Filmkritik: „Zorn Der Titanen“ (2012)

Originaltitel: Clash Of The Titans 2: Wrath Of The Titans
Regie: Jonathan Liebesman
Mit: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes u.a.
Laufzeit: 99 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Fantasy / Action

Götter, Halbgötter und Titanen: ein gar nicht mal so himmlisches Vergnügen.

Inhalt: Ein Jahrzehnt nachdem Perseus (Sam Worthington) den mächtigen Kraken besiegen konnte, scheint sich die Lage im Land der Götter und Mythen beruhigt zu haben. So widmet sich Perseus als Halbgott und Sohn von Zeus (Liam Neeson) der Erziehung seines eigenen Sohnes Helios. Perseus möchte ihm eine möglichst friedliche Lebensweise ans Herz legen und es nur ungern sehen, wenn er einmal selbst eine Waffe führen würde – doch hat er nicht damit gerechnet, dass bereits ein Krieg entflammt ward. Bei dem spielen die Menschen jedoch nur eine untergeordnete Rolle: die Macht der Götter schwindet weiterhin, und erlaubt es ihnen so kaum noch, die eingesperrten Titanen zu kontrollieren. Dessen Anführer Kronos greift nun erneut nach der Macht, und hat sich dabei die Hilfe zweiter mächtiger Verbündeter gesichert: Hades (Ralph Fiennes) und Ares, dem Gott des Krieges. Es gelingt ihnen sogar, Poseidon zu töten und Zeus in Gefangenschaft zu nehmen – auf dass sie ihm seine restliche Energie entziehen können. Es liegt nun an Perseus und einigen ihm zur Seite stehenden Weggefährten, das drohende Unheil abzuwenden. Zusammen mit der Kriegerkönigin Andromeda (Rosamund Pike), Poseidons Halbgöttersohn Agenor (Toby Kebbell) und dem gefallenen Gott Hephaestus (Bill Nighy) dringen die Helden bis in die Tiefen der Hölle vor – und treffen auf einen erstarkten Gegner, der nur noch mithilfe eines mysteriösen Speeres besiegt werden könnte.

Kritik: Es war einmal ein Filmklassiker aus dem Jahre 1981, der auf den vielversprechenden Titel KAMPF DER TITANEN hörte. So umstritten jenes Machwerk auch war, 2010 folgte ein gleichnamiges Hollywood-Remake. Der KAMPF DER TITANEN ward in die heutige Zeit transferiert – mit einem entsprechenden Budget, gut aussehenden Darstellern und massig Special Effects. Eines aber hat man dabei vergessen, etwas; was dem Film zumindest einen Teil einer Form der ‚Zeitlosigkeit‘ hätte einverleiben können – eine Geschichte. So geriet das Remake schon weitaus weniger umstritten als das Original, und fungierte als sinnfreie Helden- und Göttermär mit bestem ‚Stoff‘ für das reizüberflutete Hollywood-Popcornkino (nachzulesen hier). 2012 folgt nun ein Sequel – ein Schritt, der zugegebenermaßen leicht überraschend kommt; da nach dem 1981 erschienenen Original kein weiterer Film mehr folgte. Und was folgt nach einem zweiten Teil, den man so sicher nicht im Raum stehen lassen möchte – richtig, ein dritter (der bereits in Planung ist). So wird aus der äußerst bildlichen Erzählung um Götter, Halbgötter und Titanen doch noch eine Trilogie werden. Eine aufwendige, kostenintensive und teilweise spektakuläre; sicher – doch ohne Zweifel keine besonders gut. Dumm nur, dass die Einspielergebnisse einmal mehr nicht in einem nachvollziehbaren Verhältnis zur eigentlichen Filmqualität stehen – nichts neues an den Fronten Hollywoods.

Dabei hätte alles so schön werden können. Mit dem zweiten Teil war den Machern nun die Möglichkeit gegeben, sich vom entsprechenden Original zu entfernen und weitaus tiefer in die Trickkiste zu greifen. Das tat man dann auch – nur griff man weniger in die erzählerische Schublade, als vielmehr in die der ’schwarzen Kunst‘. Diese besteht vornehmlich daraus; eine grundsätzlich epische, in Drehbuchform aber äusserst bröckelige Geschichte so zu verpacken, dass mögliche inhaltliche Defizite nicht so schnell zum Zuschauer vordringen. Stattdessen wird er sinnigerweise vom wesentlichen abgelenkt, und mit einer möglichst pompösen, bombastischen Inszenierung gefüttert, mit allem was heutzutage (leider) dazugehört. Ein fulminanter Soundtrack voller abenteuerlicher und majestätischer Klänge, eine optische Gestaltung voller Raffinessen und markanter Highlights, tolle Kostüme und aufwendige Szenenaufbauten wissen im ZORN DER TITANEN schnell zu beeindrucken. Doch so schnell dieser Eindruck entsteht, so schnell verfliegt er auch wieder – um ein nachhaltiges Werk zu erschaffen bedarf es eben weitaus mehr als einer handwerklich halbwegs geschickten Inszenierung. In der Tat: auch der ZORN DER TITANEN ist überraschend hirnlos ausgefallen. Weder schafft man es, der Geschichte die nötige Dramatik und Spannung einzuverleiben; noch etwas zu erschaffen, was den Kontext von ein oder zwei Einzelszenen zu durchbrechen vermag. So verkommt die vermeintlich ‚epische‘ und alles und alle betreffende Geschichte zu einer banalen Belanglosigkeit, zu einer peinlichen Rechtfertigung ein Effekt-Feuerwerk wie hier dargeboten stattfinden lassen zu können. Der unnötige 3D-Effekt und die beabsichtigt ‚gekräuselten‘ Bilder kann man übrigens kommentarlos im Raum stehen lassen.

Jedoch ist ZORN DER TITANEN nicht ganz so lachhaft und unfreiwillig komisch ausgefallen wie sein Vorgänger. Die Macher bemühten sich, einen möglichst ernsten Grundton vorherrschen zu lassen – was ihnen gelungen ist, wenn auch mit eher fraglichen Mitteln. Schließlich besteht der gesamte Film gefühlt aus einer einzigen, in die Länge gezogenen Kampfszene. Und, daran besteht kein Zweifel: in denen geht es eben um Leben und Tod. Schließlich verlieren nun auch selbst die Götter ihre Macht, und werden teilweise sterblich – der mitunter einzige dramatische Aspekt in und am ZORN DER TITANEN. Doch selbst hier kann man als Zuschauer kaum Mitgefühl aufbringen – zu konstruiert, zu abwegig; zu unglaubwürdig wirken die dargestellten Porträts. Das gleiche gilt indes für die hier gern zitierte Vater-Sohn Beziehung, die Perseus als Ansporn dient – ein paar leidende, schmerzverzerrte Blicke reichen hier aus, um selbige Beziehung zu charakterisieren. Ebenso einseitig verhalten sich die Charaktere; und geben nur selten mehr als heisse Luft von sich. Auch diesem versuchte man entgegenzuwirken – auf zweierlei Art und Weise. Zum einen involvierte man den Sohn von Odysseus, der jedoch als Dieb und Taugenichts umher zieht – und für eine entsprechend ‚witzig-heitere‘ Note im Film sorgt. Teilweise mag das funktionieren, teilweise schleicht sich der Fakor des Fremdschämens mit ein – doch im Endeffekt verpufft dieser Faktor ohnehin, als der Charakter immer unwichtiger wird und sich alles auf die ganze großen Helden (Perseus) konzentriert. Und zum anderen versah man einen wichtigen Charakter – Hades – mit einem Hang zu einem Wesenswechsel. Somit findet doch ein wenig Charakterentwicklung statt – auch wenn sie noch so weit hergeholt, plötzlich und konstruiert erscheint.

Man sieht, die Versuche waren da – doch wurden sie ohne großen Mut und ohne viel Herz umgesetzt. Stattdessen rummst und kracht es an allen Ecken und Enden – angefangen bei einem Kampf in einem Dorf, in dem zweiköpfige Monster mit Säure und Feuer um sich speien. Zwischendurch gibt es allerlei Kämpfe zwischen Göttern, Titanen und Halbgöttern; und das große Finale setzt dem Ganzen dann endgültig die Krone auf. Ein riesiger Cronos aus Gestein und Lava erhebt sich aus einem explodierenden Vulkan, eine Tausendschaft von menschlichen Kriegern stellt sich ihm und seinen Titanen entgegen. Dann tauchen auch noch Zeus und Hades auf, schiessen mit Blitzen um sich; und Perseus erscheint auf einem mächtigen Pegasus, in der Hand ein sagenumwobener Speer – mit dem er Cronos zu Fall bringen wird. Puh, erst einmal durchatmen und den visuellen und akustischen ‚Overload‘ verarbeiten – um daraufhin festzustellen, dass das alles zwar reichlich pompös (und vor allem teuer) wirkt; es jedoch an einer filmischen Seele, einem Gespür für eine gute Geschichte mangelt. Hinzu kommen allerlei Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten, wie beispielsweise der Kampf zwischen Ares (dem Kriegsgott) und Perseus; der selbstverständlich (und warum auch immer) zum guten gewendet werden kann. Oder der riesige Cronos, der ständig irgendetwas unverständliches vor sich hinmurmelt (äzhnlichen der bassigen Stimme der Ents aus HERR DER RINGE), eigentlich als die mächtigste Gestalt überhaupt gelten sollte – sich dann aber doch reichlich blöd anstellt, nur klotzig-behäbig durch die Szenerie wandelt um dann ein Pegasus samt Perseus und Speer in den Hals (!) zu kriegen und zu sterben. Eine obligatorische, absolut unpassende Liebes- bzw. Kussszene gibt es gegen Happy-End dann noch obendrauf serviert. Guten Appetit !

Fazit: ZORN DER TITANEN ist genau das geworden, was manche vielleicht befürchtet haben – eine 90-minütige Geschichtsstunde auf Speed. Die inhaltlichen Aspekte tendieren gegen Null, die Charaktere und Dialoge sind nur Mittel zum Zweck, Überraschungen gibt es keine. Stattdessen gibt es massig knallige Effekte vom Fliessband – die dem Effektgewitter der TRANSFORMERS nur insofern etwas positives voraus haben, als dass sie in einer natürlicheren Umgebung stattfinden und nicht gleich ganze moderne Städte in Schutt und Asche gelegt werden. Sicher, der ZORN DER TITANEN sieht stellenweise nett aus – doch das war es dann auch schon gewesen. Bis auf einen kleinen, winzigen Spruch der einmal kurz das Hirn aufflackern lässt – der Moment, in dem Hades einen Satz über seine verlorengegangene Macht sinniert. Eine echte Enttäuschung – die mit einem potentiellen dritten Teil wohl kaum aus der Welt geschafft werden kann. Immerhin lassen sich leichte Verbesserungen im Vergleich zum ersten Teil erkennen, sodass man sagen kann: wenn schon einen TITANEN-Film, dann doch den mit dem ZORN. Ansonsten bleibt alles beim alten. Das Popcorn hergeholt, das Gehirn ausgeschaltet – statt der schönen Frauen gibt es diesmal eben einige besonders knackige Kerle (und Zyklopen) zu bestaunen. Doch Vorsicht, das Erbgut ist nicht automatisch gut angelegt – ob Gott, Titan, Halbgott oder schlichter Mensch kann man im ZORN DER TITANEN-Universum nämlich nie genau wissen…

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Zorn Der Titanen“ (2012)

  1. Oh crap! Aber Hut ab, dass du dir achsomanchen Krampf trotzdem noch reinziehst. ^^ Ja so ist das…früher, als es Leute gab die noch Filme drehen konnten, fehlte ihnen das nötige Geld und die Technik. Heute ist es umgekehrt…heute hat man genug Geld und Technik um selbst den Weltuntergang glaubwürdig zu inszenieren, aber man hat verlernt wie man Filme dreht. Bei vielen Werken reicht wohl auch „copy & paste“ bei Lord of the Rings/Harry Potter pipapo…fügt einfach noch ein paar Kreaturen, Effekte (Feuer und Explosionen kommen immer gut um Leute zu verblenden) mehr ein und das ist dann der ganze Film! Nicht mit mir…sowas hab ich als Kind/Jugendlicher noch unterhaltsam gefunden, bei Filmen die schon angestaubt sind hat man einfach noch den gewissen Charme. Aber DAS hier…schon alleine der Titel ZORN der Titanen erzürnt mich mit seiner drögen reißerischen Penetranz.^^ Aber die Leute stürmen die Kinos/Videotheken als würden sie eine Mc Donalds Filiale betreten, nach dem Motto „Hauptsache irgendwas“ und wundern sich nachher über digestive Schwierigkeiten.

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