Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Human Fragility (2009)

Album: Human Fragility | Band: Dawn Of Destiny (weitere Band-Inhalte)

Land: Deutschland – Stil: Power Metal – Label: Shark Records

Alben-Lineup:

Jens Faber – Bass, Piano, Gesang (Background), Gitarre
Ansgar Ludwig – Schlagzeug
Patrick Klose – Schlagzeug
Tanja Maul – Gesang (Lead)
Dirk Raczkiewicz – Keyboard
Veith Offenbächer – Gitarre (Lead & Rhythmus)

01 Decadence Of A Heart 00.54
02 Silent Suffering
04.23
03 Unborn Child 03.42
04 In A Heartless World 04.30
05 Learning To Fly 04.44
06 A Better Time To Come 04.58
07 Human Fragility 05.42
08 Destiny Unknown 05.12
09 Ten Plagues Of Egypt 06.30
10 Dying Alone 03.48
11 Blown Away 04.43
12 End Of Pain 04.00
13 One Heart 04.33
14 Unchained Someday 03.10
15 For Love 05.39

Ein musikalisches Epos über die menschliche Fragilität.

Vorwort: HUMAN FRAGILITY ist das dritte Studioalbum der talentierten Bochumer Musiker von DAWN OF DESTINY. Nachdem sie bereits mit ihrem 2007’er Debüt BEGINS (Review) für reichlich frischen Wind in der Szene sorgen konnten, legten sie mit dem 2008’er Nachfolger REBELLION HEAVEN noch eine ordentliche Schippe drauf – und kassierten dafür auch auf Oliverdsw.Wordpress eine entsprechende Wertung (Review). Wie sollte eine solche Leistung, bei der kaum noch Luft nach oben ist, noch getoppt werden können ? Vielleicht ja mit HUMAN FRAGILITY, ein Album; welches dem Hörer abermals eine ansehnliche Titel-Zusammenstellung serviert. Mit 15 Titeln und einer Spielzeit von knapp 66 Minuten fällt es sogar noch ausführlicher aus als beide Vorgängeralben – nur ein Instrumentalstück (das Intro) ist vorgesehen. Besonders auffällig ist dieses Mal jedoch das Cover-Artwork, welches erstmals explizit düster erscheint – ein Hinweis auf die zu erwartende Grundstimmung des Albums ? Immerhin, auch der Albentitel lässt darauf schließen.

Kritik: Und tatsächlich scheint sich dieser erste Eindruck zu bestätigen – das Intro DECADENCE OF A HEART besteht allein aus äusserst schwermütigen, zarten Pianoklängen. Und einer beeindruckenden Melodie, doch bleibt kaum Zeit diesen Auftakt näher zu begutachten. Schließlich rollt mit dem Opener SILENT SUFFERING sogleich der erste Brecher über den Hörer herein. Etwas unerwartet und plötzlich zwar – doch war dies wohl exakt so beabsichtigt. Dementsprechend satt dröhnt nun der typische DAWN OF DESTINY-Sound aus den Boxen, gekennzeichnet von der super-soliden und gut inszenierten Instrument-Beherrschung der Mitglieder, aber natürlich auch dem Gesang von Leadsängerin Tanja Maul. Im Vergleich zum letzten Album (welches gerade einmal ein Jahr zurückliegt) aber scheint sich doch etwas verändert zu haben: DAWN OF DESTINY wirken hier nicht mehr ganz so verspielt und teils geradezu fröhlich; der Komposition wird ein ordentlicher Batzen Bedeutungsschwere hinzugefügt, der sich nun in der etwas düstereren Instrumentation widerspiegelt. Eines aber bleibt definitiv gleich: das Gespür für unverbrauchte, gute Melodien; und der Harmonie aus getragenen Strophen und hervorstechenden Refrains. Es folgt UNBORN CHILD, ein Titel, der sogleich mit ersten Überraschung in Form eines Gastsängers aufwartet: hier gibt sich Bernhard Weiß von AXXIS die Ehre. Es entsteht ein merklich düsterer, leicht mysteriös angehauchter Titel, der von diesem besonderen Gesangsduett natürlich enorm aufgewertet wird – auch wenn der Refrain etwas an den von LAST DAY (vom Vorgängeralbum) erinnert.

Es geht weiter mit IN A HEARTLESS WORLD – einem emotionalen Titel mit Tiefgang. Der Refrain zeugt abermals von einer enormen Qualität, und begeistert durch die Gesangslinien von Fronfrau Tanja Maul und den dezenten, aber äusserst wirkungsvollen Background-Gesängen. LEARNING TO FLY schließt sinnig an diese Nummer an, und präsentiert sich noch etwas gefühlvoller und zarter. Hier kann man schon deutlicher von balladesken Anleihen sprechen, doch die schweren Riffs und die markanten Instrumental-Abschnitte sorgen immer wieder für eine Auflockerung und die nötige Abwechslung hinsichtlich des akustischen Gesamteindrucks – während die Refrains als Hauptorientierungspunkt und sinnbildlicher Leuchtturm in der Komposition fungieren. Stichwort Abwechslung: nach diesen eher ruhigeren Nummern beginnt auch A BETTER TIME TO COME in dieser Manier, doch offenbart im weiteren Verlauf die ein oder andere Überraschung. Nicht nur, dass hier wieder merklich düstere Abschnitte vorgesehen sind, die in einem spannenden Gegensatz zu den harmonischen Passagen stehen; Jens Faber brilliert hier in seiner Unterstützungsrolle. Sogar zu einigen kräftigen Growls setzt er an – sodass das Klangspektrum schnell noch breiter und vielfältiger erscheint. Es folgt noch der Titeltrack, der die erste Ablen-Hälfte abschließt. Und das in eher ungewohnter Manier: der Titel beginnt mit einigen Hörspiel-Elementen. Und noch etwas ist anders, beziehungsweise speziell: ein weiterer Gastsänger gibt sich hier die Ehre, dieses Mal ist es Ian Parry (unter anderem ELEGY). Nun, der Gastauftritte sind es auf diesem Album nicht viele – doch wenn, dann liegt man goldrichtig. Zumal diese Auftritte das mit 15 Tracks recht ausführliche Album mit zusätzlichen Höhepunkten versehen.

Was könnte wirkungsvoller sein, als die zweite Albenhälfte nun endlich mit einem waschechten Kracher; einem deutlich aus der etwas getrageneren Emotion hervorstechenden Meisterwerk zu beginnen ? In der Tat ist DESTINY UNKNOWN genau das geworden – eine echte Hymne, in der sich Emotion und Kraft sinnig miteinander verbinden. Ein über alle Maßen erhabener Refrain, der einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird sorgt für einen leichten Zugang, die Keyboard-Elemente wirken wunderbar melodiös, die Backgroundgesänge sind wieder einmal klasse. Ein klares Highlight ! Mit TEN PLAGUES OF EGYPT wird es dann wieder merklich düsterer und schwermütiger – die Growls, sowie insbesondere einige auf ägyptisch getrimmte Keyboardsounds aber werten den sonst etwas unspektakulären Titel auf. DYING ALONE legt glücklicherweise wieder ein flotteres Tempo vor, und begeistert durch den schwermetallischen Anspruch inklusive Doublebass, Growls und Soli. END OF PAIN geht in der langen Titel-Liste leider etwas unter, die Strophen wirken etwas zu eintönig und der Refrain nicht mehr ganz so eigenständig und originell. Das gleiche gilt für BLOWN AWAY, auch wenn es durch gewisse Elemente (Audio-Einspieler, markanter Backgroundgesang, pompöse Darbietung der Strophen) gekennzeichnet ist. Hier wäre ein wenig mehr Bumms sicher nicht verkehrt gewesen, die Gitarren schrammen hier bis auf den Soli-Part etwas zu lustlos im Hintergrund.

Bleiben drei Titel – ONE HEART serviert eine eingängige Melodie, nette sphärische Elemente, flotte Power Metal-Passagen, überlagerte Gesangspassagen und einen episch anmutenden Refrain. Hier wurde wieder alles richtig gemacht – DAWN OF DESTINY klingen einfach am besten, wenn sie sich den eher hymnischen Momenten widmen und zeitlose Highlights wie dieses hier kreieren. Auch UNCHAINED SOMEDAY sorgt noch einmal für etwas Spannung gegen Ende – hier wurde ein weiterer, absolut eigenständiger und unverbraucht klingender Titel geschaffen. Das abschließende FOR LOVE lässt ein gelungenes Finale entstehen, und wirkt besonders durch die satten Keyboardeinsätze, die abwechslungsreichen Gitarren und die kurzweiligen Instrumental-Parts erhaben und fülliger als einige der Titel im Mittelteil. So gelangt man auch zur abschließenden Wertung: der Auftakt fiel reichlich fulminant, der Mittelteil etwas langatmig aus – und auf dem Weg zum Finale steigert man sich noch einmal Track für Track.

Fazit: DAWN OF DESTINY konnten sich spätestens mit dem grandiosen Vorgängeralbum als feste große im Melodic Power Metal etablieren – in internationaler Hinsicht, und in heimischen Gefilden sowieso. Doch nicht nur die Qualität und der Tiefgang der Musik sind es, die DAWN OF DESTINY auszeichnen – sondern speziell auch ihre enormen Alleinstellungsmerkmale. Sicher, Female Fronted Metalbands gibt es dieser Tage nicht wenige, doch sind DAWN OF DESTINY immer als eben jene zu identifizieren, hört man auch nur einige Sekunden in das Liedgut hinein. Jedoch muss man feststellen, dass HUMAN FRAGILITY nach den beiden Vorgängern etwas weniger pure Power Metal-Kost bietet – es ist ein deutlicher Anstieg der balladesken und progressiven Elemente zu verzeichnen. Das tut der Abwechslung (in Bezug auf die Gesamt-Diskografie) natürlich gut – aber es ist eben auch recht erhellend und zufriedenstellend, ab einem gewissen Zeitpunkt auch endlich mal wieder zu einer temporeichen, kräftig inszenierten, schlicht epischen Nummer wie DESTINY UNKNOWN zu gelangen. Solange sich solche Brecher mit eher getrageneren Nummern abwechseln beziehungsweise die Waage halten, ist alles gut. Es ist zu wünschen, dass sich DAWN OF DESTINY in Zukunft gerne weitere solcher ‚Ausbrüche‘ leisten, und ihre Alben auf diese Weise so vielschichtig und abwechslungsreich wie möglich halten. In diesem Fall handelt es sich noch immer um ein verdammt gutes, inhaltlich anspruchsvolles Album – doch sollte oder könnte man dem Vorgänger REBELLION IN HEAVEN (wenn auch nur knapp) den Vorzug geben.

Anspieltipps: A BETTER TIME TO COME, DESTINY UNKNOWN, DYING ALONE, ONE HEART, FOR LOVE


Advertisements

Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Human Fragility (2009)

  1. Tja, man kann es nur noch einmal erwähnen. Wir bekommen zwar viele Reviews und Glück sehr viele positive. Allerdings gibt es nur wenige Rezensenten, die so tief in unsere Musik eintauchen und sie regelrecht aufsaugen.
    Vielen Dank dafür
    Grüße
    Dirk (Keyboarder von Dawn Of Destiny)

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion wird noch zu selten genutzt... ändere dies !

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s