Metal-CD-Review: LABYRINTH – Return To Heaven Denied (1998)

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Land: Italien – Stil: Power Metal

Lineup:

Rob Tyrant Vocals (lead), Vocals (backing)
Frank Andiver Drums
Chris Breeze Bass
Andrew McPauls Keyboards, Piano
Anders Rain Guitars
Olaf Thörsen Guitars
Mat Stancioiu Drums

01. Moonlight
02. New Horizons
03. The Night Of Dreams
04. Lady Lost In Time
05. State Of Grace
06. Heaven Denied
07. Thunder
08. Feel [Legend B. remix version]
09. Time After Time
10. Falling Rain
11. Die For Freedom

Ein Klassiker, den man nicht missen sollte.

Vorwort: Was wäre ein halbwegs akzeptabler Medien- und Metal-Musikblog ohne die italienische Power Metal-Combo LABYRINTH, die bereits seit 1991 aktiv ist ? Seit ganzen 2 Dekaden versorgen die Italiener Power Metal Fans aller Herren Länder, wenngleich einige Höhen und Tiefen sowie auch Besetzungswechsel zu verzeichnen waren. Tatsächlich erhielt das erste Studioalbum der Band, NO LIMITS, bereits ein Review auf Oliverdsw.Wordpress – damals war noch Fabio Lione (RHAPSODY OF FIRE) für den Gesang verantwortlich. Nun sollen langsam aber sicher auch die anderen Alben folgen, nicht zuletzt um die Spreu vom Weizen zu trennen – obwohl das bei einer Band wie LABYRINTH sicherlich schwierig ist. Denn irgendwie gehört stets ein kleines bisschen Gänsehaut dazu, greift man zu einem Release der Italiener; die das Genre zweifelsohne mit definiert haben.

Kritik: RETURN TO HEAVEN DENIED war das erste LABYRINTH-Album, auf dem der neue Sänger Roberto Tiranti zeigen konnte, was er draufhat. Sicher war es keine leichte Aufgabe, in die Fußstapfen eines Fabio Lione zu treten – doch lauscht man den Klängen des Openers MOONLIGHT, so wird man glücklicherweise feststellen, dass man hier eine aussergewöhnliche (Metal-)Stimme verpflichtete. So gesellte sich Roberto Tiranti in die Riege der Sänger, mit denen man im Power Metal-Genre stets rechnen muss – und lässt sich dabei gut mit einem Olaf Heyer vergleichen, der eine ganz ähnliche Stimmfarbe an den Tag legt. Bis heute hat dieses Stück nichts von seiner Wirkungskraft verloren, die einstweilen nicht ganz eindeutig zu beschreiben ist: LABYRINTH haben spätestens auf diesem Album einen eigenen, Band-typischen Sound etabliert. Der definiert sich durch eine flotte Instrumentation, einem deutlich auszumachenden Keyboardeinsatz (was noch nichts allzu besonderes ist) – aber eben auch einer gewissen Form der ‚Verträumtheit‘, einer Form der erhabenen Poesie. Der Sound  von LABYRINTH hat so stets etwas ’sphärisches‘ an sich, sodass man stets glaubt besonders bedeutungsschweren Klängen zu lauschen. Der Opener fungiert hier als perfektes Beispiel: eine generell antreibende Wirkung gepaart mit den hintergründigen, symphonischen Klängen und epischen, allumfassenden Lyrics sorgen für reichlich Herzklopfen im positivsten Sinne.

Es folgt NEW HORIZONS, dass sogleich erneut den ureigenen LABYRINTH-Sound heraufbeschwört: ein wohliger Keyboardteppich und allerlei Instrumentale Einspieler machen dieses Stück zu weitaus mehr als ’nur‘ einer typischen Power Metal-Nummer. Das ist indes kein Wunder, waren LABYRINTH eine der ersten Bands, die zusammen mit RHAPSODY einen epischen Sound kreierten, dem man gerne auch mal etwas Keyboardunterstützung (oder später klassische Elemente) beifügen konnte, ohne dass man sich einem allgemeinen Kitsch hingab. Die Musik wirkt immer noch verdammt ehrlich und vor allem emotional durchschlagend, ohne dass man befürchten müsste ‚zu wenig‘ Metal-Elemente serviert zu bekommen. Denn auch die Gitarrenarbeit stellt sich als grandios und mannigfaltig heraus, das Schlagzeug und der Bass leisten gleichermaßen wichtige Anteile am funktionierenden Gesamtkonzept. Besonders markant sind die ausgefeilten Soli-Passagen, wie auch in diesem Titel zu hören – der Wahnsinn. Stichwort verträumt: genau das ist auch THE NIGHT OF DREAMS. Hier handelt es sich um eine Art Halbballade mit einer großen Portion Gefühl und dezenten Instrumentalen Momenten, definiert durch Akustikgitarren und einem verhaltenen Piano. Dass explizit emotionales oder balladesk-anmutendes aber nicht immer einer vorgegebenen Richtung folgen muss, dafür steht LADY LOST IN TIME. Dieses Stück beginnt noch äusserst ruhig, ein leise klimperndes Piano und ein gefühlsbetonter Gesang markieren den Einstieg. Bereits jetzt ist jedoch klar: in diesem Titel steckt eine gehörige Portion Melodie. Und siehe da; im weiteren Verlauf gibt es die ein oder andere markante Wandlung. Plötzlich befindet man sich inmitten einer flotten Uptempo-Nummer mit tollen Strophen und einem wahrhaftigen Über-Refrain.

So geht das eben zu auf einem LABYRINTH-Album, die ein oder andere Überraschung sollte man definitiv mit einplanen. Das Folgestück STATE OF GRACE ist nun eine solide Midtemponummer mit einem Schwerpunkt auf dem Bass und den rhythmischen Gitarren. Wieder geht der Gesang sofort ins Ohr beziehungsweise unter die Haut. HEAVEN DENIED ist der Titeltrack des Albums, der ganz ähnlich aufgebaut ist wie einige der vorherigen Halbballaden. Doch der zarte Gesang wirkt einstweilen etwas zu bemüht und zu sanft, die akustischen Gitarrenpassagen reissen nicht mehr wirklich vom Hocker. Wie gut, dass zu diesem Zeitpunkt ein Kracher wie THUNDER ins Haus steht. Hier handelt es sich schlicht um DIE Hymne des gesamten Albums, den mitreissendsten und wenn man so will ‚besten‘ Titel des Albums. Und um den nachhaltigsten noch dazu: diese Hymne wird wohl niemals etwas von ihrer Wirkungskraft einbüßen und so noch lange in den weltweiten Boxen zahlreicher Hörer nachhallen. Hier stimmt einfach alles: die gelungene, von markanten musikalischen Intermezzi durchzogene Songstruktur, der grandiose Mitsing-Refrain, die energetischen Strophen. Wenn LABYRINTH mit diesem Stück nicht die Pforten des Himmels öffnen können, dann mit keinem.

Ebenfalls enorm interessant ist FEEL im LEGEND B. REMIX, ein reines Instrumentalstück mit nicht ganz so weitreichenden Variationen; aber einem allgemein sphärisch-erhabenem Eindruck. TIME AFTER TIME ist dann endlich wieder eine der Hymnen- und Kultverdächtigen Power Metal-Nummern der eher reinrassigen Art. Eine flotte Gangart, perfekt inszenierte Gitarren und hier etwas dezentere Keyboards machen einen super-soliden Eindruck. FALLING RAIN ist dann wieder etwas für die sanfteren Gemüter, was etwas unspektakulär wirkt. Der finale Abschluss DIE FOR FREEDOM mischt dann wieder verschiedene Eindrücke zu einem großen Ganzen zusammen, und schließt so den Kreis zum Opener.

Fazit: RETURN TO HEAVEN DENIED ist ein gutes Album – ein verdammt gutes sogar. Letztendlich ist es aber keines, was einen Platz an der absoluten Spitze des Wertungsthrones verdient hat, welchen es nur knapp verfehlt. Warum, ist nicht schwer zu sagen: LABYRINTH spielen auf ihrem Zweitwerk noch zu wenig mit verschiedenen Stimmungen und Eindrücken, sodass einstweilen ein etwas gleichförmiger Eindruck entstehen kann. Gerade die mit stark balladesken Einflüssen versehenen Titel scheinen hier klar zu dominieren, während der zeitlose Power Metal stellenweise etwas hintenansteht. Bis dann eben eine Hymne wie THUNDER erklingt – eine der wohl eindringlichsten Power Metal-Kracher der 90er Jahre. Doch in Sachen Songwriting, Handwerk und einer soundtechnischen Perfektion sind LABYRINTH wohl über alle Zweifel erhaben. Ein Muss für Genrefans !

Anspieltipps: LADY LOST IN TIME, THUNDER, FEEL, TIME AFTER TIME

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