TV-Kritik / Anime-Review: EUREKA SEVEN AO

Originaltitel: Eureka Sebun Ei Ō
Typ: Anime-TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 24 + 1 OVA (je ca. 24 Minuten)
Land: Japan
Regie: Tomoki Kyoda
Studio: Bones
Genre: Science Fiction / Action / Drama
Tags: Eureka Seven, Eureka 7, Mechas, Weltraum, Kämpfe, Schlachten

Die Liste der 24 Episoden (englische Titel):

01 Born Slippy -Deep Blue- 13 She’s a Rainbow -Moonlight Ship-
02 Call It What You Want -AO’s Cavern- 14 Starfire -Another Truth-
03 Still Fighting -Secret Operation- 15 War Head -Humanoid Secret-
04 Walk This Way -Plant Coral- 16 Guardians Hammer -Next Phase-
05 Tighten Up -Génération Bleu- 17 La Vie en Rose -Johannson’s Book-
06 Light My Fire -Noblesse Oblige- 18 Don’t Look Down -Third Engine-
07 No One Is Innocent -Bye Bye Angel- 19 Maybe Tomorrow -The Day-
08 One Nation Under a Groove -Blue Thunder- 20 Better Days Ahead -Last Message-
09 In the Dark We Live -Enemy Below- 21 World to World -Rising Sun-
10 Release Your Self -The Pied Piper of Hamelin- 22 Galaxy to Galaxy -Coral Carriers-
11 Plateaux of Mirror -Mirror of the World- 23 The Final Frontier
12 Step into a World -Heaven and Earth- 24 Gates of Summer

Aussen Hui, innen… etwas konfus.

Inhalt: Es könnte alles so schön sein für den 13-jährigen Ao Fukai, der auf der beschaulich-idyllischen Insel Iwado in Okinawa lebt – wären da nicht doch eine handvoll Dinge, die die vermeintliche Harmonie ins Wanken bringen. Nicht nur, dass Ao von so gut wie allen als Aussenseiter behandelt wird, er kennt zudem nicht die wahre Herkunft und den derzeitigen Aufenthaltsort seiner Eltern. Doch nicht nur das, auch die politische Situation im Land scheint zumindest wackelig – man plädiert für eine autonome Regierung. Als dann auch noch ein seltsames Wesen, ein sogenannter Secret erscheint, ist es endgültig vorüber mit der Beschaulichkeit. Jenes Wesen attackiert den sogenannten Scub Coral der Insel – ein seltsames lebendes Gebilde, dessen Bedeutung noch nicht vollständig entschlüsselt wurde; bisher aber noch keine wirkliche Bedrohung für die Menschen darstellte. Eher Vorteile – denn durch die Scub Corals werden Trapar produziert, luftähnliche Energieströme, die es unter anderem Erlauben, dass Fahrzeuge und Mechas wie durch Geisterhand durch die Lüfte schweben können. Da die Zerstörung des Scubs durch den Secret offenbar enorme Folgen nach sich ziehen würde, ist man überall alarmiert – und auch Ao scheint seinem Schicksal zu folgen. Er gelangt in den Besitz des mysteriösen Kampfroboters Nirvash, und stellt sich fortan der ihm auferlegten Verantwortung als möglicher Retter der Menschheit. Auf seinem teils beschwerlichen Weg lernt er viele neue Freunde und auch Feinde kennen – und trifft dabei auch auf seine Mutter, die eine überaus bedeutsame Rolle in diesem Konflikt zu spielen scheint.

Kritik: EUREKA SEVEN AO ist schon ein außergewöhnlicher Anime-Kandidat, und das in vielerlei Hinsicht. Schließlich basiert die erst 2012 ausgestrahlte Serie auf dem recht erfolgreichen und vielerorts beliebten Vorgänger EUREKA SEVEN, bietet dabei aber keine direkte Fortsetzungsgeschichte an – sondern eher eine alternative; oder auch nebenherlaufende. Das ist sogleich das Stichwort: wer bereits in Anbetracht von EUREKA SEVEN geneigt war die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, wenn es um die geradezu fantastische Hintergrundgeschichte ging – der wird bei EUREKA SEVEN AO nun endgültig verzweifeln. Zeitsprünge, Paralleluniversen, höhere Mächte; ein zwiespältiges Zusammenleben verschiedener Lebensformen… das ist der Kern der neuen EUREKA-Serie, aber eben auch nur vielleicht. Denn tatsächlich serviert man dem Zuschauer ab der ersten Folge eine recht unübersichtliche Ansammlungen von Themen und Inhalten, deren letztendliche Richtung sich niemals vollständig offenbart. Geht es nun um die eher übernatürlichen, fantastischen Elemente; und wie ein Junge mit einer besonderen Herkunft versucht, seinen eigenen Weg zu gehen ? Geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, familiäre Konstruktionen und miteinander interagierende Organisationen ? Geht es um die politische und militärische Weltlage, oder doch um etwas ganz anderes, noch im Dunkeln verborgenes ?

Die Antwort liegt im Falle von EUREKA SEVEN AO auf der Hand: es ist von allem etwas dabei. Dies führt einerseits zu einem recht reichhaltigen Gesamtbild, da kaum etwas ausgelassen wird was für die Story auch nur ansatzweise von Bedeutung sein könnte – doch andererseits gerät die Serie so arg konfus und undurchsichtig. Gerade weil, und das ist in Anbetracht der Themenvielfalt im Vergleich zur geringen Episodenanzahl (EUREKA SEVEN hatte noch 50) ebenfalls kein Wunder – die einzelnen Themenfelder nur oberflächlich abgearbeitet werden können. Dies wäre vielleicht noch nicht so schlimm, hätten sich die Macher ab einem gewissen Zeitpunkt auf einen sinnbildlichen roten Faden geeinigt – doch EUREKA SEVEN AO bietet von Anfang bis Ende ein schier willkürliches Kuddelmuddel aus Versatzstücken, die kein sinniges Ganzes ergeben. So werden bestimmte Inhalte, oder auch Charaktere plötzlich explizit in den Fokus genommen – nur, damit sie ebenso plötzlich wieder verschwinden, und das zumeist für mehrere Episoden. Dadurch wird es zusehends schwer, der Geschichte zu folgen – und für sich selbst zu entscheiden, welches Element nun wirklich von Bedeutung ist und welches nicht. Andere Serien gehen hier einstweilen zwar ähnlich vor – doch wirkt diese Art von Komplexität eben oftmals viel durchdachter und im Endeffekt sinniger und aufschlussreicher als in diesem Fall. Es scheint tatsächlich, als hätten sich die Macher bei EUREKA SEVEN AO viel zu sehr verzettelt.

Neben der reichlich verwirrenden Hintergrundgeschichte um die Scub Corals, die Secrets, parallele Welten und die jeweiligen Erd-Militärs (die man jeweils kaum hinsichtlich eines gut, böse, richtig oder falsch bewerten kann) sind es vor allem die Charaktere, die viel zu viele Fragezeichen hinterlassen, als dass sie dem Fluss und Gehalt der Serie einen Dienst erweisen. Angefangen bei Ao, der noch recht Genre-typisch als Junge mit einer ihm viel zu großen Aufgabe konfrontiert wird, zieht es sich vor allem bei seinen zahlreichen Kollegen (die mal mehr, mal weniger im Rampenlicht stehen) und insbesondere bei Truth (einem sehr eigensinnigem Charakter) ordentlich in die Länge. Und ins kaum nachvollziehbare: wer hier mit wem in einer Beziehung steht und warum, wird niemals gänzlich klar. Es wirkt geradezu so, als wolle man gerade dies verhindern – indem man immer wieder verwirrende Nebengeschichten einstreut, die eher kryptisch als nachvollziehbar inszeniert werden. Dieses kryptisch ist jedoch nicht als positiv einzustufen – bei EUREKA SEVEN AO scheint es oft so, als würde hinter dieser oder jenen Geschichte eben nicht mehr stecken als zuerst vermutet. So verschleiert man die inhaltliche Konfusion mit noch mehr Konfusion – ein Konzept, welches verständlicherweise nicht aufgeht. Auch die eigens vorab veröffentlichte OVA sorgt eher für zusätzliches Unverständnis, als dass sie den Weg von der alten zur neuen Serie sinnig ebnet und vorbereitet.

Wirkliche Antworten – auf längst nicht alle Fragen – gibt es dann erst in den allerletzten Folgen. Und, es sei vorsichtshalber vorab angesagt: Achtung, Spoiler ! So wird das Prinzip des multidimensionalen Universums auf die Spitze getrieben, in dem die Charaktere scheinbar zufällig von der einen in die andere Ebene reisen, offenbar ohne selbst zu wissen, was sie da eigentlich tun. Nicht nur, das plötzlich Renton Thurston auftaucht, Eurekas Ehemann und Ao’s Vater – die seltsame Waffe stellt sich mehr und mehr als Wegweiser, oder zumindest Öffner der zahlreichen Portale heraus. Was dann im großen Finale passiert, ist nicht ganz leicht zu verfolgen – hier werden plötzlich Lösungen angeboten, die derart rasch erwähnt und abgearbeitet werden, dass man als Zuschauer geneigt ist noch einmal zurückzuspulen. Bleibt eine gewagte Interpretation des EUREKA SEVEN AO-Universums, welche sich zumindest anbietet: es existieren unendliche viele Universen mit noch einmal unendlich vielen Zeitebenen – welche normalen Menschen natürlich verschlossen bleiben. AO reist in die Vergangenheit, um zu verhindern dass seine Mutter mitsamt den Energiekernen ins Nichts verschwindet, und schickt seine Eltern daraufhin in das zu ihnen gehörende Universum – allerdings auch in die Vergangenheit, wie es scheint. Demnach wäre Ao in jenem Universum noch nicht geboren, was eine weitere unglaubliche Schlussfolgerung zuließe: alles, was sich in EUREKA SEVEN AO ereignet, könnte dem Serien-Sinn nach noch einmal passieren. In einem Paralleluniversum und einer anderen Zeitebene, versteht sich. Später sieht man, dass Ao noch immer in der Form existiert, wie man sie aus der Serie kennt – er reist durch die Universen und Zeitebenen auf der Suche nach… das wird dem Zuschauer nicht mehr offenbart. Doch fühlt er sich erlöst: er hat alles getan was er konnte, um zumindest jene Welten und Personen zu retten, die er persönlich kennengelernt hat. Was dabei noch in den Weiten des etwas eigentümlichen AO-Universums schlummern mag, kann man nur vermuten. Die Möglichkeiten wären – diesem Modell nach – allerdings schier unendlich. Spoiler Ende.

Charaktere

EUREKA SEVEN AO bietet eine auf den ersten Blick recht vielfältige Charakter-Riege feil. Alle Altersklassen sind vertreten, wie auch beide Geschlechter und sogar grundsätzlich verschiedene Rassen (Menschen, Coralians, Secrets, Truth als neue Spezies). Bei näherer Betrachtung allerdings offenbart sich schnell, dass nicht alle in gleichem Maße beleuchtet, und vor allem in ihrem Handeln nachvollziehbar dargestellt werden. So bleibt es beinahe allein an Ao, für entsprechende Sympathien und ein aufkommendes Interesse an weiteren Entwicklungen zu sorgen. Und das gelingt auch recht gut, wenngleich seine Charakter-Eigenschaften auf das offenbar nötigste beschränkt wurden. Seine Stellung als Aussenseiter in der Gesellschaft, die Suche nach seiner Herkunft und seinen Eltern, das Zurechtfinden in einem ihm quasi zugespielten Kampfroboter, seine Beziehungen zu den Teamkollegen und die Durchsetzung seiner ganz eigenen, im Serienverlauf geformten Ideale und Ziele bilden die klaren Stärken von EUREKA SEVEN AO. Doch leider tröstet dies nicht gänzlich über die vielen anderen, größtenteils wenig genutzten Charaktere hinweg. Sie tauchen zwar ab und an auf – doch wirkt ihre Präsenz nicht selten erzwungen, und eher von Situationskomik als von Inhalten geprägt. Besonders ärgerlich ist das im Falle der drei anfänglichen Raufbolde, die sich mit Ao und später auch Generation Blue zusammentun – als wenig behandeltes, auf uninteressant getrimmtes Spezial-Team gehen sie im weiteren Verlauf absolut unter. Mit dem Präsident von Generation Blue macht man es nicht viel besser. Weder kann man sein Handeln wirklich nachvollziehen, noch bietet man weitere Unterhaltungswerte in Form von zu lüftenden Geheimnissen oder Mysterien an. Am gravierendsten bleibt natürlich das Charakterporträt von Truth, auch wenn man im weiteren Verlauf ein ungefähres Bild seiner Herkunft und Ambition erhält. Doch sind seine Auftritte bei Weitem zu sporadisch, als dass man wirklich annehmen könnt er wäre für die Story wirklich von Bedeutung. Was genau er zwischen den einzelnen Episoden macht, in denen er einige merkwürdige Kurzauftritte hat (denn das sind längst nicht alle), bleibt schleierhaft. Gegen Ende dann herrscht für einen kurzen Augenblick endlich Klarheit vor – nur, damit er quasi im nächsten Moment vollständig von der Bildfläche verschwinden kann. Hier wäre viel, viel mehr drin gewesen.

Optische Aspekte

Zweifelsohne hat EUREKA SEVEN seine größten Stärken nicht im erzählerischen, sondern im handwerklichen Bereich. Tatsächlich sieht die Serie im Gesamten verdammt gut und atmosphärisch aus. Eine hohe Zeichen- und Animationsqualität, eine nette und markante Farbgestaltung, die Vermengung von natürlichen und technologischen Elementen, rasante Kämpfe, toll aussehende übernatürliche Effekte und zum Träumen einladende Hintergründe – hier kann man EUREKA SEVEN AO wahrlich nichts vorwerfen. Ein allgemeiner Detailreichtum rundet das Ganze hervorragend ab – lediglich die etwas zu hektischen und bunten Flugszenen hätte es nicht unbedingt gebraucht. Denn einen leichten Kitsch-Alarm gibt es ja bereits bei den übernatürlichen Elementen (grünes Leuchten, seltsame Erscheinungen im Himmel, bunte Lichtsäulen et cetera). Dennoch wirkt die Serie für ein 2012’er Release absolut angebracht, wenn nicht gar ein klein wenig seiner Zeit voraus.

Akustische Aspekte

Auch hinsichtlich der akustischen Elemente gibt es nichts zu bemängeln.Ganz im Gegenteil: nicht nur, dass die Sprecher allesamt wunderbar engagiert und natürlich auftreten (ohne dabei an den Nerven zu zerren), der Soundtrack kristallisiert sich alsbald als waschechtes Highlight heraus. Selten hört man (zumindest in einem TV-Release) derart gut aufeinander abgestimmte, abwechslungsreiche, vielschichtige und erhabene Klänge. Mal geht es leicht melancholisch und gefühlvoll zu, mal wunderbar bombastisch – die Klänge wirken dabei stets harmonisch, satt präsentiert und die allgemeine Kulisse (im Zusammenspiel mit der Optik) sinnig unterstützend. In Bezug auf eine deutsche Synchronisation kann zu diesem Zeitpunkt noch nichts gesagt werden.

Fazit: Es hätte so schön werden können – es hätte. EUREKA SEVEN AO bietet grundsätzlich alle Voraussetzungen, um das Dasein als würdiger Nachfolger von EUREKA SEVEN anzutreten. Doch leider verkalkulierten sich die Macher hinsichtlich der Umsetzung des (offenbar allzu) fantastischen Stoffes. Es geht schlicht drunter und drüber, ohne dass jemals eine klare Erzählstruktur erkennbar wäre; der Fokus wandert willkürlich von Person zu Person und von Ort zu Ort. Wobei diese Orte nicht immer in ein und demselben Universum, und schon gar nicht in der selben Zeitebene liegen müssen, versteht sich. Sicher sind Animes mit Themen wie diesen (Paralleluniversen, Zeitreisen, alternative Ichs) keine Seltenheit, und geben immer wieder Anlass zu (gewollten) Spekulationen – doch bei EUREKA SEVEN AO will diese Faszination einfach nicht so recht überschwappen. Zu undurchsichtig ist die Story, zu uninteressant die Charaktere, zu willkürlich der Ablauf – während alle anderen Elemente (Kind als potentieller Retter der Welt, Beziehungskisten, politische Machtkämpfe) nur wie lauwarm aufgewärmtes, schon 100 Mal gesehenes Anime-Futter wirken. Das ist bei einem verdammt gut abschneidenden technischen Part natürlich mehr als nur schade – aber leider ein beinahe unumstößlicher Fakt. Dann doch lieber die Originalserie, die zwar ebenfalls nicht perfekt (nachzulesen hier) ausfiel – aber doch weitaus stimmiger, verständlicher und schlicht epischer. AO ist zwar immer noch besser als der miese, 2009’er EUREKA SEVEN-Film (Review), aber eben doch nicht das erwartete Serien-Highlight 2012.


55button

„Leider kein Vergleich mit dem Original.“

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