Metal-CD-Review: DRAGON GUARDIAN / KNIGHTS OF ROUND – Polyphony (EP, 2012)

EP: Polyphony | Band: Dragon Guardian (weitere Band-Inhalte)

Land: Japan – Stil: Power Metal – Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Arthur Brave (Texte, Komposition, Arrangements, Gitarre)
Leo Figaro (Gesang)
Teru (Gitarre)
Kouta (Gitarre)

01 Harmony Of Death (Instrumental) 02.13
02 Fate
04.31
03 Without You 03.58
04 Berserker 06.02
05 Trailblazer 04.08
06 The Nightmares 03.38
07 Yakusoko No Sono 04.34

Keine Ruhe im Lager der Drachenwächter.

Vorwort: Und schon wieder haben sie zugeschlagen – DRAGON GUARDIAN aus Japan. Die international recht unbekannte Symphonic Power Metal-Combo legt mit POLYPHONY bereits das zweite Werk des Jahres 2012 vor, wenngleich es sich auch ’nur‘ um eine EP handelt. Das ist jedoch gar nichts im Vergleich zu 2011, wo sie sage und schreibe 4 (!) Alben auf den Markt brachten. Bisher fanden sich bereits das überraschend gute SEIMAKEN VALKYRIAS (Link) und das eher enttäuschende FAIRYTALE (Link) zu Rezensionszwecken auf Oliverdsw.Wordpress ein – umso spannender die Frage, in welche Richtung das neueste Werk der Japaner tendieren wird. Dieses Mal haben sie sich die KNIGHTS OF ROUND mit ins Boot geholt, die so für zusätzliche Gastgesangsparts verantwortlich sein werden. Seit jeher ein Markenzeichen der Band: die typisch Anime-lastigen Cover, und ein relativ buntes Gesamtbild hinsichtlich des Gesangs. Nicht nur, dass die Besetzung einen markanten diesbezüglichen Wechsel zu verzeichnen hatte (von weiblicher Frontfrau zu Frontmann), auch in Bezug auf die Sprache wird das verwendet, was gerade passend erscheint. Die Grenzen zwischen dem englischen und japanischen verlaufen hier fliessend.

Kritik: Das Album startet mit dem rein instrumentalen Intro HARMONY OF DEATH, welches den Klang eines klassischen Spinetts (Tradition) mit dem einer gut gelaunten E-Gitarre (Moderne) gegenüberstellt. Das Ergebnis ist ein recht ungewöhnliches Stück, welches den Einstieg einerseits gelungen, andererseits etwas nebulös ausfallen lässt. Was wird den Hörer auf POLYPHONY tatsächlich erwarten, nachdem man sich bereits auf dem letzten Album an eher misslungene Experimente wagte ? Doch Glück auf – der Opener FATE macht klar, dass DRAGON GUARDIAN wieder in die Trickkiste ihrer alten Kompositionen greifen. Das bedeutet natürlich zweierlei: sowohl die Stärken, als auch die Schwächen der alten Werke werden offenbar übernommen. Nach wie vor stark und markant ist die enorm symphonische Komponente, eingebettet in eine flotte Power Metal-Instrumentalstruktur mit einer fulminanten Gitarrenarbeit; eher schwach wie eh und je ist der Soundeindruck im Gesamten. Die symphonischen Elemente und der exzessive Keyboardeinsatz sorgen für einen recht künstlichen Touch; wirklich ‚echt‘ klingt hier gar nichts. Selbst das Schlagzeug und der Bass erweisen sich (womöglich) als programmiert – schließlich findet sich kein ‚echter‘ Musiker an diesen Posten im Lineup. Selbst wenn hier irgendjemand menschliches am Werkeln sein sollte – es klingt ganz gewiss nicht so.

Ein weiteres Problem, oder eher eine markante Geschmacksfrage ist der Gesang. Leo Figaro kennt man aus unzähligen japanischen Bandcombos und Projekten, doch offenbar scheint er sich im Laufe all der Jahre nicht wirklich zu verbessern was sowohl seine Aussprache des Englischen, wie auch seine Stimmkraft in den höheren Lagen betrifft. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass er eher in ruhigeren Nummern wie dem folgenden WITHOUT YOU zu glänzen weiss. Aber auch klingt der Sound extrem blechern und nicht wirklich rund – das konnten DRAGON GUADRIAN schon einmal deutlich besser. Auch sonst hat der Song nicht viel zu bieten – im Gegensatz zu BERSERKER, dem ersten wirklichen Highlight. In guten 6 Minuten wird alles aufgefahren, was DRAGON GUARDIAN zu bieten haben. Auch wenn man rein soundtechnisch erneut Abstriche machen muss, so erweist sich zumindest die Komposition als ansprechend und gelungen, der (japanische) Gesang – dieses Mal nicht von Leo Figaro, sondern von Akira – klingt größtenteils nicht so überstrapaziert wie zuvor; selbst die hohen Screams machen einen passablen Eindruck.

Das folgende TRAIBLAZER scheint dominiert von allerlei Keyboard- und Synthie-Einlagen – und erweist sich so als interessantes Stück, welches zusätzlich mit einem guten Refrain ausgestattet ist. Stark ist hier vor allem das spätere Soli, sowie die ansprechenden Instrumental-Passagen. Aber ein Highlight… ? Nicht wirklich. THE NIGHTMARES schlägt ungefähr in dieselbe Kerbe; klingt jedoch längst nicht so ausgefeilt. Hier werden (schlimme) Erinnerungen an den Vorgänger FAIRYTALE wach, in dem man den guten alten Power Metal frevelhafterweise mit 8-Bit-Sounds ‚veredelte‘ – ähnlich künstlich und unharmonisch klingt auch diese Nummer. Der Gesang ist auffällig schwach, einzig die Gitarren sorgen für einen angenehmen Drive. Das Finale wird mit YAKUSOKU NO SONO zelebriert – wobei dies das richtige Stichwort ist, klingt die Melodie überraschend festlich. Hier stimmen erstmals die Harmonien – doch der Gesangspart vermag es, diesen grundsätzlich positiven Eindruck wieder stark nach unten auszutarieren. Weder Leo Figaro, noch Akira oder Eizin können überzeugen, das an sich vielversprechende Gesangs-Trio enttäuscht auf ganzer Linie. Zum einen scheint es, als seien die Gesangsparts nicht im selben Studio aufgenommen worden; zum anderen kann keiner der Beteiligten mit seiner Stimme wirklich qualitativ hervorstechen.

Fazit: Man sollte schon beinharter Fan der japanischen Power Metal-Musikkultur sein – oder noch besser DRAGON GUARDIAN-Fan der ersten Stunde – um ein Werk wie POLYPHONY etwas abgewinnen zu können. Der Instrumenteneinsatz ist suboptimal – zwar überzeugen die Strukturen und recht vielfältigen Kompositionen mit reichlich Abwechslung, doch der blechern-künstliche Sound und der kühle Computereinsatz macht vieles wieder zunichte. Das gleiche gilt für die Gesangsparts: man hat gleich 3 Sänger am Start – was sich im Endeffekt aber quasi wieder erübrigt. Ob jene hier beteiligten Sänger einfach zu wenig Können an den Tag legen, oder nur schlecht in Szene gesetzt wurden, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Es klingt jedenfalls alles andere als angenehm – ob nun auf Englisch oder Japanisch. Und: es besteht noch immer Nachholbedarf bezüglich eines internationalen Web-Auftritts !

Anspieltipps: BERSERKER,  TRAILBLAZER, YAKUSOKU NO SONO


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