Metal-CD-Review: AETHRA – Time And Eternity (2011)

Album: Time And Eternity | Band: Aethra (weitere Band-Inhalte)

Land: Mexiko – Stil: Symphonic / Power Metal / Melodic Metal – Label: Gravis Records

Alben-Lineup:

Walo (Gesang)
René Almaguer (Keyboards)
Tex (Gitarre)

01 Time And Eternity (Intro – Instrumental) 02.37
02 Angels
07.21
03 Live For Tomorrow 04.15
04 Never Too Late 05.07
05 Where The Stars Are Born 02.36
06 Heroes We Are 04.25
07 The Magic Book 07.26
08 All The Way Down 04.28

Es gibt Bands und Alben, die gibt’s gar nicht.

Vorwort: Denn wie sollte man es anders sagen, wenn es um eine Band wie AETHRA aus Mexiko geht ? Obwohl sie bereits im Jahre 1994 gegründet wurde, dürften nur die wenigsten bisher von ihr gehört haben. Mitverantwortlich dafür ist sicherlich auch die recht übersichtliche Diskografie: gerade einmal 2 Demos und ein Album – richtig, TIME AND ETERNITY – haben es bisher in die Liste der Veröffentlichungen geschafft. Doch auch jenes 2011’er Release ging an den meisten wohl vorbei, und reiht sich so in die Reihe der (zumindest international) kaum wahrgenommenen Debütalben ein. Dabei gibt es einige Gründe, warum man eine Band wie AETHRA nicht missen sollte…

Kritik: Einer davon horcht zweifelsohne auf den Namen Erfahrung. Man kann davon ausgehen, dass eine Band wie diese weiss, was sie da tut – selbst wenn es lange Jahre still war um AETHRA. Das lässt bereits beim wirklich sagenhaften Intro und Titeltrack TIME AND ETERNITY feststellen. Hier handelt es sich um eines der wenigen, durch symphonische Komponente auf Filmmusik getrimmten Intros einer Power Metal-Band, dass zu 100 Prozent stilecht und vor allem stilsicher klingt. Keine Spur von Kitsch, unnötigem Bombast oder gar künstlich wirkenden Klängen – das Intro trifft voll und ganz ins Herz, und weckt nach den ersten besinnlich-emotionalen Momenten die Lust auf ein großes (musikalisches) Abenteuer. Dies findet sogleich mit und im Opener ANGELS statt; einer Nummer, die im Gegensatz zu anderen Releases dieser Machart nicht gleich aus dem Vollen schöpft und mit massig Tempo und Bombast auffährt – sondern stattdessen erneut auf Gefühl und eine gelungene Gesamtkomposition setzt. Markant ist der Keyboardeinsatz, der sich perfekt in die melodiösen Strukturen einpflegt. Hinzu kommen eine gelungene, ruhig-gediegene Arbeit an den Gitarren, und der überraschend gute Auftritt von Leadsänger Walo – der mal etwas aggressiver, mal etwas sanfter zu Werke geht. Alles in allem handelt es sich um eine richtig gute Melodic Metal-Nummer mit einem sehr hohen Eigenständigkeits-Faktor.

Tatsächlich klingen nur wenige Bands wie AETHRA – sodass es einstweilen etwas schwer fallen kann, mögliche Vergleichsbands zu Rate zu ziehen. Klar ist, dass besonders Freunde eines gepflegten (aber sich stimmig einfügenden) Keyboardeinsatzes aufhorchen sollten – wie auch das folgende LIVE FOR TOMORROW klarmacht. Auch hier gilt: weniger (Tempo) ist manchmal mehr, auch diese Nummer fällt verhältnismäßig ruhig aus. In den Strophen ist nicht viel mehr zu hören als der Gesang und eine oldschoolige Metal-Instrumentierung, im Refrain kommt dann noch einmal eine große Portion Gefühl obendrauf. Doch auch Freunde eines schnellen, groovigen Power Metals sollen nicht zu kurz kommen – NEVER TOO LATE ist die erste temporeichere Nummer. Dazu noch eine mit einer bemerkenswerten Portion Melancholie und Erhabenheit – das Ganze klingt trotz erheblichem Keyboardeinsatz und etwas gezwungen wirkendem Refrain ehrlich. Zumindest ehrlicher und ungekünstelter, als das was viele andere Bands machen. Spätestens hier wird indes noch eine weitere Komponente ins Licht gerückt: der leicht, nun; ‚poppige‘ Einschlag der Musik AETHRA’s. So klingt ein Stück wie dieses recht massenkompatibel, könnte glatt im Radio laufen – wäre da nicht das flotte Grundtempo und die markante Gitarrenarbeit. Gewiss muss man sich hier auch als Metaller nicht fremdschämen.

Das könnte indes schon eher der Fall sein, geht man hinüber zu WHERE THE STARS ARE BORN. Hier wird schon ordentlich auf die Tränen- beziehungsweise Kitschdrüse gedrückt – hier haben wir eine Ballade wie sie im Buche steht. Einen Unterschied gibt es aber doch: die inhaltlichen Bezüge wirken längst nicht so verbraucht und abgedroschen wie anderswo. Lässt man sich darauf ein, kann man hier eine doch recht tiefgreifende, ergreifende Hymne entdecken. Deutlich gut gelaunter und Hymnen-lastiger fällt dann HEROES WE ARE aus. Eine winzige Prise FREEDOM CALL, gepaart mit südlich anmutenden Klängen und einem glücklicherweise schön rau singendem Leadsänger lassen das nächste Highlight entstehen. Mit THE MAGIC BOOK wird es nun erstmals deutlich progressiver. Ein epischer Aufbau erstreckt sich über die knapp 7einhalb Minuten, ruhig-balladeske Passagen wechseln sich mit gelungen Instrumental-Intermezzi ab. Richtig gefühlvoll wird es dann noch einmal zum Abschluss, mit ALL THE WAY DOWN – einer weiteren absolut ehrlichen, stark melodischen Metal-Nummer mit kultig wirkendem Refrain. Wenn man so wollte, könnte man auch von einer Stilausrichtung hinsichtlich des Melodic Rocks sprechen – klar ist, dass AETHRA sich einer gewissen musikalischen Vielfalt bedienen und so für Abwechslung sorgen, ohne dass sie sich dabei jemals verstecken müssten.

Fazit: Das, was AETHRA hier auf ihrem Debütalbum (wertet man die anderen beiden Releases als Demos) abliefern, ist beinahe perfekt. Eine gehörige Portion Melodic Metal, hie und da gewürzt durch Anleihen aus dem Power Metal, dem Balladen-Bereich und sogar der Popmusik ergeben eine insgesamt überraschend runde Mischung, welche die unterschiedlichsten Hörerschichten begeistern könnte. Denn es wird sich weder auf das eine noch das andere verlassen – AETHRA spielen mit den verschiedenen Stilrichtungen, und können so kaum in eine einzelne Schublade gesteckt werden. Ob nun Melodic Metal, Pop oder Rock – AETHRA klingen verdammt erfrischend, eigenständig und vor allem auch versiert. Schade nur, dass das Album vergleichsweise kurz gehalten ist, und nicht wirklich einen inneren Zusammenhang des Liedguts erkennbar werden lässt. So lässt sich das Ganze eher wie eine Art Sampler betrachten – ein Sampler, der der Welt einen abwechslungsreichen Ersteindruck von AETHRA verschaffen kann.

Anspieltipps: TIME AND ETERNITY, ANGELS, NEVER TOO LATE, HEROES WE ARE, THE MAGIC BOOK


Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s