Metal-CD-Review: DALRIADA – Napisten Hava (2012)

Album: Napisten Hava| Band: Dalriada (weitere Band-Inhalte)

Land: Ungarn – Stil: Epic Folk Metal /  – Label: Nail

Alben-Lineup:

Laura Binder – Gesang, Flöte, Geige
András Ficzek – Gitarre, Gesang
Mátyás Németh-Szabó – Gitarre
István Molnár – Bass
Tadeusz Rieckmann – Schlagzeug, Gesang
Barnabás Ungár – Keyboard

01 Intro (Felcsíki Lassú Ssárdás) 01.10
02 A Dudás
05.34
03 Tündérkert 05.42
04 Napom, Fényes Napom 05.04
05 Napisten Hava 06.45
06 Julianus Útja 05.39
07 Puszta Föld 05.45
08 Hunyadi És Kapisztrán Nándorfehérvári Diadaláról (Saltarello) 05.32
09 Hírhozó 06.37
10 Borivók Éneke 04.33
11 A Juhászlegény Balladája 05.55
12 Outro (Gyimesi) 01.07

Welch mannigfaltiger musikalischer Ausflug.

Vorwort: DALRIADA ist nicht nur der Name eines ehemaligen Königreiches keltischer Skoten, welches sich von 300-800 über den Norden Irlands und Teilen Schottlands erstreckte – sondern auch einer hochkarätigen Metal-Band aus Ungarn. DALRIADA, ehemals unter dem Namen ECHOES OF DALRIADA bekannt, sind bereits seit 1998 aktiv und damit alles andere als Neulinge im Geschäft. Nach nunmehr einer Demo und zwei Alben unter dem alten Bandnamen, und gleich 4 Alben unter dem abgekürzten neuen – folgt im Jahr 2012 das fünfte, betitelt NAPISTEN HAVA (VÖ: 28. September 2012). 12 Titel sind auf dem guten Stück enthalten, welches sich bereits durch das schick-mysteriöse Cover-Artwork in ein interessantes Licht rückt. Das besondere: DALRIADA setzen seit jeher auf Tradition sowie den Versuch, den Heavy / Folk Metal sinnig mit alten Volksliedern und ungarischen Erzählungen zu verbinden. Die Texte werden dabei ohne Ausnahmen in der Landessprache der Mitglieder eingesungen – wer vor Sprachbarrieren allgemein zurückschreckt, könnte es also schwer haben. Dass potentielle  Sprachbarrieren aber nicht immer den Genuß eines musikalischen Werkes negativ beeinflussen müssen, könnte sich – im besten Fall – aber noch herausstellen.

Kritik: DALRIADA sind eine der bekanntesten und erfolgreichsten Metal-Combos Ungarns – eine Tatsache, der hierzulande sicher nicht jeder bewusst sein wird; die sich im Zusammenspiel mit dem Faktor der Erfahrung aber zweifelsohne in der Musik wiederspiegelt. So kann man als Hörer getrost auf eine Analyse von möglichen Schwachpunkten hinsichtlich des Instrumentenspiels, des Timings oder der allgemeinen Soundqualität verzichten – NAPISTEN HAVA serviert ab der ersten Sekunde perfekt inszenierte, perfekt abgemischte Klänge ohne einen jeglichen Makel. Bereits das Intro stimmt den Hörer sinnig auf das zu erwartende Material ein: klassisch-volkstümlich anmutende Geigenklänge und eine Art Trommel lassen den Gedanken an ein heiteres Volksfest aufkommen. Dass es aber nicht bei dieser folkig angehauchten Heiterkeit allein bleiben soll, das zeigt der Opener A DUDÁS auf. Zur lockeren Verspielt -und Beschwingtheit der Geigen kommen nun auch die Metal-Elemente, der weibliche Leadgesang und allerlei unterstützende Elemente hinzu – erstmals wird die gesamte Bandbreite der Band offenbar. Und die ist erst einmal verdammt beeindruckend, und gar nicht so leicht zu verdauen (im positiven Sinne). Sie beschäftigt – und fasziniert. Gerade im Zusammenspiel mit dem Video zur Single, welches die Sprachbarrieren noch zusätzlich erweichen kann, entsteht so ein Gesamteindruck wie er zwiespältiger nicht hätte ausfallen können. Und tatsächlich handelt es sich dabei auch um eines der Markenzeichen der Ungarn. 

Sie vermögen es mit ihrem ureigenen Sound, der irgendwo zwischen Tradition, Moderne und vielleicht auch Zukunft anzusiedeln ist; eine Art Band zu knüpfen. Ein Band, welches viele Elemente – eben auch gegensätzliche – miteinander verbindet; und dabei reichlich Erzählstoff gedeiehen lässt. Mal überraschend heiter, geradezu zum Tanzen animierend; mal düster oder dämonisch – der Musik von DALRIADA wohnt zweifelsohne eine Seele inne, die ein jeder für sich zu entdecken hat. Gelegenheit dazu bietet sicher auch das folgende TÜNDÉRKERT. Hier handelt es sich um einen Titel, der abermals eine Symbiose aus folkigen Klängen und hartem Metal-Einsatz entstehen lässt. Ein zum Mitsingen animierender Refrain, die halb föhlichen, halb melancholischen Geigen und der wunderbare Gesang von Leadsängerin Laura Binder lassen reichlich Atmosphäre entstehen – doch das Ganze wäre kein epischer Folk Metal, würden nicht ebensolche Elemente ebenfalls explizit zelebriert werden. So dröhnt ein satter Doublebass ebenso durch die Membranen wie perfekt gespielte Gitarren oder der kraftvoller Bass – im Zusammenspiel mit den volkstümlichen Elementen entsteht ein äusserst farbenfrohes, reiches Gesamt-Klangbild. Gleich darauf geht es schon wieder reichlich verspielt zu – NAPOM, FÉNYES NAPOM serviert eine weitere Breitseite aus musikalischer Vielfalt. Das markante Geigenspiel, gepaart mit dem rhythmischen Schlagzeug und eine Art Duett der Leadsängerin mit einem männlichen Growl-Partner lassen keine Zweifel zu: das ist Folk Metal auf einem verdammt hohen Niveau. Sehr schön ist in diesem Fall, dass sich DALRIADA immer wieder Zeit für kurze Instrumental-Passagen nehmen – die sorgen für zusätzliche Abwechslung und Erfrischung.

Der Titeltrack NAPISTEN HAVA ist mit einer Spielzeit von knapp 7 Minuten der längste des Albums – hier wird nun weniger auf allerlei mitreissende Elemente, als vielmehr auf ein andächtiges Storytelling gesetzt. Genau so wirkt der Titel auch, es geht leicht schwermütig, emotional und bedacht zur Sache. Für Auflockerung sorgen der Refrain, wie auch die Instrumentalpassagen; die mal aus der Vergangenheit (klassische Instrumente), mal aus der Zukunft (Keyboard) zu stammen scheinen. Genau dieser Titel ist es auch, der einen etwas ruhigeren Teil des Albums einstimmt. Denn auch JULIANUS ÚTJA setzt wieder auf eine volkstümliche Melodie, und stellt sich dabei als ebenfalls eher gefühlsbetonte, grundsolide Nummer heraus. PUSZTA FÖLD hingegen spielt mit verschiedenen Stimmungen und Tempi, wobei sich auch hier schnell ein eindringlich-folkiger Eindruck einstellt. Markant ist in diesem Fall der männliche Gesangspart im Klargesang – der in diesem Fall den Auftritt von Leadsängerin Laura komplett ersetzt und so abermals für (qualitative) Abwechslung sorgt. Im Refrain folgt dann doch noch ein Gesangsduett zwischen den beiden, garniert durch spätere Instrumental-Einlagen entsteht erneut ein reichhaltiges Gesamtbild. Mit HUNYADI ÉS KAPISZTRÁN NÁNDORFEHÉRVÁRI DIADALÁRÓL (SALTARELLO) folgt ein Titel, der gewiss nicht so leicht niederzuschreiben ist – doch handelt es sich um einen der grundsätzlih einfacher gestrickten Nummern, hier zusätzlich mit leicht balladesken Einschlag.

Gelangt man langsam aber sicher zum Ende des Albums, bietet eine Nummer wie HÍRHOZÓ leider nicht mehr allzu viel neues. Erst das aberwitzige BORIVÓK ÈNEKE kann nun überraschwnder- und notwendigerweise wieder für Schunkellaune sorgen. Andererseits erinnert es etwas an NAPOM, FÉNYES NAPOM – nur, dass es eine nicht mehr ganz so gelungene Melodie besitzt. Mit A JUHÁSZLEGÉNY BALLADÁJA findet sich das letzte vollwertige Stück des Albums – eine Nummer, die ähnlich gehalten ist wie PUSZTA FÖLD. Erneut erklingt der männliche Gesangspart im Klargesang. Das Outro GYIMESI orientiert sich dagegen am Intro, und shließt das Album absolut rund; wenn auch etwas unspektakulär ab.

Fazit: NAPISTEN HAVA ist ein Genuss für Fans und Freunde eines guten, ‚handgemachten‘ (und dabei immer ehrlich wirkenden) Folk Metals, der den Hörer auf eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit, respektive ein fantastisches Land voller Mysterien schickt. Die klassisch-traditionellen Elemente sind allgegenwärtig, und verleihen dem Album einen enorm tiefgreifenden, volkstümlichen Touch – während die Anleihen des Heavy Metals für den nötigen Zunder sorgen – auch wenn man diesbezüglich ruhig noch etwas mehr hätte auftischen können. Diese Symbiose aus Harmonie und Härte ist beinahe einmalig, und weiss nicht nur in atmosphärischen, sondern eben auch in qualitativen Belangen zu überzeugen. Und das ist zweifelsohne eine Leistung, die nicht jede Band imstande ist zu erbringen. Lediglich im späteren Verlauf kann sich ein mitunter etwas gleichförmiger Eindruck einschleichen – die Nummern im Mittel -und Endteil bieten absolut grundsolide Folk Metal-Kost, aber eben auch kein wirkliches Highlight. Bleibt der fulminante Start mit einer handvoll zeitloser, lange nachhallender Top-Titel – und eine Empfehlung für alle Fans des Genres, aber auch Neueinsteiger.

Anspieltipps: A DUDÁS, TÜNDÉRKERT, NAPOM FÉNYES NAPOM, JULIANUS ÙTJA


Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.