Filmkritik: „Hellraiser 3“ (UNCUT, 1992)

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Originaltitel: Hellraiser 3: Hell On Earth
Regie: Anthony Hickox
Mit: Kevin Bernhardt, Lawrence Mortorff, Terry Farrell u.a.
Land: USA
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Hellraiser | Hellraiser III | Pinhead | Sequel | New York | Blut | Jagd

Wozu nur innerhalb des Würfels wüten, wenn es auch in einer Großstadt geht…

Inhalt: Es sah fast so aus, als seien die Zenobiten besiegt – doch gelangten sie, oder zumindest ein Teil ihrer Seelen mithilfe einer mysteriösen Steinsäule zurück auf die Erde (siehe Endszene von HELLRAISER II – Review). Jene Steinsäule gelangt nun über Umwege in den Besitz eines draufgängerischen Club-Besitzers, J.P. Monroe. Handelt es sich um einen blossen Zufall, oder haben die bösen Mächte bereits hier ihre Finger im Spiel ? Indes kommt eine neugierige Reporterin, Joey Summerskill, dem dämonischen Treiben auf die Spur. Sie beobachtet, wie ein Mann von Ketten in Stücke gerissen wird, und nimmt Kontakt mit einer Freundin des Toten auf. Diese hat keinen Schimmer, was genau passiert sein könnte – doch ist sie in Besitz des Würfels, einem Artefakt welches untrennbar mit den Zenobiten verbunden ist. Gemeinsam versuchen sie, das wieder aufkeimende Böse zu unterdrücken – doch es ist bereits zu spät. Pinhead, der Anführer der Zenobiten, konnte sich erneut in einem Körper manifestieren; und schlachtet bald darauf hin alles und jeden ab, der ihm in die Quere kommt. Nur ein Problem hat er noch: er muss den Würfel in seinen Besitzt bringen, um das Tor zur Hölle ein für allemal zu verschließen und auf ewig auf der Erde wüten zu können.

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Kritik: HELLRAISER III ist das zweite Sequel des Original- und Kulthorrorfilms HELLRAISER aus dem Jahre 1987 (Review). Der Schöpfer des bekannten Franchises, Clive Barker; hatte sich indes schon bei der ersten Fortsetzung HELLRAISER II: BLOODBOUND (1988) zurückgezogen. Böse Zungen könnten behaupten oder fragen: etwa in weiser Voraussicht ? Immerhin fungierte er noch als Produzent und Berater – liess aber größtenteils einigen Freunden und Kollegen freie Hand. Das Ergebnis war in erster Linie ein recht merkwürdiges und eigensinniges Stück Film(-Geschichte), welches heiss diskutiert werden sollte. Überraschender- und glücklicherweise aber konnte es den Geist des Originals und Vorgängers stimmig einfangen; die makabere Geschichte um die Höllengestalten und einen ominösen Zauberwürfel sogar noch auf ein erzählerisch ausschweifenderes, visuell erhabeneres Level hieven. Ein kultverdächtiges Horror-Kunstwerk entstand, und bildete zusammen mit dem ersten teil einen Zweiteiler der besonderen Art – vorausgesetzt, man sah diese Filme auch in den ungeschnittenen Fassungen. Der logische Schluss ? Ein dritter Teil musste her. Und nicht nur das, wie man heute weiss: das Franchise wurde im Laufe der Jahre auf dem Heimvideo-Markt erheblich ausgeschlachtet. Es darf jedoch Entwarnung gegeben werden: man muss sich diese Filme nicht auch noch antun, um möglicherweise erst gegen Ende wieder ein Highlight vorzufinden. Am vorteilhaftesten wäre es sogar, man macht gleich nach dem zweiten – und damit dem Höhepunkt der Saga – Schluss.

Denn: HELLRAISER III hat mit seinem Vorgänger nicht mehr viel gemein. Im allgemeinen muss das noch kein allzu großes Problem bedeuten – kreative Ideen und Geschick immer vorausgesetzt – doch gerade bei einem unverkennbaren, einzigartigen Franchise wie diesem gerät diese Neu-Orientierung zu einem echten Ärgernis. Wie es der Untertitel des Films (HELL ON EARTH) bereits impliziert, bringt man das Geschehen um den ominösen Würfel und die dämonischen Zenobiten zurück auf die Erde, genauer gesagt in eine Großstadt – und zerstört dabei prompt einen jeglichen Flair, wie ihn die beiden Vorgänger hatten etablieren können. Wo zuerst noch ein einsames, gruseliges Wohnhaus als Schauplatz diente; drang man im zweiten Teil nicht nur in das Innenleben des Würfels, sondern auch in jenes der menschlichen Psyche vor – und im dritten ? Hier zeichnet sich der Beginn eines recht ideenlosen, theoretisch unendlich viele Fortsetzungen ermöglichenden Films ab. Wozu sich noch halbwegs subtil und erfrischend gruseln; sich durch eine zusätzliche mysteriöse Komponente geradezu berauschen lassen, wenn es doch auch in der guten alten Hollywood-Manier funktioniert ? Tatsächlich spielt HELLRAISER III als erster Teil des Franchises nicht nur in den USA, sondern ist auch dort produziert worden – mit allen eindeutigen Merkmalen, die den Film deutlich gradliniger, ‚moderner‘ und vielleicht sogar massentauglicher machen.

Neben vielen kleineren störenden Elementen ist es aber vor allem die Atmosphäre im Gesamten, die sich komplett gewandelt hat und so für reichlich Unzufriedenheit sorgt, sorgen kann – zumindest, wenn man die ersten beiden Teile liebgewonnen hat. Während in jenen Teilen bestenfalls ungewollte Lacher aufkommen, die gerade aus heutiger Sicht aus einem gewissen Retro-Charme resultieren – tauschte man die gekonnt gruselig-mysteriöse Atmosphäre in Teil III komplett gegen ein deutlich trashigeres (in diesem Fall durchaus negativ besetzt) Gewand ein. Sicher wird man sich hier das ein oder andere Mal deutlicher amüsieren können – doch ist es endgültig vorbei mit den großen hintergründigen Mysterien aus HELLRAISER, die einst als Markenzeichen des Franchises galten. Somit wir die Kluft zwischen HELLRAISER und vergleichbaren Produktionen immer dünner, das Franchise immer weniger einzigartig: die Zenobiten geraten austauschbar und unterscheiden sich kaum noch von anderen x-belieben Bösewichtern oder Höllengestalten, das Setting ist zu 100 Prozent austauschbar, das Morden wird immer willkürlicher – und der Würfel hat als Portal zwischen verschiedenen Dimensionen und / oder Bewusstseinsebenen ausgedient. Der einzige Faktor, der noch ein klein wenig Atmosphäre heraufbeschwört; ist der der Traum(be)deutung – doch auch hier verschenkt man eher Potential, als dass man es wirklich sinnig (und vor allem stimmig) ausnutzt. Denn die merkwürdige Geisterebene, die hier eine merkwürdige Verbindung zwischen Pinhead, seinem früheren Ich, der Reporterin und deren Vater herstellt; wirkt nicht selten unfreiwillig komisch und ist schlicht unterirdisch inszeniert.

Fazit: HELLRAISER goes Trash – anders kann man die Entwicklung vom guten zweiten zum überraschend kläglichen, plump-oberflächlichen dritten Teil wohl kaum beschreiben. Es wirkt beinahe so, als hätte man jegliche Besonderheiten des Franchises absichtlich zurückgefahren, um die Reihe möglichst lang am Leben halten zu können und den Weg für weitere, möglichst schnell und leicht zu produzierende Sequels zu ebnen. Genau das ist wie man inzwischen weiss längst geschehen – mit einem entsprechenden Qualitätsabfall ins bodenlose. Das verwunderliche an der Sache ist, dass diese Entwicklung sicher vermeidbar gewesen wäre. Schließlich bietet die Grundidee zu HELLRAISER ausreichend fantastischen Horror-Stoff, den man nur entsprechend hätte inszenieren müssen. Eben so, wie es jener Idee vielleicht sogar gebührt – aber bitte nicht nach stumpfsinniger, seelenloser Hollywood-Manier. Witterten die Macher etwa das schnelle Geld, das Aufbauen auf einem bekannten Namen ? Sicher ist nur, dass ihnen spätestens mit diesem Teil die Ideen ausgegangen sind. Aber auch in handwerklicher Hinsicht verbesserte man sich nicht, eher im Gegenteil. Die Kostüme und Masken sehen deutlich künstlicher und billiger aus, die Darsteller können kaum Eindruck hinterlassen. Einzig der Soundtrack ist an und für sich gut (unter anderem Heavy Metal-Stücke von MOTÖRHEAD, ARMORED SAINT) – wenngleich er nicht wirklich in den Kontext des Films passen will und ihm zusätzlich eine merkwürdige, kaum definierbare Atmosphäre verpasst. Mit Horror hat das jedenfalls nicht mehr viel zu tun. HELLRAISER III ist ein krudes Machwerk voller Durststrecken, merkwürdiger Situationen und wahrhaft seelenlosen Charakteren – und somit gerade nach dem starken zweiten Teil eine herbe Enttäuschung.

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