Filmkritik: „Ich Weiss, Wer Mich Getötet Hat“ (2007)

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Originaltitel: I Know Who Killed Me
Regie: Chris Sivertson
Mit: Lindsay Lohan, Julia Ormond, Neal McDonough u.a.
Land: USA
Laufzeit: 105 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller / Horror
Tags: Mord | Amputation | Folter | Zwillinge | Hollywood | USA

Ich weiss, dass der Rezensent dieses Werk nicht mögen wird.

Inhalt: Die junge Aubrey Fleming (Lindsay Lohan) lebt den US-Amerikanischen Traum. Als emsige Musterschülerin ihrer Highschool erfreut sie sich großer Beliebtheit, und kann sich aufgrund ihrer äußeren und inneren Werte schnell für den ein oder anderen Karrierepfad entscheiden. Doch noch ist sie unentschlossen – sie beschließt vorerst, ihre Karriere als Nachwuchs-Pianisten gegen die als Hobby-Autorin einzutauschen. Eines Tages aber geschieht das unaussprechliche: Aubrey verschwindet, und kann über mehrere Wochen nicht aufgefunden werden. Man rechnet bereits mit dem schlimmsten, als man sie plötzlich doch entdeckt – schwer verletzt und offenbar grausam verstümmelt. Sie befand sich in der Gewalt eines brutalen Serienmörders, den sie jedoch nicht identifizieren kann – und auch sonst tut sie sich reichlich schwer mit Hinweisen. Zu allem Überfluss behauptet sie nun nicht Aubrey, sondern Dakota zu sein –  eine mehr oder weniger erfolgreiche Stripperin. Was ist mit Aubrey geschehen, und: kann der offenbar perverse Killer doch noch gefasst werden ?

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Kritik: Ein plumpes Paradoxon im (verdächtig nach diversen Teenie-Horrorfilmen klingenden) Filmtitel, und noch dazu noch eine gewisse Lindsay Lohan in der Hauptrolle ? Zugegeben, die Zeichen stehen reichlich schlecht für das 2007’er Machwerk I KNOW WHO KILLED ME. Und tatsächlich steckt in ihm nicht mehr, als es Titel und Besetzungsstrategie vermuten lassen – aber eben auch nicht weniger.

Der Film, der hauptsächlich an eine Zielgruppe im näheren Umfeld der Altersfreigabe (18) gerichtet ist, offenbart so schnell seine Schwächen – und das nicht nur in inhaltlicher Hinsicht, sondern besonders auch in der handwerklich-atmosphärischen. Doch zuerst zur Geschichte: tatsächlich kann zu Beginn noch der Eindruck entstehen, als müsste es sich zwar nicht um etwas explizit neuartiges, aber doch nennenswert spannendes handeln.Vorsicht ist jedoch geboten bei Filmen, die nicht nur aus der Traumfabrik Hollywoods kommen, sondern auch explizit darauf hinweisen: nicht wenige, wenn nicht gar alle Ideen hat man offenbar anderswo abgestaubt, und im Sinne des Films schlicht neu arrangiert. Ein Serienkiller, der auf die Amputation ganz bestimmter Körperteile aus ist (in diesem Fall sogar grundlos), die Thematik von Zwillingsschwestern in Horrorfilmen… und zu guter Letzt der Erzählrahmen einer typischen Highschool-Situation. Doch während andere Filme sich gerade jenen Umstand zunutze machten, indem sie beispielsweise die Fragilität der oberflächlichen Perfektion und Ordnung aufzeigen und mitunter für intelligente Sozial- und Gesellschaftskritik sorgen, verkommt ICH WEISS, WER MICH GETÖTET HAT zu einem regelrechten No-Brainer. Doch etwas anders konnte man eigentlich auch nicht erwarten.

Es kommt, wie es kommen muss: weder wird sich der geneigte Zuschauer für die Charaktere und die teils hanebüchenen Familienkonstellationen interessieren, noch um das Wohlergehen der merkwürdig distanzierten, künstlich agierenden Protagonisten sorgen. Der einzige Aspekt, der den Zuschauer hier halbwegs bei Laune hält ist schlicht die Frage nach dem Täter – wer ist es, was hat er für ein Motiv; und: kann er gefasst werden ? Sobald diese Frage dann allerdings (und eher auf die einfache Tour) gelöst wird, gibt es nichts mehr; an das man sich noch erinnern wird. Etwas verwunderlich ist auch, dass man es offenbar möglichst vielen Zuschauern recht machen wollte. So versucht man nicht nur, einen handelsüblichen Thriller zu inszenieren – sondern greift des öfteren auch in die Schock-Kiste. Die merkwürdigen Folter- und Amputationsszenen (die bereits relativ früh zu sehen sind) wollen aber nicht so recht in das sonst eher Thriller-lastige Konzept des Films passen, und dienen lediglich der Effekthascherei. Das gleiche gilt auch für die späteren Szenen, in denen immer wieder makabere Horrorfilm-Anleihen präsentiert werden – wie bestimmte Visionen oder die (leider bedeutungslose) Symbolik blauer Rosen und eines Spiegels.

Das schlimmste an ICH WEISS, WER MICH… ist aber – wider erwarten – nicht die Tatsache, dass eine gewisse Lindsay Lohan die Hauptrolle spielt. Sicher gibt es talentierte und weniger kommerziell vorbelastete Darstellerinnen, doch ist ihr zugute zu halten dass sie ihr Bestes gibt, und keinesfalls wie das verhätschelte Mädchen von nebenan wirkt. Es ist vielmehr die explizit US-Amerikanische Machart, die jede Faser dieses Films wie ein klebriges Etwas durchtränkt, und ihn so kaum interessant, geschweige denn auf irgendeine Art und Weise kinematografisch anspruchsvoll macht. Stets perfekt aussehende Darsteller, eine klischeehafte Kameraführung, ein insgesamt viel zu sauberer und glatt-geschliffener Look und ein zweckdienlicher Soundtrack aus der Konserve lassen auch nur minimal anspruchsvollere Zuschauer schnell erschaudern. In dieser Produktion steckt gefühlt einfach keinerlei Herzblut – sie ist klischeehaft, ideenlos, und absolut austauschbar. Dass dann gerade für die Geschichte belanglose Szenen wie die Tanzeinlagen in einem Strip-Lokal besonders ausführlich zelebriert werden, spricht für sich.

Fazit: ICH WEISS, WER MICH GETÖTET hat bietet genau das, was der anspruchslose jugendliche Filmkonsument (denn das ist die Zielgruppe) erwarten würde. Eine erst vielversprechende, dann aber reichlich krude und abgekupfert wirkende Thriller-Geschichte mit einer Priese Mystik, gut aussehenden Darstellern und möglichst wenig Gehalt und Atmosphäre. Das reicht gerade so, um beim Zappen hängen- und vielleicht sogar dranzubleiben, um zu erfahren was es denn nun mit dem Killer auf sich hat – doch um nachhaltig zu beeindrucken keinesfalls. Und dennoch gibt es noch reichlich (!) Luft nach unten. Für einen der schlechtesten Filme aller Zeiten reicht es eben doch nicht – sodass ICH WEISS, WER… irgendwo im unteren Mittelfeld ein unspektakuläres Dasein fristet. 

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