Filmkritik: „Real Steel“ (2011)

Originaltitel: Real Steel
Regie: Shawn Levy
Mit: Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly u.a.
Land: Indien, USA
Laufzeit: 127 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action / Science Fiction
Tags: Real Steel | Mechas | Roboter | Vater Und Sohn | Familie | Boxen | Arena

Zeit für einen etwas anderen Boxkampf.

Inhalt: In der nahen Zukunft – Charlie Kenton (Hugh Jackman) ist ein ehemaliger Profi-Boxer, der seinem alten Metier den Rücken gekehrt hat und sich mehr oder weniger erfolgreich mit Roboter-Kämpfen über Wasser hält. Das Problem: unabhängig von seiner tatsächlichen Leistung ist er sehr von sich und seinem Können überzeugt – so sehr, dass er ohne großartig darüber nachzudenken jeden nach einem Privatkredit fragt, wenn er mal wieder knapp bei Kasse ist. Schließlich müssen die kostspieligen Reparaturen bezahlt werden – und so manches Mal geht gleich ein kompletter Roboter flöten. Während sich Charlie nach einer weiteren Niederlage wieder einmal tief in die Schuldenfalle geritten hat, erfährt er vom plötzlichen Tod seiner Frau – und davon, dass er das Sorgerecht für sein Sohn Max (Dakota Goyo) übernehmen soll. Charlie ist davon alles andere als begeistert, und schließt einen Deal mit dem Mann seiner Schwägerin – für 100.000 Dollar würde er auf das Sorgerecht verzichten und Max in seiner Meinung nach nicht unbedingt guten, aber zumindest wohlhabenden Händen wissen. Zuvor soll er allerdings noch etwas Zeit mit seinem Sohn verbringen – Max folgt seinem Vater, den er nie kennenlernen konnte, fortan auf Schritt und Tritt. Eines Tages entdeckt Max einen ausrangierten Roboter, der scheinbar gerade richtig kommt – schließlich hat Charlie schon wieder einen Roboter auf dem Gewissen. Die beiden schaffen es mit Ach und Krach, sich miteinander zu arrangieren – und mit den ersten Kampferfolgen des vermeintlich nutzlosen Schrott-Roboters beginnt auch die Vater-Sohn-Beziehung endlich zu gedeihen.

Kritik: REAL STEEL – das ist ein Film, der vorab nur schwerlich einzuschätzen ist; zumindest wenn man sich vollkommen unvoreingenommen an das Werk heranwagt. Schließlich folgt die erste Überraschung bereits in der markanten Story-Prämisse: angesiedelt in einer nahen Zukunft giert das Volk noch immer nach beinharten sportlichen Auseinandersetzungen in bester Box-Manier – nur, dass die Menschen längst von kampferprobten Robotern ersetzt wurden. Dementsprechend fliesst statt Blut nur noch Motoröl – und die Zuschauer erfreuen sich am metallischen Spektakel; dass mal mehr, mal weniger offiziell zelebriert wird. Der Hauptcharakter in diesem Setting ist Charlie Kenton, ein kauziger Rohling, der seine Boxkarriere hat er längst an den Nagel gehängt hat. Stattdessen lässt er dem Zeitgeist entsprechend ebenfalls Roboter für sich kämpfen – und gerät dabei immer wieder in finanzielle Konflikte. Aber nicht nur das – denn plötzlich kommen auch existenzielle hinzu. Sein Sohn, den er nie kennengelernt hat, nie kennenlernen wollte; erscheint aus dem Nichts – und weicht als ebenfalls stark Roboter-begeistertes Kind fortan nicht mehr von seiner Seite.

Das klingt nach reichlich Spannung und vor allem ungewöhnlichen Inhalten ? Es klingt so, ja – doch leider stellt sich recht schnell heraus; dass REAL STEEL doch weitaus bodenständiger ist, als man es sich vielleicht erhofft hatte. Es beginnt mit der Science Fiction-Prämisse, die eigentlich gar keine ist – die Handlung in der nahen Zukunft anzusiedeln dient lediglich dem Zweck, den Status der Roboterkämpfe (sowie die damit einhergehenden Technologien) zu rechtfertigen, respektive in ein halbwegs glaubwürdiges Licht zu rücken. Hinzu kommt eine zuerst recht schroff erzählte Vater-Sohn-Geschichte, die sich im weiteren Verlauf immer weiter von Aspekten des Dramas entfernt – und sich zu einer typischen Abarbeitung von immer neuen Herausforderungen mausert, die letztendlich in einem Wachsen der Charaktere und einem positiven Ausgang münden. Lediglich die Einbringung der markanten Action-Elemente, die sich vor allem in den packend choreographierten Roboter-Kämpfen manifestieren, bringt so relativ frischen Wind ins Genre. So sind die Kämpfe nicht nur äusserst abwechslungsreich, stilsicher und spannend inszeniert – das langsame Vorarbeiten zu immer stärkeren Wiedersachern, die Verarbeitung von Höhen und Tiefen und glücklicherweise auch der allgemeine technische Eindruck machen REAL STEEL zu einem Fest für das Kämpferherz. Und die Augen.

Denn im Gegensatz zu Werken wie TRANSFORMERS kann man in REAL STEEL stets ganz genau mitverfolgen, was da auf der Leinwand geschieht. Von allzu aufdringlichem Bombast wurde ebenso abgesehen wie auf zu schnelle Schnittfolgen. Während die Choreografien atemberaubend sind, und neben den Kämpfen selbst auch die Umgebungen und die jeweiligen Zuschauer der Spektakel sinnig mit einbezogen werden, kann der Soundtrack im Gegensatz zu den optischen Aspekten schon eher für Unbehagen sorgen. Überraschenderweise zeichent sich Altmeister Danny Elfman für die Komposition verantwortlich – in den emotionaleren Momenten, versteht sich. Während der großen Kämpfe und Actionszenen dominieren jedoch neumodische Rapklänge das akustische Gesamtbild – und das einstweilen etwas laut und aufdringlich. Sehr interessant ist auch das Zusammenspiel von Hugh Jackman und Filmsohn Dakota Goyo – hier haben sich zwei hochkarätige Schauspieler für das Projekt gefunden, die ihre Rollen größtenteils glaubhaft, emotional und lebensnah verkörpern. Im Zusammenspiel mit dem jungen Talent Dakota Goyo, der Roboter-Prämisse und einigen guten Ideen ergeben sich auch die mitunter gelungensten Szenen des Films; etwa als Sohn Max trotz aller Widrigkeiten für seinen Roboter einsteht oder gar eine Art Tanz-Choreografie entwickelt.

Doch das eigentliche Problem von REAL STEEL ist ein anderes. Es bezieht sich auf nicht viel weniger als den Dreh- und Angelpunkt des Films; abgesehen von den eher oberflächlichen Roboter-Auseinandersetzungen: die Vater-Sohn-Kosntellation und -Beziehung. Hier regiert von den ersten Momenten an eine leicht merkwürdige Stimmung, die sich nicht allein durch die Anti-Sympathien erklären lässt, die sich Hugh Jackman als gescheiterter Vater einheimst. Ganz im Sinne typischer Hollywood-Produktionen wurde hier ein großartiges Drama angepriesen – doch auf der Leinwand und als Ergebnis sieht man davon nichts. Stattdessen bekommt der Zuschauer merkwürdig zurechtgebogene Charakterporträts präsentiert, die sich der jeweiligen Situation anpassen und erst für die Entwicklung der Geschichte sorgen. Sicher, in Anbetracht eines Actioners (hauptsächlich) mit Drama-Anleihen (nebensächlich) sollte man nicht allzu viel erwarten – doch ein klitzekleines Fünkchen mehr Glaubwürdigkeit wäre hier sicher nicht verkehrt gewesen. So bleibt es beispielsweise ein Rätsel, woher Sohn Max seine Gelassenheit und ‚Coolness‘ nimmt – und stets genau weiss, wie er seinem Vater gegenübertreten muss um auf einen positiven Nenner zu kommen. Selbst, wenn er dabei erheblich zurückstecken oder sogar darunter leiden muss. Diese merkwürdige ‚Therapie‘ des Vaters und des Familienverhätnisses (immer ausgehend vom Sohn, nicht vom Vater) steht im Vordergrund – während Dinge wie Nähe, Vertrauen, Liebe oder schlicht Akzeptanz eine absolut untergeordnete Rolle spielen. Das Verhältnis von Vater und Sohn ist entsprechend kalkuliert, unglaubwürdig und kühl – so kühl wie der Stahl der Roboter. Daran können auch die guten Darsteller nur wenig ändern.

Man könnte das Ganze auch zugespitzt betrachten – vor allem im Zusammenhang und über den gesamten Verlauf des Films. So bringt Vater Charlie seinem Sohn immer dann Aufmerksamkeit und ein Fünkchen Akzeptanz entgegen, wenn dieser etwas leistet – etwas, wovon auch Charlie profitiert. Die Frage, die hieraus resultiert, ist schlicht die: wie hätte sich Charlie verhalten, wäre Max kein roboterbegeisterter, erfindungsfreudiger, handwerklich begabter Konsolenspieler; der seinem Vater mehr als nur einmal entgegenkommt ? Hätte Max Charlie ebenfalls begleiten dürfen, würde er über keienrlei entsprechende, vom Vater gern gesehene Fähigkeiten verfügen ? Diese Frage sollte man den Machern dann doch lieber nicht stellen. So kommt eben doch alles zusammen, und entwickelt sich zum guten: der egoistische Vater wird von seinem sich aufopfernden Sohn zurechtgerückt, sodass am Ende selbst die eigentlich geplanten Erziehungsberechtigten in der Kampfarena sitzen und lautstark mitjubeln. Wer’s glaubt… doch das ist die (vermeintliche) ‚Magie‘ Hollywoods.

Fazit: REAL STEEL ist ein zweischneidiges Schwert. Hinsichtlich der reinen Action-Ebene kann er durchaus begeistern, und bietet grundsolide Genrekost mit dem gewissen Etwas. Die Roboter und alle dazugehörigen Ideen sorgen für Spannung und Unterhaltung, unterstützt wird dieser Eindruck durch eine optisch ansprechende Aufmachung und einem je nach Gusto passenden Soundtrack. Auf der Drama-Ebene aber regiert eine schier brutale Simplifizierung der Charakterporträts, die in einer ärgerlichen, da vermeidbaren Unglaubwürdigkeit mündet. Auch die Andeutungen hinsichtlich expliziterer Anleihen aus der Science Fiction verlaufen sich im Sande – es bleibt bei einer kleinen Andeutung, dass im Roboter ‚Atom‘ doch mehr stecken könnte als blosse Verdrahtungen und Schaltkreise. Offenbar möchte man derlei in einem bereits geplanten zweiten Teil aufgreifen, sofern die Roboterkämpfe nicht doch wieder Überhand nehmen – eine fragliche Angelegenheit. So oder so, aus REAL STEEL hätte viel mehr werden können – hätte man etwas weniger auf Massenkompatibilität gesetzt und wirklichen Mut zu neuen Ideen bewiesen. Es bleibt bei einem oberflächlich-packenden Actionfilm mit nicht ganz alltäglichen Elementen – aber keiner zeitlosen Empfehlung.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Real Steel“ (2011)

  1. Ich habe den Film Real Steel bestimmt schon 5 oder 6 mal gesehen und auch bereits Freunde mit dem Film angesteckt.
    So richtig kann ich nicht erklären, wieso mir der Film sogut gefällt.
    Vieles ist vielleicht etwas Massenkompatibel gemacht das gebe ich zu aber es gibt mehrere Dinge an dem Film die mir gefallen.
    Allen voran der Charaktere des Jungen, welcher von Dakota Goyo gespielt wird.
    Diese freche, coole, und vor allem immer ernste Art des Jungen ist echt klasse und erinnert mich irgendwie, wie ich als Kind sein wollte. Auch die Geschichte ich nciht so schlecht, wie sie von vielen beschrieben wird. Es ist nicht leicht, bestimmte Aspekte des Films auszublenden die nicht so gut gelungen sind, was wohl dazu führt, das man vieles was positiv ist, nicht als solches wahrnimmt.

    Die Kämpfe sind toll, die Beziehung zwischen dem Vater und seinem Sohn ist schon teilweise sehr krass, aber hey wo ist denn schon alles perfekt ?!
    Ich mag den Film einfach, warum naja kann ich leider nicht genau erklären, aber muss man das unbedingt ?!

    Bewertung 9.5 von 10.

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