Metal-CD-Review: GHOSTHILL – Flying Through Imagination (2012)

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Alben-Titel: Flying Through Imagination
Künstler / Band: Ghosthill (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. September 2012
Land: Russland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

John – Drums
Val – Guitars
Nick – Guitars, Keyboards
Andrew – Bass
Margo – Vocals, Keyboards

Track-Liste:

1. My Garden of Seasons (03:41)
2. In Cage (04:25)
3. Black Orchid (05:15)
4. It Can’t Rain All the Time (03:26)
5. Pandora (05:18)
6. Sometimes in My Heart (03:58)
7. Beneath the Sky (04:18)
8. The Lines of Fear (04:20)
9. Flying Through Imagination (07:08)

Die Vorstellungskraft kennt keine Grenzen – und Musik auch nicht.

FLYING THROUGH IMAGINATION ist das zweite Album der noch jungen russischen Band GHOSTHILL, die sich 2010 erstmals mit ihrem eher ungewöhnlichen Debüt-Album EMBRACE OF A CHASM (Review) zu Wort meldete. Doch obwohl die Band erst 2009 gegründet wurde, gab es schon jetzt einige Mitgliederwechsel zu verzeichnen – von denen der markanteste wohl die ehemalige Frontfrau Mira Selivanova betrifft. Für sie kam eine neue Sängerin namens Margo – wobei es rein stimmlich aber gar nicht mal so viele Unterschiede zu entdecken gibt wie vielleicht erwartet. Lediglich die Sache mit dem Akzent gilt es weiterhin hervorzuheben: auch der neuen Frontfrau hört man deutlich an, dass Englisch nicht ihre Muttersprache ist. Das muss indes nicht unbedingt schlechtes bedeuten.

Wer bereits das erste Album von GHOSTHILL gehört hat weiß schließlich, dass die Band einen recht frischen und eigenständigen Sound an den Tag legt. Einen leicht ungewöhnlichen noch dazu, fasst man das Schaffen der Band unter dem Oberbegriff des Power Metal zusammen. So gesellen sich vor allem auch allerlei elektronische Einflüsse und nachträglich bearbeitete Elemente zur allgemeinen GHOSTHILL-Soundkulisse hinzu – die man im besten Fall als interessant bezeichnen kann. Doch nicht nur in Bezug auf die elektronischen Einflüsse könnten je nach Facón die Alarmglocken läuten: bereits der Opener GARDEN OF SEASONS offenbart, dass die Band eine enorme Vorliebe für ausgiebige Keyboardpassagen und auch mal explizit seichte Einflüsse hegt. Doch das ist natürlich nicht durchgehend so. Dennoch: wer hier einen ungekünstelten, straighten Heavy Metal erwartet wird vermutlich eher enttäuscht werden ob all der Experimentierfreude von GHOSTHILL.

Weiter geht es mit IN CAGE, einer temporeichen Nummer mit allerlei Bombast und Zwischenspielen die sich als recht facettenreich herausstellt. Eine Art Gesangsduell zwischen Margo und einer Gastsängerin sorgt für den nötigen Pepp, während sich der Instrumental-Part äußerst abwechslungsreich gestaltet und die Struktur so manche Überraschung bereithält. Hier gibt es wahrlich nichts zu meckern – gerade die gelungene Gitarrenarbeit fesselt und begeistert. BLACK ORCHID ist dagegen ein Stück, dem es eindeutig an Druck und Kraft fehlt – alles wirkt etwas zu verhalten inszeniert. Bei IT CANT RAIN ALL THE TIME wird man erstmals auf den ganz eigenen Sound von GHOSTHILL stoßen, der sich hier durch exzessive Elektronik-Einflüsse und ein flottes Tempo auszeichnet. Die ersten Sekunden verwundern gar durch einen recht poppigen Einschlag – die gängigen Genre-Grenzen drohen abermals zu verschwimmen. Nun kommt es ganz darauf an, in wie weit man selbst gegenüber solchen Experimenten aufgeschlossen ist. Wer bereits den Vorgänger oder speziell den Titel TITANIC HEROES mochte, der wird dagegen vollends zufriedengestellt werden. Immerhin beweisen GHOSTHILL weiterhin, dass sie ein ausgeprägtes Gespür für gute Melodien haben.

Es folgt PANDORA, ein gut arrangiertes Stück voller Dramatik und Tempowechsel. Der Aufbau wirkt gelungen, lediglich einige einzelne Elemente wissen den Fluss etwas zu stören; wie etwa die künstlich-kitschigen Instrumentalspielchen, der etwas zahnlose Double-Bass oder die eher lachhaften Chor- und Orchesterelemente. hier handelt es sich um kein Highlight, aber auch nicht um einen Ausfall. Richtig interessant wird es dann mit SOMETIMES IN MY HEART, der ersten expliziten Ballade. Einer voller Herzschmerz und dick aufgetragenem Gefühl noch dazu – man bewegt sich irgendwo zwischen einem zu belächelndem Kitsch und einer emotionalen Ernsthaftigkeit. Nach einer derartigen Nummer kann natürlich nur ein Brecher wie BENEATH THE SKY folgen, die bisher temporeichste Nummer des Albums. Und tatsächlich: der Refrain ist ein echtes Highlight, hier springt die Vorliebe für geniale Melodien sofort über. Wären die Strophen doch nur ähnlich ambitioniert vorgetragen – doch die spätere Instrumental-Passage entschädigt vieles, hier regiert erstmals ein druckvoller Pomp  wie bei den großen Genrekollegen. THE LINES OF FEAR klingt gerade zu Beginn etwas zu künstlich und anorganisch; ein Eindruck, dessen man sich auch im weiteren Verlauf nicht wirklich erwehren kann. Bleibt nur noch der Titeltrack (mit knapp 7 Minuten der längste), der es etwas an Schmackes vermissen lässt – aber sei es drum. Das Album macht Laune, wechselt zwischen heiteren und düsteren Momenten hin und her und sorgt für anständige Unterhaltung.

Es ist schon ein wenig ungewöhnlich, was GHOSTHILL hier abliefern. Zwar kann FLYING THROUGH IMAGINATION noch unter dem Banner des Power Metal firmieren, doch bei einer näheren Betrachtung offenbaren sich allerlei Besonderheiten. Solche die einige lieben, und andere eher… nicht mögen werden. Um sich in etwa den Sound des Albums vorstellen zu können, sollte man sich NIGHTWISH ins Gedächtnis rufen – und die pompösen Orchester- und Chorelemente durch Elektronikeinflüsse beziehungsweise synthetische Keyboardsounds ersetzen. Trotz aller Befürchtungen und der Tatsache, dass das manchmal etwas plump und einfältig klingt – größtenteils wirkt das Album durch seine Andersartigkeit und Eigenständigkeit recht erfrischend und weiß den Hörer gut zu unterhalten. Nun gilt es noch an den offensichtlichen Schwächen zu arbeiten, um sich dem Genre-Thron zumindest weiter zu näheren. Sicher, man kann nicht erwarten dass eine junge russische Band wie diese eine Sängerin an den Start bringt, die die englische Sprache perfekt beherrscht und die Lyrics entsprechend ausspricht – doch in diesem Fall schrammt man hart an der Grenze des erträglichen. Die Darbietungen an den Gitarren sind nett und zeugen von gewissen Alleinstellungsmerkmalen – doch manchmal scheint man sich in den Arrangements zu verhaspeln und sich gegenseitig auszuspielen. Am gravierendsten fallen aber die noch viel zu aufdringlich servierten Keyboardelemente ins Gewicht – die die allgemeine Melodiösität zwar unterstützen, aber dann doch etwas zu dick aufgetragen werden. Alles in allem: Genrefans sollten einen Blick riskieren.

Absolute Anspieltipps: MY GARDEN OF SEASONS, IN CAGE, PANDORA, BENEATH THE SKY


80button

„Etwas düsterer als der Vorgänger – aber mindestens ebenso erfrischend.“

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