Metal-CD-Review: LORD – Set In Stone (2009)

Album: Set In Stone | Band: Lord (weitere Band-Inhalte)

Land: Australien – Stil: Heavy Power Metal – Label: Riot! Entertainment

Alben-Lineup:

Lord Tim (Gesang, Keyboard, Gitarre)
Tim Yatras (Schlagzeug, Keyboard, Backing-Vocals)
Mark Furtner (Gitarre, Backing Vocals)
Andy Dowling (Bass, Backing Vocals)

01 Spectres Of The Ascendant (Instrumental)
00.48
02 Redemption
05.31
03 100 Reasons 04.44
04 Eternal Storm 05.31
05 Set In Stone 05.13
06 Someone Else’s Dream 05.50
07 Forever 07.59
08 Beyond The Light 03.38
09 The End Of Days 08.22
10 Be My Guest (Instrumental) 07.52
11 New Horizons 06.51

Auf ewig in Stein gemeisselt.

Vorwort: LORD ist die Band des ehemaligen DUNGEON-Frontmanns Lord Tim, der sich nach 16 Jahren neuen musikalischen Horizonten widmen wollte. So gründeten er und sein DUNGEON-Kollege Tim Yatras im Jahre 2003 besagte neue Band – eine, von der die Musikwelt bereits seit 2003 hochkarätiges Material geliefert bekommt. Da zwischen den ersten beiden Studio-Alben aber immerhin 4 Jahre lagen, kam man in der Diskografie auf lediglich 2 vollwertige Studioalben. Mit SET IN STONE liegt nun also endlich das dritte Werk vor – eines, das vielversprechender nicht sein könnte. Ein zünftiges Cover-Artwork, eine Track-Liste die sich gewaschen hat (Gesamtspieldauer: über 1 Stunde) und das mit reichlich Erfahrung ausgestattete Line-Up könnten dafür sorgen, dass SET IN STONE zu einem der besten Metal-Alben des Jahres 2009 avanciert.

Kritik: Legt man den Silberling ein und startet das Intro SPECTRES OF THE ASCENDANT, lautet die Devise erst einmal: in der Ruhe liegt die Kraft. In einer äußerst wackeligen und bedrohlich wirkenden, versteht sich – in gerade einmal 48 Sekunden wird eine recht apokalyptisch anmutende Soundkulisse etabliert, von der man kaum sagen kann in welche Richtung sie steuern würde. Viel Zeit darüber zu sinnieren bleibt jedoch nicht – denn prompt erklingt der Opener REDEMPTION. Und der ist zweifelsohne ein echter Brecher. Schneller, härter, LORD – hier lassen es die Australier gleich richtig scheppern, und servieren dem Hörer überraschend eine volle Instrumental-Breitseite aus satten Drums, Bässen, und spielfreudigen Gitarren. Ein super-solider, stets klar verständlicher und äusserst druckvoller Gesang von Lord Tim rundet den reichlich pompösen Ersteindruck ab – von den kleinen aber feinen Raffinessen (wie dem gelungenen Backing-Gesang) ganz zu schweigen. Ist man jedoch eher Anhänger einer oldschooligen Heavy Metal-Manier, könnte man in den Zugzwang geraten das Tempo und den stark drückenden Gesamtwirkung in Frage zu stellen – doch es gilt, abzuwarten. Nun ist die Aufmerksamkeit definitiv da, der Verstand wach – und das Interesse an den restlichen Songs geweckt.

Und tatsächlich: bereits die Folgenummer 100 REASONS ist ein deutlich bodenständigerer, nicht ganz so Power Metal-lastiger Titel. Im soliden Midtempo und mit einer Prise True Metal werden hier sowohl enorm eingängige Strophen, wie auch ein klassischer Mitsing-Refrain zelebriert – mit den jeweils richtigen Dosen aus Gefühl und Härte. Was für ein Kontrast – erst ein derart extremer Opener, der die Gassen leerzufegen vermag – und nun eine leicht melancholische gute-Laune-Nummer mit stark melodischem Touch. Qualitativ nehmen sich beide Titel nichts, gerade der Drumming-Part erweist sich als deutliches Alleinstellungsmerkmal – wobei man sagen muss, dass sich LORD aber deutlich besser anhören, wenn sie das Tempo etwas drosseln. Noch. Denn mit ETERNAL STORM folgt – wie sollte es anhand der Titelvergabe anders sein – die nächste Uptempo-Nummer. Doch etwas ist anders, und auch deutlich angenehmer als im Opener: Leadsinger Tim stellt sich als enorm vielseitig heraus, und auch die Instrumental-Bandbreite scheint sich langsam aber sicher zu weiten. Etwas gemäßigtere, düster anmutende Strophen wechseln sich mit einem druckvollen Refrain ab, garniert wird das Ganze von einer großen Portion Atmosphäre. Und von allerlei Soli-Einschüben: das, was hier an der Gitarre geleistet wird, kann problemlos als Pionierarbeit bezeichnet werden. Ganz großes Kino.

Der Schalter ward erneut umgelegt – mit dem Titeltrack SET IN STONE findet man sich alsbald erneut in einer stark melodischen, gute Laune-fördernden Musikwelt wieder. Die Gitarren sorgen für den nötigen Schliff und eine angenehme Härte, der beinahe festlich anmutende Gesang für einen entsprechenden Gegenpart. Zweifelsohne – ein starker Titeltrack, der keine Wünsche offen lässt. Und schon gar keine nach Abwechslung, denn die wird dem Hörer auf SET IN STONE massig geboten. Das ist auch das Stichwort für SOMEONE ELSE’S DREAM – einer antreibenden Nummer mit überraschend harschem Gesang in den Strophen, und den wieder gut in Szene gesetzten festlichen Männerchören (die fast von FREEDOM CALL hätten stammen können) im Refrain. Immer mit von der Partie ist der druckvolle Sound und die mitreissenden, ehrlich wirkenden Elemente des Heavy-, True- und stellenweise auch Power Metals. So wirken auch Titel wie das leicht balladesk angehauchte FOREVER stimmig, und fügen sich perfekt in das abwechslungsreiche Gesamtbild des Albums ein. Inmitten des Tracks dann gibt es noch einmal einen überraschenden, aggressiven Wandel – woraufhin es erneut ruhiger wird. Wie in BEYOND THE LIGHT – einem regelrecht beruhigenden Stück, welches beinahe zu eintönig geraten wäre – wären da nicht die flotten Riffs und der schier glorreiche Refrain im besten 80’er Jahre-Stil.

Mit THE END OF DAYS folgt sogleich der mit knapp 8-einhalb Minuten längste Titel des Albums. Hier müsste sich doch langsam aber sicher Langeweile, oder zumindest ein Hauch von Ideenlosigkeit einschleichen ? Weit gefehlt, man wird weiterhin perfekt unterhalten. Verschiedene Eindrücke (Rauhheit gegen Harmonie), Anleihen und Ideen verschmelzen zu einem großen Ganzen, und lassen das in eine Art Theater-Atmosphäre eingehüllte Stück (Zuschauer-Beifall zu Beginn und zum Ende) zu einem regelrechten Epos werden; angetrieben von der perfekten LORD-Instrumentalmaschinerie aus Bass, Schlagzeug und Gitarre. BE MY GUEST ist ein reines Instrumentalstück, welches den Hörer auf eine letzte Reise nimmt, bevor das Album den Ausklang in der Ballade NEW HORIZONS findet. Und noch einmal: wie passt ein Titel wie dieser zum brachialen Opener ? Man weiss es nicht, doch irgendwie geht das Gesamtkonzept auf; der Kreis schließt sich überraschend sinnig.

Fazit: SET IN STONE ist nicht nur verdammt gut produziert, inhaltlich anspruchsvoll und perfekt eingesungen – das Album offeriert eine unvergleichliche, unvergeßliche Vielfalt und Abwechslung bei einem stets hochzuhaltendem Qualitätsniveau. Und das trotz oder gerade wegen des Genres – wer hier stets die ewig gleichen eintönigen Mitsing-Refrains, belanglose Soli oder ein generell festgefahrenes Konzept erwartet, wird positiv überrascht werden. Mehr als das: LORD geizen nicht mit ihrem Können und ihren Ideen – sodass SET IN STONE zu einer wahrhaftigen musikalischen Odyssee avanciert. Markante Tempo- und Stimmungswechsel, eine spannende Atmosphäre, ein mannigfaltiger Leadgesang, wunderbar dezente Chöre und der volle Einsatz an den Instrumenten garantieren das perfekte Hörvergnügen. Wer dieses Album nicht besitzt, oder nunmehr plant zu besitzen; ist selber Schuld.

Anspieltipps: REDEMPTION, 100 REASONS, ETERNAL STORM, SET IN STONE, THE END OF DAYS


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