights schau ich mir nachher mal an.

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  1. Ja, auch ich hatte mir damals viel mehr bei diesem Film versprochen…letzendlich wirkt er streckenweise bis ins letzte Detail konstruiert und zu gewollt komisch. Keine großartigen Überraschungen und Improvisationen die einer guten Comedy vorausgehen. Fast schon etwas öde der Humor, der einem im Film gezeigt wird.

    Ganz düster sieht es bei den Sympathieträgern aus, irgendwie gehen die ALLE einem nach einer Viertelstunde auf den sprichwörtlichen Sack. ^^ Sei es Robert Downey Jr. der auf Möchtegern-Afro macht, Jack Black der eigentlich nur am Quängeln und Rumschreien ist und Ben Stiller, der nervt sowieso. ^^ Eine Neuerung ist der kindliche „Clanchef“…ein Lichtblick, aber noch lange nicht perfekt umgesetzt. Ich vermute mal dass die Synchro einiges kaputt macht.

    Ich habe den Film schätzungsweise drei mal gesehen (warum auch immer^^)…aber es reizt mich nicht mehr so sonderlich den Film ein weiteres Mal zu sehen. Dann lieber über Kriegsfilme schmunzeln, über deren angebliche „Ernsthaftigkeit“ man wenigstens tatsächlich lachen kann. Die „Missing in Action“ Reihe mit Chuck Norris ist da so ein Beispiel. Habe mir da den zweiten Teil (der eigentlich er erste Teil ist) angesehen…unbedingt im Original antun…der Mensch sagt kaum einen Ton (kein Wunder, irgendwie klingt Chuck fast schon etwas schwul LOL), aber der Blick von Chuck Norris reicht scheinbar bereits aus, dass Gegner reihenweise umfliegen, die Zuschauer aber auch die sich darüber amüsieren. Wenn Chuck Norris an den Füßen aufgehängt wird und ihm ein Leinensack mit einer Ratte über den Kopf gezogen wird und nachher der Sack voll mit Blut durchtränkt ist, aber nicht das von Chuck, sondern das von der Ratte die er im Mund zerbissen hat. LOL Jedenfalls musste ich lachen … und wie der in jeder zweiten Szene geguggt hat, da musste ich ständig an diese ganzen Chuck Norris Facts denken. „Das Universum dehnt sich nicht aus; es läuft vor Chuck Norris davon.“ „Wenn Chuck Norris ins Wasser fällt, wird er nicht nass. Das Wasser wird Chuck Norris.“ „Chuck Norris isst keinen Honig, Chuck Norris kaut Bienen…“ etc…^^

    Wertung „Tropic Thunder“: 6/10

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