Metal-CD-Review: THY MAJESTIE – Dawn (2008)

thy_majestie_dawn_500
Album: Dawn | Band: Thy Majestie (weitere Band-Inhalte)

Land: Italien – Stil: Power Metal – Label: Dark Balance

Alben-Lineup:

Claudio Diprima – Schlagzeug
Dario D’Alessandro – Bass, Gesang (Backing)
Simone Campione – Gitarre, Gesang (Backing)
Valerio Castorino – Keyboard, Piano
Dario Cascio – Gesang

01 As You Fall 05.20
02 M.A.D.
06.21
03 Dawn 02.33
04 The Hunt 05.42
05 Of Pain And Disgrace 02.04
06 To An Endless Devotion 05.08
07 Inferis Armata 01.55
08 Two Minutes Hate 04.02
09 The Legacy 02.21
10 Out The Edge 04.09
11 Day Of The Changes 05.28
12 Through Heat And Fire 06.44

Im Namen Eurer Majestät !

Vorwort: Als fest etablierte Größe in der Szene des italienischen Power Metals liefern THY MAJESTIE 2008 ihr nunmehr viertes Studiowerk ab – DAWN. Selbiges erscheint somit gute 3 Jahre nach dem von der Presse recht gut angenommenen Vorgänger JEANNE D’ARC (Review), und soll nach dem historisch beeinflussten Konzeptwerk nun auch erstmals deutlich düstere Kost bieten. Ein weiterer Neustart also… ? Immerhin deutet auch der erneute Sängerwechsel darauf hin. Nach Dario Grillo (THE LASTING POWER, HASTINGS 1066), Gabriele Grilli (kurzzeitig), Giulio Di Gregorio (JEANNE D’ARC) und Matt Aub (kurzzeitig) kam erstgenannter Dario Grillo für einen kurzen Zeitraum zurück – und gab das Szepter schnell an einen gewissen Dario Cascio weiter, der es nun richten soll. Zugegeben – eine derart bunte Sängerauswahl kann nicht jede Band für sich verbuchen – ob das eher ein gutes oder doch ein schlechtes Zeichen ist, sei einmal dahingestellt. Ja, soll man der ‚Majestät‘ noch Glauben schenken, wenn sich ihr Antlitz bei jedem neuen Alben-Release verändert ? Eine knifflige Angelegenheit, die sich hoffentlich nicht auf die Alben-Qualität auswirkt. Immerhin: Schlagzeuger und Bassist sind seit den Anfangszeiten bei der Band, und werden es wohl auch noch bleiben.

Kritik: Das erste, was einem als geneigter THY MAJESTIE-Hörer ins Auge (oder Ohr) sticht, ist die Tatsache dass es sich bei DAWN um keines der sonst üblichen Konzeptalbum mit historischem Hintergrund handelt. Dementsprechend verzichtet man auch auf ein möglicherweise Atmosphäre-Schaffendes Intro – und legt mit dem Opener AS YOU FALL gleich richtig los. Und das nun aber wirklich deutlich anders als gewohnt: nicht nur an die neue Frontstimme muss man sich erst einmal gewöhnen, auch an den rundum erneuerten Sound. Der Unterschied zum Vorgängeralbum JEANNE D’ARC ist schon enorm – legt man aber parallel HASTINGS 1066 ein, müsste man glauben diese Werke stammen von zwei grundverschiedenen Bands. THY MAJESTIE sind kaum wiederzuerkennen. Der Sänger klingt, als komme er aus einer gänzlich anderen Sparte als der des Power Metal, das Drumming ist im besten Falle zweckdienlich, die Gitarren schrammen unspektakulär im Hintergrund – während das Keyboard die Hauptrolle zu übernehmen scheint. Erstmals gibt es auch ein richtiges Keyboard-Solo; etwas was sonst die Gitarren im Alleingang erledigten – sicher eine Geschmacksfrage, doch von einer Band wie dieser war dergleichen eigentlich kaum zu erwarten. Verarbeitet man diesen ersten, etwas diffusen Eindruck und schreitet zu M.A.D. voran; wird es endgültig klar: THY MAJESTIE haben einen großen Sprung gemacht, der nicht bei jedem Fan gleichermaßen ankommen wird. Und schon gar nicht bei eingefleischten Fans aus der Power Metal-Sparte. Der Sound wirkt insgesamt deutlich düsterer, aber eben auch verhaltener und unspektakulärer. Wer hier epische Sagen und Erzählungen im Stile der vorangegangen Alben erwartet, wird bitter enttäuscht.

Aber nicht jede Neuerung muss es zwangsläufig mit sich bringen, dass Fans abspringen; oder man die Musik generell schlechtheissen sollte. Klar ist: THY MAJESTIE werden mit DAWN vor allem neue Fans für sich gewinnen; höchstwahrscheinlich jene, die sich sonst eher in Genres wie dem Progressive Metal zuhause fühlen. Denn genau so klingt nun auch M.A.D. – etwas vertrackter, technisch anspruchsvoller, von Keyboards und reichlich Abwechslung dominiert. Dass dann noch hintergründige Chorgesänge auftauchen, ändert daran auch nichts. Doch wenn THY MAJESTIE sich nun eher dieser Genresparte verschrieben haben, sollte ihnen klar sein dass die Konkurrenz auch hier nicht schläft. Da braucht es schon mehr als einen Titel wie diesen, der mit einem alles andere als genialen Gesang, viel zu vordergründigen Keyboards und einem insgesamt eher schepprigen als versierten Klangeindruck auffällt. In der Tat: in Sachen Produktionsqualität kann auch DAWN als viertes Album der Band nicht mit so manchem Debüt-Release mithalten. Vielleicht kann der Titeltrack da schon mehr ausrichten – doch leider handelt es sich bei DAWN nur um ein knapp 2-einhalb minütiges Interlude. Sicher ein alles andere als schlechtes; da hier nun endlich einmal wieder die vernachlässigten Gitarren zu Wort kommen. Und so geht es munter weiter, hinüber zu THE HUNT. Auch hier gilt nun: weniger (Tempo) ist offenbar mehr, wenn man das Ganze mit entsprechenden Keyboard-Einlagen versieht. Der progressive Einschlag stellt sich als mehr und mehr gewöhnungsbedürftig heraus, der Komposition fehlt es sowohl an Energie als auch an Frische. Stattdessen erzählt der Sänger in recht düsterer Manier das, was erzählt werden muss – und eine recht schleppende Instrumentierung aus obligatorisch klingenden Gitarren, reichlich Keyboard und einigen Piano-Klängen dominirt das Gesamtbild.

Stichwort Piano: selbiges gibt es nun auch im Interludium OF PAIN AND DISGRACE zu bewundern, einem weiteren kurzen Zwischenspiel. Der nächste vollwertige Titel ist nun TO AN ENDLESS DEVOTION, das vielleicht erste Stück auf DAWN, welches es schafft einen direkten Draht zum Hörer herzustellen. Aber auch hier wird es noch einmal überdeutlich: THY MAJESTIE entfernen sich von ihrem bisherigen Schaffen, und driften nicht nur in eine deutlich düstere Ecke – sondern auch in eine, die offensichtliche Bezüge zu deutlich häreren Metal-Vertretern a’la DIMMU BORGIR (!) herstellt. Das Schlagzeug klingt leider auch in diesem Fall nicht besonders organisch, während man auf eine größtmögliche Abwechslung bedacht ist – die vom Keyboard und dem nicht ganz sauberen Klangbild aber wieder zunichte gemacht wird. Das Interlude INFERIS ARMATA beginnt noch recht typisch (für dieses Album), mündet dann aber doch noch in einem recht ansehnlichen Gitarren-Gemetzel der Extraklasse – eine willkommene Abwechslung. TWO MINUTES HATE bietet ebenfalls nicht mehr als eine weitere Variation des neuen Musik-Konzeptes, wobei die Gitarren glücklicherweise etwas deutlicher zum Vorschein kommen, und das Schlagzeug einmal nicht allzu stark nach Drumcomputer klingt. THE LEGACY ist wieder ein Interlude (das vierte), und läutet den Auftakt für die letzten Drei Titel ein. OUT THE EDGE scheint nun endlich einmal soetwas wie eine Melodie zu besitzen, DAY OF THE CHANGES erinnert merkwürdigerweise etwas an KAMELOT, und THROUGH HEAT AND FIRE bietet noch einmal etwas emotionalere Kost – der stark nach ‚Autotune‘ klingende Refrain sorgt mit dem Keyboard aber für einen urkomischen Eindruck. Die Strophen sind Top – der Rest ein Flop.

Fazit: THY MAJESTIE’s DAWN wird die Fangemeinde der italienischen Power Metal-Combo spalten. Vielleicht nicht gänzlich, aber doch zu einem respektablen Teil: so werden hier vor allem Freunde des progressiven auf ihre Kosten kommen, während der handelsübliche Power Metaller (der auf der Suche nach Tempo, mitreissenden Melodien und herausragenden Hymnen ist) hintenan stehen muss. Ein Schritt wie dieser mag nachvollziehbar sein – schließlich klingen THY MAJESTIE auf DAWN deutlich versierter und technisch anspruchsvoller – doch es zeigt sich, dass dies nicht automatisch in einer faszinierenderen, bedeutsameren Gesamtwirkung münden muss. Im Gegenteil: DAWN langweilt sogar über weite Strecken, und bietet nicht einmal einen einzigen herausragenden Titel welcher eventuell Genregrenzen verschwimmen liesse, eine universelle Gesamtwirkung offenbart. Das Ganze klingt vermehrt nach einem Album, welches in einer regelrecht depressiven Phase eingespielt wurde – entsprechend schwermütig klingt die Komposition, entsprechend deutlich werden Parallelen zu anderen Bands aus ganz anderen Genres. Sind THY MAJESTIE also noch THY MAJESTIE ? Nicht wirklich – aber für die Anzahl an Fans die abspringen, kommt eine ebensogroße (neue) hinzu. Generell gilt: Gitarren-Fetischisten, Freunde der epischen Erzählung und Hymnen-Suchende sollten um DAWN einen großen Bogen machen – Keyboardliebhaber (die eher auf Düsterkeit als auf ‚Cheesyness‘ setzen) und progressiv-anspruchsvolle Hörer sollten zugreifen. Aber auch für die gibt es sinnigere Alternativen – und nicht unbedingt ein Album, welches eher wie eine Laune, als wie ein ernstzunehmender Meilenstein auf dem Weg der Bandgeschichte THY MAJESTIE’s wirkt. Vielleicht taten die vielen Besetzungswechsel der Band doch nicht wirklich gut…

Anspieltipps: TO AN ENDLESS DEVOTION, INFERIS ARMATA, OUT THE EDGE, THROUGH HEAT AND FIRE


45oo10

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.