Metal-CD-Review: OLYMPOS MONS – Conquistador (2004)

Album: Conquistador | Band: Olympos Mons (Bandprofil)

Land: Finnland- Stil: Melodic Power Metal – Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Ian E. Highhill (Gesang)
Vili Ollila (Keyboard)
Jari Sundström (Gitarre)
Mikko Sepponen (Schlagzeug)
Krister Lundell (Bass)

01 Seven Seas
04.32
02 Stars
05.01
03 The Last Light Of The Moon 06.32
04 Wanted Man 04.02
05 Black 06.14
06 Through The Ice And Snow 03.35
07 Black Desiree 03.56
08 Cleopatra 05.10
09 The Princess Of Saba 04.59
10 Lady In White 05.39
11 Conquistador 10.32

Eine Band wie ein Fels in der Brandung – oder ein Berg auf dem Mars.

Vorwort: Was hilft alles lamentieren über aktuelle Entwicklungen im Genre des Power Metal – manchmal erscheint es einfach sinniger, mal wieder etwas tiefer in die Alben-Kiste zu greifen um den ein oder anderen Klassiker ans Tageslicht zu befördern. Einer von jenen Klassikern ist zweifelsohne CONQUISTADOR, das 2004’er Debütalbum der Finnischen Power Metaller OLYMPOS MONS – die heutzutage leider getrennte Wege gehen. So bleibt einem nur, voller Wehmut und Nostalgiegefühl in die Vergangenheit zu blicken… und das (glücklicherweise zeitlose) Album zu genießen.

Kritik: Achtung, Melodiegefahr ! OLYMPOS MONS gehörten in jedem Fall zu den stark melodieverliebten Power Metallern, die auch nicht vor einem großzügigen Keyboardeinsatz Halt machten. Der Opener SEVEN SEAS ist hierbei noch einer der harmloseren Titel was das betrifft – hier stehen vor allem die Gitarren im Vordergrund. Und tatsächlich, was Jari Sundström hier abliefert, ist schlicht und ergreifend perfekt. Garniert wird das Ganze von einem aussergewöhnlichen Sänger mit einem enormen Wiedererkennungswert: Ian E. Highhill. Man kann sich nur fragen, wie OLYMPOS MONS es hinbekommen haben, einen Titel wie diesen mit einer derart melodiösen Struktur zu unterlegen – das Teil geht einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Wie man es auch dreht und wendet, hier stimmt einfach alles: spannungsgeladene, langsame Passagen wechseln sich mit einem stampfenden Midtempo-Refrain mit tollem Gesang und extravaganten Instrumental-Passagen ab; die Produktion klingt wunderbar rund und satt. Bleibt ein kleiner Stirnrunzler für jene, denen ein zu typischer und zu klischeehafter Power Metal nicht in die Tüte kommt – was sich mit einem Titel wie dem folgenden STARS aber schnell wieder glätten sollte. Zwar wird auch hier das Keyboard auffällig in Szene gesetzt, doch harmoniert es einfach wunderbar mit der flotten Instrumentation. Man könnte hier von einer etwas weniger epischen und progressiven Version von DRAGONLAND sprechen – OLYMPOS MONS klingen ähnlich, nur eben weitaus verspielter und verträumter; wenn man so will. Ein schmackiger Refrain und eine spätere Soli-Passage lösen Begeisterungsstürme aus – selten vermochte es ein Album, eine derart mitreissende; fast schon konspirative Wirkung zu entfalten.

Man kennt es: manchmal werden stille Rufe nach etwas mehr Komplexität schneller erhört, als gedacht – und so ist THE LAST LIGHT OF THE MOON das erste deutlich ausgefeiltere Stück mit einem stark progressiven Einschlag. Eine willkommene Abwechslung nach dem fulminant gut gelaunten Mitsing-Auftakt – hier klingen OLYMPOS MONS leicht verschwörerisch, mystisch; und dabei nach wie vor über jeden Zweifel erhaben. Beinahe – denn lediglich der Gesang hätte in diesem Fall ruhig etwas tiefer ausfallen können. Zwischendrin gibt es dann noch eine kurze Hörbuch-Passage mit Pferdegalopp und klirrenden Schwertern – ob Klischee oder nicht, es fügt sich alles nahtlos zusammen. WANTED MAN vermag es dann wieder derart geschickt mit Melodien umzugehen, dass es eine Freude ist. Es ist, wie es ist: wenn man es schafft, dass eine Melodie gleichsam kultig wie unverbraucht klingt, hat man schon halb gewonnen. Die andere Hälfte kommt dann ebenfalls auf luftigen Schwingen herbeigeflogen – ein solider Instrumenteneinsatz und ein 100% stimmiger Gesang machen auch diese Nummer zu einem kleinen Highlight. Mit dem folgenden BLACK wird es wiederum erneut progressiver – ein ansprechender Aufbau und dezente Hintergrund-Elemente (wie das auf Orgel getrimmte Keyboard) fusionieren mit dem starken und unverkennbaren Gesang, während im Refrain erstmals eine Art OLYMPOS MONS-Männerchor zu hören ist. Tempo-Wechsel und Soli-Passagen sorgen für ansprechendes Genre-Futter, welches man nur allzu gerne verköstigen wird.

Eine Titelvergabe wie THROUGH THE ICE AND SNOW, dazu einige Cembalo-Klänge ? In der Tat könnte man hier an einen Titel von LUCA TURILLI denken, doch  schnell wird klar, dass es sich noch immer um OLYMPOS MONS handelt, die sich hier im CD-Player munter weiterdrehen. Auch wenn es thematische Parallelen gibt, so ist die Inszenierung des Stücks doch enorm Band-typisch – grandiose Melodien und ein fast schon zu feucht-fröhlicher Eindruck steigern die Laune. Wie auch BLACK DESIREE – ein weiteres dieser nur vermeintlich ‚düsteren‘ Stücke. Das ist Power Metal der Marke extrem eingängig – Stücke wie CLEOPATRA oder dem mysteriös angehauchten PRINCESS OF SABA stehen dem in nichts nach. Richtig festlich wird es dann noch einmal mit LADY IN WHITE – einer weiteren starken Hymne. Interessanterweise klingt die Instrumentalstruktur hier etwas härter und voranpreschender, während der Refrain als beschwichtigendes Ausgleichs-Element fungiert. Das abschließende CONQUISTADOR ist mit 10 Minuten der etwas längere Titeltrack – hier wird einem noch einmal alles geboten. Irgendwie kommt man dabei nicht umher an alte Computerspielklassiker der Amiga-Zeit erinnert zu werden – ein wenig Melancholie und Nostalgie, gepaart mit einer großen Abenteuerlust und einem Wechselspiel aus düsteren (Strophen und Hintergrundgesänge) und erhabenen (Refrain) Momenten beschwören das Gefühl einer zeitlos guten Unterhaltung herauf.

Fazit: Melodien, wohin das Auge blickt beziehungsweise das Hörorgan ausgerichtet ist – so mitreißend, festlich und erhaben klingen nur wenige Power Metal-Alben. Da sei es OLYMPOS MONS doch auch glatt verziehen, dass sie einstweilen schon fast zu fröhlich klingen, und auch vor gängigen Klischees nicht Halt machen. Doch wohlgemerkt – es handelt sich nicht nur um ein Album aus dem Jahre 2004, sondern auch um ein Debütalbum (dem lediglich eine Demo vorgeschoben wurde, 2 Jahre zuvor). Allein aufgrund dieser Tatsache wirkt CONQUISTADOR schon unglaublich beeindruckend, und vielleicht auch überraschend – dann nach Debüt (und damit vielleicht auch Unerfahrenheit) klingt hier gar nichts. Alles bewegt sich auf dem höchsten Niveau – das Instrumentenspiel, die Produktionsqualität, die gesangliche Leistung, die inhaltliche Relevanz (für Genre-Verhältnisse). Der abwechslungsreiche Gesamteindruck und die allgemein äusserst positive, geradezu beflügelnde Wirkung des Albums lassen nur einen Schluss zu: OLYMPOS MONS haben mit CONQUISTADOR Geschichte geschrieben. Ein muss für alle, denen auch mal ein etwas verspielterer Power Metal ins Haus kommen darf. Den Hörer erwartet eine kompositorische Genialität und tiefgreifende Erhabenheit a’la DRAGONLAND – nur in grün, beziehungsweise fröhlich – als hätte man eine Prise FREEDOM CALL hinzugegeben. Das Ergebnis: einmalig.

Anspieltipps: SEVEN SEAS, STARS, WANTED MAN, LADY IN WHITE, CONQUISTADOR


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