Metal-CD-Review: SKYWINGS – Grace Grade (2012)

Album: Grace Grade | Band: Skywings (weitere Band-Inhalte)

Land: Japan – Stil: Power Metal – Label: Daiki Sound

Alben-Lineup:

Takuya (Gesang)
Takashi (Keyboards)
I-La (Gitarre)
Yuki (Schlagzeug)
Senoh (Bass)

01 (Neurosisoverture) – An Angel Of Immorality In Between Beauty… 01.56
02 Grace Grade
06.32
03 Say (Good) Bye – Say (God) Bye 06.10
04 Scribble My Love 06.23
05 Anymore 05.40
06 A Moment Lyrics 06.32
07 Eternal Memory 06.32
08 Sky On Smile 05.24

Mit den SKYWINGS zum zweiten Mal auf musikalischen Höhenflügen.

Vorwort: Allzu lang war es noch nicht her – da erschien ein Album mit dem Titel THE ADVENT MELODY auf dem (japanischen) Markt. Eine junge Band machte auf sich aufmerksam – SKYWINGS waren geboren. Wobei, eigentlich geschah dies bereits im Jahre 2003 – doch bis auf eine nicht zu bekommende EP aus dem Jahr 2006 war es lange Zeit still um die japanische Power Metal-Combo aus Osaka (Japan). Mit dem Debütalbum und einem Musikvideo zur Single IN BLOOM aber war es dann endlich soweit, dass auch internationale Hörer auf die vielversprechende Band aufmerksam werden konnten. Nun also folgt bereits das zweite Album aus der japanischen Metal-Schmiede: GRACE GRADE. Ohne Vorurteile oder große Erwartungen ans Werk – und die neue Scheibe mit dem religiös angehauchten Artwork eingelegt.

Kritik: Ob die Mitglieder von SKYWINGS nun an Neurosen leiden oder nicht – das Intro [NEUROSISOVERTURE] klingt schon ein wenig nach Wahnsinn. Verstörende Klavierklänge und kaum definierbare Hintergrundgeräusche und -gesänge werden hier zu einem Intro der eher ungewöhnlichen Art verbunden – und ergeben so ein Stück, für welches man ein paar Anläufe benötigen wird. Sofern man das Intro überhaupt als Teil des Albums sehen will, versteht sich – denn mit dem Opener GRACE GRADE geht es dann plötzlich wieder stark Melodie-verliebt und in guter alter SKYINGS-Manier weiter. Die Band knüpft damit direkt an den Eindruck des Vorgängers THE ADVENT MELODY (Review) an, hievt den Sound aber auf die nächsthöhere Ebene. Es geht nicht mehr ganz so simpel und vorhersehbar zu, die Komposition hat eindeutig an Komplexität und Abwechslung gewonnen. Der Effekt: ein Titel wie dieser geht nicht direkt beim ersten Durchlauf ins Ohr, dafür aber umso eindringlicher beim zweiten oder dritten. Um die sofort fesselnden Elemente nicht ganz aussen vor zu lassen, streut man aber hie und da markante Elemente, wie das wundervolle Solo ab Minute 3.22 ein. Einzig beim Gesangspart gibt es kaum Veränderungen festzustellen – Sänger Takuya singt nach wie vor in den allerhöchsten Tönen, und bewegt sich damit auf demselben Niveau des Vorgängers. Will heissen, auf einem insgesamt angenehmen; stellenweise aber etwas zu überstrapazierten (wenn er in die ganz hohen Lagen kommt und / oder die volle Power in seinen Gesang legt).

Mit den folgenden, eher ruhig-rockigen Midtempo-Nummern SAY (GOOD) BYE – SAY (GOD) BYE (als videosingle ausgekoppelt) und SCRIBBLE MY LOVE bestätigt sich dieser Eindruck: wenn nicht gerade großartige Melodien oder wahnwitzige Instrumental-Aufbauten im Vordergrund stehen, liegt der Fokus automatisch verstärkt auf dem Sänger – der nicht durchgehend begeistern kann und sich je nach Gusto sogar zu einem kleinen Nerv-Faktor entwickeln könnte. Ein gutes Beispiel dafür ist die Gestaltung des Refrains in SCRIBBLE MY LOVE – gegebenenfalls sollte man in diesen Titel herein hören und für sich entscheiden, ob man mit derartig hoch (und leicht schief) tönenden Eskapaden zurechtkommt oder eben nicht. Ebenfalls leicht merkwürdig: alle Titel bewegen sich mit Spielzeiten um die 6 Minuten auf einem verdächtig gleichförmigen Niveau, Ausbrüche sind bis auf das kurze Intro keine weiteren vorgesehen. Immerhin: das folgende ANYMORE besitzt eine etwas flottere Gangart und eine nicht ganz so vertrackte Struktur wie die beiden vorherigen Titel, und geht so recht schnell ins Ohr. Aber ob es da auch bleibt ? Dies ist zumindest fraglich, erscheint die Komposition im gesamten verdächtig belang- und kraftlos. Und wieder gibt es einen arg gewöhnungsbedürftigen Gesangs-Refrain auf die Lauscher – nicht wirklich das gelbe vom Ei. Offenbar harmoniert Sänger Takuya vor allem mit den auf eine hohe Gesangslage ausgelegten, reinrassig-schnellen Power Metal-Nummern (wenn schon Klischee, dann richtig) – wenn es etwas langsamer und / oder andächtiger zur Sache geht, dann fehlt es seiner Stimme einfach an dem gewissen Etwas.

Doch was ist das, wurde der Ruf erhört; dachten SKYWINGS etwa ähnlich ? Mit A MOMENT LYRIC folgt nämlich doch noch eine Nummer, die perfekt auf Takuya ausgelegt zu sein scheint. Beziehungsweise strengt er sich vermehrt an – und singt in einer passenderen, tieferen Lage (in den Strophen), und lehnt sich im Refrain zumindest nicht ganz so weit aus dem Fenster wie zuvor. So wirkt das Ganze schon ungleich emotionaler und höhrenswerter. Eine grundsolide Instrumentierung mit leicht balladeskem Einschlag sorgt so für einen weiteren Anspieltipp. Und ein weiterer folgt sogleich: ETERNAL MEMORY. Hier stimmt – bis auf die altbekannten Schwächen im Gesangspart – wieder alles. Das Teil hat Melodie, eine ansprechende Struktur und nette Instrumental-Parts. Das wohl markanteste Stück folgt aber erst ganz am Schluss – SKY ON SMILE ist die gute-Laune-Hymne des neuen SKYWINGS-Albums. Eine vortreffliche Struktur und eine handvoll überaus eingängiger Elemente lassen den Hörer schnell aufhorchen, und vermögen es ihn entsprechend mitzureissen. Während es im Vordergrund leicht verspielt zugeht – mit Keyboard und Piano – sorgen die Gitarren und die kaum hörbaren, sphärischen Klänge im Hintergrund für eine gewisse Vielfalt und Emotionalität. Kumuliert wird das Ganze in einem sagenhaften Refrain mit auffallendem Gesang, sowie einer späteren Instrumentalpassage mit einem knackigen Soli und allerlei eingebrachten Elementen. Eine gewisse Traurigkeit und Sehnsucht gepaart mit einer nostalgischen Freude – so darf das Album nur allzu gern ausklingen.

Fazit: Zu 100 % nachvollziehbar sind die Entwicklungen von SKYWINGS, wie sie auf dem vorliegenden GRACE GRADE zu belauschen sind, zweifelsohne nicht. Gerade der Gesangspart scheint sich im Vergleich zum Vorgänger zu einer stellenweise nervenaufreibenden Angelegenheit entwickelt zu haben, und wird mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack treffen. Das interessante ist jedoch, dass es offenbar klappt wenn SKYWINGS nur wollen – gerade in den späteren Nummern wirkt Sänger Takuya weitaus angepasster und angenehmer. Insgesamt muss man jedoch sagen, dass hier weitaus mehr drin gewesen wäre – ein klein wenig Enttäuschung wird sich gerade dann breitmachen, wenn man bereits das recht gelungene Erstwerk der Band sein eigen nennt. Mit einem Intro und sieben Titeln von jeweils knapp derselben Spieldauer schleicht sich auch ein Gefühl der Gleichförmigkeit ein; das Album wirkt niemals so als wolle man eine (zusammenhängende) Geschichte erzählen – sondern vielmehr wie ein ‚Sampler‘ mit absolut unterschiedlichen Nummern. Die jeweils ihre Stärken und Schwächen haben, versteht sich. Stark sind hier vor allem die vielfältigen Instrumentals, die gut organisierten Strukturen, die flotten Melodien und Soli. Eher schwach sind die Gitarrenparts im allgemeinen (zu hintergründig, zu eintönig), der Gesangspart; und der insgesamt unspektakulärere Eindruck. Das Rezept weniger Power Metal, mehr Gefühl muss eben nicht immer aufgehen. Und das bei einem solchen Cover !

Anspieltipps: GRACE GRADE, A MOMENT LYRIC, ETERNAL MEMORY, SKY ON SMILE


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