Filmkritik: „Fist Of The North Star – Der Erlöser“ (1995)

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Originaltitel: Fist Of The North Star
Regie: Tony Randel
Mit: Gary Daniels, Malcolm McDowell, Costas Mandylor u.a.
Land: USA
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action / Fantasy
Tags: Fist Of The North Star | FOTNS | Kenshiro | Hokuto Shin-Ken | Martial Arts

Kenshiro und Co. im (ungewohnten) Realfilm-Gewand.

Inhalt: Nachdem das Gleichgewicht zwischen zwei traditionellen Schulen überlieferter Kampftechniken, der Faust des Nordens und dem Kreuz des Südens aus den Fugen geraten ist – wurde die Welt in ein Chaos gestürzt. In dieser Post-Apokalypse versucht Shin (Costas Mandylor) als mächtigster Vertreter des Kreuz des Südens die Macht an sich zu reissen. Doch hat er noch mindestens einen potentiellen Widersacher, dem ihm trotz seiner wachsenden Macht gefährlich werden könnte: Kenshiro (Gary Daniels), ein Mann welcher vom Schicksal auserkoren wurde die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der jedoch wurde durch den vorgetäuschten Tod seiner Geliebten Julia gebrochen – und wandelt seitdem ziellos durch das von Säure-Regen überzogene Ödland. Erst, als er auf ein kleines blindes Mädchen trifft, welches von einem Teenager beschützt wird, scheint ihm seine Aufgabe wieder klarer zu werden. Überdies erscheint Kenshiro auch noch sein ermordeter Vater (Malcolm McDowell), der ihn ebenfalls ermahnt, seine offenbar unausweichliche Rolle anzunehmen und sich seinem Feind zu stellen. Die Weichen für einen alles entscheidenden Kampf sind gestellt – ein Kampf, der über das zukünftige Schicksal der Welt entscheiden wird.

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Kritik: Die kurze Plot-Zusammenfassung klingt manchen etwas zu konfus, oder allzu trashig-fantastisch ? In der Tat ist FIST OF THE NORTH STAR kein alleinstehender, eigenständiger Realfilm – stattdessen basiert er auf einem überaus bekannten Manga- und Animefranchise aus Japan. Ausgerechnet die USA haben sich im Jahre 1995 einer Realfilmversion angenommen – und beziehen sich dabei vor allem auf den Anime-Film HOKUTO NO KEN aus dem Jahre 1986 (Review). Natürlich fand all dies statt, noch lange bevor das Franchise in ab 2006 im Ursprungsland weitergeführt werden sollte (siehe Link zu den anderen FOTNS-Animes); und die Zuschauerschaft mit dringend benötigten Enthüllungen konfrontiert wurde. Doch nicht nur seine etwas konfuse und lückenhafte Erzählweise merkt man dem FOTNS-Realfilm an – sondern auch das Alter. Sicher darf man keinen auf Hochglanz polierten Film oder spektakuläre Effekte erwarten, wenn es um ein 1995’er Release geht welchem ein vergleichsweise niedriges Budget zur Verfügung stand – doch wäre gerade in Bezug auf die Inszenierung eine etwas… zeitlosere Variante von Vorteil gewesen.

Nicht umsonst hagelte es für FOTNS zahlreiche negative Kritiken – von Fans und Kennern des Originalfilms oder der Original-Serie; aber auch von gänzlich unvoreingenommen Zuschauern. Gerade in Bezug auf diese Zuschauergruppe erscheinen derartig vernichtende Schlüsse durchaus ein wenig nachvollziehbar. Schließlich sollte man diesen Film nur denjenigen empfehlen, die sich zumindest ansatzweise mit der zugrundeliegenden Thematik befasst haben – allen anderen wird es in diesem Realfilm etwas zu flott, und vor allem lückenhaft vorangehen. Warum aber ausgerechnet Fans der Serie den FOTNS-Realfilm schlecht beurteilen, erscheint nicht immer ganz klar – schließlich besitzen diese nicht nur ein gewisses Basiswissen in Bezug auf den Plot und die jeweiligen Hintergrundgeschichten; auch hinsichtlich des Trash-, Brutalitäts- und (storyrelevanten) Vereinfachungsfaktors sollten diese eigentlich abgehärtet sein. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass die Original-Serie und der Anime-Film aus dem Jahre 1986 alles andere als Meisterwerke der japanischen Kunst sind. Bereits hier muss man enorme qualitative Abstriche in Kauf nehmen, die sich vor allem auf die klischeehafte Geschichte und die teils plumpe Inszenierung in bester Haudrauf-Manier beziehen.

Und dennoch ist das Franchise in Japan längst Kult – offenbar einer der Gründe, weshalb sich auch die Amerikaner an diesem regelrechten Boom beteiligten wollten. Eine andere, etwas freundlichere Interpretation wäre, dass die Verantwortlichen den Stoff auch in Übersee bekannt machen wollten – und da eigneten sich Realfilme gerade im Jahre 1995 schon eher als möglicherweise ‚fremd‘ erscheinende Animes. Wie dem auch sei – FOTNS ist letztendlich gar keine so große Enttäuschung geworden wie gedacht. Natürlich wirkt die Geschichte etwas trashig und wenig originell (das gleiche gilt allerdings für die Originale), natürlich sind sowohl die allgemeine Optik als auch die Effekte lausig, und: natürlich nimmt man das Ganze viel zu ernst. Aber dennoch kann der Film auf einer gewissen Ebene überzeugen – einer, die auch für die zahlreichen Fans des Franchises verantwortlich ist. Schließlich bekommt man hier eine vergleichsweise unkomplizierte, aber dennoch mit allerlei Fantasy und Mystik gespickte Geschichte einiger mächtiger Krieger präsentiert, die entweder vom rechten Weg abgekommen sind und ihre Macht missbrauchen – oder aber ihr (gutes) Herz wieder-entdecken müssen. Eine Geschichte wie diese ist eben doch recht japanisch, und hebt sich im Vergleich zu vielen US-Releases dieses Jahrgangs entsprechend von der Masse ab. Zusätzlich bekommt der Zuschauer eine recht ansehnliche Zusammenstellung verschiedener Themenfelder aufgetischt: von einem Leben nach der Apokalypse (ungefähr nach MAD MAX-Manier) über alten Mythen und Legenden bis hin zu einem familiären Zweikampf, der sich letztendlich auf die Situation der gesamten Welt auswirken würde ist alles dabei.

Selbst die Darsteller agieren passabel – wenn man sich einmal auf das Spektakel eingelassen hat, sind nicht einmal unfreiwillige Lacher mit von der Partie; was man bei einem ernsten Gebaren wie diesem durchaus erwarten könnte. Dies heisst indes nicht, dass nicht doch einige unfreiwillige Lacher entstehen könnten – in Anbetracht der reichlich kruden Kampfszenen ist dies kaum vermeidbar. Getreu dem Original wird hier eben nicht nur in typischer Martial-Arts-Manier gekämpft – sondern auch auf der Suche nach Druckpunkten (eine traditionelle, tödliche Kampfkunst)… herumgefingert. Verständlicherweise ist hier einiges an Comedy-Potential geboten – was im Anime grundsätzlich wegfiel, da diese Kunstform eben andre Möglichkeiten offenbart als der Realfilm. Dennoch hätten die Macher hier zweifelsohne etwas mehr Geschick an den Tag legen sollen – und sei es, dass man andere Soundeffekte (die sind typisch hölzern), andere Laute der Beteiligten (oft ist nur merkwürdiges Stöhnen zu hören) oder eine besondere Kameraführung vorgesehen hätte. Das gleiche gilt auch für die seltenen, wenn dann aber eher lachhaften Spezialeffekte; wie beispielsweise der brennenden Hand. Andere wiederum können überraschenderweise überzeugen – wie etwas das FOTNS-typische, makabere Aufplatzen der Körper (und vor allem Köpfe). Hier haben die Kostüm- und Maskenbildner gute Arbeit geleistet – auch wenn deutlich weniger Blut fliesst als in den Originalen.

Fazit: Der FOTNS-Realfilm wird zweifelsohne unterschätzt – er ist alles andere als schlecht, und gerade für Fans des Franchises durchaus als sehenswert zu betrachten. Die Geschichte ist typisch FIST OF THE NORTH STAR, und weicht gar nicht mal so sehr von den Originalen ab – auch wenn verständlicherweise weniger Erzählzeit zur Verfügung steht. Die Schauspieler agieren glaubwürdig (vor allem die Gegenspieler Gary Daniels und Costas Mandylor), die Szenenaufbauten sind nett (wie etwa das kleine, heruntergekommene Zufluchts-Örtchen), die Kämpfe sind größtenteils unterhaltsam, man bekommt ein halbwegs gutes Gefühl für die Charaktere und ihre Motivation. Und der Soundtrack ist nun wahrlich ein – positiv herausragender – Fall für sich. Sicher gäbe es noch Verbesserungsbedarf – hätte man einige mehr oder weniger große Kleinigkeiten anders gemacht, wäre aus FOTNS vielleicht ein zeitloser Klassiker geworden. Das wären dann vor allem Dinge wie: etwas mehr Spiel in Bezug auf die Optik und Kameraführung (der Film wirkt für seine Story noch viel zu gewöhnlich), etwas mehr Brutalität und vielleicht sogar Splatter-Anleihen, epischere und ausführlichere Heldenporträts und Kämpfe, oder etwas mehr Zugeständnisse hinsichtlich des Trash-Faktors. Schließlich nimmt sich der Film etwas zu ernst; ein Gefühl welches nicht immer sinnig transportiert werden kann. Aber man sieht: es wäre so einfach gewesen. Bleibt eine stimmige, grundsolide Anime-Adaption mit einem beinahe kultigen Charme; die vor allem Fans des Franchise nicht missen sollten.

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