Metal-CD-Review: FANGORN – Where The Tales Live On (2012)

fagnorn_tales_500
Album: Where The Tales Live On | Band: Fangorn (weitere Band-Inhalte)

Land: Russland – Stil: Folk Metal – Label: Sound Age Productions

Alben-Lineup:

Vladimir „VK“ Pronin – Bass
Ivan „Red Joker“ Kashirin – Schlagzeug
Vladimir „Pagan“ Fedorov – Gitarre, Gesang
Vitaliy „Grendel“ Senchenko – Keyboard, Gesang

01 Everything’s Just Begun 02.12
02 Stormbringer 04.43
03 Miles Away From Home 06.22
04 Siren’s Island 06.37
05 The Road To Stonehenge 03.13
06 Swamp Feast 05.46
07 Smoldering Fire 02.01
08 Where The Tales Live On 05.13
09 „Troll’s Hole“ Inn 05.16
10 Sword of Discord (The First Sword) 05.40
11 Last Way 05.47
12 Bonus Track 04.30

Entdecke einen Ort voller Sagen und Legenden…

Vorwort: Zwar gibt es den Bandnamen FANGORN weltweit gleich 4 Mal – doch in diesem Fall geht es um die hierzulande eher unbekannte russische Folk Metal-Combo FANGORN, welche im Jahr 2007 gegründet wurde. Nach ihrem Debüt-Album (2010) und einer Demo (2011) veröffentlichten sie jüngst WHERE THE TALES LIVE ON, ihren zweiten Langspieler. 12 Titel sind enthalten, inklusive Intro und Bonustrack; während das ganze ein irgendwie charmantes Cover-Artwork in Landkarten-Manier ziert. Werden die vier tapferen Recken es schaffen, auch international Aufmerksamkeit zu erregen ? Immerhin setzt man – bis auf eine Ausnahme – auf englischsprachige Texte und Inhalte, sodass es zumindest hinsichtlich des Zugangs keine Probleme geben sollte.

Kritik: Und tatsächlich macht bereits das Intro EVERYTHING’S JUST BEGONE Laune – und Lust auf mehr. Die etwas unspektakuläre Erzählstimme ist glücklicherweise nicht allzu lange zu hören – stattdessen macht man schnell Platz für ein interessant anmutenden, episches Instrumentalstück, welches trotz des enormen Keyboardeinsatzes weniger künstlich und anorganisch klingt als zu befürchten. Auch wenn hier reichlich aus der Konserve stammt – die Lust auf ein Abenteuer ward zweifelsohne geweckt. Und die wird – glücklicherweise – sogleich mit dem Opener MILES AWAY FROM HOME befriedigt. Hier handelt es sich um ein recht vielfältiges, episch strukturiertes Stück mit einer Spielzeit von knapp über 6 Minuten. Zu Beginn dominieren noch das Keyboard und der Klargesang – doch kurz darauf geht es schon reichlich harscher zugange, etwa durch recht mächtig dargebotene Growls. Das besondere: diese finden gar in Duettform statt – Vladimir „Pagan“ Fedorov und Vitaliy „Grendel“ Senchenko sind gleichermaßen für die Growls / den Gesang verantwortlich. Das hat man so auch nicht alle Tage, und zahlt sich vor allem in Bezug auf die Abwechslung und Vielfalt der Komposition aus – erst Recht, wenn im weiteren Verlauf auch immer wieder passende Klargesangs-Passagen eingestreut werden. Im großen und Ganzen klingt gerade das Zusammenspiel der schnellen Gitarren und den symphonisch angehauchten Keyboardsounds ein wenig nach dem Schaffen von EQUILIBRIUM – wirklich folkig anmutende Elemente finden sich hier noch nicht – nur eben nicht ganz so episch und ausdrucksstark. Aber dennoch geht der Titel verdammt gut ins Ohr, und da bleibt er auch erst einmal.

Mit dem folgenden STORMBRINGER wird nun der Schalter umgelegt – hinsichtlich eines deutlich harscheren Gesamtanspruches, und eines etwas schnelleren, geradlinigeren Formats. Hier werden erstmals Erinnerungen an ENSIFERUM oder WINTERSUN wach – besonders im Refrain, der so problemlos auch auf WINTERSUN’s Debütlabum gepasst hätte. Doch das Keyboard sorgt hier vermehrt für eine Auflockerung – eine Maßnahme, die so sicher nicht jeder begrüßen wird; die sich aber dennoch perfekt in das abenteuerliche Konzept des Albums einpflegt. Schließlich wollen FANGORN hier eine Sage von einem Land erzählen, in dem Sagen noch eine Bedeutung haben – hier rein schwermetallisch vorzugehen, wäre nicht ganz optimal. Dennoch könnten die (noch vermeintlichen) Folk-Elemente etwas rassiger ausfallen, und sich nicht nur auf etwas plumpe Keyboardsounds beschränken. SIRENS ISLAND stellt sich nun als recht ordentlicher Brecher mit einer deutlicheren Hymnentauglichkeit heraus – brutal und ungekünstelt ist’s in den Strophen, folkig-mitreissenden im Refrain. Besonders der spätere Instrumentalteil, der eine angenehme Symbiose aus Folk- und Metal-Elementen offenbart, kann noch einmal ordentlich für Atmosphäre sorgen. Eine weitere Offenbarung folgt sogleich – nämlich THE ROAD TO STONEHENGE; eine Nummer die endgültig Schluss macht mit den manchmal etwas zu aufgesetzt klingenden Keyboardsounds. Zu Beginn schon recht episch anmutend, gerät das Ganze nach und nach zu einer Art Volksfest – mit allem, was dazu gehört. Gröhlende Männerchöre, einstweilen mitsingende Frauen, ein betörend schöner Refrain und die folkigen Elemente im Hintergrund – Bravo, anders kann man es nicht sagen.

Doch lebt ein Folk Metal-Album wie dieses natürlich auch von seiner Abwechslung und dem Spiel mit verschiedenen Stimmungen – sodass es nach diesem regelrechten Freudenfest nun auch wieder etwas mysteriöseren Stoff gibt. Das SWAMP FEAST fällt entsprechend düster und verschwörerisch aus, die Lyrics unterstreichen diesen Eindruck noch zusätzlich. Zwar erklingen hier wieder recht deutlich zu hörende Keyboardklänge – doch an die wird man sich inzwischen gewöhnt haben. Zudem scheinen sie im weiteren Alben-Verlauf immer sinniger in die Kompositionen mit eingebracht zu werden, sodass sie längst nicht mehr zu einer Art Störfaktor werden könnten wie eventuell noch im Opener. Neben einigen ausufernden Passagen voll von dämonischem Geflüster (nicht schlecht, gerade zum Ende hin) und einem guten Soli-Part ist auch dieser Titel wie im Fluge vorüber – und der Weg zu SMOLDERING FIRE geebnet. Hier handelt es sich um das erste und einzige reine Instrumentalstück – bei dem man sich in einer Art dunklem Gang wiederzufinden glaubt. Atmosphäre erzeugen können FANGORN, das steht ausser Frage – nur am Keyboard sollte man vielleicht noch etwas drehen. Beim Titeltrack WHERE THE TALES LIVE ON läuft dann wieder vieles richtig – während es natürlich noch Luft nach oben gibt. Wieder wirken die Keyboards recht omnipräsent, vielleicht sogar etwas aufdringlich, während die Gitarren und auch der Bass etwas untergehen zu scheinen. In den Strophen könnten auhc Erinnerungen an HAGGARD wach werden – die auch recht anspruchsvolle ‚Fusionsmusik‘ aus verschiedenen Genres machen, aber ebenfalls leichte Soundprobleme (hinsichtlich der Aufnahme und Abmischung) haben. Eine zwiespältige Sache, das.

Das nun folgende TROLL’S HOLE INN dagegen nicht – hier sind die Fronten klar verteilt. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um den einzigen Titel, der in der Landessprache der Jungs von FANGORN eingesungen (oder sollte man eher sagen… in Tavernen-Manier eingesprochen) wurde. entsprechend feucht-fröhlich ist auch der Gesamteindruck. Sehr gut auch, dass endlich mal jemand für authentische Akkordeon-Sounds sorgt – offenbar ein gewisser Oki. SWORD OF DISCORD hätte besser werden können, besser werden müssen – die Melodie ist nicht besonders ansprechend, und der stark gekünstelte Gesamteindruck durch allerlei Sounds aus der Konserve etwas unzufriedenstellend. Ganz so episch wie eventuell beabsichtigt klingt das Ganze jedenfalls nicht. Bleibt noch der recht akustisch angehauchte LAST WAY – in dem die Sänger noch einmal alles geben können. Das klingt schon ein wenig nach Lagerfeuer-Atmosphäre – doch in Anbetracht der harten Konkurrenz können sich FANGORN mit einem Titel wie diesem nicht wirklich behaupten. Und wieder tauchen diese (hier etwas nervigen) Keyboardklänge auf – manchmal ist weniger eben doch mehr. Bleibt ein BONUS TRACK, in dem es dann doch noch einmal russisch zugeht. Als kleine Dreingabe sicher nicht verkehrt, doch erinnert die Grundstimmung nur allzu sehr an das frühere Tavernen-Lied. Nur, dass man es instrumental deutlich ruhiger angehen lässt.

Fazit: WHERE THE TALES LIVE ON ist ein überraschend gutes, und vor allem unterhaltsames Folk Metal-Album geworden. Wobei der Begriff des ‚Folk‘ in diesem Fall mit Vorsicht zu genießen ist – ganz so traditionell wie anderen Genrevertretern geht es zweifelsohne nicht zu. FANGORN klingen vergleichsweise modern, dabei aber immer noch ehrlich genug um auch alte Hasen des Metal zu begeistern. Gesetzt dem Fall, man kann sich mit einem recht überbordernden Keyboardeinsatz anfreunden – in dieser Hinsicht wurde wirklich nicht gespart. Das Album hätte sicherlich noch besser werden können, hätte man mehr ‚echte‘, traditionelle Instrumente eingesetzt wie beispielsweise die Kollegen von DALRIADA – aber sei es drum. Ebenfalls nicht ganz perfekt ist die Produktion ausgefallen. Wer nun allerdings eine direkte ‚Schuld‘ am letztendlich noch viel zu anorganischen, künstlichen Klang von WHERE THE TALES LIVE ON hat, ist schwer zu sagen. Entweder hat die Band selbst etwas übertrieben – oder aber es wurde im Mastering-Bereich geschlampt. Oder beides. In jedem Fall kann eine Empfehlung ausgesprochen werden – nur sollte man weder Perfektion, noch einen durchweg kitschfreien Gesamteindruck erwarten.

Anspieltipps: MILES AWAY FROM HOME, SIRENS ISLAND, THE ROAD TO STONEHENGE


70button

„Ein atmosphärisches und abwechslungsreiches Genrewerk.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.