Filmkritik: „Haywire“ (2011)

Originaltitel: Haywire
Regie: Steven Soderbergh
Mit: Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor u.a.
Land: Irland, USA
Laufzeit: 93 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller / Action
Tags: Haywire | Thriller | Action | Agentin | Aufträge | Mord | Jagd

Eine Agentin und Auftragskillerin stolpert selbst in die Schussbahn.

Inhalt: Die Ex-Marine-Soldatin Mallory Kane (Gina Carano) arbeitet seit nunmehr 3 Jahren für das dubiose Privatunternehmen ihres Ex-Freundes Kenneth (Ewan McGregor). Sein Geschäft besteht vornehmlich daraus, Aufträge der Regierung anzunehmen und sie auch in den hintersten Winkeln der Erde sauber und ohne Spuren auszuführen. Nachdem mit einigen Kollegen einen gefährlichen Auftrag in Barcelona erledigen konnte, reist sie kurz darauf mit Paul (Michael Fassbender) nach Dublin, um eine weitere Kontaktperson ausfindig zu machen. Doch ist das vermeintliche Opfer Studer (Mathieu Kassovitz) wirklich derjenige, für den Mallory ihn hält ? Als sie ihr Partner Paul plötzlich hinterrücks in ihrem Appartement angreift, bestätigt sich Mallory’s unterschwelliges Misstrauen – offenbar haben sich mächtige Leute aus ihren eigenen Reihen gegen sie verschworen. Doch warum, und warum gerade jetzt – darüber kann sie sich sooft den Kopf zerbrechen, wie sie will. Erst als sie weitere Recherchen anstellt und es auf Biegen und Brechen schafft, in die USA zurückzukehren, gerät sie tiefer in das verworrene Netz der Auftraggeber und bringt Dinge ans Tageslicht, die sie einerseits tief treffen – andererseits aber schlicht unendlich wütend machen. So beginnt ein Rachefeldzug der etwas anderen Art…

Kritik: Das Potential ist definitiv gegeben – HAYWIRE verspricht von Anfang an, ein exzellenter Agenten-Thriller mit einer durchdachten Story, zahlreichen packenden Actionszenen und zusätzlich noch mit einem Staraufgebot der Extraklasse aufzuwarten. Der vielversprechende Trailer, die ansprechende Optik mit leichtem Arhouse-Tocuh und alles andere als unbekannte Namen wie Ewan McGregor, Bill Paxton, Antonio Banderas oder auch Michael Douglas gehen eben runter wie Öl, und steigern die Lust auf dieses hoffentlich die Erwartungen erfüllende Machwerk von Regisseur Steven Soderbergh. Eine gravierende Misslichkeit folgt jedoch sogleich: ob die Erwartungen nun entsprechend hoch sind, oder man sich gänzlich unvoreingenommen an dieses Werk wagt – HAYWIRE schafft es im Grunde nicht einmal, die geringsten und grundlegendsten Genre-Anforderungen zu erfüllen. Das eigentliche Ärgernis ist dabei, dass das im Endeffekt eben doch gar keine allzu große Überraschung ist.

Schließlich wäre HAYWIRE nicht der erste vielversprechende Kandidat, der trotz eines namhaften Regisseurs, einer vielversprechenden Vorab-Propaganda und zahlreichen namhaften Gaststars als Filmprojekt floppt. So regiert auch in diesem Fall ein besonders ärgerlicher Auswuchs der Style over Substance, beziehungsweise eher der Names over Substance-Strategie. HAYWIRE sieht grundsätzlich toll aus; bekommt beispielsweise durch besondere Kamerafahrten oder gewollte Stilbrüche eine besondere Note und wirkt durch die Präsenz der Gaststars zusätzlich bedeutungsvoller – ein riesiges Luftschloss, wie sich herausstellen soll. Nicht nur, dass die Gaststars allesamt auffällig wenig Screentime zugestanden bekommen; ihr Spiel verliert sich auch inhaltlich irgendwo zwischen den undurchsichtigen Agenten-Spielchen der eher aufgebauschten Art. Was zu Beginn noch relativ langatmig und zäh erscheint, entpuppt sich alsbald als ausgeklügelte Strategie der Macher, vom Wesentlichen abzulenken.

Und jenes Wesentliche ist in diesem Fall – leider – ein äusserst dünnes Story-Gerüst der Marke wie verwirkliche ich eine Drehbuchidee in 5 Minuten. Eine ebenso lange (oder kurze) Zeitspanne könnte man HAYWIRE zugestehen, um die Story-Prämisse mitsamt den nachfolgenden Entwicklungen auf den Punkt zu bringen – doch unglücklicherweise plante man dafür satte 93 Minuten ein. Die Folge: man wird recht schnell bemerken, dass hier mit gezinkten Karten gespielt; beziehungsweise der Zuschauer regelrecht an der Nase herumgeführt wird. Wo spannende Wendungen oder zu lüftende Geheimnisse warten sollten, steht lediglich eine simple Tatsache – dass ein Jäger aus bestimmten, nicht gänzlich nachvollziehbaren Gründen selbst zum Gejagten wird. So spinnt man als Filmemacher also sein Netz, und stattet das offensichtlich unspektakuläre mit Elementen aus, die nur auf den ersten Blick viel hermachen. Wie etwa die völlig unnötige Einstreuung verschiedener Zeitebenen (stilistisch), oder das vermeintlich große Mysterium hinter den Auftraggebern (inhaltlich). Wie man es auch dreht und wendet – HAYWIRE verzettelt sich in diesen Angelegenheit reichlich, und unterstützt so nur noch deutlicher, dass hinter all dem keine besonders gute Idee steckt.

Von der kruden Agenten-Geschichte und deren alles andere als packende Auflösung einmal abgesehen; bietet HAYWIRE auch dazwischen nichts, was das Gerne nicht schon zig tausend Mal gesehen hätte. Ein paar (auffällig langsam gehaltene) Kampfszenen, bei denen man nur schwerlich einschätzen kann ob man hier absichtlich auf Authentizität setzte oder sich nur in der Choreografie vergriff, bilden hier bereits eines der Highlights. Dass hier dann vor allem der Hauptcharakter manchmal mehr einstecken kann, als man das handelsüblichen Agenten zutrauen würde; ist daher auch schon wieder schnell vergessen. Nicht zu vergessen ist aber die regelrecht gähnende Langeweile und Langatmigkeit, die lediglich durch kurze Momente des Kopfschüttelns unterbrochen werden kann – schließlich hegt man an der ein oder anderen Stelle doch noch die Hoffnung, hinter all dem verkomplizierten Abläufen und angedeuteten Hintergründen könnte doch noch mehr stecken. Mehr, als HAYWIRE letztendlich ernüchternd zu präsentieren vermag – doch dies ist nicht der Fall. Im Gegenteil, ein äusserst abgeschmacktes Finale der Marke Konfrontation mit dem Drahtzieher / Rächerin gegen ehemaligen Chef bildet hier die Krone des aufgeblasenen Spektakels.

Fazit: HAYWIRE besitzt zusammenfassend zwei oder drei explizite Stärken. Zum einen ist die optisch anspruchsvolle Realisierung mit dem vielversprechenden Touch einer virtuosen Filmkunst ein echter Hingucker – im Endeffekt aber verständlicherweise ein Eigentor a’la viel Gehabe um nichts. Zum anderen kann vor allem Gina Carano als Hauptdarstellerin durchweg überzeugen. Dass sie die namhaften Gaststars locker an die Wand spielt liegt natürlich vornehmlich an der (auch zeitlichen) Gewichtung der Charaktere; aber auch davon abgesehen versucht sie jedwedes Restfünkchen Potential aus HAYWIRE herauszukitzeln. Ebenfalls noch akzeptabel sind Teilszenen der (insgesamt zu langen) Verfolgungsjagden. Doch das war es dann auch schon gewissen – inhaltlich herrscht nicht nur eine regelrechte Flaute, die Täuschungsmanöver der Macher genau dies zu verbergen sorgen für zusätzlichen Unmut. Als weiteres Ärgernis erweist sich indes und leicht überraschend der Soundtrack – selten hat man so unpassende und nervige Töne gehört wie in HAYWIRE. So wollte man dem Werk wohl einen zusätzlichen Agentenfilm-Touch der Marke JAMES BOND oder OCEANS 13 verleihen – ein weiterer Fehlschuss. Definitiv keine Empfehlung, sondern eher ein Mahnmal.

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