Filmkritik: „The Avengers“ (2012)

Alternativtitel: Marvel’s The Avengers
Regie: Joss Whedon
Mit: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo u.a.
Laufzeit: 142 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Action / Science Fiction / Fantasy

Die Söhne Asgards besuchen die Erde.

Inhalt: Irgendwo in einem streng gesicherten Labor wird ein mächtiges Artefakt aufbewahrt – der sogenannte Tesseract, ein würfelähnliches Gebilde mit einer schier ungeheuren Macht. An diesem werden unter der Aufsicht der geheimen Behörde S.H.I.E.L.D. Experimente durchgeführt, die die zukünftige Energieversorgung der Erde um ein vielfaches erleichtern sollen. Doch eines Tages geschieht etwas unvorhergesehenes: der Tesseract wird wie von Geisterhand aktiviert und öffnet eine Art Dimensionstor, welches eine finstere Gestalt hindurchlässt. Es ist Loki (Tom Hiddleston), der Halbbruder des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth), der nicht nur hinter dem eben genannten Artefakt her ist – sondern eine Streitmacht im Rücken hat, die plant die Erde zu unterwerfen. Gesagt getan – Loki sichert sich mithilfe eines Tricks die Mitarbeit zweier besonders wichtiger S.H.I.E.L.D.-Mitarbeiter, und beginnt die notwendigen Vorbereitungen für seinen Feldzug gegen die Menschen. Doch Nick Fury, der Kopf von S.H.I.E.L.D., sieht dem Treiben nicht tatenlos zu und ruft einige besonders verwegene Superhelden zusammen – die AVENGERS. So kommt es, dass die jeweils recht eigensinnigen Persönlichkeiten Captain America (Chris Evans), Black Widow (Scarlett Johansson), Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) und Dr. Bruce Banner alias Hulk (Mark Ruffalo) plötzlich Seite an Seite stehen und sich gemeinsam einer Übermacht stellen müssen. Selbst Thor erscheint aus Asgard – und gesellt sich zu den speziellen Erdlingen, während er nebenbei versucht seinen Halbbruder Loki doch noch von seinem Vorhaben abzubringen. Doch haben diese Helden noch nie in einem Team zusammengearbeitet – sondern nur ein jeder für sich bewiesen, dass sie über unvergleichliche Kräfte verfügen. Wird es ihnen gelingen, sich zusammenzuraufen und das Schicksal der Erde zum positiven zu wenden?

Kritik: Endlich liegt sie vor, die bereits vor einiger Zeit angekündigte Zusammenführung einiger besonders bekannter und erfolgreicher Helden aus dem Marvel-Universum. Dabei ist THE AVENGERS vor allem eines geworden: ein bombastisches Action-Spektakel für Fans der jeweiligen Einzelfiguren; sowie generellen Freunde von pompös inszenierten Comic-Umsetzungen a’la Hollywood. So kam es nicht von ungefähr, dass die Industrie entsprechende Vorab-Filme an den Start brachte, um letztendlich alle gemeinsam in nur einem Film auftreten zu lassen. Sei es IRON MAN (sowie IRON MAN 2), DER UNGLAUBLICHE HULK, THOR oder CAPTAIN AMERICA – alle Werke erschienen innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, und leisteten so eine entsprechende Vorarbeit, schürten das Feuer für THE AVENGERS. Glücklicherweise ist es nicht zwingend erforderlich, die jeweiligen Einzelfilme zu sehen um in den vollen Genuss der AVENGERS zu kommen. Lediglich einige der extravaganten Charakterzüge der Figuren werden jeweils vorweggenommen, Einzelgeschichten beleuchtet; auf dass man zumindest im Hinblick auf die bunte Riege der Charaktere etwas vorbereiteter dasteht. Mit einem weiteren Aspekt wird man sich dann aber doch noch schneller anfreunden können, hat man zuvor insbesondere CAPTAIN AMERICA gesehen: der Tesseract als Dreh- und Angelpunkt der Geschichte wird in THE AVENGERS etwas vorschnell und oberflächlich eingeführt, sodass man als Einsteiger in das Marvel-Universum auf einem etwas verlorenen Posten steht was das betrifft.

Doch davon abgesehen wird man sich als Zuschauer schnell zurechtfinden in der fantastischen Welt der AVENGERS. Hier werden in bester Manier Superhelden vorgestellt, die – und das ist das besondere – erstmals gemeinsam an einem Strang ziehen, über so manchen persönlichen Schatten springen müssen. Die Konflikte der Helden, sowie die unfreiwillige, letztendlich aber doch notwendige Zusammenführung ergeben eine stets hochexplosive, und damit äusserst unterhaltsame Spannung – die sich spätestens im Endkampf spektakulär entlädt. Gut ist, dass die jeweiligen Figuren dabei und zum Wohle eines ‚höheren Ziels‘ (oder: Vereinfachungsmaßnahmen zwecks eines besseren Verständnisses) nicht auf ihre Eigenarten verzichten müssen, einen jeweils ureigenen Charme mitbringen. Gerade der egozentrische Tony Stark verhält sich folgerichtig auch weiterhin so, wie er in den vorherigen IRON MAN-Filmen vorgestellt wurde – und kann sich als raue und vorlaute Intelligenzbestie schnell massive Sympathiepunkte einheimsen. Eine weitere sinnige Kombination bildet das Duo aus den beiden (Halb-)Bürdern Thor und Loki, die sich als Söhne Asgards gegenüberstehen – und so für einen zwar typisch inszenierten, aber doch recht unterhaltsamen Bruderzwist sorgen. Der giftgrüne HULK sowie der alles treffende (und anfangs manipulierte) HAWKEYE überzeugen ebenfalls, und schaffen es locker dass Interesse der Zuschauer (auch der, die zuvor noch nicht mit Marvel in Berührung gekommen sind) zu wecken – man schließt die eigentümlichen Figuren mit den besonderen Kräften schnell ins Herz, und möchte mehr über sie erfahren.

Das geschieht dann allerdings vornehmlich in den jeweiligen Einzelreihen – in THE AVENGERS müssen tiefere Charakteranalysen dem Porträt der vorherrschenden Bedrohung weichen. Entsprechend simpel kann der Film dann auch einstweilen wirken – und zugegeben, als besonders facettenreich, intelligent oder schlicht andersartig-gewagt sstellt sich THE AVENGERS tatsächlich nicht heraus. Dem geneigten Genre-Freund wird letztendlich doch eine recht standardisierte Kost geboten, die sich lediglich dadurch von der Masse abhebt, dass hier mehrere Superhelden Seite an Seite kämpfen und für das gute einstehen. Der Rest ist schnell erzählt, beziehungsweise schnell abgehandelt: ein Bösewicht schreitet durch ein Dimensionstor, will die Erde unterwerfen – und scheitert durch den beherzten Einsatz der Superhelden als Team. Es sind keinerlei Twists oder Überraschungen vorgesehen, die Spannung entsteht lediglich aus den flott inszenierten Konfrontationen, bei denen man zumindest teilweise mit den jeweiligen Akteuren mitfiebert. Schade – hier wäre sicher mehr drin gewesen; doch offenbar fehlte es den Machern dann doch an einer gehörigen Portion Mut. Schließlich wollten die immerhin 200 Millionen Dollar Produktionskosten wieder eingefahren werden – was THE AVENGERS dann doch überraschend locker schaffte.

Wenngleich die eigentliche Story (mit deutlichen, aber leider nur halbherzigen Sci-Fi-Anleihen) und die Charakterporträts nicht wirklich überzeugen, und alles andere als bahnbrechend sind – so weiss THE AVENGERS doch überdurchschnittlich gut zu unterhalten. Dies liegt zweifelsohne an der stilsicheren, bombastischen Inszenierung; sowie einigen flott-witzigen Momenten die sich aus dem Zusammenspiel der Charaktere ergeben. Es sieht schier atemberaubend aus, wenn der sich als Luftschiff entpuppende Flugzeugträger von S.H.I.E.L.D. erstmals in die Lüfte steigt, wenn der mächtige Thor seinen mit Blitzen aufgeladenen Hammer schwingt oder durch die Lüfte saust, wenn der IRON MAN seine selbst erdachte Technik zu Felde gegen seine Feinde einsetzt. Besonders gut gelingt den Machern auch die Vermischung von natürlichen und eher extravaganten, artifiziellen Elementen; mit Szenen wie einem durch hohes Gras wandelnden Thor als Sinnbild. Hier entsteht eine wirksame Harmonie; eine glaubwürdige und optisch sehr ansprechende Szenerie, in die man nur allzu gerne eintaucht. Der pompöse Soundtrack sowie die insgesamt ausgezeichnete Arbeit hinsichtlich der Kameraführung und des Schnittes sind über alle Zweifel erhaben – wie auch die Arbeit der Darsteller, welche gar nicht mal so hölzern agieren wie man es vielleicht erwarten würde. Im Gegenteil, hier scheint die Chemie zu stimmen.

Fazit: Marvel’s THE AVENGERS ist in erster Linie das geworden, was zu erwarten (oder zu befürchten) war – ein bombastisches, spektakuläres Superhelden-Actionkino ohne großartige Innovationen, einer nennenswerten Dramaturgie oder gar Tiefgang. Stattdessen werden reichlich satte Actionszenen, tolle Zweikämpfe und wahnwitzige Materialschlachten wie am Fliessband inszeniert. Ein enorm flottes Erzähltempo und allerlei Bombast unterhalten den Zuschauer gut, aber eben auch reichlich überraschungsarm auf dem Weg hin zur finalen Schlacht. Wieder einmal hat Hollywood zugeschlagen – das Ergebnis lässt sich entsprechend sehen, bietet aber kaum Futter für das Hirnschmalz, welches letztendlich ähnlich geordert wird wie in Genre-Pendanten a’la TRANSFORMERS. Glücklicherweise fällt THE AVENGERS aber längst nicht so überladen und nicht nur vermeintlich witzig aus, und kann in mancherlei Momenten tatsächlich einen enormen Charme entwickeln. Es ist von Vorteil, generell Fan des Marvel-Univerums zu sein; um dem Film noch mehr abzugewinnen – alle anderen erwartet ein grundsolider Actionfilm mit einem deutlich anzusehenden Mammut-Budget. Von einem filmischen Meisterwerk aber ist THE AVENGERS – entgegen der Behauptung einiger besonders eingefleischter Fans – aber meilenweit entfernt.

2 Gedanken zu “Filmkritik: „The Avengers“ (2012)

  1. Schon witzig wie sich die Zeit verändert…früher wurden solche Filme eher belächelt…Superhelden wat fürn Quatsch! Da gab es nur so Leute wie Superman und Batman (natürlich noch ohne Christian Bale) und das hat eigentlich schon gereicht. Da könnte man jetzt „Leute“ wie Robocop oder Terminator noch anfügen, das waren die „Ausnahmetalente“. ^^ Heute ist fast jeder zweite Film von drüben irgendwas mit bunten, kämpfenden, hüpfenden, fliegen, blöd daherlabernden Actionhelden…siehe z.B. „Hancock“ mit Will Smith, der vereint alles und muss – außer, dass er ein Beenie trägt – nicht mal was an seinem Outfit ändern. LOL Nee also ich mag solche Filme und den Trend dazu gar nicht und freiwillig tu ich mir das nicht an…da gehört Batman mit Christian Bale bei mir zu den wenigen Ausnahmen, aber Avengers, X-Men…komm geh weg damit…ein Film wie der andere, ohne jeglichen Charme und Tiefgang…nur blöd daherlabernde Idioten im Effektgewitter. Und vor allem Marvel ist da ganz schlimm…um mal das Gebashe DC Vs Marcel mal wieder zu anzutreiben… 🙂

    Es gibt aber Ausnahmen bei Marvel die ich ganz gut finde (beziehe mich auf die dazugehörigen Filme):
    “ Daredevil“ (auch eher wegen Scott Terra, als Ben Affleck^^), Ben Affleck mag ich eher weniger, den erwachsenen Daredevil hätte also besser jemand anderes spielen können.
    „Ghost Rider“ ja…ich muss zugeben die erste Verfilmung fand ich irgendwie cool. ^^
    „Howard the Duck“…LOL ja der gehört scheinbar auch zu Marvel, aber ich hab den Film vor allem als Kind zigmal gesehen. ^^
    „The Punisher“…der Name sagt alles.
    „Wolverine“…der einzige X-Man der mir zusagt.

    Wie man sieht habe ich eher den Hang zu düsteren Superhelden/Antihelden, die eher aus Rache oder aufgrund einer traumatischen Vergangenheit handeln, als solche, die einfach nur Menschen oder DIE MENSCHHEIT retten wollen (Gutmenschen sind sowieso das übelste überhaupt^^) , da kann ich mit diesem quietschbunten Zeugs nix anfangen. 🙂 Da kann ich nur „The Crow“ empfehlen…der vereint Batman und den Joker in einem. ^^ Heath Ledgers Darstellung des Jokers war der von Brandon Lees Krähe eh nicht ganz unähnlich…nur zu schade, dass BEIDE ihr Schicksal zu früh gefunden hatten.

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    1. Ja, sehe ich eigentlich genauso… PLUS ich fand bis dato die neuen IRON MAN-Filme alles andere als übel, vor allem den ersten Teil; beim zweiten war dann wieder zu sehr Effektgewitter. Kommt wohl daher, dass ich Superhelden generell absolut skeptisch gegenüberstehe und ich mich mit entsprechenden (oftmals viel zu simplen) Geschichten nicht wirklich abfinden kann. Das war dann der Vorteil bei IRON MAN: der Typ wurde nicht als Held geboren, sondern hat sich quasi selbst neu erschaffen, und bleibt bei seinen Weltrettungsmaßnahmen immer noch ein gutes Stück ‚Arschloch‘ bzw. egozentrisch und extravagant^^

      In jedem Fall wirst Du nichts verpassen, solltest Du Dir THE AVENGERS tatsächlich nicht antun. Ist ganz ähnlich wie bei BATTLESHIP: viel Pomp, nichts dahinter. Und vor allem teuer waren die Dinger… für 200 Millionen Dollar könnte man doch so manch nettes Filmchen entstehen lassen, beziehungsweise weit mehr als nur EINEN^^

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