Metal-CD-Review: DALRIADA – Igeret (2011)

Album: Igeret | Band: Dalriada (weitere Band-Inhalte)

Land: Ungarn – Stil: Epic Folk Metal – Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tadeusz Rieckmann –  Schlagzeug, Gesang (Growls)
Barnabás Ungár – Keyboard, Gesang (Background)
István Molnár – Bass
András Ficzek – Gitarre, Gesang (Second Lead)
Laura Binder – Gesang (Lead)
Mátyás Németh Szabó – Gitarre

01 Intro 02.43
02 Hajdútánc
04.59
03 Hozd El, Isten 04.33
04 Mennyei Harang 06.17
05 Ígéret 04.37
06 Igazi Tûz 04.42
07 Kinizsi Mulatsága 04.19
08 A Hadak Útja 06.41
09 Leszek A Csillag 05.50
10 Leszek A Hold 06.14
11 Outro 00.50

Auf, auf zu unbekannten musikalischen Ufern.

Vorwort: DALRIADA, ehemals unter dem Namen ECHO OF DALRIADA bekannt, ist eine seit 1998 aktive Folk Metal-Band aus dem Herzen Ungarns. Die Band definiert sich vor allem dadurch; dass sowohl die Alben- und Liedtitel, als auch die Songtexte ausschließlich auf ungarisch verfasst sind. Doch nicht nur das, DALRIADA sind seit jeher darauf bedacht, die ungarische Tradition und Geschichte (und somit auch ihre eigene) fest in ihren Alben-Konzepten zu verankern. Dies äussert sich durch die behandelten Themen und Inhalte (wenn man es denn einmal wagt, sie als Nicht-Ungar zu übersetzen), aber auch durch den volkstümlich-traditionell anmutenden Sound. So kann man mit einem DALRAIDA-Album nicht nur eine ordentliche Portion Schwermetall erwarten – sondern auch einen massiven Anteil an vergleichsweise exotischen Instrumenten und traditionellem Singsang. Eine Band-Philosophie wie diese, noch dazu gepaart mit den kaum umgänglichen Sprachbarrieren; könnte vorab für Abschreckung sorgen – allerdings sind Vorbehalte wie diese unbegründet, wie sich noch herausstellen soll.

Kritik: 11 Titel beinhaltet IGERET (steht in diesem Falle für den Monat Mai) – wobei 2 für das Intro und Outro reserviert sind. Bleiben 9 vollwertige Titel – doch beginnen wir von vorn, und mit dem schlicht als INTRO betitelten Auftakt. Die Spieldauer beträgt hier knappe 3 Minuten; zu hören sind noch weniger Metal-lastige, als rein folkig-traditionelle Klänge. Gewiss handelt es sich hier um einen Eindruck, den mal (als internationale Hörer) erst einmal zu verdauen hat – nicht zuletzt aufgrund der offensichtlichen Sprachbarrieren. In instrumentaler Hinsicht gibt es noch nicht allzu viel zu vermelden – ausser, dass bereits hier der typische, von einem gleichsam verspielten wie erhabenen Gefiedel dominierte DALRIADA-Sound auf den Hörer wartet; in einer ruhig-akustischen Manier, versteht sich. Nach diesem ersten traditionellen Element, welches als Nicht-Ungar zugegebenermaßen (und verständlicherweise) etwas schwer zugänglich erscheint, folgt der erste und internationale Aha-Effekt glücklicherweise direkt im Anschluss. Der Opener HAJDUTANC (etwa: Tanz des Hajdú) beinhaltet zwar wie grundsätzlich jedes DALRIADA-Liedgut ungarische Texte; doch schaffen es die Ungarn in diesem Fall problemlos, jedwede Sprachbarrieren einzureissen. Schließlich funktioniert HAJDUTANC noch auf einer anderen als der reinen Verständnis-Ebene. Die flotte Gangart, die beschwingten Melodien, der wunderbar volkstümlich wirkende Refrain (bei dem man sich als internationaler Hörer schon weitaus weniger aussen vor gelassen fühlt) auf der einen, und die markanten Metal-Elemente auf der anderen Seite machen HAJDUTANC zu einem echten Brett für alle Folk Metaller und jene, die es vielleicht einmal werden wollen. Die drei positivsten Elemente dieser Nummer hervorzuheben, fiele nicht ganz leicht – doch in jedem Fall sollten der perfekte (und durch brachiale Growls abwechslungsreiche) weibliche Leadgesang, die genialen Folklore-Instrumentalpassagen sowie das energetische Gitarrensoli genannt werden.

Als nächstes wartet die Nummer HOZD EL, ISTEN (etwa: trage es zu Gott) auf ihre Entdeckung. Was der Opener an Kraft und wohl dosierten Metal-Elementen hatte, wird nun auf einer etwas traditionelleren Ebene ausgetragen. Zwar schrammen die Gitarren noch immer wohlig im Hintergrund, doch im Fokus stehen hier klar die vergleichsweise ungewöhnlichen Instrumente (welche genau, sollte jeder für sich selbst entdecken – es ist jedenfalls spannend), und der beinahe hypnotische Refrain. Hier dürfen dann auch mal die männlichen Bandkollegen zum Mikrofon greifen, um teilweise allein, teils im Duett mit Fronfrau Laura Binder zu singen. Ein starkes Stück – und nach dem fulminanten Opener sogleich der nächste Anspieltipp ! Zu Beginn des Folgetitels MENNYEI HARANG (etwa: himmlische Glocke) könnte man noch meinen, es würde sich um eine Ballade handeln – und tatsächlich geht es vergleichsweise ruhig und bedächtig zu. Vorerst zumindest – denn im weiteren Verlauf sorgen sowohl die Gitarren und der beherzte männliche Gesang, als auch plötzlich auftretende DoubleBass-Attacken für reichlich Abwechslung. Und einen verdammt vielfältigen Eindruck – Titel wie diese lassen sich nicht so leicht in eine einzige Schublade stecken – doch das ist ja auch gut so. Zu jedem DALRIADA-Album gehört aber auch immer ein Titel, der einen in eine Art Feierlaune bringt – wie das nun folgende IGERET, der Titeltrack des Albums. Das besondere: man belässt es nicht allein bei dem reichlich beschwingten Auftakt, den man einfach einmal gehört haben MUSS – schließlich können nicht einmal explizite Pirate Metaller eine derart exotische, abenteuerlustige Atmosphäre in bester Seefahrer-Manier erwecken (ob dies in diesem Fall beabsichtigt war oder nicht). Nein, man geht danach in eine Art Lagerfeuerstimmung über, und lädt mit einem festlichen Refrain abermals zum Träumen ein. Sobald man sich entsprechend erholt hat, geht die Reise sinnbildlich weiter – verdammt temporeiche Instrumentalpassagen aus Gitarren- und Violinensoli, sowie der wiederholte Beginn des Liedes machen dem Hörer ordentlich Feuer unterm Hintern. Das gute dabei ist, dass man an wirklich keiner stelle nach möglichen Schwachpunkten suchen muss – denn neben den jeweils für sich versierten Bandmitgliedern, der vielfältigen Soundkulisse und der mannigfaltigen Atmosphäre ist auch die Produktionsqualität über alle Zweifel erhaben.

So ist es zweifelsohne zu verzeihen, dass gerade die Strophen des Folgetitels IGAZI TUZ (etwa: echtes Feuer) schon weitaus weniger spektakulär anmuten. In den lebendigen Instrumental-Passagen und dem Refrain macht jedoch wieder alles richtig. Zumal die Mischung aus etwas getrageneren und temporeichen Passagen sehr gut aufgeht – wie auch in KINIZSI MULATSAGA (etwa: Ort der Freude). In den Strophen eher mit wunderbaren zupfenden Gitarren und der Laute, im Refrain abermals erhaben und melodisch – und dazwischen mit fetten Metal-Elementen, die sich wahrlich hören lassen. A HADAK UTJA (etwa: der Weg des Kriegers) ist der nächste Stampfer im Gepäck, der nun erstmals etwas düsterer daherkommt als die Vorgänger. Zumindest teilweise – denn die lockeren Riffs erinnern eher an die Grundstimmung des Power Metal, während die harschen männlichen Growls, das exzessive Drumming und einige Keyboard-Elemente für etwas mehr Schwere sorgen. LESZEK A CSILLAG (etwa: ich, der Stern) hört man bereits ab den ersten Piano-Klängen an, dass es eine gute Melodie haben würde – eine nicht ganz so verspielte, dafür aber deutlich emotionalere; was der allgemeinen Abwechslung keinen Abbruch verschafft. Leszek a Hold (etwa: ich, der Mond) ist das sinnige Gegenstück zum etwas schwermütigen Vorgänger: hier darf wieder ordentlich gefiedelt und gefeiert werden. Markant sind hier die Gesangsparts – zuerst die ohne eine jegliche Instrumentale Unterstützung, später dann das regelrechte Brummen einer Männergruppe, und ein Gastauftritt von Jonne Järvelä – ja genau der, von KORPIKLAANI. Folgt nur noch das etwas merkwürdige, da kaum definierbare Outro – doch dieses braucht man gar nicht erst anzuspielen, um zu sagen: der Wahnsinn, was DALRIADA hier in 9 Titeln abliefern.

Fazit: DALRIADA machen seit jeher ungarischen Folk Metal mit ungarischen Liedtexten – doch vermögen sie es allein durch die Kraft und Vielfältigkeit der Musik, auch internationale Hörer zu fesseln. Gesetzt dem Fall man lässt sich auf diese Art Experiment ein; und stört sich weder an den schwer greifbaren Text-Inhalten noch am dominanten weiblichen Leadgesang – so erwartet den Hörer ein abenteuerliches, gut inszeniertes, melodieverliebtes und reichlich beschwingtes Folk Metal-Album. Zwar wird nicht jeder die Refrains wortgetreu mitsingen können – doch ist man geneigt, es zumindest mit einem taktvollen Summen zu versuchen. IGERET, das nunmehr sechste Studioalbum der Ungarn; ist voller guter Ideen, einer spürbaren musikalischen Raffinesse und ganz, ganz viel Melodie. Dennoch braucht niemand zu befürchten, dass die Musik der Ungarn in irgendeiner Form weichgespült daherkommt – sowohl die druckvollen Metal-Elemente, als auch die Variationen im Gesang sorgen für reichlich Headbang-Potential. Und auch die traditionellen Parts wirken alles andere als schmalzig dargeboten oder klischeehaft, auch hier regieren frische, unverbrauchte, inspirierende Klänge. Als mitunter einzigen Schwachpunkt könnte man den Gesang (oder die Growls) der männlichen Gesangskollegen einstufen – die einfach nicht mit denen der Frontfrau Laura Binder mithalten können, und sich zudem auch nicht so stimmig und erhaben in das musikalische Gesamtbild einpflegen. Sei es drum; eine zeitlose Empfehlung für alle Folk-, aber interessanterweise auch Power Metaller – da auch hier eine gewisse, nennen wir es mal vorsichtig Fröhlichkeit und Leichtigkeit eine nicht unwichtige Rolle spielt.

Anspieltipps: HAJDUTANC, HOZD EL ISTEN, IGERET, IGAZI TUZ, KINIZSI MULATSAGA


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