Metal-CD-Review: KERION – Cloudriders Part I: Road To Skycity (2012)

kerion_cloudriders_500

Land: Frankreich – Stil: Symphonic Power Metal

Lineup:

Rémi – Guitars
Sylvain – Guitars
Flora – Vocals
Stéphane – Bass
JB – Drums

01. Rider’s Theme (intro)
02. The Map
03. Everlasting Flight
04. Bounty Hunter
05. The Sky Is My Ocean
06. Fireblast
07. Tribal Vibes
08. Never More
09. Celticia’s Song
10. Ghost Society
11. The Fall Of Skycity Pt. 1
12. The Fall Of Skycity Pt. 2
13. Rider’s Theme (outro)

KERION sind zurück – und erzählen von einer gar fantastischen Reise.

Vorwort: Gut 2 Jahre nach THE ORIGINS legt die französische Symphonic Power Metal-Combo um Frontfrau Flora Spinelli (der Name ist bereits ein Highlight für sich – zumindest in deutschen Ohren) mit CLOUDRIDERS PART I: ROAD TO SKYCITY ein neues Konzeptalbum vor. Es scheint, als hätte man sich ordentlich ins Zeug gelegt was sowohl die Weiterentwicklung hinsichtlich des typischen KERION-Sounds, als auch die Präsentation des Liedguts betrifft. So ziert ein Artwork von WORLD OF WARCRAFT-Designer Gonzo das Antlitz der neuen Scheibe, Trailer zeigen nett gestaltete Fantasy-Figuren, die Band posiert eigens im adretten Piraten-Dress. Schade nur, dass dieses Konzept nicht bis zum letzten ausgelebt wurde – schließlich zeigten sich KERION im zum Album erschienenen Musikvideo (Link) weitaus weniger experimentierfreudig. Sei es drum – das Album ist verdammt vielversprechend, und man wird es – gesetzt man hat das Werk erst einmal zu Hause liegen – nicht lange allein lassen. Ab damit in den CD-Spieler, die Anlage aufgedreht – und hinein in das eigens erdachte Fantasy-Universum.

Kritik: Ja, worum geht es eigentlich auf CLOUDRIDERS PART I ? Dem Titel und den ersten Eindrücken nach wohl um eine Bande von freiheitsliebenden Piraten, die in abenteuerlichen Gefilden auf allerlei Gefahren treffen und eine übernatürliche Brücke in den Himmel entdecken, um… so, oder so ähnlich sollte man sich den konzeptionellen Aufbau des Albums vorstellen. Ob vage oder nicht; man sieht schon, dass man zumindest ansatzweise Fan des Genres sein sollte, um dem neuen KERION-Release etwas abzugewinnen. Denn genau darum geht es (unter anderem…) im Symphonic Power Metal: möglichst epische Heldensagen und Abenteuer-Geschichten werden in pompös inszenierter Manier vorgetragen, auf dass sich die Hörerschaft in das entsprechend vorgestellte (und hoffentlich einer eigenen Idee entsprungene) Handlungs-Universum einfinden; im besten Fall in ihm versinken kann. Das klingt kitschig ? In der Tat, das ist es auch – beziehungsweise können diesbezügliche Grenzen schnell übertreten werden. Besonders, wenn es sich um Bands handelt die noch nicht allzu lange im Geschäft oder schlicht nicht besonders talentiert sind. Aber auch bei alteingesessenen können Schwierigkeiten auftreten – die Gratwanderung zwischen Kitsch-Bombast und ‚echtem‘ Power Metal ist nicht immer leicht zu meistern. Ob KERION dies auf CLOUDRIDERS schaffen, und ob die Ideen gar für einen zweiten Teil reichen… ?

Immerhin, KERION existieren seit 1997. Mit 2 Demos und 2 vollwertigen Alben im Gepäck (und nur einem Mitgliederwechsel – auch mal was neues) wagen sie sich nun an die vorliegende Sage, die mit dem episch anmutendem Intro RIDERS THEME eröffnet wird. Irgendwo zwischen DRAGONLAND, NIGHTWISH und RHAPSODY OF FIRE anzusiedeln, ertönen hier absolut Soundtrack-taugliche Klänge – mal mit etwas mehr Pomp, mal mit etwas mehr Gefühl. Gerade der Aufbau des Titels wirkt ausserordentlich gelungen und spannungserzeugend. Das Ganze wurde glücklicherweise so komponiert, dass die musikalische Erhabenheit eindeutig das Szepter in der Hand hält und mögliche Kitsch-Anflüge im Keim erstickt – die Wirkung ist entsprechend fulminant. Und dieser Sound – so organisch und druckvoll klangen KERION wohl noch nie. Doch der folgende Opener THE MAP gleicht einem zweischneidigen Schwert. Deutlich hervorzuheben ist die Gesamtkomposition, die gut arrangiert wurde und einiges an Abwechslung bereithält, sowie der unverkennbare Einsatz von Gastmusiker Phil Giordana (FAIRYLAND). Gerade der Refrain erinnert so an alte Glanzzeiten a’la OF WARS IN OSYRIHA (Link), die Gitarrenparts sorgen für einen anständigen Drive. Die zunächst noch undefinierbare Kehrseite der Medaille ist jedoch vor allem eine: Sängerin Flora Spinelli. So ganz versiert wirkt die gute Dame nicht; ihre Stimmfarbe sowie ihre Aussprache / Betonung der englischen Begriffe sind stark gewöhnungsbedürftig. Zudem singt sie in einer vergleichsweise tiefen Lage – was an und für sich gut ist; doch wäre ein wenig mehr Variation sicher nicht verkehrt gewesen. Jedoch muss man ihr zugute halten, dass die ersten Stirnrunzler schnell der Anerkennung weichen – keiner Anerkennung einer potentiellen Perfektion (denn ‚perfekt‘ singt sie beileibe nicht), sondern vielmehr einer gewissem Rauheit und Ehrlichkeit. Schon eher auf der Negativ-Seite zu verbuchen wäre das etwas übertrieben eingesetzte Keyboard, sowie die feucht-fröhlichen Flötenklänge in Bezug auf das Stichwort des Symphonic Power Metal. Hier werden erstmals Grenzen überschritten, ein derartiges Instrument sollte man gezielt (und dezent) einsetzen, und nicht zu einer Art Dauerbrenner werden lassen.

Deutlich brachialer und mit Gitarrenparts von hohem Wiedererkennungswert ausgezeichnet ist EVERLASTING FLIGHT. Das Teil geht sofort ins Ohr und entwickelt einen enormen Charme – nicht zuletzt auch dank des enormen FAIRYLAND-Einschlags beziehungsweise Phil Giordana. Es erscheint nun immer deutlicher: Sängerin Flora Spinelli ist eine, an die man sich erst gewöhnen muss; erst nach und nach wird man sie liebgewinnen. Die zwischen den Titeln eingebrachten ‚Erzählpassagen‘ sind indes nicht wirklich solche – sie sind arg kurz gehalten, sodass der ein oder andere Spruch hier etwas deplatziert wirkt. Es geht also weiter mit dem zu Beginn nach stark elektronischen Einflüssen klingenden BOUNTY HUNTER, dass sogleich einen Gastauftritt von Raphael Dantas (CARAVELLUS) offenbart. Und mehr; stellt sich besagter Titel überraschenderweise als erstes waschechtes Highlight des Albums heraus. Ein ansehnlicher, progressiv angehauchter Mittelteil und der (ganz leicht) an Nils Patrik Johansson bzw. WUTHERING EIGHTS erinnernde, raue Gesang bilden ein nettes Gegenstück zum bombastisch-harmonischen Refrain und den nun schon eher lieblich wirkenden Vocals von Flora Spinelli. Interessant – wohl dosiert und im Zusammenspiel mit einer rauen Männerstimme kann die KERION-Frontfrau doch noch komplett überzeugen. So auch in der folgenden Ballade, THE SKY IS MY OCEAN. Hier legt Frontfrau Spinelli deutlich mehr Schwere und Gefühl in ihre Stimme, der Eindruck wird zusätzlich untermalt durch ein sanftes Geigenspiel und eine generell eher zurückhaltende Instrumentierung.

Das als Videosingle ausgekoppelte FIREBLAST erscheint besonders durch die unterlegten Growl-Passagen markant; während die Instrumentation sich in typisch fideler-KERION-Manier entfaltet und schnell Laune macht. Anders verhält es sich jedoch mit den Chor-Parts: die wirken in diesem Fall merkwürdig-verhalten und längst nicht so pompös-majestätisch, wie sie hätten klingen können. Und dennoch: gerade die einstweilen leicht TURILLI’esken Gitarreneinlagen können überzeugen, die Songstruktur gestaltet sich als recht ansprechend und schier episch. Ein hervorzuhebender Anspieltipp und eine gute Entscheidung, das Teil als Single zu präsentieren – würde das Musikvideo diesem Eindruck doch nur gerecht werden (Link) ! Es ertönen etwas Vögelgezwitscher – und daraufhin einige Klänge aus der Steppe; TRIBAL VIBES beginnt. Auf ihrer abenteuerlichen Entdeckungsreise quasi auf einer fremden Insel angekommen, zelebrieren KERION hier die Lust, neues zu entdecken. Das war es dann auch allerdings schon gewesen – der Titel schleppt sich nur recht träge voran, ein potentieller Höhepunkt bleibt aus. Zur Mitte hin wird das Ganze dann noch einmal deutlich Instrumental-lastiger, aber leider kaum spektakulärer. Das sieht in NEVER MORE schon wieder ganz anders aus: hier servieren KERION super-solide Genrekost, wie sie sich gehört bzw. Fans es lieben. Ein flottes Grundtempo, tolle Gesangspassagen bei einem stärkeren Fokus auf den Bass, technisch versierte Frickel-Passagen gegen Mitte… und der ein oder andre Highlight-Moment runden diesen waschechten Hammer-Titel ab.

Der nächste Song im Bunde ist wieder eine Ballade, der CELTICIA’S SONG. In diesen ruhig-besinnlichen, von sanften Pianoklängen dominierten Momenten weiss Frontfrau Flora wieder explizit zu überzeugen, da bleibt kein Auge trocken. Die GHOST SOCIETY indes kommt nun deutlich düsterer und progressiver daher, der Zugang ist leicht erschwert. Aber es müssen eben nicht immer nur Ohrwürmer sein. THE FALL OF SKYCITY PT1 läutet nun das finale Highlight des Albums ein, es erklingen leicht verstörende Chorgesänge vor einer sphärischen Soundkulisse. Bevor der 8-Minuten-Brecher THE FALL OF SKYCITY PT2 über den Hörer hereinbricht, vergeht nicht mehr allzu viel Zeit. Hier präsentieren sich KERION abermals von ihrer starken Seite – auch wenn der Titel in Sachen Aussage- und Wirkungskraft nicht mehr mit den vorherigen mithalten kann. Hier wäre definitiv noch etwas mehr Druck und Dramatik drin gewesen. Das Outro schließt wieder da an, wo das Intro begann – sorgt so für einen runden, umfassenden Abschluss und die Möglichkeit auf ein zweites Kapitel der Saga.

Fazit: Doch, doch – CLOUDRIDERS PART I ist ein schickes Konzept-Album geworden, welches sich im oberen Wertungsbereich des Symphonic Power Metals wohl fühlt. Bis auf leichte Abstriche hinsichtlich des Gesangs (Timing, Rhythmik, Aussprache, Betonung) und nicht gerade glorreiche Experimental-Titel wie TRIBAL VIBES gibt es kaum Schwächen auszumachen. Das Ganze ist absolut rund und satt produziert und abgemischt, stimmig-nachdenkliche Momente wechseln sich gekonnt mit antreibenden Uptempo-Passagen ab. Der ein oder andere balladeske Titel ist vertreten; hier hat Frau Spinelli das Szepter in der Hand – bei den epischen Mitsing-Nummern eher Phil Giordana, bzw. der spezielle FAIRYLAND-Touch. Für jeden ist etwas dabei – schade, dass das Album so einstweilen etwas weniger zusammenhängend wirkt. Wo  zu Beginn noch kurze Erzählpassagen die Titel überleiten, verläuft man sich storytechnisch später irgendwo im Sande. Sei es drum – für Genrefans ist die neue KERION ein Muss. Und für langjährige KERION-Fans sowieso.

Anspieltipps: EVERLASTING FLIGHT, BOUNTY HUNTER, FIREBLAST, NEVER MORE

80button

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s