Filmkritik: „Saw 3D – Vollendung“ (2010)

Originaltitel: SAW VII 3D
Regie: Kevin Greutert
Mit: Cary Elwes, Tobin Bell, Costas Mandylor u.a.
Laufzeit: 90 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

Jigsaw in Rente ? Nicht doch…

Inhalt: Obwohl Jigsaw schon längst tot ist, geht das makabere Morden weiter. Schließlich stellen sich gleich mehrere Personen als möglicher Nachfolger des vermeintlich gerechten Fallenstellers heraus – die sich nun um die Vorherrschaft streiten. Doch auch auf Seiten der Opfer gibt es Bewegung – einige Überlebende haben sich in einer Art Selbsthilfegruppe zusammengefunden, über die auch die Medien berichten. Ihr Anführer ist ein gewisser Bobby Ddagen (Sean Patrick Flanery), der eine besonders heikle Fallenkonstruktion zu überwinden hatte und heute als geläuterter Mann auf seine Vergangenheit blickt. Doch hat er tatsächlich ein Spiel des Serienkillers Jigsaw überlebt – oder behauptet er dergleichen nur, um sich eine bessere Publicity zu verschaffen ? Denn es scheint, als spielten Geld und Ansehen eine nicht unwesentliche Rolle… umso mehr ein Grund für Detective Hoffman, einen der hochkarätigen Jigsaw-Nachfolger, den selbst ernannten Guru nun tatsächlich in eine Falle zu verstricken. Es geht – wie immer – um Leben und Tod !

Kritik: Nach der grandiosen Trilogie fulminanten Folter-Doppeltrologie um den Fallensteller Jigsaw folgt mit SAW 3D – VOLLENDUNG nun der vorerst letzte Teil der berühmt-berüchtigten Folter-Mär. Sofern man den Verantwortlichen glauben kann – schließlich spielt das Franchise nach wie vor gutes Geld in die Kassen. Eine wahre Qual für viele Kritiker, deren Ansicht nach selbiges Geld mit Blut befleckt ist – SAW ist und war schon immer eine zutiefst umstrittene Filmreihe mit einer zweifelhaften Daseinsberechtigung. Dementsprechend werden viele Franchise-Gegner nun aufatmen, gesetzt es handelt sich wirklich um einen endgültigen Abschluss. Und tatsächlich: der nun vorliegende SAW 3D ist das hochzuhaltende Paradebeispiel für die Abnutzungserscheinungen der Reihe, die nun selbst von eingefleischten Fans nicht mehr übersehen werden können. Wie auch immer sich die Zukunft für das SAW-Franchise gestalten wird, man kann nur hoffen; dass man Jigsaw nun endlich seiner verdienten Ruhe überlässt.

Sicher, SAW 3D ist kein abgrundtief schlechtes Machwerk; zumindest nicht aus dem Standpunkt gängiger Wertungskriterien heraus. Jedoch: war bereits in den vorherigen Teilen (vor allem Teil 4-6) die Originalität des ersten Teiles komplett verloren gegangen, erschienen die Entwicklungen und Motivationen der Charaktere weit hergeholt – so schiesst man den Vogel mit der sogenannten VOLLENDUNG nun endgültig ab – und zwar in jeder nur erdenklichen Hinsicht. Es beginnt bereits mit dem auf Hochglanz polierten Auftakt des Films, der das Fallensteller-Niveau auf eine neue Ebene hieven soll. Schließlich bemüht man sich zumindest um Innovationen – auch wenn das Ergebnis noch so zweifelhaft erscheint und komplett aus dem Kontext fällt. Hier sieht man ein Trio, welches in einer Art Glaskasten eingeschlossen ist, natürlich bereits in den direkten Fängen der perversen Apparatur. Nun, auf das ‚warum‘, die Fragestellung nach einer Art ‚Rechtfertigung‘ für das Auswählen der Opfer braucht man spätestens seit dem vierten oder fünften Teil nicht mehr einzugehen, da offenbar immer wahlloser und selbst im besten SAW-Sinne ‚unverdienter‘ selektiert wird. Doch selbst wenn man jegliche derartige Anforderungen an die Handlung oder das Erzählen der Geschichte einmal aussen vor lässt, so lässt sich nicht verhehlen; dass eine Falle  wie diese bestenfalls in einer Parodie des Franchises einen sinnigen Platz gefunden hätte.

Eine gewollte, eine unbewusste; oder schlicht eine verzweifelte Maßnahme ? Schließlich muss man als Filmemacher in irgendeiner Form für Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff sorgen – was sich immer schwieriger gestaltet, je weiter man in einer Filmreihe voranschreitet. Doch bereits diese erste Szene macht eines unmissverständlich: der Horror- und Gruselfaktor des ersten Teils (und ansatzweise der späteren) hat sich komplett verabschiedet. SAW 3D ist weder besonders spannend noch dramatisch, er ist niemals gruselig oder ernsthaftig schockierend – das ‚3D‘ steht stellvertretend für das Dasein eines schlichten Unterhaltungsfilms, der sich jedoch gänzlich andere Elemente zum Vorbild nimmt als für gewöhnlich üblich. So weit ist es also schon gekommen – das Foltern als Alltagsangelegenheit, die Gewalt und Perversion als gerade noch verträgliche Portionshäppchen für das (volljährige) Publikum des US-Popcorn-Kinos. Solange es zahlt, warum auch nicht ? SAW 3D macht keinen Hehl aus dieser Form der Dekadenz, stattdessen drängt er sich mit dem Zuschauer auf – mit einer ungeheuren Penetranz, die das Gezeigte als geradezu selbstverständlich darstellt.

Fazit: SAW 3D bringt das SAW-Franchise endlich in seinen verdienten Ruhestand. Der erste Teil war gut, keine Frage – die nachfolgenden immerhin noch durchschnittlich; doch im weiteren Verlauf immer abstruser, ideenloser und gleichförmiger. Die einzige (jedoch zweifelhafte) Geschicklichkeit der Macher besteht darin, der grundsätzlichen dünnen Handlungen immer wieder einen neuen ‚Schliff‘ ihrer Facón zu verpassen – indem sie längst verschollen und tot geglaubte Charaktere wieder auftauchen lassen und reichlich gewagt mit der Rollenverteilung der beteiligten Charaktere spielen. Das ist an und für sich spannend – doch entbehrt es einer jeglichen Glaubwürdigkeit oder Logik; und reicht schon gar nicht für eine Ausdehnung der Filmreihe auf nunmehr 7 einzelne Machwerke. Doch auch ohne eine schockierende Nachvollziehbarkeit / Authentizität, wie man sie immerhin noch dem ersten Teil hat unterstellen können; wird SAW immer seelen- und geistloser. Man probiert sich an verschiedenen Stilmitteln und -Richtungen (wie zur Eröffnungsszene), setzt auf immer schrecklichere Fallen (wie die mit einem Schlüssel an einem Angelhaken, versenkt im Magen eines Opfers) – und verliert sich dabei in einer sinnfreien Fällen-Mär, in dem ein längst verstorbener Jigsaw wie durch Geisterhand die Geschicke seiner ‚Nachfolger‘ lenkt. Ob er nun eine ausgeprägte Gabe des Vorhersehens innehatte oder nicht. Es bleibt dabei: handwerklich ist SAW 3D gut gemacht; Optik, Sound und Darsteller (gut: Costas Mandylor als Detective Hoffman) überzeugen – doch inhaltlich sieht es (abgesehen von einem dreckig-coolen Rachefeldzug Hoffman’s) ganz, ganz düster aus. Immerhin sorgt die letzte Szene, die einen Bezug zum ersten Teil herstellt; für die Unterstreichung des ‚finalen‘, abgeschlossenen Eindruckes. Bitte nicht weitermachen !

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Saw 3D – Vollendung“ (2010)

  1. Ich sag mal so, das ist wie bei den Simpsons…die sind mittlerweile auch ausgelutscht, da braucht man sich nichts vorzumachen. Immer wieder werden die selben Ideen nochmal aufpoliert und als neu verkauft und das ist einfach zu wenig. Was Saw angeht: Gott sei Dank das Ende bzw. HOFFENTLICH! Mir fehlt momentan die Motivation dazu mir den letzten Teil reinzuwürgen, weil es noch weitaus interessantere Werke gibt, die ich vorher sehen möchte. 🙂

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