Filmkritik: „Hobo With A Shotgun“ (2011)

Originaltitel: Hobo With A Shotgun
Regie: Jason Eisener
Mit: Rutger Hauer, Pasha Ebrahimi, Robb Wells u.a.
Land: USA, Kanada
Laufzeit: 85 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action
Tags: Hobo | Shotgun | Landstreicher | Action | Brutal | Oldschool | Armenviertel

Diesem HOBO sollte man wahrlich nicht in die Quere kommen.

Inhalt: Als einer von vielen namenlosen Landstreichern zieht ein rüstiger alter Mann (Rutger Hauer) in die Stadt namens Hope Town. Entgegen des vielversprechenden Namens hat die Stadt aber vor allem eines zu bieten: tagtägliche, schockierende Gewaltexzesse. Während die Menschen in bitterer Armut leben und sich hilflos dem wer stärker ist, überlebt-Gesetz unterwerfen, sieht die korrupte Polizei oft nur zu – oder beteiligt sich gleich selbst am regen Gang-Leben. Schließlich hat The Drake die ganze Stadt in der Hand – und bildet seine beiden Söhne Ivan (Nick Bateman) und Slick (Gregory Smith) gerade zu kaltblütigen und willkürlich mordenden Killern aus. Der gerade angekommene Landstreicher versucht, möglichen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen – schließlich möchte er sich von seinem erbettelten Geld einen Rasenmäher kaufen, um auf anständige Weise etwas Geld zu verdienen und von einem besseren Leben zu träumen. Als er aber auf die Prostituierte Abby (Molly Dunsworth) trifft, wird sein bereits angefachter Beschützerinstinkt endgültig entflammt. Nachdem er aber die örtliche Polizei kennen und hassen gelernt hat, sieht er keinen andern Weg als sich selbst zu helfen. Er kauft er sich in einem kleinen Laden (der natürlich just in diesem Moment überfallen wird) eine Shotgun – und zieht gegen das unmenschliche Treiben der Stadt zu Felde. 

Kritik: HOBO WITH A SHOTGUN ist vor allem eines – ein stark oldschooliger, gradliniger Actioner; der es interessanterweise von einem kurzen Fake-Trailer der kanadischen Filmemacher Jason Eisener, John Davies und Rob Cotterill zu einem kompletten, abendfüllenden Spielfilm gebracht hat. Schließlich wurden im Rahmen des furiosen Film-Doppels GRINDHOUSE von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez eben jener Trailer in ausgewählten Kinos gezeigt – womit er einen ganz ähnlichen Weg wie zuvor auch schon MACHETE beschreitet. Zugegeben, ganz leicht machten es sich die drei findigen Filmemacher damit nicht – immerhin gehört schon einiges dazu, einen kurzen Trailer sinngemäß auf ein abendfüllendes Format zu strecken. Doch glücklicherweise liefern sie in HOBO WITH A SHOTGUN einige klasse Ideen ab; die mal etwas zu brachial, zumeist aber gut und äusserst unterhaltsam in Szene gesetzt werden. Ein auffälliger Oldschool-Flair, der sich sowohl durch die Erzählart als auch das filmische Handwerk (Optik, Soundtrack) definert, rundet den positiven Ersteindruck perfekt ab.

Stichwort Ersteindruck – im einem Fall wie diesem kann man nur allzu schnell feststellen, dass es sich gar nicht erst lohnt tiefer in die Materie vorzudringen oder gar einen zweiten Blick zu riskieren. Diese Möglichkeit ist im Konzept des Films auch gar nicht erst vorgesehen – HOBO WITH A SHOTGUN fällt gnadenlos oberflächlich, gradlinig und teilweise vorhersehbar aus. Der Unterschied zu anderen, ähnlichen Filmen dieser Machart ist jedoch, das dies absolut gewollt ist; und die Macher auch keinen großen Hehl daraus machen. Stattdessen besinnen sie sich vornehmlich darauf, ihre teils reichlich kruden Ideen zu präsentieren, und den geneigten Genre-Fan mit allerlei Gore-Einlagen zu unterhalten. Eine kleine Warnung: diese sind stellenweise wirklich heftig, und lassen selbst gängige der sogenannten Folterfilme alt aussehen. Wer in dieser Hinsicht keine Berührungsängste (und schon gar keinen schwachen Magen) hat, der wird also ebenso bedient wie jene, die einmal wieder einen unkompliziert inszenierten Rachefeldzug in bester Haudrauf-Manier verköstigen wollen. Hierin offenbart sich dann auch eine weitere Besonderheit des Films: ein Rachefeldzug dieser Art wirkt natürlich weitaus leichter nachzuvollziehen als andere, in denen oft nur einzelne Personen involviert sind. Hier ist es gleich eine ganze (Klein-)Stadt, die von einem selbsternannten Rächer ‚befreit‘ wird – mit dem man entsprechend mitfühlen und mitfiebern kann.

Ein klarer Fall von Style over Substance also ? Nicht ganz, wie sich zeigt – schließlich bietetdie Story auch gewisse (natürlich arg überspitzte)  gesellschaftskritische Anhaltspunkte, einen typischen aber guten Spannungsbogen (vom anfänglichen Zögern hin zu einem großen Showdown) und vor allem lebensnahe Charaktere. Zumindest auf der ‚guten‘ Seite – Rutger Hauer als für das gute einstehender Landstreicher ist brillant (und das manchmal schon allein durch seine enorme Präsenz), und harmoniert auch wunderbar mit seinem späteren weiblichen Schützling Abby – ebenbürtig gespielt von Molly Dunswort. Auch der Seite der bösen läuten natürlich schnell die Klischee-Glocken – dementsprechend fällt auch das Spiel der hier beteiligten Darsteller aus. Um das böse nicht nur als böse, sondern sinngemäß als unmenschlich und geradezu dämonisch darzustellen wurde stark an den Charakteren geschliffen – sodass den Darstellern nicht viel bleibt als ihre schonungslos überspitzen, auf das in diesem Falle nötigste zusammengeschrumpfte Rollen zu spielen. Da sie aber ohnehin als Kanonenfutter für den HOBO enden, kann mit hier mit einem ähnlichen Augenzwinkern darüber hinwegsehen werden wie in Bezug auf den Film selbst.

Dies ist allerdings nicht immer möglich – denn in ein, zwei oder drei Szenen haben es die Macher dann doch übertrieben. Wenn der HOBO seine Opfer (die, wie gezeigt wird, natürlich stets selbst Täter der noch schlimmeren Sorte sind) sucht und knallhart zu Boden streckt mag das noch akzeptabel sein, und zudem recht Genre-typisch – wenn jedoch wie in einer besonders heftigen Szene ein ganzer Schulbus voller Kinder unter dem dämonischen Gelächter der beiden Nachwuchs-Killerbrüder mit einem Flammenwerfer abgefackelt wird (und die Kinder bei lebendigen Leibe verbrennen), dann ist das einfach nur geschmacklos. Und eigentlich ein absolutes No-Go – doch ganz im Sinne eines chaotisch-anarchischen Filmprinzipes a’la POSTAL schreckten die Macher vor nichts zurück, um die allgemeine Filmwirkung zu unterstreichen. Deutlich angenehmer und interessanter fällt dagegen der plötzliche Auftritt von zwei heftig gepanzerten Schergen von Oberboss The Drake aus – eine reichlich makabere, sich trotz der allgemeinen Verwunderung aber gut in den Film einfügende Idee; die einerseits für zusätzliche Actionszenen, andererseits für den nötigen Anstoß sorgt, um aus Schützling Abby ebenfalls eine schwer niederzuringende Rächerin zu machen.

Fazit: HOBO WITH A SHOTGUN wirkt ein wenig wie ein zeitloses (aber keinesfalls billiges oder plumpes) Independent-Projekt mit einer einfachen Story, zu gleichen Teilen charismatischen wie oberflächlichen Charakteren, einem spürbaren Hang schockieren zu wollen und einem ganz speziellen, oldschoolartigen Look. Dieser wird indes noch von einem entsprechenden Soundtrack verstärkt – im Zusammenspiel mit dem allgemeinen handwerklichen Geschick hinsichtlich Kameraführung, Schnitt und Szenengestaltung ergibt so ein zufriedenstellendes Gesamtbild auf der technischen oder auch stylischen Seite. Die Actionszenen machen entweder Laune und sorgen für einen ordentlichen Filmfluss – oder bieten heftiges Futter für Splatter- und Trashfans. Viel länger hätte HOBO WITH A SHOTGUN dann aber auch wirklich nicht werden dürfen – aufgrund des allgemein etwas chaotischen Eindrucks machen sich bereits erste Längen bemerkbar. Für deutlichere Abzüge in der B-Note sind lediglich die (überflüssige) Schulbus-Szene, sowie das etwas merkwürdige und abrupte Ende verantwortlich. Ein Film für den etwas anderen, vielleicht ja ebenso chaotischen Filmabend unter Kollegen und Freunden, die nichts gegen ein wenig Retro einzuwenden haben.

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