TV-Kritik / Anime-Review: GUNDAM SEED

Originaltitel: Kidou Senshi Gundam SEED
Typ: Anime-TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 50 + 1 Folgen (je ca. 24 Minuten)
Land: Japan
Idee: Hajime Yatate, Yoshiyuki Tomino
Produktion: Fumikuni Furusawa, Seiji Takeda
Genre: Science Fiction / Action / Drama
Tags: Gundam, Mechas, Weltraum, Kämpfe, Schlachten, Menschheit

Die Liste der 50 Episoden (deutsche Titel):

01 Falscher Frieden 26 Augenblicke
02 Sein Name: Gundam 27 Der ewige Tanz
03 Zerstörte Erde 28 Kira
04 Silent Run 29 Eine Wendung des Schicksals
05 Phasenverschiebung Aus 30 Die Zeit des Lichts
06 Der Gundam verschwindet 31 Der weinende Himmel
07 Narben des Himmels 32 Das versprochene Land
08 Die Sängerin der feindlichen Armee 33 Der Anfang der Dunkelheit
09 Flackernde Lichter 34 Aus den Augen
10 Getrennte Wege 35 Wiederauferstehung
11 Die Klinge erwacht 36 Im Namen der Gerechtigkeit
12 Flays Entscheidung 37 Göttlicher Blitz
13 Fallende Sterne 38 Das Feuer der Entscheidung
14 Die Gezeiten der Zeit 39 Athrun
15 Phase-15 Jedem seine Einsamkeit 40 In den dämmernden Himmel
16 Brennende Wolken aus Sand 41 Die Welt erzittert
17 Wiedersehen mit Cagalli 42 Lacus greift an
18 Rache 43 Hindernisse
19 In der Hand des Feindes 44 Spirale der Begegnungen
20 Ein ruhiger Tag 45 Die Tür wird geöffnet
21 Jenseits des Sandsturms 46 Ein Platz für die Seele
22 Wenn sich das Meer rot färbt 47 Die Wiedergeburt des Alptraums
23 Schicksalhafte Begegnung 48 Der Tag des Zorns
24 Privatkrieg 49 Das letzte Licht
25 Im Reich des Friedens 50 Zur unendlichen Zukunft

Nichts neues an der GUNDAM-Front – oder doch ?

Inhalt: In einer zeitlich nur schwer einzuordnenden Zukunft ist die Menschheit in zwei Lager gespalten – die Naturals und die Coordinator. Die Naturals sind jene Menschen, die unter vollständig natürlichen Bedingungen zur Welt gekommen sind – sie leben größtenteils und nach wie vor auf der Erde. Die sogenannten Coordinator sind dagegen Menschen, deren Gene vor der Geburt manipuliert wurden; um beispielsweise Krankheiten auszumerzen und die allgemeine Effizienz des menschlichen Körpers zu steigern. Aufgrund ihrer generell höheren Intelligenz und ihres Forschungsdranges leben sie größtenteils auf den sogenannten Plants – von ihnen eigens erschaffene, außerirdischen Kolonien. Obwohl sich die Menschen nicht grundlegend voneinander unterscheiden, gibt es ein gewaltiges Konfliktpotential. Auf der Erde kommt es immer wieder zu Ausschreitungen und Konfrontationen; doch weitaus gravierender sind die Kämpfe zwischen den jeweiligen militärischen Institutionen. Auf Seiten der Coordinator gibt es die ZAFT, auf Seiten der Naturals die Erdallianz. Der Konflikt dieser beiden Parteien eskalierte mit dem sogenannten blutigen Valentinstag – als eine Atombombe eine Plant-Kolonie vollständig zerstörte und dabei zahlreiche zivile Opfer forderte. In diese Welt hinein geboren wird auch Kira – ein Coordinator-Junge, der mit seinen Freunden auf einer Plant-Kolonie namens Heliopolis lebt. Und das relativ glücklich und vom Krieg unbeeinflusst – bis er auch die vermeintlich neutrale Kolonie erreicht. Die Heliopolis wird angegriffen – und Kira und seine Freunde gelangen im allgemeinen Wirrwarr an Bord der Arcangel, einem neuartigen Schiff der Erdallianz. Doch Kira scheint gleichzeitig einer der wenigen zu sein, die die neuartigen Kampfroboter der Erdallianz, die Gundams, steuern kann. So entschließt er sich, für das gute zu kämpfen und seine Freunde zu verteidigen – doch sein Glaube wird in Frage gestellt, als er seinem ehemaligen besten Freund auf Seiten der ZAFT gegenübersteht.

Kritik: Grundsätzlich könnte man die inhaltliche Aufstellung noch ausweiten, keine Frage – GUNDAM SEED ist mit seinen atemberaubenden Story-Prämissen und seinem wuchtigen Umfang von 50 Folgen ein vergleichsweise komplexes Anime-Werk. Doch diese Wucht kommt nicht von ungefähr, beziehungsweise aus dem Nichts: als Teil des mannigfaltigen Gundam-Anime-Universums handelt es sich um eine weitere TV-Serie, die sich die typischen, mit dem Franchise verbundenen Kampfroboter und Weltraum-Schlachten zum Thema macht. Die Unterschiede zu den älteren Serien sind jedoch größer als erwartet, sodass in diesem Fall eine unabhängige Bewertung vorgenommen werden kann und sollte.

GUNDAM SEED ist in einer Linie eine Serie mit einer vielseitigen Science Fiction-Prämisse, größtenteils angesiedelt in den Weiten des Weltalls – doch ist sie nur schwerlich einem einzigen Genre zuzuordnen. Zwar bietet gerade das All einen schier unendlichen Raum für groß angelegte Weltraum-Kämpfe und -Schlachten, sodass auch Action-Fans auf ihre Kosten kommen werden – doch ein großer Teil des Fokus liegt auf den Charakteren und ihren Beziehungen zueinander. Angefangen bei Kira Yamato, dem Hauptcharakter; über Athrun, seinem alten Freund welcher nun auf der augenscheinlich falschen Seite gegen ihn kämpfen muss, bis hin zu zahlreichen Crew-Mitgliedern und Vertretern der jeweiligen Völker und Interessengruppen – GUNDAM SEED offenbart hier handfestes Drama-Potential, welches auch voll ausgespielt wird.

So erhält man als Zuschauer ein zuerst leicht gewöhnungsbedürftiges Gesamtbild, welches sich nach und nach aber immer sinniger und nahtloser zusammenfügt. Während sich das Porträt zu Beginn noch auf die beiden sich gegenüberstehenden Parteien beschränkt – die ZAFT und die Erdallianz mit Kira und seinen Freunden – lässt man die Fassade der klar strukturierten Fronten (der Marke gut und böse) langsam bröckeln. Dabei liegt der Fokus immer auf den für die Serie wichtigen Charakteren, und weicht kaum von ihnen – eine deutliche Stärke des Animes. So erhält man ein außerordentlich gut inszeniertes, tiefgründiges und bewegendes Porträt von einigen jungen Menschen, welche in den Schrecken des Krieges mit hineingezogen werden – ob sie wollen oder nicht. Besonders markant und essentiell sind hierbei natürlich die persönlichen Wandlungen, die ein jeder Charakter durchmacht; und die sich stetig verändernden Konstellationen der Figuren.

Eine gute Mischung aus Mecha-Kämpfen, Weltraumschlachten, Drama-Aspekten mit markanten Identifikationsfiguren und einem universellen Porträt eines zermürbenden Krieges – alles in allem bietet GUNDAM SEED massig Potential und hätte einen Platz auf dem absoluten Anime-Wertungsthron verdient. Hätte – denn leider sind nicht alle Aspekte der Umsetzung derart gelungen ausgefallen. Selbst wenn man den Faktor, dass es sich eben nicht um eine grundsätzlich neu erdachte Serie handelt (siehe GUNDAM-Bezug) einmal aussen vor lässt, so gibt es doch zahlreiche Schwächen zu entdecken, die man hätte vermeiden können. Es beginnt mit der simplen Tatsache, dass eine Streckung der Handlung auf 50 Folgen zumindest gewagt erscheint – denn selbst bei aller Begeisterung lassen sich gewisse Längen nicht verhehlen. Diese treten vor allem zu Beginn der Serie, sowie noch einmal verstärkt im Mittelteil auf. Hier kommt es nicht selten vor, dass sich vor allem Kampfabläufe ständig wiederholen und zu einem recht vorhersehbaren Ende führen.

Denn schließlich dürfen die Hauptfiguren noch nicht sterben – was sich mitunter als recht makabere Voraussetzung erweist, betrachtet man das anfängliche Porträt von Kira und Athrun. So dauert es doch recht lange, bis sich die beiden Charakter betreffend eine Entwicklung abzeichnet. Bis dahin treffen sie ständig im Kampf aufeinander, vergewissern sich voller Zweifel ob es wirklich der jeweils beste ehemalige Freund ist, der dort im Cockpit des feindlichen Roboters sitzt – und schaffen es dabei immer, unbeschadet aus den Kämpfen hervorzugehen. Dies gepaart mit weiteren Kämpfen und Schlachten, in denen vor allem die Arcangel – das Schiff der Erdallianz – eingebunden ist, erweist sich als waschechte Durststrecke. Hier empfiehlt es sich, hart gesotten zu bleiben und abzuwarten – schließlich wird man am Ende doch noch belohnt werden. Doch ganz so steinig, einfallslos und arg langwierig hätte dieser Weg beileibe nicht ausfallen müssen.

Die Serie gewinnt jedoch noch einmal deutlich an Tempo, Ausdruck und Inhalt; als es zu einem (diesmal) entscheidenden Kampf zwischen Kira und Athrun kommt, bei dem ein Gundam vollständig zerstört, der andere schwer beschädigt wird. Dieses Ereignis dient als heimlicher Startpunkt für großes, noch zu erwartendes: die verfeindeten Seiten nähern sich an, die Besatzung der Arcangel zweifelt an der Souveränität der Erdallianz; die wahren Köpfe hinter dem sinnlosen Bestreben den Krieg geradezu entarten zu lassen, werden offenbart. Endlich befasst sich die Serie auch mit dem großen Handlungsrahmen: dem Krieg, und den jeweiligen Drahtziehern. Dabei wird stets aus dem Vollen geschöpft: neben unzähligen Kampfszenen, die deutlich spektakulärer ausfallen als jene in denen oftmals nur die Arcangel allein beteiligt war; gibt es inhaltliche Rückblicke, Enthüllungen, Schicksalsschläge und vieles mehr zu bestaunen.

So hat der zähe Beginn doch noch einen (wenn auch zwiespältig zu betrachtenden) Vorteil: GUNDAM SEED nahm sich wahrlich Zeit, die Charaktere vorzustellen und den Zuschauer an sie zu gewöhnen. Wenn es dann in den späteren, letzten Folgen endgültig hart auf hart kommt, fiebert man dementsprechend deutlich intensiver mit – und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn der ein oder andere (Lieblings-)Charakter doch noch vorzeitig stirbt.

Charaktere

GUNDAM SEED bietet dem Zuschauer ein recht mannigfaltiges Sammelsurium an Charakteren. Hierbei werden grundsätzlich alle Altersklassen und Geschlechter behandelt, ein expliziteres Augenmerk liegt jedoch auf der jüngeren Generation. So groß die Auswahl an Charakteren ist, so sinnig und gut gewählt erscheint die Einbringung derselben – ein jeder hat hier seinen Part zu spielen. Kira und Athrun, zwei der Haupt-Protagonisten, sorgen für Identifikationsmöglichkeiten und beeindruckende, höchst emotionale Momente. Für die Handlung und Auflösung etwas weniger wichtig, dafür mit einem noch höheren Identifikationfaktor ausgestattet sind die Freunde der beiden ‚großen‘ Gundam-Piloten, die sie stets begleiten – und einen entsprechenden Einfluss auf sie haben. Ein leicht mysteriös angehauchter, schwer zu definierender Charakter ist Rau Le Creuset (auf Seiten der ZAFT); der stets mit einer auffälligen Maske bekleidet ist; und für das ein oder andere unvorhergesehene Ereignis verantwortlich ist. Mitunter am beeindruckendsten und eindringlichsten ist das Porträt der Crew der Arcangel, vor allem Murrue Ramius und Mu La Flaga erweisen sich hier als echte Sympathieträger. Es gibt noch zahlreiche weitere für den Handlungsverlauf wichtige Figuren, die manchmal auch etwas ungewöhnlicher porträtiert werden: wie Lacus Clyne, die eine Vorliebe für den Gesang hegt und als zartes Wesen durch die Gundam-Welt schwebt – bis sie überraschenderweise selbst in den Krieg mit eingreift.

Optische Aspekte

GUNDAM SEED ist grundsätzlich auch in optischer Hinsicht ansprechend – die Qualität der Zeichnungen entspricht allen Erwartungen, die man an eine TV-Serie wie diese stellen kann. Auch der Faktor der Abwechslung verdient eine gesonderte Erwähnung: mal befindet man sich in den dunklen Weiten des Weltalls, mal auf der Erde; mal in einer kargen Wüste, mal innerhalb von Stationen, Anwesen und Raumschiffen – hier wird einem einiges geboten, sodass die Serie nicht einer optischen Eintönigkeit ausgesetzt ist. Die bekommt man dann allerdings doch noch serviert: nämlich in Form von unzähligen, äußerst ärgerlichen recycelten Szenen. Man kann sie kaum zählen; so auffällig werden sie eingestreut – besonders bei den Start- und Landemanöver der Mechas, und in den bunten Kampfszenen. Das hätte nicht sein müssen – doch offenbar ist dies dem Budget zuzuschreiben. Ein weiterer, zumindest diskutabler Aspekt sind die Kämpfe selbst: einstweilen etwas unübersichtlich gehalten, regiert hier ein regelrechter Kitsch und eine aufdringliche Präsenz allerlei bunter Farben (vor allem Grün- und Rosatöne).

Akustische Aspekte

Einen rundum gelungenen, aussagekräftigen Soundtrack wie den zu GUNDAM SEED gibt es so selten. Es scheint, als würden stets die richtigen Töne getroffen, das Geschehen akkurat musikalisch untermalt werden. Sei es in den epischen, actionreichen Momenten der Kämpfe, in den ruhig-besinnlichen Minuten der Auseinandersetzung mit den Figuren, oder aber in den gelungenen Intros und Outros. Davon gibt es jeweils 4 Stück zu bestaunen – die verwendeten Lieder besitzen eine außergewöhnliche Wirkungskraft, und eignen sich auch tadellos für ein von der Serie unabhängiges Hörvergnügen. In Bezug auf die allgemeine Audio-Effektkulisse gibt es nichts zu bemängeln: nie hat man das Gefühl als würde ein Geräusch nicht in die Szenerie passen, nie vermisst man etwas. Gerade in den Kämpfen regiert oftmals ein beeindruckender akustischer Bombast, der die Spannung noch zu steigern vermag. Die Sprecher agieren sowohl im Original als auch in der deutschen Fassung engagiert. Lediglich vereinzelte Momente, beispielsweise wenn Charakternamen ausgesprochen oder Feuerbefehle gegeben werden, hinkt die deutsche Fassung merklich hinterher. Die deutsche Synchronisation offenbart zuletzt auch noch eine kleine Kuriosität: im Wortschatz gibt es weder Ausdrücke wie verdammt, zum Teufel, Mist – alles wird durch ein manchmal komisch wirkendes Horror ersetzt. Das sorgt einstweilen für Lacher, wo eigentlich keine angebracht wären.

Fazit: GUNDAM SEED ist die Offenbarung für GUNDAM-Fans – kann aber auch zu einem Genuss für allgemeine Anime-Freunde des Genres avancieren. Vorausgesetzt man kann generell etwas mit der Mecha- und Weltraumthematik anfangen, hält mit einer gewissen Portion Durchhaltevermögen bis zum (einiges entschädigenden) Ende durch – und kann über eine handvoll Schwächen hinwegsehen. Hätte man die Serie mit einem Umfang von 26 Episoden präsentiert – und so vor allem die anfänglichen Längen vermieden – wäre eine höhere Wertung zweifelsohne drin gewesen.


75button

„Eine der besseren GUNDAM-Serien.“

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