Metal-CD-Review: KAMELOT – Silverthorn (2012)

kamelot_silverthorn_500

Land: USA – Stil: Melodic / Symphonic Power Metal

Lineup:

Thomas Youngblood – Guitars
Casey Grillo – Drums
Oliver Palotai – Keyboards
Sean Tibbetts – Bass
Tommy Karevik – Vocals

1. Manus Dei
2. Sacrimony (Angel of Afterlife)
3. Ashes To Ashes
4. Torn
5. Song For Jolee
6. Veritas
7. My Confession
8. Silverthorn
9. Falling Like The Fahrenheit
10. Solitaire
11. Prodigal Son (Pt. I – Funerale, Pt. II – Burden of Shame, Pt III – The Journey)
12. Continuum

König Arthur wird sich freuen: KAMELOT ward neues Leben eingehaucht.

Vorwort: Nachdem man im Jahre 2010 das zweifelsohne nicht von jedem gut aufgenommene Album POETRY FOR THE POISONED veröffentlichte, folgt mit SILVERTHORN nun endlich das lang erwartete Nachfolge-Album der Melodic Metaller von KAMELOT. Am 26. Oktober 2012 wird es soweit sein – ein Tag, den sich besonders alteingesessene Fans der Band dick anstreichen sollten; schwören KAMELOT darauf, sich wieder auf ihre musikalischen Wurzeln zu besinnen. Gleichzeitig hat man mit Leadsänger Tommy Karevik (u.a. SEVENTH WONDER) einen neuen Frontmann am Start, der den langjährigen KAMELOT-Sänger Roy Khan ablöst. Es bleibt eigentlich nur eine Frage: kann die Band auch im Jahre 2012 bestehen und mit der niemals schlafenden Konkurrenz mithalten ?

Kritik: Nun, es wird höchstwahrscheinlich nicht allzu viel Zeit vergehen, bis der Hörer diese Frage doppelt und dreifach bejahen kann. Tatsächlich schaffen KAMELOT mit SILVERTHORN den Spagat zwischen dem Dasein ihres (zeitlos guten) alten Materials und dem Wunsch nach neuen Ideen und einer gehörigen Prise Inspiration. Was einst auf Alben wie EPICA oder BLACK HALO begann, wird nun mit und auf SILVERTHORN fortgesetzt – ein glorreicher Metal-Feldzug der auffällig melodischen Art.

Mit einem Intro wie MANUS DEI hat man dabei das perfekte Einstiegsmaterial zur Hand. Wo zu Beginn noch eine stark symphonische Komponente vorherrscht, folgt im weiteren Verlauf eine leicht düstere, mysteriöse. Die lateinischen Chorgesänge und eine hypnotisierende Erzählstimme vermögen es den Hörer schnell zu fesseln, und sinngemäß auf den Opener SACRIMONY (ANGEL OF AFTERLIFE) vorzubereiten. Wohlan, bei diesem Stück handelt es sich gleichzeitig um die erste Single – ein offizielles Musikvideo wurde bereits abgedreht und vorgestellt (siehe unten). Zweifelsohne, eine ausgezeichnete Wahl. Das Teil geht sofort ins Ohr, KAMELOT setzen ihren Sound hier geradezu majestätisch in Szene. Hinzu kommen zu gleichen Teilen Poesie und Gefühl – und fertig ist ein Opener, der sich gewaschen hat. Tommy Karevik kann als neuer Sänger auf Anhieb überzeugen; hier scheinen Harmonie und Ergänzungsmöglichkeiten zu stimmen. Die leicht verstörenden, verzerrten Gesänge gegen Ende hätte es vielleicht nicht unbedingt gebraucht – doch sei es drum. Mit ASHES TO ASHES folgt nun ein tempotechnisch etwas gemäßigterer Melodic Metal-Titel, dem man etwas weniger symphonische Elemente spendierte. Dafür aber eine ausgleichende Prise Härte und Rauheit, sowie einen schon rockig-schroffen Refrain.

Doch KAMELOT wissen auf SILVERTHORN vor allem in den mannigfaltigeren instrumentalen Momenten zu glänzen; wie nun auch in TORN – eine Art Gedicht in Musikform. Zu einer druckvollen und atmosphärischen symphonischen Komponente gesellen sich allerlei Glanzarbeit an den Gitarren, und vor allem eine äusserst eindringliche Darbietung von Tommy Karevik. Ein Titel wie dieser zeichnet sich vor allem durch seine übertragene Erhabenheit aus – und wirkt niemals gekünstelt oder klischeebehaftet. Auch der folgende SONG FOR JOLEE ist gänzlich vor diesen Merkmalen gefeit, und dass, obwohl es sich um eine explizite Ballade handelt. Aber was für eine – KAMELOT beweisen auch hier ein gutes Händchen für Melodien und eine passende, zurückhaltende Instrumental-Untermalung mit Streichern und Klaviertönen. Tommy Karevik fährt hier endgültig zur Höchstform auf – hier gibt es nichts zu bemängeln, ganz im Gegenteil – seine Stimmgewalt und Ausdrucksstärke ist enorm. Es darf aber gern auch mal etwas progressiver zur Sache gehen – wie in VERITAS. Danach sind die Highlights allerdings etwas dünner gesät – MY CONFESSION, der Titeltrack SILVERTHORN und FALLING LIKE THE FAHRENHEIT können nach dem fulminanten Auftakt nicht mehr gänzlich überzeugen beziehungsweise den Hörer ähnlich beeindruckt zurücklassen – zumindest aber das Qualitätsniveau halten.

Einen Zugewinn hinsichtlich Melodie und Abwechslung lässt sich nun wieder mit SOLITAIRE verzeichnen, einer vielfältigen Metal-Nummer mit einem starken Refrain. Das knapp 9-minütige PRODIAL SON zieht noch einmal alle Register und steigert sich stetig, während man das Album mit der instrumentellen Nummer CONTINUUM ausklingen lässt. Etwas merkwürdig nur, dass man hier etwa 1 Minute pure Stille einplante – nach dem symphonischen Auftakt mit dem zarten Piano-Ausklang folgt noch ein besonderes Violinen-Intermezzo.

Fazit: In diesem Jahr gab es wahrlich einiges an wahnsinnig guten Metal-Veröffentlichungen. Doch ist es noch nicht zu Ende – auch KAMELOT dürfen sich mit SILVERTHORN nun mit zahlreichen anderen Bands um die Krone des Power Metal-Genres streiten. Oder zumindest um die Spitzenposition des besten in 2012 veröffentlichten Alben – denn  mit SILVERTHORN liegt dem geneigten Musikbegeisterten ein weiteres überaus nennenswertes und höhrenswertes Werk vor, dass er so schnell nicht wieder aus der Hand legen wird. In der (späteren) Mitte könnten sich je nach persönlichem Gusto kleine Längen einschleichen – die jedoch kaum die enorme Gesamtwirkung des Albums schmälern können. Denn eines ist sicher: nach einem derart gelungenen Alben-Auftakt (mit dem stimmigen Intro, der Über-Nummer SACRIMONY und der späteren Ballade SONG FOR JOLEE) hätten sich KAMELOT schon etwas besonders äergerliches Einfallen lassen müssen, um den Hörer doch noch zu verärgern. Das ist glücklicherweise nicht der Fall, sodass man allerhöchstens einige etwas unspektakulärere Momente hinnehmen muss. Alles in allem: eine absolute Empfehlung.

Anspieltipps: SACRIMONY, TORN, SONG FOR JOLEE, SOLITAIRE

80button

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s