Filmkritik: „Far Cry“ (2008)

Filmtitel: Far Cry
Regie: Uwe Boll
Mit: Til Schweiger, Emmanuelle Vaugier, Udo Kier u.a.
Laufzeit: 95 Minuten
Land: Kanada, Deutschland
FSK: Ab 16
Genre: Action

Aktion-Spektakel auf der Zombie-Insel.

Inhalt: Jack Carver (Til Schweiger), eigentlich ein beinharter Ex-Soldat der Special Forces, verdingt sich in seinen jetzigen Tagen als Skipper für Touristen. Dabei scheint er dieser Arbeit eher gelangweilt nachzugehen, und interessiert sich nur für das Geld – auch, als eine junge Journalistin namens Valerie (Emmanuelle Vaugier) sein kleines Boot – und nicht nur das – besteigt, um zu einer nahen Insel zu gelangen. Es scheint, als würden dort geheime Experimente durchgeführt werden – was die schwere Bewachung der von einem gewissen Dr. Krieger (Udo Kier) geleiteten Anlage erklärt. Doch Valerie glaubt fest daran, dass noch hinter den hiesigen Machenschaften mehr stecken muss – nicht zuletzt durch den Kontakt zu ihrem Onkel Max (Ralf Moeller), der sich von seinen Vorgesetzten abgewandt hat und eigene Recherchen anstellt. Jack scheint das alles nicht sonderlich zu interessieren, bis er die hübsche Jorunalisten auf der Insel absetzt – und sein Boot plötzlich in Flammen aufgeht. Er kann sich gerade noch so retten – und hat es fortan mit allerlei kampferprobten Soldaten und Kämpfern zu tun, wie etwa der Sicherheits-Kommandantin Tchernov (Natalia Avelon). Bald stellt sich heraus, dass der skrupellose Dr. Krieger hier an einer Art Armee der Supersoldaten arbeitet – genetisch hochgezüchteten Kämpfern, die über immense Kräfte und Fähigkeiten verfügen.

Kritik: Und wie soll das fidele Trio (schließlich kommt im späteren Verlauf noch ein aberwitziger Koch hinzu) dieser brenzligen Lage wieder entkommen ? Gewiss fällt die Antwort nicht weit vom Stamm, respektive dem wackeligen Grundgerüst des recht dünnen Plots: wieder einmal stellt sich ein besonders engagierter Soldat als Retter heraus; der nicht nur den vermeintlichen Übermenschen den Garaus macht – sondern nebenbei auch noch das Herz einer Dame erobert. Was sich nach der Fleischwerdung von hoffentlich zu vermeidenden Klischee-Fallen anhört, ist genau selbiges geworden: FAR CRY ist ein höchst unterdurchschnittlicher Actionfilm ohne eine jegliche Raffinesse, einem überzeugenden Handwerk oder schlicht neuen Ideen. Dabei basiert der Film auf dem gleichnamigen Spiel der Firma Crytek – in der sich ein Soldat in tropischen Gefilden gegen eine wahre Übermacht von Gegnern durchschlagen musste. Was in einem PC-Spiel halbwegs funktioniert, muss aber noch lange nicht das Zeug zu einer groß angelegten Leinwandumsetzung haben. Hier handelt es sich zweifelsohne um eine Feststellung, die schon viele Filmemacher treffen mussten – allen voran aber ein gewisser Uwe Boll, der auch in FAR CRY wieder als verantwortlicher Regisseur fungiert. Offenbar scheint es ihn aber nicht weiter zu stören, dass seine Portierungen nicht nur weniger Erfolg, sondern zumeist auch von allen erdenklichen Kritiker-Instanzen verrissen werden. Und so wird es auch in Zukunft noch zahlreiche Umsetzungen zu meist guten und erlebenswerten Spielen geben, die in Filmform plötzlich gar nicht mehr so abenteuerlich, gut durchdacht und überzeugend wirken.

Gerade ein Film wie FAR CRY stellt sich hier als sinniges Beispiel für die Qualität einer solchen Umsetzung heraus. Wenngleich man bereits dem zugrundeliegenden Spiel eine fehlende Tiefe ankreiden konnte; so macht die filmische Version von FAR CRY gleich von Anfang an klar, dass man diesbezüglich nicht viel erwarten sollte. Zumindest nichts was man nicht schon einmal in anderen Werken gesehen hätte – sodass FAR CRY oftmals wie eine schlechte Kopie anderer Genrefilme wirkt. Und dieser Eindruck entsteht nicht grundlos, sondern rührt vor allem aus den zusammengeklaubten Ideen und der lieblosen Umsetzung. So ist gerade die Idee einer geheimen Insel als Forschungsstation alles andere als neu; gleiches gilt für die vermeintlichen schockierenden Experimente oder den tapferen Titelhelden, der einem reichlich stereotypen Antagonisten gegenübertreten muss. Alles, was man den Charakteren an Tiefe oder zumindest Ecken und Kanten hätte spendieren können, weicht einer arg konstruierten, gleichförmigen Linie aus filmischen Konstrukten, die unglaubwürdiger nicht hätten in Szene gesetzt werden können. Dass der Bösewicht schlicht böse (und sonst relativ wenig) ist, könnte man vielleicht noch verzeihen – doch dass ausgerechnet der Titelheld ein abgebrühter Ex-Soldat mit stets obercoolem Blick, mannigfaltigeren Fähigkeiten als die vermeintlich mächtigen Gen-Soldaten ist, dabei schlicht und ergreifend als strunzdoof (aber alles könnend) und gleichgültig dargestellt wird, ist ein echtes Ärgernis.

Analog dazu wissen auch die Leistungen der Darsteller aufzufallen – nicht jedoch zu überzeugen. Während Udo Kier als Bösewicht noch einen gewissen Charme entwickeln kann, der eindeutig in der Trash-Richtung anzusiedeln ist; bleibt der Film meist bierernst – und bekommt mit Til Schweiger das passende, da extrem einseitige Gesicht spendiert. Hier von Schauspielkunst zu sprechen, wäre einfach nur dreist – das gleiche ist der Fall bei seinem Kollegen Ralf Möller, der wieder einmal seine Muskeln spielen lassen kann – nicht aber sein Hirnschmalz. Wäre FAR CRY als No-Brainer mit viel Witz und einem eindeutigen Trash-Faktor gedreht worden, wären derlei Elemente gar nicht so stark (und negativ) ins Blickfeld gerückt – doch gerade ein Uwe Boll lässt es immer wieder reichlich an Gespür vermissen, was entsprechende Ambitionen betrifft. Es scheint, als würde er das gedrehte tatsächlich stets für voll nehmen und ohne ein jegliches Augenzwinkern betrachtet wissen – eine krude Vorstellung, die im Ergebnis entsprechend scheitert. Die miese und überraschungsarme Story ist dabei das eine – die Abgründe offenbarenden Dialoge, die peinlich choreographierte Kampfszenen und der lachhafte technische Part das andere. Ständig findet irgendwo eine (entsprechend aufgesetzt wirkende) Explosion statt, die Schnitte fallen extrem hektisch und willkürlich aus, die Kamerafahrten sind unspektakulär, die Szenerie allgemein sehr dunkel. Die Sets, Szenenaufbauten und Kostüme gleichen ebenfalls einem schlechten Witz, und erscheinen gerade da sie derart ernst und voller Gebaren in Szene gesetzt werden nur noch lächerlicher. Ein zutiefst abgeschmackter Soundtrack rundet das Ganze nach unten hin ab – selten bekommt man in einem Film so aufdringliche, laute, unpassende und schräge Töne serviert wie hier.

Fazit: Das war wohl nicht mit der Computerspiel-Verfilmung des Jahres – FAR CRY sollte weder Fans des Spiels noch zufällige Zuschauer überzeugen. Alles, was hier gezeigt wird, hat man anderswo schon einmal gesehen – nur eben deutlich besser und sinnvoller (!), und sei es durch die Unterminierung mit einer halbwegs soliden Story. FAR CRY scheitert schlicht in allen erdenklichen Belangen, und kann dabei nicht einmal als Trashfilm betrachtet werden um vielleicht so – und hinterrücks – doch noch für einige Lacher sorgen zu können. Keine Geschichte, keine Charaktere, keine Spannung, keine Lacher, kein handwerkliches Geschick – was für ein Actionfilm soll FAR CRY eigentlich sein ? Nun – zumindest keiner, der diese Bezeichnung verdient. Wer (beinharter) Fan von Til Schweiger ist und sich mit einigen halbherzigen Actionszenen zufriedengeben kann, der sollte einen Blick riskieren – alle anderen, Finger weg ! Eines muss man dem Film jedoch lassen: es gibt schlechtere.

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