Metal-CD-Review: THE SILENCE – Lord Of Mercy (2009)

thesilence_lordofmercy
Album: Lord Of Mercy | Band: The Silence (weitere Band-Inhalte)

Land: Italien – Stil: Heavy / Power Metal – Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Alessandro Schettino – Gesang, Gitarre
Fabio „Vichingo“ Cavestro – Gitarre
Overteo – Bass
Rullo – Schlagzeug

01 Way Of Silence 06.42
02 Lord Of Mercy
05.40
03 Night Singer 04.50
04 Witch 05.53
05 Rain In My Eyes 06.42
06 In Thy Embrace 05.42
07 Divine Hunger 07.20
08 Terra Libera 04.00
09 Wings Of Destiny 06.07
10 Keep The Flame Alive 07.03
11 Words Full Of Silence 05.56

Gott der Gnade, erbarme Dich !

Vorwort: Bands, die in irgendeinem Kontext den Begriff ‚Silence‘ in ihrem Namen haben, gibt es nicht gerade wenige. Tatsächlich schmückte sich auch die hier gemeinte Band lange Zeit mit diesem Begriff (ohne weitere Zusätze), und konnte so mit immerhin 11 anderen Metal-Bands verwechselt werden. Nicht gerade eine schöne Sache, was man sich wohl auch in Italien dachte – mit dem Release des heute behandelten Albums LORD OF MERCY änderte man prompt den Bandnamen. Und zwar in THE SILENCE – eine auffällig schlichte, aber doch sinnige Maßnahme, wie sich zeigt. Schließlich sind THE SILENCE somit die ersten, die diesen Bandnamen für sich beanspruchen. Vielleicht liegt das einfach daran, dass man mit der zu erwartenden Musik alles verbinden würde – nur eben keine Stille. Ob LORD OF MERCY sich aber dennoch eignet, um es auf voller Lautstärke zu genießen – oder ob es sich tatsächlich um ein böses Omen handelt – wird sich zeigen. Immerhin sollte die Ambition, vornehmlich christliche Inhalte zu behandeln genügen, um das Album unter einem guten Stern stehen zu lassen.

Kritik: 11 Titel beinhaltet der Silberling – die meisten mit einer recht ansehnlichen Spielzeit von über 5 Minuten. So geht es auch gleich direkt und ohne Umschweife (einem Intro beispielsweise) los – WAY OF SILENCE eröffnet das Album als Opener. Und das als recht gradliniger, satter; ungekünstelter. Da im Lineup ohnehin kein Keyboarder vorgesehen ist, geht es bei THE SILENCE schon einmal wesentlich Metal-lastiger und Gitarren-orientierter zu als bei anderen Genrevertretern – eine willkommene Abwechslung, wie sich zeigt. Zumal die Gitarrenarbeit alles andere als laienhaft erscheint – nicht nur in den Strophen und Refrains steckt hier ordentlich Zunder in der Komposition, auch im ausschweifenden Soli-Part. Schlagzeug und Bass fallen an dieser Stelle noch nicht wirklich (und vordergründig) auf, sie unterstützen das klangliche Gesamtbild, aber eben auch nicht mehr. Nicht ganz so rosig sieht es hingegen mit dem Gesangs- und Melodiepart aus – hier hat man schon deutlich eingängigeres, faszinierendes und unverbrauchter klingendes Material gehört. Aber sei es drum – das Album hat ja noch einiges zu bieten. Wie etwa den nun folgenden Titeltrack, LORD OF MERCY – der schon etwas flotter und Schlagzeug-orientierter ausfällt als der Opener; ohne dass dabei die Gitarren zu kurz kommen. Vom Instrumenteneinsatz her gerät das Ganze trotz der Ermangelung eines guten Melodiebogens angenehm – nur der Gesangspart wirkt auch hier deutlich zu kraftlos und unspektakulär. Immerhin ist man dabei immer ehrlich: es werden keine mehrstimmigen Passagen oder gar Chorgesänge verwendet, um dies zu verschleiern.

NIGHT SINGER klingt dann schon deutlich oldschooliger, rauer und schlicht schwermetallischer als die Vorgängernummern – der spür- und hörbare Groove kann sich hier schon recht gut auf den Zuhörer übertragen. Abgerundet wird das ganze durch einen abwechslungsreichen Aufbau, und einen soliden Refrain – der natürlich wieder etwas mehr Power hätte vertragen können. Deutlich anders gestaltet, und somit der Abwechslung zugute kommend ist nun WITCH. Grundsätzlich als Ballade inszeniert, sorgt gerade der Refrain endlich für eine kleine, aber feine Explosion der Gefühle; während die Strophen ebenfalls äusserst stimmig klingen. Als Zusatz gibt es – wie immer – einen auffälligen Gitarrenpart hinzu; während das Schlagzeug aber noch deutlich hinter seinem Potential zurückbleibt. Spätestens (aber dafür besonders deutlich) RAIN IN MY EYES  zeigt nun ein weiteres Problem der Band auf: in Sachen Songwriting gibt es noch verdammt viel Luft nach oben. So ganz kann man dem Sänger hier nicht abnehmen, was er da von sich gibt – und auch in Bezug auf die Wirkung stellt sich eventuell nicht die beabsichtigte Stimmung beim Hörer ein. Gegen Ende wird es dann noch einmal deutlich besser – nämlich dann, als der etwas sperrige Instrumental-Aufbau wirklich exzellenten Riffs weicht, und die Gitarren (+ Bass) die Regie übernehmen. Plötzlich klingt auch der Gesang wesentlich emotionaler und glaubwürdiger – man sieht, auch innerhalb eines einzelnen Titels können derartige Unterschiede auftreten. IN THY EMBRACE dagegen bleibt weitestgehend unspektakulär, und offenbart weitere deutliche Schwächen hinsichtlich des Gesangsparts. Der Sänger wechselt hier munter zwischen verschiedenen Stimmlagen und Tönen – sodass ein etwas diffuser Eindruck entsteht.

Das gleiche gilt in etwa auch für DIVINE HUNGER, den längsten Titel des Albums. Zwar sind hier besondere Momente vorgesehen, in denen die Komposition plötzlich deutlicher komplexer wird und an Tempo gewinnt – doch reicht dies nicht, um die 7 Minuten ausreichend unterhaltsam zu füllen. Diese Gefahr umgeht man im folgenden TERRA LIBERTA, dass mit einer Laufzeit von unter 4 Minuten der kürzeste Titel des Albums ist. Überraschenderweise handelt es sich um ein reines Instrumental-Stück, welches das eigentliche Können der Bandmitglieder durchaus einprägsam zur Schau stellt. Glücklicherweise behalten THE SILENCE genau diese Attitude auch beim folgenden WINGS OF DESTINY bei – und präsentiert eine technisch versierte Nummer mit einem keine Wünsche offen lassenden Instrumentalpart. Selbiges gilt aber leider nicht für den Gesangspart – dennoch reicht es für einen dringend benötigten Anspieltipp. KEEP THE FLAME ALIVE beginnt mit einem merkwürdigen Durchatmen – und präsentiert daraufhin eine Ballade, bei der man nicht so Recht weiss ob man lachen oder weinen soll. Theoretisch ist beides möglich – da gerade der Gesangspart eher lachhaft erscheint (im Refrain wird es etwas besser), während die Instrumente gewohnt-gekonnt ihre Bandbreite darbieten. Bleibt nur noch das flotte WORDS FULL OF SILENCE, dass das Ruder zwar nicht mehr herumreissen kann, aber doch solide inszeniert ist.

Fazit: LORD OF MERCY ist ein nettes Genrealbum geworden, dass zwar nicht mit den ganz großen Konkurrenten mithalten kann – aber dennoch seinen eigenen, nicht ganz perfekten Charme versprühen kann. Vor allem Gitarrenfans werden hier ausgiebig bedient: sowohl die flott-melodiösen Riffs, als auch die teils beeindruckenden Soli-Parts liefern reichlich Futter für Frickel-Freunde. Ebenfalls günstig ist, dass man auf ein Keyboard verzichtet, und der Sound so zusätzlich ehrlich und wenig klischeehaft wirkt. Das verhindert zwar das Entstehen längerer Durststrecken – aber lässt eben auch noch keine guten Melodien, markante Höhepunkte oder ein rundum stimmiges Gesamtbild entstehen. Deutlicher Verbesserungsbedarf ist hinsichtlich des Songwritings, des insgesamt noch viel zu lahmen Eindrucks und des Gesangs anzumelden, wobei der Sänger vermutlich nicht einmal gewechselt werden müsste – vieles kommt erst im Laufe der Zeit und mit der Erfahrung. Auch die Produktionsqualität könnte noch ein stückweit qualitativer, satter, organischer ausfallen – doch nicht vergessen, es handelt sich bei LORD OF MERCY um ein Debütalbum. Letztendlich ein gutes, aber keines; dass man unbedingt besitzen muss da man sonst das Gefühl hätte, etwas zu verpassen.

Anspieltipps: LORD OF MERCY, RAIN IN MY EYES, TERRA LIBERTA, WINGS OF DESTINY


65oo10

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