CD-Review: MAGIC HAMMER – Most Extreme Ultimate Thunder (2009)

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Album: Most Extreme Ultimate Thunder | Band: Magic Hammer (weitere Band-Inhalte)

Land: USA – Stil: Electronic / Power Metal / Eurobeat – Label: Independent

Alben-Lineup:

Eric W. Brown (Musik, Gesang, Produktion)

01 Dance On Fire: Retribution 04.01
02 Blooddrunk 04.32
03 Love Is On The Way (Divine Thunder mix) 03.36
04 Pills I Took 03.16
05 I’m Gonna Get You 04.25
06 The Trident Ov Power 03.29
07 The Master Ov Time, pt. 1: Escape 04.07
08 Nitro 03.56
09 Dance On Fire (Disko Warp 5 Alarm mix) 04.10
10 Dance On Fire (MAVS remix) 03.57

It must have been the pills I took.

Vorwort: Manchmal weiss man nicht so Recht, wie einem geschieht… so oder so ergeht es wohl jedem, der zum ersten Male auf das illustre MAGIC HAMMER-Projekt aufmerksam wird. Tatsächlich lässt sich dieses vor allem im näheren Umfeld von diversen Power Metal-Bands und typischen Metal-Inhalten entdecken – und auch das Cover und der Albentitel lassen genau darauf schließen. Eine bisher unbekannte, 2009 gegründete Band; eine neue Möglichkeit heroische Heldengeschichten im besten Power Metal-Uptempogewand zu konsumieren ? Nun, nicht ganz – wie es auch die offizielle Webpräsenz samt kompletter Song-Hörproben (vorteilhaft) und Shop schnell und eindringlich klarstellt. Unter diesem Link gelangt man dorthin – bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass sich ein gewisser Eric W. Brown (Link) aus den USA für die Produktion verantwortlich zeigt. Eine Empfehlung, sich jenes 2009’er Endprodukt einmal anzuhören, reicht es auch so schon – ob es zu noch mehr (und einer historisch bedeutsamen Wertung) reicht, soll sich im Laufe dieser Rezension zeigen. Diese basiert auf eben jenen kompletten Hörproben – es liegt also kein physisches Album samt Booklet vor.

Kritik: Das Album startet mit dem Opener DANCE ON FIRE: RETRIBUTION durch, und serviert nach dem Cover und Titel sogleich den nächsten Metal-Bezug. Ein flottes Schlagzeugspiel samt einiger schwerer, eingängiger Riffs sorgt vor einer symphonischer Soundkulisse für ein erstes Aufhorchen. Doch lange hält man sich nicht damit auf – stattdessen begeht man nun jenen sagenumwobenen Stilbruch, der das Projekt zu dem macht was es ist. Jegliche Metal-Anteile weichen nun überraschend einigen… feucht-fröhlichen Elektronik- und Eurobeat-Klängen. Was ist das, möchte man fragen – doch prompt ist man in der Komposition gefangen, die mitreissender nicht hätte ausfallen können. Klar ist, dass es von Vorteil wäre, ein offenes Ohr für verschiedene Genres zu haben – denn dergleichen hört man (vor allem als Metaller) nicht alle Tage. Doch genau das ist der Clou – ob nun parodistisch oder tatsächlich ernst gemeint ausgelegt. Tatsächlich zeigt sich, dass derlei Ideen und ein Genre-Umsatteln nicht gänzlich neu ist – man darf sich an Fabio Lione’s (RHAPSODY OF FIRE) Ausflüge als Eurobeat-Künstler J STORM (Link) erinnern. Dies, gepaart mit einer großen Portion INITIAL D (Link) bei kontinuierlichen Metal-Anleihen – vor allem textlicher Natur – sorgt auch auf MOST EXTREME ULTIMATE THUNDER für großes, ungläubiges Staunen.

Auch das folgende BLOODDRUNK beginnt in einer Manier, die man typischerweise dem Power Metal zuschreiben würde – nur um kurz darauf eine weitere Eurobeat-Melodie abzufeiern, die süßer und softer nicht sein könnte. Es fällt verdammt schwer, hier handelsübliche Rezensions-Maßstäbe anzusetzen – ein derartiges Vorgehen ist wohl automatisch zum Scheitern verurteilt. Denn wie zur Hölle würde man einen Titel wie LOVE IS ON THE WAY bewerten ? Er wirkt geradezu aberwitzig, man weiss nicht recht ob der Musiker das Ganze für Voll nimmt was er da macht – oder ob er einfach nur Spaß haben wollte. Offenbar kann man dieser Musik beides zuschreiben – denn für eine plumpe Parodie klingt das Ganze beileibe zu versiert und perfektioniert. Seien es nun die eigenen Nummern von Eric W. Brown, oder die adaptierten und neu abgemischten Versionen anderer Titel, wie das folgende PILLS I TOOK – das ganze geht sofort ins Ohr, macht Laune und klingt schlicht verdammt frisch. Auch die Produktionsqualität lässt keine Zweifel offen, für ein x-beliebiges Fanprojekt wurde offensichtlich viel zu viel Zeit und Herzblut investiert. Die einzelnen Titel sind abwechslungsreich, und bieten eine interessante Bandbreite an elektronischen, aber auch Metal-lastigen Elementen. Davon hätten es gerne noch etwas mehr sein können – denn es zeigt sich, dass die Überlagerung beider Stilrichtung ebenfalls gut funktioniert, ganz anders als beispielsweise bei deutlich bekannteren und kommerzielleren Bands a’la DRAGON GUARDIAN (Link).

So gerät ein Titel wie THE TRIDENT OV POWER zu einer waschechten Überhymne – mit reichlich Pomp und Kitsch, versteht sich. Vielleicht sollte man gar nicht so sehr auf den Text hören, die offensichtlichen Parallelen zum Power Metal-Genre könnten einen durchaus zu denken geben. Die Wirkung ist jedoch – und unglaublicherweise – eine ganz ähnlich mitreissende, je nach Gusto vielleicht sogar epische… ein gelungenes, überaus charmantes Experiment. Auch die grundsätzlich nicht ganz so spektakulären (und gerade in den Strophen etwas zu einfach gestrickten) Nummern wie I’M GONNA GET YOU oder THE MASTER OV TIME PART I erweisen sich als echte Ohrwürmer, und entfalten schnell einen ureigenen Charme. NITRO macht noch ausreichend Spaß, wogegen die beiden Remixe von DANCE ON FIRE das Original nicht mehr übertreffen können. Im Gegenteil, gerade das zweite verwirrt mit einer viel zu langen Sprech-Passage zu Beginn, sowie einer Mischung aus Rap- und Elektronik-Elementen a’la KRAFTWERK – als ob ein Stilbruch allein nicht schon genug gewesen wäre. Hier wären 2 eigenständige Titel vielleicht die bessere Wahl gewesen – schließlich ist das Album ohnehin nicht gerade lang.

Fazit: Eine musikalische Erfahrung, die jeder einmal gemacht haben sollte – gerade, wenn man sich als Power Metal-Fan bezeichnet und neuem gegenüber generell aufgeschlossen ist. MOST EXTREME ULTIMATE THUNDER bietet genau das, was der Titel verspricht… und auch wieder nicht. Texte und Melodien, die problemlos auf etwaige episch angehauchte Power Metal-Alben gepasst hätten, inszeniert in einem Rahmen aus kunterbunt-poppigen Eurobeat-Klängen und süßlichen Gesängen – verrückt ist das allemal, aber wie auch immer man es betrachtet: es klingt überraschend gut. Vor allem und besonders auch, da Eric W. Brown hauptsächlich auf schnelle, eingängige und melodisch erhabene Kompositionen zurückgreift – und zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen lässt. Egal wie man an das Album herangeht – ob mit einer (berechtigten) Skepsis, einem deutlichen Augenzwinkern oder einem verächtlichem Gesichtsausdruck – es wird den Hörer mitreissen, fesseln und im besten Fall sogar begeistern. Wer all dem nicht zustimmen kann, wird zumindest zugeben müssen, dass es eine verdammt unterhaltsame Angelegenheit ist, der musikalischen Wundertüte a’la MAGIC HAMMER zu lauschen. Sicher werden Hörer, die ohnehin in einem Genre wie dem Eurobeat zuhause sind, weitaus weniger überrascht sein – doch als Neu- oder Quereinsteiger kann man nicht anders als positiv überrascht dreinzublicken. Und somit haben MAGIC HAMMER einen weiteren Auftrag erfüllt: Werbung für ein anderes, dem Power Metal vielleicht gar nicht so unähnliches Genre zu machen und Querverweise herzustellen. Einzig auf die beiden Bonus-Titel kann man getrost verzichten – ansonsten gilt: gerne mehr davon ! Das Ganze mit einer noch deutlicheren Orientierung hin zum Power Metal, beziehungsweise der Einbringung von noch mehr Metal-lastigen Elementen  (die Riffs passen doch perfekt, warum nur so wenig davon ?) – und der Weg nach ganz oben ist geebnet.

Anspieltipps: DANCE ON FIRE, BLOODDRUNK, LOVE IS ON THE WAY, THE TRIDENT OV POWER

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„Wer hier nicht in Feierlaune kommt, ist selbst Schuld.“

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